Ringvorlesung: Antisemitismus hat viele Gesichter – Aspekte eines gesellschaftlichen Wahns

Sprüche wie „Juden raus!“, „Jude, Jude feiges Schwein, komm herunter kämpf‘ allein!“ „Judenpack!“, usw. rufen in der Gesellschaft Abscheu und Widerspruch hervor. Mit Personen, die sich so äußern, will man nichts zu tun haben. Offener und unvermittelter Judenhass wird vor allem in rechtsextremen Kreisen und bei Islamisten artikuliert. Diese sind zwar gesellschaftlich isoliert, deswegen aber nicht harmlos. Äußern sich Personen in etablierten Parteien und Verbänden in dieser Weise, folgt meistens der Rausschmiss. Ist damit alles gut? Wir denken das nicht. Nach 1945 ist offen artikulierter Antisemitismus zwar gesellschaftlich geächtet, aber deswegen nicht verschwunden.

Umfragen belegen bis heute, dass viele Bürgerinnen und Bürger Aversionen gegen Juden hegen. Antisemitische Vorurteile existieren in abgewandelter Form weiter und strukturell dem Antisemitismus entsprechende Ideologeme finden sich in allen politischen Zusammenhängen, nicht zuletzt häufig auch in linken. Insbesondere das Thema Israel führt oft zu irrationalen und wirklichkeitsfremden Meinungsbildern und ruft Emotionen hervor. Nicht selten artikuliert sich in diesem Zusammenhang auch eine, das individuelle Urteilsvermögen lahmlegende leidenschaftliche Wut. Die Wut und der Hass auf Israel sind Ausdruck des sekundären Antisemitismus und nehmen heute eine gesellschaftlich weitgehend akzeptierte Stellvertreterfunktion des einst in Deutschland als Staatsräson geltenden und die gesellschaftlichen Bereiche durchdrungen habenden Antisemitismus ein.

Mit unserer Ringvorlesung wollen wir die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Antisemitismus zur Sprache bringen und diskutieren. Wir können und wollen keine Credits für den Weg zur Erlangung eines akademischen Abschlusses vergeben, sondern das kritische Denkvermögen, das Interesse zur Reflexion und die Lust zum Widerspruch anregen. Wir möchten so dazu beitragen, dem Antisemitismus, der „Negativen Leitidee der Moderne“ (Samuel Salzborn), besser entgegen treten zu können.

Unsere Veranstaltungsreihe wurde durch großzügige Unterstützung des AStA der Uni Kassel möglich.

Die Veranstaltungsreihe wird zusammen mit dem AK Antisemitismus an der Uni Kassel, dem AK Raccoons, dem Infoladen an der Halitstraße und der Unabhängige Linke Liste Kassel LiLi organisiert.

Sie findet im Rahmen der diesjährigen Aktionswochen gegen Antisemitismus, der Amadeu-Antonio-Stiftung statt.

14.10. Tagesseminar – Mideast Freedom Forum: Die Israelische Demokratie und der Nahostkonflikt; Infoladen, Holländische Str. 88, Kassel, Beginn 11.00 Uhr

Der Fokus des Seminars liegt darauf, Israel als demokratischen Staat vorzustellen, dessen jüdisch-nationale Gründungsbewegung – der Zionismus – wie andere nationale Bewegungen im 19. Jahrhundert entstanden ist und nach der Shoah in eine Staatsgründung mündete. In diesem Kontext wird auf den Konflikt mit den Palästinensern und den arabischen Staaten eingegangen und es werden dessen wichtigste Stationen (Unabhängigkeitskrieg 1948, Sechstagekrieg 1967, Intifadas und Osloer Friedensprozess) beleuchtet.

Zu dieser Veranstaltung ist eine Anmeldung per Email erforderlich: BgA_Kassel[at]gmx.de

21.10. Stephan Grigat: Antisemitismus – Zur Kritik einer Weltanschauung; Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 18.30 Uhr

Die Wurzeln des Antisemitismus reichen sowohl bis in die frühchristliche und mittelalterliche als auch islamische Judenfeindschaft zurück. Der moderne Antisemitismus unterscheidet sich jedoch von der klassischen Judenfeindschaft. Wie hängt die gesellschaftliche Verfasstheit der Moderne mit dem auch als Wahn zu erklärenden Antisemitismus zusammen und worin unterscheidet sich Antisemitismus vom Rassismus und anderen Vorurteilen und Denkmodellen der Diskriminierung? In der Veranstaltung soll es darum gehen, Kontroversen um den Begriff aufzuzeigen und aktuelle Deutungsversuche des Antisemitismus zur Debatte zu stellen.

26.10. Marius Mocker: „Antisemiten aller Länder…“ – der Hass auf Israel als Schnittpunkt von linkem und gesamtgesellschaftlichem Antisemitismus in Europa; Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Mit der Mobilisierung gegen angebliche israelische Kriegsverbrechen erreichte die zumindest operative Zusammenarbeit zwischen linken und islamistischen Antisemiten hierzulande einen ihrer Höhepunkte in den letzten Jahren. Warum Träger von irrationalen Ressentiments jeder Ausformung im Hass auf Israel immer einen gemeinsamen Nenner finden werden und welche Rolle dabei die diversen Fraktionen innerhalb der deutschen und europäischen Linke spielen, darüber soll diskutiert werden.

02.11. Martin Kloke: Zwischen Scham und Wahn: Bilder Israels in der deutschen Öffentlichkeit; Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Wie kein Land der Welt sorgt Israel für Leidenschaften in der politischen Auseinandersetzung. Weniger Beachtung in den gesellschaftlichen Debatten findet eine scheinbar positive Identifikation mit Israel in einigen neurechten, identitären, aber auch christlich-fundamentalistischen Milieus: Wie ist der Zusammenhang von Hass und Überidentifikation zu verstehen und warum wird gerade Israel so oft zum Objekt von Obsessionen?

11.11. Anna-Lena Rackwitz: Antiamerikanismus als Weltanschauung; Veranstaltungsort: Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Die Aversionen gegen Amerika sind ein entscheidendes ideologisches Bindeglied in den Querfronten. Bei Antiimperialisten, Friedensbewegten, Linksparteipolitikern und bei Anhängern diverser Verschwörungstheorien sowie bei Protagonisten der AfD und Pegida-Aktivisten als auch bei klassischen Nazis steht Amerika als ein halluziniertes Gegen-Europa oder wird als Antipode zu Deutschland angesehen. Wie wenig einerseits dieses Bild mit den konkreten Zuständen in den USA zu tun hat und warum gerade die USA diese Rolle in den emotional besetzten Weltanschauungen spielen, soll auf der Veranstaltung diskutiert werden.

16.11. Thomas Maul: Der Zusammenhang von Gesetz, Erlösung und Antisemitismus im Christentum. Veranstaltungsort: Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Stünden die Christen derart im Bann des Selbstopfers, als sie sich dessen jüdisch-messianischen Sinns sowie der Dialektik von Urchristentum und Kirche mit Blick auf die Notwendigkeit rechtlicher Vermittlung in einer unerlösten Welt endlich bewusst würden, es gäbe keinen christlichen Antisemitismus mehr, es wäre das Christentum überhaupt erst bei sich selbst.

30.11. Felix Riedel: Der islamische Antisemitismus. Über die Geschichtsmächtigkeit und Folgen der Enttäuschung eines erfolglosen Missionars. Veranstaltungsort: Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Im Koran findet man Lob und Bewunderung für die jüdischen Religionsgründer. Vor allem mit dem Zauberer Moses identifiziert sich der Prophet Mohammed. Wie beim Protestantismus überdecken jedoch rasch Enttäuschung des erfolglosen Missionars und Verschwörungsangst die Sympathie. Der Unterwerfung, Vernichtung und Vertreibung der jüdischen Stämme aus Mekka und Medina folgen Ghettoisierung und Diskriminierung in der islamischen Welt. Im 20. Jahrhundert entsteht das bis heute wirksame explosive Konglomerat aus traditionellem Chauvinismus, sekundärem Antisemitismus und Verschwörungstheorien.

14.12. Jan Rathje: No World Order – Wie antisemitische Verschwörungsmythen die Welt verklären. Veranstaltungsort: Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Verschwörungserzählungen begleiten auch die aktuellen Krisen. „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ sind die einschlägigen Begriffe, denen man auf Demonstrationen nicht nur rechtsextremer Bewegungen, in „alternativen“ Medien und den Sozialen Netzwerken begegnet. Die Anhängerinnen und Anhänger von Verschwörungsideologien und –mythen machen auf diese Weise deutlich, dass es sich bei den zugrundeliegenden Erzählungen eben nicht ausschließlich um Unterhaltung handelt, sondern ihnen der Wunsch nach der Vernichtung von Widersprüchen innewohnt. Funktionen und Ursachen von Verschwörungsideologien sowie gesellschaftliche Probleme, die aus ihnen erwachsen, sollen der Diskussion gestellt werden.

18.01. Laura Luise Hammel: „Wer seit hundert Jahren die Fäden zieht“ – Antisemitische Verschwörungstheorien in Protestbewegungen am Beispiel der Mahnwachen für den Frieden; Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Anfang 2014 sorgte auf deutschen Marktplätzen und Online-Plattformen eine neue Protestbewegung für Aufsehen. Mit ihrem Leitthema der Forderung nach „Frieden“ befasste sie sich etwa mit politischen und wirtschaftlichen Krisen oder der Rolle der Medien, aber auch eine Vielzahl esoterischer Einflüsse prägten die wöchentlichen Treffen der neuen Bewegung. Kritiker werfen den Mahnwachen eine Offenheit für Verschwörungsmythologie und Antisemitismus sowie die Bildung einer neurechten Querfront vor. Wie entstand die Bewegung? Wer waren ihre Protagonisten und was trieb die Anhänger an?

01.02. Merle Stöver: Korrespondenzen antisemitischer Ideologie mit feministischer Theorie und Praxis. Veranstaltungsort: Uni Kassel Holländischer Platz, Raum und Zeitpunkt wird in Kürze bekannt gegeben.

Feminismus stellt eine gesellschaftliche Notwendigkeit dar und muss immer Teil einer Gesellschaftsanalyse- und Kritik sein. Doch mit Blick auf gesellschaftliche Missstände, sehen wir das Fortleben antisemitischer Ideologie, die weder vor linken Kontexten noch vor feministischen Gruppierungen und ihren Gesellschaftstheorien Halt macht. Daher gilt es zu untersuchen, ob es unter Feminist*innen bzw. im Feminismus Antisemitismus gibt und auf welche Art und Weise sich dieser äußert.

Tagesseminar: Die israelische Demokratie und der Nahostkonflikt

am 14.10.2016, Beginn 11.00 Uhr, Ende um 18.00 Uhr im Infoladen Halitstraße, Kassel

Das Programm als download

Der Infoladen an der Halitstraße, der AK Antisemitismus an der Uni Kassel, das AK Raccoons und das Bündnis gegen Antisemitismus freuen sich, das Tagesseminar „Die Israelische Demokratie und der Nahostkonflikt“ des Mideast Freedom Forums anbieten zu dürfen.

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Das Seminar ist Auftakt der Ringvorlesung Antisemitismus hat viele Gesichter – Aspekte eines gesellschaftlichen Wahns, die sich mit den verschiedenen Erscheinungsformen des Antisemitismus beschäftigt.

Der Staat Israel wird dabei häufig mit anderen Maßstäben gemessen als andere Staaten. Assoziationen israelischer Militäraktionen mit dem nationalsozialistischen Vernichtungskrieg dienen der Abwehr einer Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit. Bestimmte Bilder über den Nahostkonflikt sind Bestandtteil festgefügter Weltanschauungen, die auf Behauptungen fußen, welche oftmals an der Realität vorbei gehen.

Der Fokus des Seminars liegt darauf, Israel als demokratischen Staat vorzustellen, dessen jüdisch-nationale Gründungsbewegung – der Zionismus – wie andere nationale Bewegungen im 19. Jahrhundert entstanden ist und nach der Shoah in eine Staatsgründung mündete. In diesem Kontext wird auf den Konflikt mit den Palästinensern und den arabischen Staaten eingegangen und werden dessen wichtigste Stationen (Unabhängigkeitskrieg 1948, Sechstagekrieg 1967, Intifadas und Osloer Friedensprozess) beleuchtet.

Ziel des Seminars ist, eine politische Analyse mit Fakten und Informationen zu erarbeiten, um die gängigen medialen und politischen Urteile zu Israel und zum Nahostkonflikt zu reflektieren.

Seminarleiter sind: Jörg Rensmann und Michael Spaney beide MFFB.

Der Infoladen Halitstraße ist in der Holländischen Str. 88 zu finden.

Die Teilnahme am Seminar ist kostenlos. Die Teilnehmeranzahl ist beschränkt.

Wir bitten daher um verbindliche Anmeldungen bis zum 04.10.2016 per Email an: BgA_Kassel@gmx.de

 

 

Das Glas der Unvernunft

Treffen sich ein Konförderierter und der Autor eines Nazissen-Kitsch-Romans – was sich wie der Beginn eines Tarantino Filmes anhört, an dessen Ende all die unsympathischen Protagonisten ein hoffentlich blutiges Ende finden – wird in Kassel nun Wirklichkeit. Aber die Kasseler Story ist kein Film von Tarantino, sondern die Real-Fiktion für die Deutschlands zweitliebster Amerikaner Oliver Stone die Fiktion produziert und praktischer Weise gleichzeitig den Schuldablass mit formuliert – Auch der Ami gehört vor den Nürnberger Gerichtshof, nicht wegen der Indianer, nein wegen des Verbrechens am kommenden Kasseler Preisträger.

Auf Edward Snowden können sich alle einigen, vom Sarrazinversteher Bernhard Schlink  bis zum Sarazenenversteher Heribert Prantl. Deshalb dürfen diese beiden Gegenpole der deutschen Ideologie – der Erforscher dessen, was an Tabubruch gerade noch geht und der Vertreter der politischen Korrektheit in ihrer dogmatischen Form – jetzt dem hoffentlich noch nicht ganz oder teilweise an Ramsan „Ramsay“ A. Kadyrows Privatzoo verfütterten EDV-Experten eine Laudatio halten.

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Hat auch etwas mit Glas, deutscher Provinz und der dort hausenden Unvernunft zu tun.

Ohne die geringste Ahnung von der Ideologie der amerikanischen Rechtslibertären* zu haben, und ohne jedwede Bereitschaft, für größere Diskretion bei der Abfassung des eigenen Emailverkehrs auch nur einen müden Cent auszugeben (vgl., Nobody, not even You, really cares about mass surveillance), ist man sich hierzulande einig, dass es sich bei Snowden um einen mutigen Menschen- und Bürgerrechtler** handelt, dem politisches Asyl gebührt.

Auf dem ersten Blick könnte man den Ideologen der Rechtslibertären zugestehen, dass sie die Rechte des Individuums gegen den Staat stärken möchten. Aber ihre Ablehnung des Staates ist nicht etwa eine Ideologiekritik am Staatsfetisch, wie sie etwa Willy Huhn geleistet hat, sondern lediglich Ressentiment gegen das Abstrakt-Allgemeine, welches der Rechtslibertäre im Gegensatz zum durchschnittlichen Linksdeutschen nicht im privatem sondern im staatlichen Sektor des Kapitalismus verkörpert sieht. So wie Globalisierungsgegner den „guten“ Staat gegen das „böse“ Kapital ins Feld führen wollen, so möchten Ron Paul oder Ayn Rand das „gute“ Kapital vom „bösen“ Staat und Snowden das postbürgerliche Subjekt von einem imaginierten auf es selbst angesetzten big brother befreien. Diesen Weltbildern ist gemein, dass sie kein Verständnis dafür haben, dass sich Staat, Volk, Kapital, irre gewordenes Subjekt und Arbeit gegenseitig bedingen und keinesfalls Antagonisten sind.

Aus dem Ressentiment gegen Abstraktion und Vermittlung entsteht struktureller Antisemitismus. Es ist daher auch kein Zufall, dass sich bei der Prämierung sowohl Prantl von der Süddeutschen Zeitung als auch der Nazi-Schmonzetten-Autor Schlink einfinden. Prantl, der es als wohlfeilen Ausdruck liberalen Verständnisses von Meinungsfreiheit verbucht, dem mittlerweile verblichenen SS-Günni einen prominenten Platz für sein Gedicht mit letzter Tinte eingeräumt zu haben, Karikaturen gegen den Willen ihrer Schöpfer antisemitisch zu verwenden und der von Holocaustleugnern professoral beeindruckte Schlink, zudem Meister literarisch aufgemotzter Schuldabwehr, huldigen an diesem Wochenende im Kreise der Kasseler Prominenz den, wie einige bedauernd festgestellt haben, zur Preisverleihung nicht in Kassel weilenden Gepriesenen.

Das links wie rechts zu findende Ressentiment gegen Juden, hilfsweise das gegen die Vermittlung und Abstraktion macht es bei allen sonstigen Gegensätzen eben möglich, dass Guardian und Junge Freiheit in Sachen Snowden am selben Strang ziehen. Dass Rechtslibertäre letzten Endes nicht den Zwangs- und Gewaltcharakter des Staates kritisieren, sondern lediglich dessen abstrakte und vermittelte Form, zeigt sich ja schon allein daran, dass Snowden ausgerechnet beim ehemaligen KGB-Funktionär Putin Zuflucht gesucht hat. Gegen staatliche Gewalt hat er also offensichtlich gar nichts einzuwenden, wenn diese nur direkt und unvermittelt durch Knochenbrecher angewendet wird.

Von Ron Paul oder Ayn Rand hat hierzulande kaum jemand etwas gehört. Zwar fehlt es in Deutschland bekanntlich keineswegs an Zeitgenossen, die sich vor Chemtrails, Reptiloiden und Impfstoffen fürchten, aber wer in Deutschland einen ideologischen Überbau für Größenwahn und Paranoia sucht, der wird sich im Zweifel nicht als souveränes Individuum und Ein-Mann bzw. Ein-Frau Staat, sondern als Angehöriger eines imaginären deutschen Reiches definieren.

Mit anderen Worten, der Wahnsinn des an sich selbst irre gewordenen postbürgerlichen Subjekts nahm*** in den USA die Form des Hyperindividualismus, in Deutschland hingegen die des Zwangskollektives an. Die Ideologie, die Snowden antreibt, ist dem durchschnittlichen deutschen Betrachter somit so fremd, dass es problemlos möglich war, einen Zeitgenossen, dessen wenige deutschen Spießgesellen wie ein André F. Lichtschlag auch gerne mal in der Jungen Freiheit publizieren, als linksliberalen Bürgerrechtler und neuen Martin Luther King zu verkaufen – obwohl die allgemeinen Bürgerrechte in den USA ja gerade gegen die Vertreter jenes Gedankengutes, für das Ron Paul und Edward Snowden stehen, durchgesetzt wurden. Und weil eben auch der gewöhnliche grün-links-sozial-liberale „Amerikakritiker“ und die sich mit ihrer nationalen Herkunft gern versöhnt sehenden Bürger und Kasseler Honoratioren bei der Preisverleihung im Beisein der örtlichen Presse gern ein Stelldichein in schicken Anzügen und Abendkleidern geben und Kassel samt OB einen guten Eindruck machen wollen und sollen, so hält eben nicht ein Lichtschlag oder ein Kasseler Reichsbürger die Laudatio, sondern ein Prantl und der Schlink.

(jh / jd)

*Snowden wird sowohl von Linksliberalen als auch von Anhängern der Tea-Party-Bewegung und Libertären wie Ron Paul gefeiert. (zu den Affinitäten des Snowden – nicht nur, aber auch zu den Rechtslibertären, vergl.: Sean Wilenz, Would you feel differently about Snowden, Greenwald, Assange, if you knew what they really thought? in: New Republic 2014; und: Barton Gellman, Jerry Markon, Edward Snowden says motive behind leaks was to expose ’surveillance state‘, in: Washington Post, 2013)

**Dass Snowden durchaus auch zurecht als Verräter betrachtet werden kann, dessen Taten auch Menschenleben gefährdeten (und vielleicht heute noch gefährden) kann hier nach gelesen werden. Dass diese Erkenntnis nicht gleichbedeutend damit ist, ihm eine Kugel verpassen zu wollen, versteht sich eigentlich von selbst, wird dort aber auch noch mal ausgeführt: (NSA-Affäre: Edward Snowden ist und bleibt ein Verräter).

***Dies hat sich inzwischen auf Grund der in der Obama-Ära eingetretenen Europäisierung bzw. Verdeutschung des ehemaligen Westens geändert. Der Protektionist und Semifaschist Trump hat inzwischen den Tea-Party-Wichteln den Rang abgelaufen.

 

Wahnfrieden in Wanfried

Lieberknecht heißt er, und lieber Knecht unter der Knute des Zaren will er auch sein, als sich mit den Glücksversprechen des Kapitalismus und der bürgerlichen Demokratie sowie der Frage, warum diese niemals vollständig eingelöst werden, auseinander setzen zu müssen. Aus Wanfried kommt er, und in seinem Tun geht es denn auch um Wahn und Frieden.

Somit gehörte Wolfgang Lieberknecht zum kleinen, aber lautstarken Grüppchen der Wahnwichtel und Blechhüte, die um die Jahreswende 2014/15 den deutschen Friedenswinter ausgerufen haben.

Bekanntlich ist der nicht so gut gelaufen, da die etwa zur selben Zeit die Pe-, Le-, Ka- und sonstigen -gidas aufgekommen sind und das Potential derer, welche bereit waren, für Putin auf die Straße zu gehen, absorbiert haben. Anscheinend war es für den größten Teil dieser Klientel doch attraktiver, den eigenen Rassismus offen auszuleben, an Stelle sich um des – wortwörtlich – lieben Friedens willen in Wortwahl und Habitus an die Veteranen der Friedensbewegung des kalten Krieges anzupassen und auf diesem Wege auch für seriöse Partner in der Politik, den Gewerkschaften oder in der akademischen Friedens- und Konfliktforschung anschlussfähig zu werden.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und da der Wahn in Wanfried noch keinen Frieden gefunden hatte, gründete Lieberknecht einen von ihm ein als „Think Tank“ – kleiner hat er es nicht – bezeichnetes „Friedenszentrum“ in seiner Heimatstadt, das er – wahrscheinlich ganz ohne Ironie – „Demokratische Werkstatt Wanfried“ (DWW) nannte.

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König Zauselbart vor dem Zeugungsakt

Dort darf zum Beispiel Kai Ehlers, ein Anhänger des Neoeurasianismus, erfunden vom notorisch rechten postmodernen Zauselbart und Dampfplauderer Alexander Dugin (der böse Zwilling des notorisch linken postmodernen Zauselbarts und Dampfplauderers Slavoj Zizek) darüber berichten, wie er das Nibelungenlied aus dem Tschuwaschischen Original ins Deutsche übersetzt hat. Trotzt des kleinen Rückschlags auf den katalaunischen Feldern und der bedauerlichen Tatsache, dass es mit Kriemhild und Etzel letzten Endes eher suboptimal gelaufen ist, wird in Wanfried fleißig weiter am eurasischen Imperium gearbeitet, das dem dekadenten Westen dereinst endgültig den Garaus machen soll.

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Kein Spitz wie Nachbars Lumpi: Der Eurasier

Eine Meinung zu Israel hat man im Wanfrieder Friedensthinktank natürlich auch, aber keine eigene, sondern praktischer Weise gleich die des unvermeidlichen Noam „Pycelle“ Chomsky, der sich dort darüber auslassen darf, Israel plane nicht nur den Atomkrieg gegen den Iran, sondern sei durch seine U-Boote auch an der Flüchtlingskrise schuld. Das U-Boot ist in der Kanalisation von Homs und Aleppo ja auch bestimmt eine wirksame Waffe.

Auch andere Koniferen wie Charles Enderlin, Urheber der inzwischen gerichtsnotorischen Mohammed-al-Durrah Kolportage, kommen gern und viel zu Wort. Über all dies wäre eigentlich in Kasseler Zusammenhängen kein weiteres Wort zu verlieren, auch wenn Lieberknecht schon zusammen mit anderen einschlägig bekannten Größen aus der Blechhutszene wie Ken Jebsen und Lars vom Mars schon in Kassel aufgetreten ist, wenn es der DWW nicht gelungen wäre, die Bürgermeister der Nachbarstädte Treffurt und Wanfried davon zu überzeugen, am 08.09.2016 einen Friedensmarsch über die ehemalige Zonengrenze hinweg zu veranstalten.

Der DWW ist also im lokal begrenzten Maßstab das gelungen, woran der Friedenswinter seinerzeit noch gescheitert ist: Sie hat honorige Provinzpolitiker, die höchstwahrscheinlich weder an Echsenmenschen noch an Chemtrails glauben, für ihre Ziele gewinnen können.

Das Bemerkenswerte am diesjährigen Antikriegstag war weniger der Basteleifer (das Basteln scheint eine Passion der Friedensbewegten zu sein) des Nachwuchses als die positiven Bezüge auf die Wahnwichtel aus Wanfried.

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Der Kasseler Friedenssratschlag hat den Wanfrieder Wahnfriedensmarsch in seiner Veranstaltung zum Antikriegstag am 01.09. sowohl verbal als auch mit Flugblättern heftig beworben. Mit der Sicherheitsdistanz zu den Blechhüten, die der Friedensratschlag zunächst noch bewahrt hatte, ist es somit endgültig vorbei. Dass hier vor einem überwiegend kurdischen (!) Publikum – das mutmaßlich von den Hintergründen nicht allzu viel gewusst haben dürfte, sonst wäre die Friedensdemo recht unfriedlich geendet – mit den grauen Wölfen das Lied vom Ergenekontal geheult wurde, beweist einmal mehr, das für das Kasseler Friedensforum längst alle Schamgrenzen gefallen sind.

(jh)

Hyänen und Hygiene – das Abbild der Gesellschaft im Wildwechsel

Zum wiederholten Male – der Blick auf den Journalismus kostenloser Blättchen oder Obdachlosenzeitungen verrät viel vom Dünkel der Aufstrebenden oder Hängengebliebenen einer Zunft, die den Anspruch hat, vierte Gewalt im Staate zu sein.

Auch wenn die Hyäne vom palästinensischen Heldenvolk nicht so sehr geliebt wird – der Hygiene bedürfen auch die wackersten Kämpfer für ein judenreines Palästina vom Fluss bis ans Meer. Aber auch in der Kultur- und Medienbranche und den akademischen Disziplinen, die als deren Zulieferer von Menschenmaterial fungieren, führt der Weg zur Praktikantenstelle und möglicher Weise vielleicht sogar zu einem bezahlten Job im Zweifel über persönliche Beziehungen. Netzwerke und die gute alte Besetzungscouch, da kann Mann oder Frau sich ein ungepflegtes Äußeres am allerwenigsten leisten. Was tun also, wenn man nicht nur ethnisch säubern, sondern sich auch ethisch säubern möchte? Denn ach, die Kosmetikindustrie ist, wie der Rest der Welt, zionistisch unterwandert. Da kommt eine beachtliche Liste von zu boykottierenden Produkten zusammen aber auch eine rühmliche Ausnahme, nämlich der Seifenbrauer Lush, welcher folgerichtig auf o. g. Liste der Judenboykotteure wärmstens empfohlen wird.

wildwechsel

Der geschulte Blick, wird die Aufforderung zum sexuellen Übergriff ohne weiteres erkennen. Aber im Wimmelbild des Wildwechsels gilt es mehr zu entdecken.

Dieses Unternehmen rühmt sich seit jeher seines ethischen Engagements und seines Einsatzes für alle erdenklichen noblen Anliegen, von der Rettung des Hühnerhabichts bis „Freedom for Palestine“. Ein Machwerk, der in den Neunziger Jahren einst bedeutenden, aber nunmehr vergessenen Kapelle Faithless, welches vom Sänger vollmundig mit „Free Nelson Mandela“ von AKA Special verglichen wird.

Der Text lautet:

So many years of catastrophe, more than six million refugees,
it could be you and your family,
Forced from your home and your history.

We are the people, and this is our time,
Stand up, sing out, for Palestine
No matter your faith or community, this is a crime against humanity,
Gaza turned into a prison camp, apartheid wall divides the West Bank.

We’ll break down the wall, Freedom for Palestine
Demand Justice for all, Freedom For Palestine
Enough illegal occupation, violence and racial segregation, all religious communities unite.

Freedom is a human right,
We are the people, and this is our time,
Stand up, sing out, for Palestine,
We’ll break down the wall, Freedom for Palestine
Demand Justice for all, Freedom For Palestine.

We are the people, and this is our time,
Stand up, sing out, for Palestine,
We’ll break down the wall, Freedom for Palestine
Demand Justice for all, Freedom For Palestine(repeat X5)
We are the people, this is our time, unite together, for justice in Palestine.

Sechs Millionen also. Da gab es doch schon mal was mit Juden, und der gute Deutsche weiß, das sich das niemals wiederholen darf, schließlich hat man, im Gegensatz zu denjenigen, die nach dem Weltbild der vom Wahn geplagten, nach wie vor dem alttestamentarischem Grundsatz Auge um Auge, Zahn um Zahn folgten, aus der Geschichte gelernt. Ganz besonders gute Deutsche arbeiten beim kostenlosen ostwestfälischem Anzeigenblättchen Wildwechsel. Deswegen prangt auf dem Titel der Slogan „Kein Bock auf Nazis“, und im Gegensatz zu den Zeiten, wo so ein Disclaimer in erster Linie dazu diente, eine ideologische Distanz zwischen den hinter dem Blättchen stehenden Jungunionisten und den dörflichen Wehrsportprolls* darzustellen, die in Wirklichkeit gar nicht existierte, ist das heute sogar einigermaßen ernst gemeint.

Mit Schmuddelnazis möchte man auch in der ostwestfälischen Provinz nichts (mehr) zu tun haben, und tatsächlich setzt sich der Herausgeber des Wildwechsels Fedor Waldschmidt im Internet von Zeit zu Zeit recht wortgewaltig mit allerlei Kremltrollen auseinander, sofern sich deren Ansichten gegen die EU, den Islam und die USA richten, allerdings im letzteren Fall nur dann, wenn deren Präsident Obama heißt und sich europäischer als die Europäer gibt. Auch gegen den hier in Kassel einschlägig aufgefallenen Christian Gherhard hat Waldschmidt schon seine Stimme erhoben, was ihm nicht nur Freunde gemacht hat.

Das einst reaktionäre Profil scheint nur noch beim Schlager- und Classic-Rock-lastigen Musikgeschmack und in der zu Weilen frauenfeindlicher Werbung durch, insofern ist der Wildwechsel, so unbedeutend er auch ansonsten sein mag, ein getreues Abbild der Berliner Republik, geprägt vom Aufstand der Anständigen, der Willkommenskultur und von der poststrukturalistischen wissenschaftlich verbrämten Begleitmusik und dem Wirken der Ritter der Zivilgesellschaft.

Der Wildwechsel ist somit ein Lackmustest dessen, was noch geht, wenn man in den Grenzen des Mainstreams bleiben möchte. Lush und deren notdürftig als Antizionismus camouflierter Antisemitismus gehen offenbar oder werden als solcher nicht erkannt. Jedenfalls widmet man der Paderborner Niederlassung von Lush eine halbe Seite garniert mit Abbildungen von edlen Wilden und deren volkstümlich dem Blut und Boden entsprungenen Handwerk.

Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, das Lush versucht hat, sich von „Freedom for Palestine“ halbherzig zu distanzieren, allerdings sei dahingestellt, ob die verwendeten Formulierungen nicht doch eher eine Rechtfertigung darstellen. Auf jeden Fall gibt es immer noch keine Niederlassung von Lush in Israel, denn dort sei der „multikulturelle Charakter der Belegschaft“ nicht gewährleistet. Mit solchen Bastionen des Multikulturalismus und der Toleranz wie Saudi Arabien und Sri Lanka hingegen hat Lush anscheinend keine Probleme.

* informativ über die ostwestfälischem Verhältnisse von einst ist dieses Interview: „Das unmögliche im Popsongformat.“ Die Jungs von der Rheinarmee dürften in der Dorfdisco oft genug schlagkräftig das Schlimmste verhindert haben.

(jh)

Eine kleine Meldung – über die Wirkung des steten Tropfens und über die Abspaltung

Der ganz gewöhnliche Antisemitismus …

Die HNA aus Kassel hat eine hohe Auflage. Täglich über 100.000 Leserinnen und Leser dürften das mehr oder weniger für eine Tatsache halten, was dort als Nachricht veröffentlicht wird. Obwohl die HNA in Kommentaren eine durchaus differenzierte Sichtweise auf den Krieg gegen Israel an den Tag legt, gelegentlich sogar jemanden wie Ulrich Sahm zu Wort kommen lässt (zuletzt am 11. August 2016: So schützt sich Israel), und auch im jüngsten Fall des im Gaza festsitzenden Angestellten der Uni Kassel nicht in ein Israelbashing verfiel, sondern klar die Ursachen der verzögerten Rückreise benannte*, dürften doch Meldungen der Art „Israel bombardiert Gaza … dabei wurden mehrere Menschen verletzt, darunter auch Kinder.“ eine klare Auswirkung haben.

23.08.2016

Warum die israelische Luftwaffe Stützpunkte der Hamas angriff, darüber erfährt der Leser nicht viel. Militante Palästinenser hätten mit Raketen angegriffen. Die „Gewaltspirale“ so wird der geneigte Leser denken. Den Raketenangriff möglicherweise für harmloser halten, denn über dessen Folgen findet er keine Informationen, wenn er den Angriff nicht als legitimes Mittel eines David gegen ein Goliath einordnet und die Reaktion darauf unverhältnismäßig findet. Denn die Folgen der Reaktion werden gemeldet. Warum Kinder dabei zu Schaden kommen, darüber erfährt der Leser nichts, er wird, weil er alles meint zu wissen aber doch nichts weiß, sich kein Urteil bilden, sondern seine tief sitzenden Weltanschauung bestätigt wissen – die man auch (sekundären) Antisemitismus bezeichnen kann.

… und die Rolle der Bösen

Jüngst wurde ein Antisemit in Kassel verurteilt, mutmaßlich weniger auf Grund seines manifesten Antisemitismus‘ wegen, als auf Grund seines unverhohlen geäußerten Wunsches, Politiker zu ermorden. Ein anderer Antisemit wurde dazu gebracht, das Landkreistagsmandat nieder zu legen. In diesen Fällen waren sich alle einig. Prima! Die Gerichtsbarkeit, die Zivilgesellschaft und die lokale Zeitung verurteilen den Antisemitismus der Quartalsirren und alle konnten sich auf die Schulter klopfen, weil sie meinen, alles aus der Geschichte gelernt zu haben aber doch nichts begreifen. (jd)

*Ob die politische Vergangenheit des Mitarbeiters eine Rolle bei den Problemen spielte, bleibt ungewiss.

Ein Antisemit wird in Kassel verurteilt

… aber wegen was wird er verurteilt?

„Frau Merkel, man sollte dich steinigen“, postete voller Leidenschaft der Pegida- und Kagidaaktivist Michael Viehmann. Ein eigenartiger Wunsch für einen selbsterklärten Feind oder „Kritiker“ des Islam. Der Wunsch, Frau Merkel zu steinigen, spricht aus, wie es im Wutbürger Viehmann denkt und verdeutlicht, besser als jede Analyse, die nahe Verwandtschaft des deutschen Wutbürgers mit dem Islamisten. Es macht klar, was vom „Kritiker“ des vermeintlichen Islamkritikers dieser Provenienz übrig bleibt – nichts.

Viehmann

Hier spricht der Antisemit

Viehmanns Hass auf Merkel hat(te) u.a. einen Grund: Die Kanzlerin habe „dem Judenpack“ ihre Unterstützung angeboten, gemeint war offenbar Israel. Ob der Begriff „Judenpack“ alleine ihn vor Gericht gebracht hätte, steht in den Sternen, es ist zu vermuten, betrachtet man die Gerichtsbarkeit im postnazistischen Deutschland bis heute, dass dies eher nicht der Fall gewesen wäre. Doch der Post endete mit der nicht nur orthografisch gewagten Zeile: „Ich schäme mich für unsere Regierung und hoffe das hier bald eine Revolution ausbricht und dem ganzen Deutschen Politikpack der Schädel eingeschlagen wird.“ (Spiegel Online 15.12.2015) Aus diesen Zeilen spricht die Wut des in der Moderne potentiell Überflüssigen und sie ist seine typische Reaktion auf die Realabstraktion des Staats. Mit dem Hass auf die da Oben wird die Realabstraktion personalisiert, wir haben es also mit einer klassischen Denkfigur des Antisemiten zu tun. Der Begriff „Judenpack“ fiel – Israel hin – Israel her – nicht zufällig, sondern machte deutlich, mit wem man es zu tun hat.

Doch eine Analyse der Ideologie des Viehmann, dürfte das Gericht sich gespart haben. Der Aufruf Politiker zu ermorden (Schädel einschlagen und Steinigung), vielleicht auch der Begriff „Judenpack“ führten jetzt dazu, dass er wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Auf die deutsche Gerichtsbarkeit ist anscheinend dennoch Verlass, sie verurteilt denjenigen der davon spricht und sich so auch öffentlich äußert, die Kanzlerin und andere Politiker umbringen zu wollen. – Immerhin. (HNA, 18.08.2016)

Es ist hinlänglich bekannt, Nazis mögen nicht nur, wie ein großer Teil der Bevölkerung, Juden insgeheim nicht, sondern sie hassen sie und äußern dies auch ganz ungezwungen und werden deswegen zu Recht auch als Antisemiten bezeichnet, was sie jedoch kaum als ehrabschneidend betrachten dürften. Manchmal werden sie auch dafür vor Gericht gebracht, auf jeden Fall mag man solche Nazis in Deutschland nach 1945 nicht mehr, erinnern sie und ihr leidenschaftlicher Hass doch zu unvermittelt an das, was die Deutschen volksgemeinschaftlich von 1933 – 1945 ins Werk setzten.

Bescheidet sich der Wald-und-Wiesen-Deutsche (ob links, ob rechts ob mitte) darauf, Juden nicht zu mögen, „Israel zu kritisieren“, schwafelt etwas von der Ostküste, vom einflussreichen Zentralrat etc., so fällt das nicht der Gerichtsbarkeit anheim, sondern wird bestenfalls von einigen Kritikern als Antisemitismus registriert, andere sehen das als Spielart eines mehr oder minder problematischen gesellschaftlichen Vorurteils an, wieder andere eskamotieren das noch, indem sie den Begriff „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ aus dem Hut zaubern und flugs die als verfolgte Minderheit halluzinierten Muslime mit zu den verfolgten Gruppen rechnen. Dennoch, spricht jemand vom „Judenpack“, so löst das (Gott sei Dank) Widerspruch aus, dem sich alle tapferen Ritter der Zivilgesellschaft anschließen und das kann einen – in der Kombination mit einem Aufruf, Politiker zu ermorden – auch vor Gericht bringen.

In der Ablehnung des offenen Antisemitismus dürfte sich eine breite Front der Zivilgesellschaft einig sei, von der AfD bis zur Linkspartei, von der TAZ, der SZ bis zur FAZ, von der DIG bis zur GEW. Solche bekennende Antisemiten hat man seit 1945 in Deutschland nicht gern, sie Schaden dem Ruf der Stadt und dem des Landes. Viehmann hätte sich ein Beispiel am geläufigen Antizionismus nehmen sollen, vielleicht eine Bildungsreise der GEW nach Israel / Palästina buchen sollen und dann statt vom „Judenpack“, von „IsraHell“, „USrael“, vom „zionistischen Gebilde“ oder ähnlichem schwadronieren, vielleicht ein Gedicht mit frischer Tinte schreiben sollen.

Und anstatt sich zu wünschen, den Politikern den Schädel einzuschlagen, hätte er einfach mal auf die Seite der AfD schauen können und „Die Merkel muss weg!“ oder von „Merkels Asylchaos“ usw. schreiben sollen. Das hätte ihm vielleicht sogar ein weiteres Interview in der HNA eingebracht.

Er wäre dafür jedenfalls nie vor das Gericht gebracht worden und wenn doch, das Gericht hätte dies als legitime Kritik an der Bundesregierung und das andere als vielleicht unfeine aber nicht strafrechtliche „Kritik an Israel“ verbucht. Seine Follower, Zuhörer und Leser und vielleicht ein nicht ganz unerheblicher Teil derjenigen, die sich ob des Urteils jetzt befriedigt geben, hätten ihn verstanden und ihm beigepflichtet. (jd)

Wernicke oder die Connection eines Bildungsreferenten

Die GEW und die Abgründe ihrer Bildungsarbeit

„Das ist die Gleichschaltung der Medien, vollzogen ganz ohne Goebbels. Jetzt geht es dem Internet an den Kragen, wo sich bisher noch Kritik rühren durfte. Was Zuckerberg bei Facebook nie schaffte, nimmt jetzt die IM-Truppe von Kahane in Angriff!! Was jetzt „Anonymous“ passiert ist, kann morgen COMPACT, schallundrauch, jungefreiheit, ja selbst die Nachdenkseiten und Telepolis treffen. Leute, merkt Ihr, was passiert? Es geht nicht um „anonymous“, es geht um die letzten Reste unserer Freiheit!“ So dröhnte uns Else am 6. Februar 2016 auf seinem Blog – andere Berufene stimmen mittlerweile in diesen Chor ein und verlieren dabei jeden Anstand und Distinktionsvermögen. (Doch nun zu etwas ganz anderem!)

Um die „Nachdenkseiten“ machte sie sich also Sorgen, die Else. Allerdings wohl etwas verfrüht, denn statt des Verbotes erwartet die „Nachdenkseiten“ die endgültige Integration in den linksdeutschen, sich progressiv wähnenden Mainstream engagierten Meinens. Verlinkt werden sie jetzt nicht etwa nur vom Twilight-Sparkle Fanclub des örtlichen Männerrechtsvereins, sondern von einer Institution, die lange Jahre zu Kassel gehörte wie das Weckewerk auf dem heimatlichen Teller und weswegen die örtlichen Honoratioren bis hin zum Oberbürgermeister in beiden Fällen über die fragwürdige Konsistenz und gelegentlich bräunliche Färbung dieser beiden nordhessischen Spezialitäten gerne hinweg sahen.

Weckewerk

Nicht nur der Friedensratschlag ist eine Spezialität aus Nordhessen

Die Rede ist natürlich vom Friedensratschlag. Der ist zwar seit dem Tode des großen Vorsitzenden Peter Strutynski ein wenig in Vergessenheit geraten, aber wie schon H.P. Lovecraft wusste: Nicht alles was vergessen ist, ist deswegen auch schon tot. Ja es gibt ihn noch den Friedensratschlag, auch im Internet oder wie die Volksgenossen bei „Anonymous“ wohl sagen würden, er ist im Weltnetz präsent und verlinkt dort unter der Rubrik „Medienkritik“ „Telepolis“ und die „Nachdenkseiten“. Man fühlt sich diesen Truppen offensichtlich verbunden.

An und für sich wäre der Inhalt der dort zu lesenden Elaborate kaum der Rede wert: Dort beschwert sich z.B. ein Uli Gellermann, bekannt von RT Deutsch, über „Frankreichs Terror gegen Syrien“ – was bilden sich diese Froschfresser denn auch ein, ab und zu eine Bombe auf den IS zu werfen, anstelle einfach das ganze Land per Flächenbombardement in Schutt und Asche zu legen, wie es die Friedensfreunde Putin und Assad tun – und ein gewisser Jens Wernicke darf sein, bereits bei Ken FM veröffentlichtes Interview mit einem Professor Rainer Mausfeld noch einmal zum Besten geben. Dort erklärt der Gelehrte, dass Rechts und Links seit der französischen Revolution quasi naturgegebene, manichäische Gegensätze sind und es deshalb keine Querfront geben kann, wer das Gegenteil behauptet, ist somit also Teil einer Verschwörung, welche kritische Stimmen unterdrücken will.

Wernicke_Wikimannia

Bildungsreferent der GEW und Fachmann für Denkanstöße

Jens wer? Während Ken FM, Uli Gellermann und unsere Else normalerweise in einer Hochglanzpostille der rechtspopulistischen Schmuddelecke, auf unzähligen Internetseiten, -foren und in den diversen Gruppen und Grüppchen auf Facebook pöbeln, den ewigen Weltfrieden erwarten und den ewigen Juden verwünschen, die geneigten Volksgenossen vor allerlei obscuren Gefahren warnen und vor sich hin schmollen, ist eben dieser Jens Wernicke kein AfD-Hinterbänkler, Reichsbürger, Echsenmenschenbuster oder Tattoostudiobesitzer aus Rheuma an der Saale, sondern seines Zeichens bildungspolitischer Referent der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW). Möglicherweise ist er vor kurzem dort gefeuert worden, was die Sache auch nicht besser macht.

Bildungspolitik der GEW, da war doch mal was. Na klar – Mit zum Bildungsprogramm der künftigen und im Dienste stehenden Bildungsarbeiter und -arbeiterinnen gehört seit Jahr und Tag eine „Studienreise“ nach Israel/Palästina, geführt vom Israelfresser Fuad Hamdan. Der Apfel fällt also nicht weit vom Stamm.

bildungsreise

Darf auch 2016 nicht fehlen. Seminarangebot der GEW Nr. W1018: Die Studienreise nach Palästina.

Wernicke also schwafelt nicht nur bei so Wahnwichteln wie Ken FM über Sachen, die es nicht geben darf, sondern gibt Interviews für eben diese Gewerkschaft und ist Mitherausgeber von Werken des Bundes Demokratischer Wissenschaftler. Mit anderen Worten, Wernicke ist Mitarbeiter von Institutionen, die sich offiziell seit Jahrzehnten einem „Antifaschismus“ und dem „kritischen Blick“ auf Israel verschrieben haben. Bei Sabine „Kinnlade“ Schiffers Institut für Medienverantwortung, in dem Wernicke auch Mitglied ist, weiß der halbwegs aufgeklärte Konsument immerhin, was ihn erwartet – bei der GEW und dem Bund Demokratischer Wissenschaftler hingegen rechnet man gewiss mit Altherren-Antiimperialismus, Antiamerikanismus und Antizionismus, aber doch nicht mit Sympathien für Dugins Fieberfantasien über ein wieder zu errichtendes byzantinisches Reich, oder gar für Wikimannia, die laut Eigenbeschreibung „Wissens-Datenbank über Benachteiligungen von Jungen und Männern, sowie Bevorzugungen von Maiden und Frauen.“

Einem Wahn gibst du statt // das Leben ohne Einsicht, das sie beschmutzte // verdunkelt sie jetzt für jede Sicht.

(jh / jd)

70 Hippies gegen die Amerikanisierung des Abendlandes

In Kassel hat ein sogenannter „2. Wandertag der Liebe“ stattgefunden, dem immerhin knapp hundert Leute folgten. Hört sich harmlos und hippieesk an. Im Aufruf zu diesem Wandertag heißt es u.a.: „Ich möchte daran erinnern das die Länder des nahen Ostens seit Jahrzehnten mit Terror zu kämpfen haben. Wir alle haben weggeschaut!“ Der, der hier in Ichform so schreibt, heißt Christian Gherhard und hat im September 2014 im „Freizeitmagazin“ Browser 24.de verlauten lassen, dass ihn die Politik der USA, Israels und ganz besonders Deutschlands zum Weinen bringe. Deutschland solle aus seinen Fehlern lernen und nicht noch einen Genozid unterstützen, der gerade in Palästina stattfände. Wir haben es also mit jemanden zu tun, der aus der Aufarbeitung der Geschichte gelernt hat, dass im Namen Deutschlands ein Holocaust stattgefunden habe, den Deutschland irgendwie unterstützt hat und dass die Juden nichts aus dem Holocaust gelernt hätten und ihn deswegen heute gegen die Palästinenser durchführten.

Weiter heißt es im aktuellen Aufruf: „Erst jetzt fangen wir langsam an zu begreifen was das heisst. Aufgrund wirtschaftlicher Interessen haben wir ganze Länder zerstört, terrorisiert und gespalten. Wir haben mit Waffenlieferungen dazu beigetragen das hundertausende, wenn nicht sogar Millionen Menschen Haus und Heimat verloren haben. …  Mittlerweile kann man sagen das diese Menschen ihre Verluste dem Kapitalismus zu verdanken haben …,“ Er sagt wir und meint damit nicht etwa z.B. Assad, der Syrien mit russischer und iranischer Hilfe in Schutt und Asche legt und dem „wir“, d.h. die EU, die NATO oder die USA dabei tatenlos zuschauen. Er meint auch nicht den Islam, mit dem „wir“, d.h. die Bundesregierung, oder die Stadt Kassel Dialoge führt, anstatt ihn politisch zu bekämpfen und der die Legitimation der vielen islamistischen Terroristen liefert, die vor allem in Syrien, im Irak, in Libyen, in Afghanistan aber auch in anderen Ländern Chaos, Verzweiflung und Tod über die Menschen bringen. Er meint aber auch nicht den Kapitalismus, der als herrschendes Akkumulationsmodell und in der Form als Kapital, als eine, die Gesellschaften – in der wir Bestandteile sind – beherrschende Struktur, Elend und Verzweiflung hervorbringt, sondern er meint Amerika, den Dollar und „giftige Medizin“ und unausgesprochen die Zionisten, die die Menschen dazu zwingen, dem „Erhalt des Dollars Tribut zollen“ zu müssen.

Die Parolen dieses Wandertages hießen dann auch: „Fuck off Amerika, Fuck off Dollar, Fuck off Lobbyismus!“ und „Gegen die Amerikanisierung des Abendlandes

Bleibt die Hoffnung, dass die, die ihm folgen, auch gute Kunden seines aktuellen Buisiness sind und so bekifft sein werden, dass sie nicht noch mal ihren Arsch hoch bekommen, wenn es das nächste mal – in Anlehnung eines Herausgebers einer linken Publikumszeitschrift – heißen wird: Dass das an der Ostküste beheimatete Finanzjudentum mit den von ihm verursachten Flüchtlingsströmen den Untergang Deutschlands betreibe. (jd)

Antisemitismus, die unerwünschte Meinung der Schmuddelpolitiker

Offener Judenhass, unverklausulierte Projektionen auf den Zentralrat der Juden als das, das deutsche Volk eigentlich beherrschende Organ, die Leugnung oder Verharmlosung des Holocaust, skurrile Verschwörungstheorien, der offen terroristische Jihad, all das sind Formen des Antisemitismus, die in Deutschland gesellschaftlich nicht erwünscht sind, ggf. sanktioniert werden oder auf einhellige Ablehnung stoßen. Das ist gut so, das ist eine zu begrüßende Konsequenz aus einem Gott sei dank verlorenen Krieg. Einem Krieg in dem sich die deutsche Volksgemeinschaft anschickte, die Welt in den Abgrund zu stürzen und die Juden in Europa auszurotten. Der teuer erkaufte Sieg der Alliierten sorgt bis heute für eine gewisse zivilisatorisch wirkende Disziplinierung der postnazistischen Gesellschaft. Diese hält den Deckel über einen braunen Urgrund, in dem das Unterbewusstsein der deutschen Volksseele fortwest und gelegentlich in Rülpsern alternder Dichter, unterbelichteter Provinzpolitiker, ehemaliger Maoisten und anderer unbotmäßiger Zeitgenossen zum Ausdruck kommt.

AfD beschädigt

Die Sorgen der HNA am 27.07.16: Eine beschädigte Partei

Zuletzt der bramarbasierende AfD-Politiker Gottfried Klasen aus dem Kasseler Landkreis. Dieser offenbar an geminderter Intelligenz leidende Lokalpolitiker posaunte offen seine antijüdischen Ressentiments und Meinungen in das soziale Netzwerk hinaus. Nordhessische Journalisten griffen dies auf und brachten diese Bemerkungen an die breite Öffentlichkeit. (FR, 22.07.2016: Hessischer AfD-Politiker hetzt gegen Juden) Von FDP, CDU, SPD über die Grünen bis hin zu den Linken (ausgerechnet diese!), alle distanzierten sich von dieser, wie es die HNA so vortrefflich formuliert, „Judenhetze“.

Ähnlich erging es dem Admin der DITIB in Melsungen. Als seine Lehren aus dem Koran ins Deutsche übersetzt wurden und nicht nur die Gemeinde türkischer Muslime verstand, was da zu lesen war, war er nur noch ein Einzeltäter, der Thesen über die Juden ins Netz stellte, von dem sich dann fleißig distanziert wurde.

Antisemitismus unerwünscht! Prima! Roland Freisler und der zwei Tage früher begangene Judenpogrom stehen offensichtlich nicht mehr für das Kassel von heute. Ist nun alles gut?

Nicht immer steht die Einheitsfront der Empörten, deren Empörung mehr über diese selbst aussagt als über die Bedeutung dessen, worüber sie sich empören. Zumindest die HNA und die CDU empörten sich noch über die wiederholten Umtriebe der ebenfalls von keinem gemochten Salafisten in Kassel. Aber hier stießen sie schon auf das Mauern derjenigen, die im Islam lieber einen Partner des Dialoges, als eine zu bekämpfende Ideologie sehen. (Salafisten – Eine Anfrage – Keine Antworten)

Was ist aber mit den Freunden des Irans in der Kasseler Industrie- und Handwerkskammer? Freunde guter Wirtschaftsbeziehungen zu einem Land, dass Israel mit der Vernichtung droht und natürlich auch mit dem aus dem Handel erwirtschafteten Gewinn, nahezu ungehindert von der deutschen Politik, sein dafür notwendiges Atomprogramm fortsetzt.

Was ist mit den Freunden des interreligiösen Dialogs in Kassel? Unter der Schirmherrschaft des Kasseler Oberbürgermeisters trifft sich der Rat der Religionen, mit am Tisch sitzen die DITIB (die Claquere der antisemitischen und islamistischen AKP) und die Milli Görüs (IGMG). Die Milli Görüs, die 2009 eine antiisraelische Hassdemo tatkräftig unterstützte, bei der es zu antisemitischen Ausschreitungen kam.

rat der religionen

Im Rat der Religionen gibt es u.a. sunnitische Gemeinden und Verbände aus Kassel als Mitglieder. Schaut man näher hin, so finden sich dort nicht nur die DITIB gleich in dreifacher Ausfertigung, sondern auch die schamvoll abgekürzte IGMG.

Was ist mit der GEW, einer Einzelgewerkschaft des DGB, eine Interessenvertretungsorganisation von Lehrern (!), die jedes Jahr eine von einem Israelhasser geführte „Bildungsreise“ für Lehrer durchführt? (Israelhass – Ein Bildungsangebot der GEW)

Was ist mit dem DGB, der es nicht fertig bringt, klar und deutlich Stellung gegen Aufrufe zu beziehen, die zum 1. Mai zur Vernichtung Israels aufrufen und sich nicht dazu durchringt, diese Figuren von seinen Demonstrationen und Festen zu verbannen? (Der DGB ist übrigens einer der Unterstützer der Informationsstelle Antisemitismus in Kassel, die fleißig Hakenkreuze in Kassel aufspürt.)

Was ist mit dem auf dem Portal der Stadt Kassel gepriesenen Stolperstein in Kassel e.V., der zwar alles für den Ruf der Stadt tut, indem er der toten Juden gedenkt, dessen Vorsitzender aber gegen Israel demonstriert hat und der bis heute keine Stellung zur antisemitischen Rede eines seiner Mitglieder genommen hat? (Verschiedene Beiträge zu diesem Thema finden sich hier: Stolpersteine)

Was ist von einer Universität zu halten, die zwar eine Franz-Rosenweig-Professur unterhält, die „zur Vergegenwärtigung der durch den Nationalsozialismus zerstörten Kultur des europäischen Judentums und der Auseinandersetzung mit der jüdischen Gegenwart“ dienen soll, aber einen standhaften Antizionisten als Gastprofessor einlädt?

Was ist mit dem Bündnis gegen Rechts, dass bei jedem popeligen Naziaufmarsch versucht, die Stadt dazu zu mobilisieren, Gesicht zu zeigen, wachsam und bunt zu sein, das jedoch Hardcore-Antizionisten und Stalinisten in den eigenen Reihen duldet, beim Aufmarsch der Antisemiten im Jahre 2014 nicht gesehen ward und zum Salafismus eisern schweigt?

Was ist mit einer Partei wie die SPD, die z.B. mit Dr. Rabani Alekuzei immer noch Leute als Vertreter der Partei in die Parlamente entsendet, die zum jährlichen Ostermarsch aufrufen, dort gelegentlich auch reden, um Israel als den Gefährder des Weltfriedens anzuprangern und den Jihad als eine Widerstandsform unterdrückter Völker zu erklären?

Was ist von einer CDU zu halten, die aus Gründen der Opportunität einen Ortsvorsteher wählt, der einer ultrastalinistischen Partei angehört, die auch ganz offen gegen Israel agitiert?

Was ist – trotz einiger hinsichtlich Israelberichterstattung erfreulicher Lichtblicke – von einer Lokalzeitung zu halten, die Meldungen über terroristische Attentate in Israel in der Regel mit „Palästinenser getötet“ überschreibt?

Was ist von einer Stadt zu halten die auf ihrem Portal über das sogenannte Ehrenmal für die Opfer des Faschismus verkündet, dass auch Soldaten und Bombenopfer Opfer des Faschismus seien, „Vernichtete“ sind? Wo behauptet wird, dass denen zu vergeben sei, „die sich von dem ‚Glanz‘ der Nationalsozialisten haben leiten lassen“ und wo mit der faustdicken Lüge aufgewartet wird, viele hätten „erst ‚Erkenntnis‘ erlangt, nachdem der Zweite Weltkrieg beendet war und ihnen die Wahrheit deutlich vor Augen geführt wurde.“

Was ist von einer alternativen Szene zu halten, die jedes Jahr einen Blut-und-Boden-Tag in der Stadt veranstaltet, an dem von Initiativen gegen Handystrahlung bis hin zur Verkäufer*in von Selbstgestricktem alles vertreten ist, was den Verstand an der Biegung des Fulda begraben hat. An der Fulda, an der mit dem Segen der Stadt jeden Sommer der Atombombentag gefeiert wird, um an die Schrecknisse des 2. Weltkrieges zu erinnern – die vom bösen Ami begangen wurden?

Ja all das, Kumpanei mit den schlimmsten Antisemiten, sogenannte Israelkritik, Geschichtsrevisionismus usw. (die schon viel zu lang geratene Reihe ließe sich noch weiter fortsetzten) wird von der sogenannten Meinungsfreiheit gedeckt, das scheint auch so gut zu sein! Genauso gut wie der Umstand es zu sein scheint, dass dem offen antisemitischen Wahn im Sinne des Streites der Meinungen entgegengetreten wird, warum eigentlich? Um – wie es die DIG-Kassel sagt, sich darum zu sorgen, dass der Ruf des Parlaments nicht beschädigt wird, oder sich dem aussichtslosen Unterfangen zu widmen, den Antisemiten davon zu überzeugen, dass er eine unvollständige Meinung hat oder eine falsche Meinung vertritt?

Oder nicht vielleicht doch deswegen, um sich der richtigen Gesinnung zu vergewissern, weil man eine böse Ahnung davon hat, dass es nicht so weit her ist, mit der eigenen guten Gesinnung oder mit einer klaren Haltung der sog. Zivilgesellschaft in Sachen Antisemitismus? Man wird den Eindruck nicht los, dass desto lauter die aufrechten Mahner und Erinnerer, die Freunde des Dialoges und der Versöhnung, die Friedensfreunde und „Freunde“ Israels, die Engagierten und Vertreter der richtigen Gesinnung, die Streiter für den guten Ruf der Stadt über die schmuddeligen Volksgenossen sich erregen, je tiefer sie in den Abgrund ihres eigenen Meinens blicken oder in den, der sich angesichts der Zivilgesellschaft so auftut, wenn sie mal wieder sich gewahr wird, dass es ein Volk ist und nicht das Individuum und die Grundlagen der Zivilisation, die es zu verteidigen gilt.

Die AfD ist keine harmlose Partei, sie zieht Quartalsirre an wie das Licht die Motten. In Polen und in Ungarn bekommt man einen Anschauungsunterricht, was es heißt, wenn solche Kräfte an der Macht beteiligt werden. Die viel gelobte Zivilgesellschaft ist jedoch keine Gewähr dafür, dass wir vor solchen Prozessen verschont bleiben – die Zivilgesellschaft bildet nur das Hintergrundrauschen, solcher Rülpser, die jetzt zu vernehmen waren. (jd)