Politischer Islam – Dialog und Unterwerfung

Eine Diskussionsreihe (Update, 19.10.2018)


In Kassel wurde auf den Schriftsteller Matthias Gibert ein Brandanschlag verübt. Der HR (Molotow-Anschlag, HR, 18.10.2018) führt dazu folgendes aus: „Rundherum liegen Flugblätter, die unter anderem türkische Fahnen zeigen. […] Die Polizei vermutet einen politischen Hintergrund der Tat. Denn: Wenige Wochen zuvor hatte Gibert einen Thriller unter dem Titel ‚Tödlicher Befehl‘ veröffentlicht. Darin soll der türkische Geheimdienst im Auftakt eines – fiktiven – Staatspräsidenten regierungskritische Deutsch-Türken verfolgen und ermorden. ‚Ich vermute, dass ein Anhänger des tatsächlichen Staatspräsidenten sich beleidigt fühlt. Vielleicht sieht er auch den Staatspräsidenten beleidigt. Was anderes kann ich mir nicht erklären'“, sagt Gibert. – Im Sommer 2016 gab es eine Kundgebung der Erdogan-Anhänger in Kassel. Der Imam der DITIB-Moschee Semir Ögrünc rief dort in einer Hasspredigt gegen die Gegner Erdogans gerichtet unter anderem das Folgende:  “ … lasse sie uns vernichten und verwahrlosen, mein Herr“. So etwas kann man als Brandstiftung bezeichnen. Folgen hatte diese Rede keine. (Mehr zu dieser Angelegenheit  hier: Tag Ögrünc.)

Unter Islamismus wird gemeinhin die Ideologie von Salafisten, IS-Anhängern oder Al Qaida-Anhängern verstanden. Die sind in Nordhessen auch hin und wieder Objekte von Maßnahmen der Staatsschutzorgane. Dieser Umstand darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch nach der Brandrede des Imams auf dem Königsplatz einen offiziellen Dialog, interreligiöse Kontakte (Tag Rat der Religionen), gemeinsame Veranstaltungen mit der DITIB und der Muslimischen Hochschulgruppe gibt, dass Schulbesuche in den Moscheen der DITIB stattfinden, dass es Veranstaltungen und Zusammenarbeit von politischen Initiativen zusammen mit islamischen Gruppen gibt, Mitglieder der UETD in politischen Gremien der Stadt und in gesellschaftlichen Bündnissen agieren und dass es Verbindungen dieser Gruppen und ihrem Umfeld zur in Kassel und Nordhessen politisch dominanten SPD gibt. Auch ist nicht zu übersehen, dass der politische Islam versucht, eine gesellschaftliche und kulturelle Hegemonie in bestimmten Bereichen zu erlangen. So gibt es ein von radikalislamischen Gruppen finanziertes Fastenbrechen, öffentliche Gebete und Gebetsräume an der Uni, es gibt Versuche islamische Kindergärten zu etablieren. Nachhilfeangebote und Engagement in der sogenannten Integration von Migranten sind strategische Instrumente der Einflussnahme und in manchen Straßen ist auch in Kassel nicht zu übersehen, wie versucht wird Dominanz im öffentlichen Raum zu erlangen.

Zum Umfeld der genannten Gruppen gehören noch wesentlich radikalere Gruppen wie die Grauen Wölfe, die Milli Görüs, ATIB u.a. und es ist zu vermuten, die eher im Hintergrund agierenden Muslim Brüder. Ein Problembewusstsein über diese Entwicklung gibt es in Kassel nicht. In der HNA ist dies kein Thema, in der Stadtverordnetenversammlung wird dies, wenn überhaupt, von Einzelpersonen oder einer gesellschaftlich isolierten Partei thematisiert. In öffentlichen Veranstaltungen diskussionsfreudiger Bildungsbürger wird entweder der Weichspülgang eingelegt oder vollkommene Ignoranz bewiesen. Der Zustand des gesellschaftlichen Bewusstseins fand seinen prägnantesten Ausdruck, als der Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilden (SPD) aufgrund eines angemeldeten Standes der AfD auf der Herbstmesse, seinen angekündigten Besuch dort absagte, aber kein Problem darin erkennen wollte auf einer Veranstaltung der Mattenberg-Moschee (DITIB) vor Fahnen des osmanischen Reiches und der Grauen Wölfe als Sultan verkleidet aufzutreten.

Die DITIB ist nicht nur mit ihren Thesen zu den Juden in Nordhessen aufgefallen, oder durch öffentliche Hasspredigen ihres Imam auf dem Königsplatz. Die DITIB, das Umfeld der DITIB und mit dieser zusammen agierende Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen gehören zu denen, die immer wieder antiisraelische Propaganda auch in Nordhessen betreiben. Sie gehören damit zu denen, die offen und teilweise massenwirksam Antisemitismus verbreiten. Das hier angerissene Phänomen ist kein nordhessisches Spezifikum. Bundesweit und darüber hinaus paktieren Politik und Gesellschaft, vor allem Bündnisse gegen Rassismus, gegen Rechts und für Feminismus mit eben jenen islamischen Organisationen und in einigen Städten und Regionen Europas sind teilweise drastischen Veränderungen des gesellschaftlichen Klimas und des öffentlichen Raums zu beobachten.

In der öffentlichen Debatte findet diese Entwicklung dagegen kaum einen Widerhall, geschweige denn eine kritische Reflektion. Normalzustand dagegen ist: Während offener Nazismus von der CDU bis zu den Linksradikalen verachtet wird, wird der politische Islam als die größte Bedrohung für Juden, aber auch für Demokratie und gesellschaftlichen Fortschritt insgesamt konsequent ausgeblendet. Das ist in Kassel nicht anders.

Aus diesen Gründen halten wir es für mehr als angebracht, uns dem Thema Islam erneut zu widmen.

Wir präsentieren in Zusammenarbeit und in Kooperation mit den AK Raccoons folgende Veranstaltungen:

  • 25.10.2018 Martin Stobbe: Last Night in Sweden. Vortrag und Diskussion, Beginn 19.00 Uhr
    Während Schweden auf eine von Innovation und Fortschritt geprägte Geschichte zurückblicken kann, machen sich in einigen Stadtvierteln des Landes zunehmend Erosionserscheinungen bemerkbar, die sich in der Zurückdrängung gesellschaftlicher Kontrolle zugunsten von Islamisierung und Gangherrschaft ausdrücken und im öffentlichen Diskurs unter dem Begriff der „No-Go-Areas“ vermehrt für Diskussionen sorgen.
    Martin Stobbe wird diese Entwicklungen historisch wie ideologisch nachzeichnen, um eine Grundlage zum Verständnis einer Bedrohung zu schaffen, die auch für deutsche Verhältnisse von Bedeutung ist.
  • 02.11.2018 Naida Pintul: Queerfeminismus und Islam – eine feministische Kritik. Vortrag und Diskussion, Beginn 19.00 Uhr
    Der Islam ist keine „Rasse“, sondern eine reaktionäre Ideologie und Alltagspraxis. Wie ist zu erklären, dass Religionskritik und der Kampf um nicht verhandelbare Frauenrechte von einem religions- und kultursensiblen Ansatz, der häufig jede Kritik am Islam als „rassistisch“, „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“, „rechtspopulistisch“ oder „rechtsextrem“ diskreditiert, abgelöst wurde? Welche Ideologien haben zum Ausverkauf von Frauenbefreiung im Namen des Feminismus beigetragen? Und wie kann eine grundlegende feministische Kritik des Islam aussehen?
  • 09.11.2018 Thunder in Paradise: Antisemitismus, Islam und die Willfährigkeit der Zivilgesellschaft (Das Beispiel Bildungsstätte Anne Frank). Vortrag und Diskussion, Beginn 19.00 Uhr
    Im Vortrag wird der islamische Antisemitismus als im Ursprung zivilisationsfeindlicher, modern-antimoderner Affekt gegen die als »Verjudung« empfundene Säkularisierung dargestellt. Seinen jüngsten Aufschwung erfuhr er indes als eine den objektiven Zerfall der Nationalstaaten reflektierende und beschleunigende antinationale Ideologie. Am Beispiel der angeblich um Antisemitismuskritik bemühten Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank, die auch in Kassel ihr Unwesen treibt, wird aufgezeigt, wie auf Seiten der zivilgesellschaftlichen Agenturen des #Wirsindmehr-Deutschlands unbedingte Gegnerschaft zum Nationalismus, Verkennung des modernen Antisemitismus und Apologie des Islams #unteilbar zueinander gehören.
  • 16.11.2018 Schmalle und die Welt: Dialog und Integration – Die seltsame Rolle der Islamverbände. Vortrag und Diskussion, Beginn 20.00 Uhr
    In Deutschland stellen einzelne islamische Dachverbände den Anspruch für alle Muslim*innen im Land zu sprechen, wobei sie statistisch nur max. 20% dieser vertreten. Trotzdem werden sie in der Regel auch von der Politik als solche anerkannt. Ob nun Ditib, der selbsternannte Zentralrat der Muslime oder der Islamrat, sie alle verkaufen sich in der Öffentlichkeit als demokratische Organisationen und haben doch, laut diverser Expert*innen und staatlicher Ämter, Verbindungen zu Organisationen wie der islamistischen AKP, der Millî Görüş-Bewegung, den Muslimbrüdern oder dem Spektrum der rechtsextremen Grauen Wölfe – Organisationen die alle in Kassel eine Rolle spielen. Wer oder was sind die Akteur*innen, die Bund und Ländern als Integrationspartner*innen gelten, und gleichzeitig in ihren Gemeinden ein Islamverständnis propagieren, das zentral politische Inhalte und Ziele vermittelt und immer wieder in Reibung mit den Menschenrechten kommt? Ein Blick hinter die Kulissen von drei der vier islamischen Dachverbände.

Alle Veranstaltungen finden im Philipp-Scheidemann Haus, Holländische Straße, Kassel statt

(Weitere Infos sind auf Facebook zu finden)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s