Antisemitismus? Ach woher dann! „Meine besten Studenten sind Juden.“

Der Faschismus war nicht bloß die Verschwörung, die er auch war, sondern entsprang in einer mächtigen gesellschaftlichen Entwicklungstendenz. Die Sprache (Heideggers; bga) gewährt ihm Asyl; in ihr äußert das fortschwelende Unheil sich so, als wäre es das Heil. (T.W. Adorno)

Die HNA druckt am 28. Juni 2014 ein Interview mit dem Sprecher des Heims des faschistischen Asyls Silvio Vietta. Vietta wird am Montag Kassel mit seiner Anwesenheit beehren, um gegen die Lügen des „rechnenden Denkens“ vorzugehen: Heidegger der deutscheste aller Philosophen soll Antisemit gewesen sein? Nein! Vietta begegnet dieser These mit einer der vielen Variationen des Stehsatzes derer, die selber solche sind. Ich ein Antisemit? Nein, einer meiner besten Freunde ist Jude!

Vietta gibt weiter Auskunft: Heidegger habe lediglich die Rolle von einigen Juden bei Spekulationsgeschäften „kritisch gesehen“, ebenso habe Heidegger die Dominanz des „rechnenden Denkens bei einigen Juden kritisiert.“ Das alles sei aber kein Antisemitismus, sondern „Zivilisationskritik“. Wie der Antisemitismusleugner Diether Dehm ist Vietta offensichtlich der Auffassung, nur der, der Juden krumme Nasen, dicke Bäuche und rachitische Beine andichtet oder nur der, der Juden tausendfach ermordet sei Antisemit, alles andere sei legitime Israel- äh, Judenkritik.

Was von Heidegger denn bleibe, fragt der investigative Provinzjournalist Matthias Lohr. Heidegger war einer der ersten „Globalisierungskritiker“, so Vietta abschließend, er sei für eine „Verankerung des Menschen in einer einfacheren Lebensform statt in einer entwurzelten Moderne.“ So bringt Vietta das völkische Denken Heideggers auf den Punkt. Dem Interviewer fällt nichts auf, ihm ist es wichtig dem Zögling Heideggers zu entlocken, Heidegger sei ein freundlicher Mensch gewesen, mit dem man spazieren gehen und essen konnte. Das konnten die stets freundlich grüßenden und immer pünktlich essenden deutschen Volksgenossen auch, die bei der tapferen Verteidigung ihres verwurzelten Seins gegen die abendländische Rationalität in alle Welt spazieren gingen und wie ihr Philosoph mit leuchtenden Augen dabei visionär in die Ferne sahen und die von ihnen produzierten Leichenberge nie gesehen haben wollten.

Der Antisemitismusleugner Vietta spricht am Montag, den 30. Juni 2014 um 18.00 Uhr in der Kunsthochschule Kassels (Menzelstraße 15, Raum 3140).

Unser Flugblatt: Die Kasseler Hochschule

Eine Kritik zur Rezeption der sogenannten Schwarzen Hefte Heideggers ist hier nachzulesen: Alex Gruber und Gerhard Scheit, Die Schocktherapie; Micha Brumlik, Sprung in die Irre; Timotheus Schneidegger, Was vom gekränkten Nationalontologen bleibt.

Die Kasseler Professorin Karen Joisten, die Heidegger eingeladen hat, avancierte mit diesem Buch: „Philosophie der Heimat – Heimat der Philosophie“. In der FAZ wurde hierzu das nötige geschrieben: Der olle Bollnow hat ihr den Kopf verdreht.

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2 Kommentare zu “Antisemitismus? Ach woher dann! „Meine besten Studenten sind Juden.“

  1. Exzellent beobachtet, besonders Heideggers trautes Starren auf nahe Bäume und ferne Gipfel, derweil er mit selbstgestrickter Wollmütze (nicht erwähnt, aber nicht wichtig) auf hölzernem, selbstgezimmertem Gestühle thronte und die selbsterfundene deutsche Eigentlichkeit beschwor.

    Auch Attacs Stellungnahme ist exzellent wiedergegeben, wenngleich sie in anderen, aber gleichen Worten passiert ist. Nein, sich ereignete, so Heidegger.

    Und dieser Vietta soll Cappuccino trinken und sich eine Mütze stricken gehen.

  2. Pingback: Martin, Brecht, die Indianer, Hühner KZs und Siedlerkinder* | Schwerer Sand

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