Bomben, Moral und die Deutschen

Als das deutsche Proletariat noch ein Funken Ehre und Moral im Leib hatte, revoltierte es – reichlich spät aber immerhin – 1918 gegen Kaiser und Vaterland. Der Teil in Uniform richtete die Gewehre gegen seine Offiziere, oder gab sich den Alliierten gefangen, der Teil in den Fabriken hisste die Rote Fahne und trat auf die Straßen. Mit dem Krieg war Schluß, die im August 1914 verlustig gegangene Ehre ward zumindest partiell wieder hergestellt, doch die bittere Strafe folgte auf dem Fuße.

Unter Noskes und Eberts Befehl musste das deutsche Proletariat für seinen revolutionären Elan büssen, seine Anführer wurden füsiliert und erschlagen. Tausende weitere fielen dem weißen Terror der Freikorps zum Opfer. 20 Jahre später ward das Proletariat in die Volksgemeinschaft eingereiht. Noch mal eine handvoll Jahre später, in der Tiger- und Freislerstadt Kassel vor 71 Jahren, schickte sich die RAF an, die Deutschen daran zu erinnern, dass es so etwas wie Moral und Anstand gibt.

so hoch lagen die Trümmer ...

Die Bombenteppiche waren die nachhaltigste Achtung, die die Alliierten Deutschland noch bezeugen konnten. Denn das „moral bombing“ hoffte darauf, die „Heimatfront“ des Mordkollektivs könnte überhaupt erschüttert werden, und daher hieß es in der Area Bombing Directive 1942: „Es ist entscheidend, dass das Hauptziel … jetzt auf die Moral der gegnerischen Zivilbevölkerung gerichtet sein sollte, insbesondere die der Industriearbeiterschaft.“ Sir Arthur Harris provozierte damit auf eine trotz Deutscher Arbeitsfront noch vorhandene gesellschaftliche Restvernunft … (Das Konzept Materialismus) – vergeblich!

Das deutsche Proletariat entschied sich dazu, deutsch zu bleiben und in der Uniform der Wehrmacht Widerstand gegen die Rote Armee und gegen die Westalliierten zu leisten. So konnten die Öfen der Firma Topf und Söhne in Auschwitz und in den anderen Vernichtungslagern auf Hochtouren laufen, bis sich die Truppen der Alliierten den Weg zu den Lagern frei gekäpft hatten.

In diesen Tagen wird in Kassel wieder den Auswirkungen der antifaschistischen Aktion der RAF gegen die deutsche Volksgemeinschaft und der Toten in den eigenen Reihen gedacht. Die deutsche Linke beweist, dass die Formation der Volksgemeinschaft 1933 fort folgende nachhaltig war. Auch sie wird die eine oder andere Träne ob der toten Volksgenossen verdrücken und weiter geschichtsbewusst schlußfolgern: Nie wieder Krieg gegen Faschismus! So tönt es auch heute anläßlich des aktuellen Krieges gegen die Barbarei allenthalben aus ihren Reihen – in Kassel und sonst auch. Um noch mal zum Beginn des Beitrags zu kommen, es gab einen Jahrzehnte lang prägenden Satz: „Wer hat uns verraten, die … „, dieser Satz hat nichts an Aktualität verloren, er würde sich heute nur nicht mehr reimen. (jd)

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