Heidegger und der Antisemitismus der feinen Leute

Diskussionsveranstaltung mit Gerhard Scheit, 26.11.2014, 19.00 Uhr

Eine Veranstaltung im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus.

Die Ontologien in Deutschland, zumal die Heideggersche, wirken stets noch weiter, ohne daß die Spuren der politischen Vergangenheit schreckten. (Theodor W. Adorno)

Im Juni 2014 lud das Institut für Philosophie der Uni Kassel Dr. Silvio Vietta zu einem Vortrag über Heidegger ein. In der Ankündigung hieß es u.a., Heidegger habe zwar „kurzzeitig aus falschen Erwartungen heraus mit dem Dritten Reich sympathisiert.“ Doch habe er sich schließlich als ein scharfer Kritiker des „europäischen Herrschaftsdenkens“ erwiesen, das ihm „gerade im ‚Dritten Reich’ gegenübertrat.“

Eine Lesart des Nationalsozialismus, die dem Leser den Atem verschlägt, insbesondere wenn man bedenkt, dass Kassels Uni sich durch Forschung über den Nationalsozialismus durchaus einen Namen gemacht hatte. Versuchte man vor dem sich distinguiert gebenden Publikum am Kasseler Institut, Heidegger gar zum Kritiker des NS aufzubauen, begnügt sich die landläufige Heideggerapologie doch überwiegend damit, das philosophische Werk eines der „einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts“ (Wikipedia) zu retten.

rodschenko konstruktion

Im Streit über Heideggers Rolle im NS bildet sich die Strategie der deutschen Vergangenheitsbewältigung ab. Die einen bemühen eine Verantwortung vor der Geschichte um daraus eine ideologische Legitimation für die Gegenwart zu ziehen, das Unleugbare wird zugestanden um es aber dann in ein Argument für Heidegger zu transformieren. Heideggers Denken wird als adäquater Versuch einer auch heute gültigen Zivilisations- und Modernekritik aufgebaut, der Zusammenhang seiner zugestandenen antisemitischen Argumentationsmuster mit seinem Denken geleugnet.

Die anderen, wie z.B. auch die Kasseler, erklären die Idee, Heidegger könne antisemitische Ressentiments gehegt haben, für schieren Unsinn. „Den Antisemitismus des Dritten Reichs hat er [Heidegger] nie geteilt“ so das Institut apodiktisch im Ankündigungstext. Heideggers Antisemitismus wird in toto geleugnet, oder als Ausdruck einer legitimen Kritik an der Moderne hingestellt.

Wie ist der Zusammenhang von Heideggers Denken über die Technik und die Moderne und Antisemitismus und deutsche Vernichtungspolitik zu denken und worin besteht die fatale Aktualität in Heideggers Kultur- und Zivilisationskritik.

Gerhard Scheit ist freier Autor und lebt in Wien. Scheit hat u.a. mehrere Bände der Werkausgabe Jean Amérys herausgegeben und ist Mitbegründer der Zeitschrift sans phrase.

Veranstaltungsort: Philipp-Scheidemann-Haus, Holländische Straße, Kassel.

Der Flyer für unsere Veranstaltung. Heidegger und der Antisemitismus der feinen Leute

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die islamistischen oder antiimperialistischen Gruppen, rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, die diesen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch antizionistische, antisemitische, rassistische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

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