Israel und die Wohlgesonnenen

Die Wahl in Israel führt in der HNA am 19.03.2015 zu folgendem Kommentar Wolfgang Bliefferts: „Wer Israel wohl gesonnen ist, muss angesichts dieses Wahlergebnisses verzweifeln: An Benjamin Netanjahu führt weiter kein Weg vorbei. Der Ministerpräsident, dessen Politik Israel in eine schwere wirtschaftliche und soziale Krise gestürzt hat, dessen Bombenterror gegen den Gazastreifen kaum mehr Sicherheit gebracht hat, …“

Das der wohlgesonne Autor gleich im dritten Satz seines Kommentars, der die Politik in Israel zum Thema vorgibt zu behandeln, bei einem halluzinierten Bombenterror landet, ist ein Beispiel dafür, dass es den Wohlgesonnenen nicht um eine Kommentierung einer demokratischen Wahl geht, sondern um die Diffamierung Israels. Warum Netanyahus Politik in Israel kritisiert werden kann und soll, ist in den israelischen Medien nachzulesen. Das Engagement der IDF gegen den Raketenterror der Hamas im letzten Jahr gehört sicher nicht dazu. Der Begriff „Bombenterror“ ist der Griff in die rhetorische Kiste derjenigen, die im Sommer in Deutschland gegen Israel und Juden randaliert haben – auch in Kassel.

Die in Israel notwendige Kritik an der Innenpolitik Netanjahus Regierung – um die es jedoch den meisten Kommentatoren und auch nicht Blieffert geht, was die Volte des Kommentators beweist – gebetsmühlenartig hierzulande zu wiederholen ist billig, darum, weil es eben in Israel möglich ist, die eigene Regierung scharf zu kritisieren. Die israelischen Kritiker, die politische Opposition und auch die israelischen Araber bedürfen daher keine Unterstützung aus dem Ausland, die die Kritiker, die Opposition und die Verfolgten im Iran, in Syrien, Saudi Arabien etc. so schmerzlich vermissen.

Dass Netanyahu darin Recht hat, eine schärfere Politik gegen den Iran zu fordern, kann nur leugnen, wer sich mit dem Thema Iran und der dort herrschenden Ideologie nicht beschäftigt oder aus Deutschland kommt, das traditionell gute Beziehungen zum Iran pflegt. Die Absage an den geforderten palästinensischen Staat zu äußern, ist vielleicht politisch unklug, transportiert aber mehr Realismus als das mantrahafte Wiederholen der Forderung nach einem eben solchen.

Die Wohlgesinnten in Kassel befinden sich in guter Gesellschaft. Der Lieblingsisraeli der Wohlgesonnen, Avi Primor, soll 2015 Preisträger des Glases der Vernunft werden. (jd)

(Nicht alle Leser sind gleicher Meinung: Der Widerspruch einiger Leser)

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