Die Gemeinsame Presserklärung mit der Jüdischen Gemeinde Kassel und der DIG Kassel

Bündnispartner fordern konsequente Bekämpfung von Antisemitismus in Kassel

Kassel – Eine konsequente Strafverfolgung antisemitischer Straftaten fordern in einer gemeinsamen Erklärung die Jüdische Gemeinde, die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) und das Bündnis gegen Antisemitismus (BgA) in Kassel. Laut einer Dokumentation, die am Freitag der Presse vorgestellt wurde, hatte es bei den jüngsten antiisraelischen Demonstrationen in Kassel verschiedene Straftaten gegeben, die von der Polizei allerdings bislang nicht verfolgt wurden. So habe es zahlreiche Beleidigungen gegen Teilnehmer der Gegenkundgebung gegeben. Es sei zudem dokumentiert, dass zwei Demonstranten den Hitlergruß gezeigt hätten. Auch auf den Facebook-Seiten der Demonstrationen habe es zahlreiche Rechtsverstöße gegeben, etwa den positiven Bezug auf die nationalsozialistische Judenvernichtung und die Verwendung des Hakenkreuzes.

„Zumindest das Zeigen von Hitlergrüßen müsste von der Polizei auch ohne Anzeige von Amts wegen verfolgt werden“, sagte der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Kassel, Manfred Oelsen. Der Rechtsstaat sei hier gefordert, seine Normen auch umzusetzen. Die Verstöße seien zu einem Großteil auf im Internet veröffentlichten Videos zu sehen. Für ähnliche Demonstrationen forderte Oelsen künftig stärkere Auflagen durch die Behörden.

Kasseler Juden sind verunsichert

Auch gesellschaftlich müsse der bei den antiisraelischen Demonstrationen zutage getretene Judenhass stärker bekämpft werden. Es sei traurige Normalität, dass viele Jüdinnen und Juden in der Öffentlichkeit keine sichtbaren Symbole ihrer Religion trügen, sagte die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassel, Ilana Katz. „Erstmals seit der Eröffnung unserer neuen Synagoge im Jahr 2000 haben einige Gemeindemitglieder aber jetzt sogar Angst, am Freitagabend zum Gebet zu erscheinen“, sagte sie. Diese Angst stehe in direktem Zusammenhang zu den antiisraelischen Demonstrationen in Kassel. „Die haben wir als hasserfüllt erlebt – mit Frieden hatten die aus unserer Sicht nichts zu tun“, sagte Katz. Von den muslimischen Vereinen und Verbänden in Kassel wünsche man sich eine klare Distanzierung von solchen Hass-Demonstrationen. „Wir legen großen Wert darauf, nicht die gesamte islamische Gemeinschaft in Kassel für den Antisemitismus verantwortlich zu machen, der durch unsere Straßen getragen wurde“, sagte Katz. „Aber es ist offensichtlich, dass Muslime den größten Teil der Demonstranten ausgemacht haben.“ Im Interesse eines friedlichen Zusammenlebens der Religionen in Kassel wünsche sich die Jüdische Gemeinde hier eine klare Haltung der muslimischen Menschen.

Eintreten für Israel: Einzige Demokratie im Nahen Osten unterstützen

Ein stärkeres Eintreten aller Demokraten für den Staat Israel forderte der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Kassel, Manfred Oelsen. „Man mag an der israelischen Regierungspolitik Kritik üben, aber grundsätzlich sollte doch klar sein, dass wir die einzige Demokratie im Nahen Osten unterstützen“, sagte Oelsen. Die öffentliche Kritik an der militärischen Verteidigung des jüdischen Staates gegen den Raketenterror der radikalislamischen Hamas sei überzogen. „Ich kann jeden verstehen, dem es weh tut, wenn palästinensische Zivilisten sterben“, sagte Oelsen. „Aber es ist auch völlig klar, dass die Hamas den Tod von palästinensischen Zivilisten eiskalt einkalkuliert und sogar fördert.“ Israel hingegen bemühe sich, Zivilisten zu schonen. „Wenn die Hamas Raketen aus Wohnungen und Krankenhäusern abschießt, dann muss die israelische Armee dies bekämpfen, weil sie die Verpflichtung hat, die israelische Zivilbevölkerung zu schützen“, so Oelsen.

Eine klare Stimme der Demokraten habe man zuletzt in Kassel schmerzhaft vermisst, sagte BgA-Sprecher Jonas Dörge. „Über die bevorstehende Kundgebung gegen Antisemitismus und Israelhass haben wir auch die Stadtverordnetenfraktionen informiert“, berichtet er. Gekommen sei niemand. Stattdessen habe Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) in einer allgemein gehaltenen Erklärung zur Mäßigung aufgerufen. „Wir haben uns da schon gefragt, warum Hilgen diesen Appell unterschiedslos an alle gerichtet hat“, sagte Dörge. Die 90 proisraelischen Demonstraten hätten sich trotz der wüsten Beschimpfungen sehr zivilisiert verhalten. „Wir hätten vom Stadtoberhaupt erwartet, dass er benennt, wer hier Israelhass und Antisemitismus auf Kassels Straßen getragen hat“, sagte Dörge. Dass der Oberbürgermeister sich hinter allgemeinen Floskeln versteckt habe, sei bedauerlich.

Ansprechpartnerinnen und -partner

Jüdische Gemeinde: Ilana Katz, Telefon (0561) 78 80 93 – 0

Deutsch-Israelische Gesellschaft: Manfred Oelsen, DIG Kassel

Bündnis gegen Antisemitismus: Jonas Dörge, BgA_Kassel[at]gmx.de

Das machte die HNA am 26. Juli 2014 draus: Jüdische Gemeinde in Kassel hat nach Pro-Palästina-Demo Angst.

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Ein Kommentar zu “Die Gemeinsame Presserklärung mit der Jüdischen Gemeinde Kassel und der DIG Kassel

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