# bring the boys back home – Über eine Aktion in Kassel

with a little help from our friends

Kassel liegt zwar mitten in Deutschland, hat einen „Flugplatz“, einen „Hafen“ und sogar eine „Friedensbewegung“ und Kassel hält viel auf sich, weil es eine Partnerstadt in Israel hat. Trotzdem ist Kassel eine Provinzstadt, dort für israelische Jugendliche Solidarität zu mobiliseren, noch dazu, wenn sich der Staat Israel nicht in demütiger Haltung präsentiert, auch nicht das Klischee des Schutzjuden erfüllt und um Beistand in der „Weltgemeinschaft“ bittet, sondern martialisch die Muskeln spielen lässt und mit allen Mitteln versucht, die Jungs zu retten? Das klingt abwegig!

Rathauskreuzung V

Auf der Rathauskreuzung, die Tram muss warten – Viel länger warten Eyal (19), Gilad (16) und Naftali (16) angsterfüllt in irgendeinem Verlies auf ihre Befreiung.

Wenn die Anhänger des deutschen Friedens gegen die USA, gegen die NATO oder gegen Israel mobilisieren, sind in Kassel schnell ein paar hundert zur Stelle, wenn die Veganer gegen Schlachthäuser zu einer Demo mobilisieren, sind es flux auch ein paar Dutzend, wenn die Stadt zum offiziellen Besäufnis ruft, dann ist die Stadt voll – im wahrsten Sinne des Wortes.

Als es darum ging, sich am bundesweiten Flashmob zu beteiligen, hegten wir in Kassel erhebliche Zweifel, ob so eine Aktion möglich sein wird. 2010, als zwei Freunde Israels in Kassel die Idee hatten, einen kleinen Infostand gegen den Israelhass der Friedensbewegung zu improvisieren, machten wir es einfach, damals kamen einige junge Kasseler und Kasselerinnen zu uns und leisteten Unterstützung. Aus Frankfurt kam jetzt die Ermutigung, eine Kreuzung zu besetzten, dass ginge auch mit wenigen. Also denn, 10 Leute sollten es sein, so unser Ziel. Mit der Unterstützung der Freunde der Kasseler Antifa waren wir dann auch 10 und liefen zur großen Rathauskreuzung und ein paar Minuten mussten die Trams und die deutsch beflaggten Autofahrer warten. Ob ihr Hupen solidarisch gemeint war – wohl eher nicht.

Rathauskreuzung III

Auf die Kasseler GenossInnen der Antifa ist Verlass – im Gegensatz zu so manch‘ anderer Stadt

Warum das Ganze? Drei Jugendliche Israelis werden entführt. Was den Medien sofort einfällt ist „Siedlerkinder“, die Entführung käme der Israelischen Regierung zupass, würde den Vorwand liefern den Friedensprozess endgültig ad acta zu legen, als wäre der nicht sowieso schon tot, würde Israel dazu dienen, die palästinensische Einheitsregierung in Misskredit zu bringen, als gäbe es nicht dazu Anlässe genug, etc., etc. Noch widerlicher ist der Applaus, der von vielen Palästinensern dem Ereignis gespendet wird.

An diesen Stellen lässt sich nachlesen, was in Deutschlands Öffentlichkeit so los ist. Letters from Rungholt, Spirit of Entebbe und Lizas Welt … Ein Artikel der für sich selbst spricht, ist in der als seriös geltenden „Die Zeit“ zu finden.

Rathauskreuzung 1

Bring the boys back home! – Solidarität mit den entführten Jungs, mit den Eltern und mit Israel, ist keine Massenveranstaltung

Aber auch die Politik ist nicht viel besser. An vielen feierlichen Terminen redet das offizielle Deutschland parteiübergreifend gerne von Verantwortung vor der Geschichte, von dem besonderen Verhältnis, welches Deutschland gegenüber Israel einzunehmen hat usw., kommt es darauf an, Flagge zu zeigen, sieht es eher mau aus.

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2 Kommentare zu “# bring the boys back home – Über eine Aktion in Kassel

  1. Die spärliche Teilnehmerzahl ist ein deutliches Zeichen. Israel hat wenig aktive und vor allem verlässliche Freunde, das ist eine traurige Tatsache. Das liegt allerdings nicht am israelischen Tun und Lassen sondern an der Gleichgültigkeit (bestenfalls) und vor allem an der modisch-moralisierenden Solidarität mit den arabischen „Menschenfreunden“, denen ihre bei jeder Gelegenheit postulierte Opferrolle nur allzu bereitwillig abgenommen wird. Geradezu kuschlig wird es, wenn sie in den Entführten, wie jüngst vermeldet, „menschliche Wesen“ [Abbas] entdeckt haben.

    Quer durch die breite Masse suhlt man sich darin, Solidarität mit diesen „Unterdrückten“ üben zu dürfen. Dass an diesen auch nicht ein Fitzelchen Kritik geübt wird steht in einem bemerkenswerten Kontrast zu diesen Wutbürgern und Steuerzahlern, die sonst alles andere als wählerisch sind, wenn es gilt, ihre Frustrationen gegen geeignete Adressaten zu wenden.

    Der Urheber des unsäglichen ZEIT-Artikels heißt Kersten Augustin, arbeitet im Hamburg-Ressort bei ZEIT ONLINE (sic!). Studium (Politik und Philosophie) in Berlin und Ramallah. Anschließend Freier Journalist, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die taz … Das passt so perfekt wie Hundekacke ins Schuhprofil.

    • vielleicht zeigt es nur, dass der Flashmob nicht genügend bekannt gemacht worden war… wenn in Hamburg viele nicht davon wussten, die gerne hingegangen wären, dann wissen in Kassel wohl noch weniger davon…

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