Anmerkungen zur Polemik des BgA

Aus verschiedenen Richtungen sind in letzter Zeit die Veröffentlichungen und die Wortwahl des Bündnis gegen Antisemitismus als unangemessen, überzogen, „völker- und menschenverachtend“ bezeichnet worden. Auch wenn es sich dabei um durchsichtige Versuche handelt Kritiker des Antizionismus und Verteidiger Israels zu diskreditieren und ihnen – nicht frei von antisemitischen Motiven – eine Störung des (Stadt-)Friedens und eine Aggressivität bei gleichzeitiger Schwäche und Jämmerlichkeit zu unterstellen, scheint es doch angebracht diese Unterstellungen nicht zu ignorieren und einige Worte über die Form der politischen Arbeit gegen Antisemitismus heute zu verlieren.

Dieser Sommer hat einmal mehr gezeigt, dass wir es in Kassel neben dem in der türkischen und arabischen Community zu findenden Judenhass vor allem mit einer Form des transformierten Antisemitismus zu tun haben. Dieser entsteht nicht aus einem Mangel an Wissen über die Shoa, sondern scheint geradezu von der Überzeugung getrieben zu sein, dass man im Gegensatz zu den Israelis die richtigen Lehren aus dem Holocaust gezogen habe. Gerade weil man sich den Verbrechen der Nazis bewusst und Israel freundschaftlich verbunden sei, fühle man sich nun besonders berufen die Selbstverteidigung des jüdischen Staates aufs schärfste zu kritisieren. In diesem friedensbewegten Milieu findet man klassische Sündenbockmetaphern in Bezug auf Juden oder den Staat Israel eher selten, vielmehr scheinen Mechanismen der Schuldabwehr maßgeblich zu sein. Aus der Tatsache, dass die Ermordung von 6 Millionen Juden dem postnazistischen Deutschland kaum zum Nachteil gereicht wurde und dass man vielmehr aus der Gedenkkultur hierzulande sogar noch einen moralischen Vorteil machen kann, entspringt eine Form der Schuld, die auf Israel projiziert wird, indem dort die angeblichen völkerrechtswidrigen Verbrechen angeprangert werden.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht mehr völlig verwunderlich, dass Vertreter des Stolpersteine in Kassel e.V. sich an die Spitze der hiesigen antizionistischen Bewegung wiederfinden. Sprachlos macht es aber trotzdem wie schamlos leidenschaftliche Antizionisten in Kassel in den letzten Wochen Judenhass rechtfertigten, Israel mit Nazideutschland gleichsetzten und von „Antisemitismuskeulen“ schwadronierten. Gegen solche an offensichtlicher Falschheit kaum mehr zu überbietenden Projektionen kann kaum mehr ein Argument hervorgebracht werden, das nicht gleichzeitig den Antisemitismus rationalisieren würde. Im Stande der Unfreiheit wählt das BgA in diesen Fällen die schonungslose Polemik. Die Wortwahl des BgA wirkt unangemessen, weil die kritisierten Gegenstände es selbst sind. Als vorweggenommene Kritik warnt Polemik davor was passiert, wenn die unheilvollen Bündnisse aus rechten, linken und islamistischen Antizionisten mit ihrer Delegitimierungskampangne gegen Israel erfolgreich sind und die europäischen Juden noch stärker bedrängen werden. Antisemitismus und letztlich auch Antizionismus läuft auf Vernichtung hinaus, das unterscheidet den Judenhass maßgeblich von Formen des Rassismus. Aus jeder Polemik spricht aber auch die Hoffnung, dass sie sich letztlich selbst widerlegt und das schlimme verhindert werden kann. (tk)

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