Diffamierung und Opferpathos – Teil 1: Zur Genese des pathologischen Wahns

In Mainz ist die aktuelle Koalition des AStA (wieder einmal) durch unsägliche antisemitische Umtriebe zerbrochen[1]. Die Entwicklung des Wahns ist dabei allerdings kein Mainzer Problem, sondern ein sich abzeichnender Trend an verschiedenen Hochschulen. Die Anfänge des aktuellen Konflikts sind dabei in der Entwicklung der Diskurshoheit innerhalb der Mainzer radikalen Linken zu suchen, welche sich beflügelt durch den bundesdeutschen Diskurs der Chritical Whitness (CW) näherte. Los geht es mit dem ersten Teil der Wiedergabe des Geschehenen: Das Aufkommen der Ideologie der CW bis zur offenen Kooperation mit antisemitischen Gruppen in der radikalen Linken in Mainz. Der Umstand der Nähe zum Studiengang der Ethnologie soll hier besondere Erwähnung finden.

Im Sommer 2014 kam in Mainz zusammen was zusammengehört: in einem sich beweihräuchernden Sumpf organisierte die Prominenz der Unilinken eine Veranstaltungsreihe unter dem Label „Critical Whiteness und Rassismus im Diskurs“, umso die neuentdeckte Ideologie im akademischen Diskurs zu festigen. Die dazugehörige Facebookpräsenz tritt mittlerweile offen antisemitisch auf[2]. Die notwendige Kritik am rassistischen Diskurs wird hier ersetzt durch einen pathologischen Selbsthass des „guten, von der Geschichte geläuterten“ Deutschen und der Stilisierung völkischen Denkens. Erste Ergebnisse der adaptierten Ideologie zeichneten sich dann auch schon im Sommer 2014 ab. Wie auch in vielen anderen Städten fand in Mainz, getrieben von Antizionismus und Antisemitismus, eine propalästinensische Demonstration statt[3]. Die Mainzer Szene schaffte es zwar sich in der Vorbereitung zu Protesten zusammenzufinden, doch selbst in dem israelsolidarischen Teil waren die Auswirkungen des Diskurses zu spüren. So verwundert das Produkt dieses Zusammenkommens nicht weiter[4].

Die Verankerung der CW Ideologie an der Mainzer Universität zeigt sich auch am Stupa im Semester 14/15. Eine Studierende schaffte es, trotz ihrer teils offenen antizionistischen Haltung, über Campus Grün in das Referat für politische Bildung. Glücklicherweise zerbrach die Koalition daran[5].

Am Montag, den 27. April, hat unsere Koalitionspartnerin CampusGrün die Zusammenarbeit im AStA aufgekündigt. Vorangegangen waren Kontroversen um antisemitisches Verhalten einer CampusGrün-Referentin, von denen diese sich nicht distanzieren wollte. Koalitionsintern war es zu Auseinandersetzungen gekommen, nachdem die betreffende Referentin mit AStA-Geldern eine Veranstaltung finanziert hatte, die einem Sprecher der umstrittenen „Uhuru-Bewegung“ ein Podium zur Verfügung stellte. Die „Uhuru-Bewegung“ unterstützt u. a. terroristische Organisationen ideologisch und infrastrukturell und ist in ihrer Programmatik zweifellos antisemitisch. Darüberhinaus war die Referentin bereits zuvor durch antisemitische und verschwörungstheoretische Aussagen in sozialen Netzwerken in Erscheinung getreten.“ (Juso Hochschulgruppe)

Das CampusGrün es nicht schaffte sich von der Studierenden zu distanzieren zeigt, dass die Probleme an der Mainzer Universität zu diesem Zeitpunkt schon struktureller Natur waren.

Gegen Ende des Jahres sorgte noch ein zweiter Fall für Aufsehen um die Mainzer Universität. Die Muslimische Hochschulgruppe organisierte einen Infostand in der Mainzer Innenstadt. Unter dem Motto „Free Cake for free Palestine“ wurde versucht Öffentlichkeit „für die schlimmste humanitäre Katastrophe“ zu schaffen. Der offen auftretende Antisemitismus in der Facebookveranstaltung hatte keine direkten Konsequenzen für die Organisatorinnen und Organisatoren. Im Gegenteil: es etablierte sich ein gewisser Grundtenor, vom Antisemitismus einzelner Akteure nichts zu wissen und sich in der Opferposition zu sehen. Ein Mechanismus, welchen sich auch die radikale Linke in Mainz zu eigen macht.

Dieser erfolgreiche Grundtenor schaffte es dann auch Anfang dieses Jahres vollkommen erfolgreich in der Szene etabliert zu werden. Als die „Gender Panks“ (eine der vielen Mainzer Szenegruppen) zur gemeinsamen Veranstaltung mit den „anarchists against the wall“ (AATW) ins Haus Mainusch riefen[6], will man von Antisemitismus nichts gewusst haben. Nur durch die Intervention und dem Androhen von finanziellen Sanktionen konnte der Vortrag im Haus Mainusch unterbunden werden. Nochmal zu erwähnen gilt an dieser Stelle, dass erst ein externes AStA Mitglied, die Menschen des Haus Mainusch an die eigenen Grundsätze erinnern musste. Die Reaktion der Gender Panks fiel dann wie folgt aus:

Die Aktionen in den palästinensischen Gemeinden, an denen Aktivist*Innen von AATW teilnehmen, richten sich in erster Linie gegen die Teile der Sperranlage, die die Dorfbewohner*Innen von ihrer Lebensgrundlage (Olivenhaine, Felder, Wasserquellen etc.) trennen. Ziel dieser Aktionen ist nicht die Verhinderung des Baus der Sperranlage als solcher, sondern eine Verlegung dieser auf die grüne Linie von 1967. Die implizite Gleichsetzung der Aktionen der Anarchists mit „palästinensischem Terrorismus“ und „Judenmord“, wie seitens des AStA-Referenten geschehen, hat daher nichts mehr mit konstruktiver Kritik zu tun, und verharmlost nicht zuletzt Hamas und Co.

Wir finden es wichtig, dass respektiert wird, dass es auch in Israel unterschiedliche Ansichten zu der Sperranlage gibt und möchten eine binäre Reduktion des Konflikts auf ein einfaches gut/böse-Schema verhindern. Für Michal und AATW bspw. verhindert diese Sperranlage unter anderem, dass sich die Menschen begegnen, einander kennenlernen, Feindbilder abbauen können.

Die Auseinandersetzung mit der Drohung gegenüber dem Haus Mainusch, also der Art und Weise, mit der durch den Elternreferenten vom AStA versucht wurde die Absage der Veranstaltung herbeizuführen, unserer Ansicht nach noch nicht ausreichend geführt worden. Vor allem halten wir es für höchst problematisch, dass der AStA-Referent auf dem Mainusch-Plenum sprechen durfte, nachdem er mit seinen Drohungen die Autonomie des Haus Mainusch beeinträchtigen wollte. Wir denken, dass wir im Mainusch keine Jusos brauchen, damit sie uns Antisemitismus erklären und dass es keinen Raum bieten sollte für Personen, denen nichts Besseres einfällt, als ihre Meinungen mit politischen Druckmitteln durchzusetzen.“[7]

Ohne den Konflikt um die Veranstaltung näher zu betrachten kann festgehalten werden, dass die Szene zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr in der Lage war auf die Kritik zu reagieren. Man zwängte sich selbst in die Opferposition und hoffte auf Beistand aus den eigenen Reihen. Selbst die kritische Intervention der jdjl konnte an dieser Stelle die Selbstreflexion nicht in Gang bringen[8].

Der erneute Koalitionsbruch des AStA in Mainz kann mit der Berücksichtigung dieser Entwicklung nur als einknicken einer radikalen Linken interpretiert werden, welche jeglichen Bezug zur Realität verloren hat. Im zweiten Teil soll schließlich der Konklusion dieser Entwicklung Aufmerksamkeit geschenkt werden. (cg)

[1] http://www.campus-mainz.net/newsdetails/news/asta-ruecktrittswelle-bei-den-referenten-und-referentinnen-der-linken-liste/

[2] https://www.facebook.com/criticalwhitenessmainz/posts/729482620421526

[3] http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/20787

[4] http://plusjamais.blogsport.eu/aufruf-18-juli/

[5] http://www.juso-hsg-mainz.de/2015/04/28/campusgr%C3%BCn-bricht-asta-koalition/

[6] https://www.facebook.com/events/1696831113862962/

[7] https://www.facebook.com/events/1696831113862962/permalink/1703899119822828/

[8] http://mz.jd-jl-rlp.de/wp-content/uploads/2016/03/flyer-web.pdf

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