Die Deutschen sind Opfer – Eine Ausstellung in Kassel

„Man sucht die ‚geschichtliche’ Nähe zum deutschen Massenmord an den europäischen Juden.“ (S. Salzborn)

Bis heute noch ist in Kassel in den Räumen der Volkshochschule eine Ausstellung zu besichtigen. Die Ausstellung heißt: „Erzwungene Wege.“ Scheinbar harmlos, seriös und ausgewogen kommt der Text daher, der die Intention der Ausstellung darlegt. Es heißt: „Themen sind Heimat, Fluchtwege, Lager, Rechtssituation und Dialog über das Geschehene. Sie berichten von traumatischen und existenziellen Erfahrungen der Leidtragenden. Hauptursache für Vertreibungen ethnischer Gruppen und Minderheiten war die Idee des ethnisch homogenen Nationalstaates. Menschen wurden auf den Weg gezwungen oder vernichtet, weil sich Staaten davon eine Frieden fördernde Wirkung versprachen oder weil sie gewaltsamen Hegemonialansprüchen im Weg standen.“ Zum Ende dieser Passage fällt dann noch diese Bemerkung: „Zudem waren Rassismus und Antisemitismus Motive für Vertreibung und Vernichtung.“

Keine Ausstellung - Völkische Kunst am Bau in Kassel: Schlesien bleibt unser!

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Antisemitismus und Rassismus, Motiv der Vertreibung? Der Deutschen? Die Umsiedlung der Deutschen war ein völkerrechtlich legaler und legitimer Akt und beanspruchte aus antinazistischen Gründen angesichts der deutschen Volkstumspolitik im 19. und im frühen 20. Jahrhundert, künftiges Konfliktpotential in Osteuropa zu verringern. (vgl. Salzborn)

In mehreren Tafeln der Ausstellung werden verschiedene historische Aktionen der Vertreibung, Umsiedlung und Bevölkerungstransfers nebeneinander gestellt. In zeitlicher Anordnung beginnt die Ausstellung mit dem Völkermord an den Armeniern, dann folgen mehrere Tafeln zum Holocaust, im Mittelpunkt dann die „Flucht und Vertreibung“ aus „Deutschlands frühere[m] Osten“. Zur Sprache kommen noch Umsiedlung im Zusammenhang nationalsozialistischer Volkstumspolitik, Vertreibung und Umsiedlungen im Kontext der griechisch-türkischen Kriege, sowie der Konflikte zwischen Polen, den baltischen Staaten, Finnland und der Sowjetunion. Die Ausstellung annonciert, keine Gewichtung (sic!) vornehmen zu wollen, sondern sich dem Postulat der „unteilbaren Humanitas“ zu verpflichten. Unklar, nebulös und suggestiv wird von einer Opferzahl von 80 – 100 Millionen gesprochen, Tote, Umgesiedelte, Geflohene, Vertriebene?

Zum Thema Holocaust vermeldet die Ausstellung, die Ermordung der Juden sei nicht Thema dieser Ausstellung. Vielmehr werde „der schrittweise Prozess der Vertreibung bis zum Holocaust“ gezeigt. Diese Aussage ist von höchster Perfidität. Eine Ausstellung, die auch vom Holocaust spricht, dann aber die Ermordung der Juden nicht zum Thema machen will, hat das Thema verfehlt. Die Intention einer Ausstellung, die statt von antisemitischer Rassenpolitik und Formierung einer deutschen Volksgemeinschaft von einer „Vertreibung der Juden aus dem öffentlichen Leben“ spricht, ist durchsichtig, sie instrumentalisiert das Thema Holocaust für eigene Zwecke.

Die nur mühsam hergeleitete Verwendung des Begriffs Vertreibung für die nationalsozialistische Diffamierungs-, Ausgrenzungs- und Rassenpolitik gegen die Juden, sowie die der Arisierung und Verfolgung bis zum Jahr 1938/39 kaschiert noch nicht einmal ansatzweise den Anspruch, die Deutschen als Opfer „ohne Gewichtung“ neben die von den Deutschen ermordeten Juden zu stellen – Ein Anspruch den Erika Steinbach einmal so formulierte: „Im Grunde genommen ergänzen sich die Themen Juden und Vertriebene miteinander. Dieser entmenschte Rassenwahn hier wie dort, der soll auch Thema … sein.“ (zit. n. Salzborn)

Der Versuch einmal mit dem sattsam bekannten Jonglieren mit Zahlen, Hundertmillionen Opfer hier, 6 Millionen dort, den Holocaust zu einem Verbrechen unter vielen anderen zu diminuieren und dann aber umgekehrt die Vernichtung der Deutschen unausgesprochen als logische Konsequenz einer Vertreibung zu suggerieren, ist im Grunde genommen nichts anderes als eine Leugnung des deutschen Verbrechens an den Juden und der Menschheit und der Adelung der deutschen Volksgemeinschaft als herausragendes Opfer einer allgemein konstatierten Vertreibungspolitik in Europa des 20. Jahrhunderts. (jd)

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