Friedensratschlag – nachgetreten

Der Friedensratschlag 2019 ist vorbei. Uns wurde bei den Diskussionen vor dem Eingang der Uni u.a. gesagt, man habe jetzt keine Zeit zum diskutieren, weil man Margot Käßmann nicht verpassen wolle, andere schimpften, ob wir es etwa gut finden würden, dass Syrien von den USA bombardiert wird. Diese beiden willkürlich ausgewählten, aber symptomatischen Aussagen der Friedenskämpfer, hat unseren Mitstreiter J.H. dann zu folgender Invektive bewegt:

Was haben Margot Käßmann, Fridays for Future, Sabine Schiffer und Karin Leukefeld gemeinsam?

Auf den ersten Blick nicht viel. Die ersten beiden zählen zu den festen Pfeilern des linksliberalen deutschen Mainstreams, werden in ARD, ZDF, Spiegel, Süddeutscher Zeitung und Zeit als moralische Autoritäten gefeiert, sind beim Kirchentag mit dem Bundespräsidenten auf Du und können auf Demonstrationen in Kassel zehntausende von Anhängern mobilisieren. Die letzteren schreiben für den Rubikon und geben Interviews bei KenFM, wo von Verschwörungen um den 11. September geraunt wird, Eulogien auf das Assad-Regime und den levantinischen NSDAP-Klon, die SSNP gehalten werden. Die Kasseler Anhängerschaft Karin Leukefelds & Co. dürfte sich, von einigen zerzausten Veteranen der Friedensbewegung der frühen 80er Jahre einmal abgesehen, aus einer ein- bis zweistelligen Zahl von abgedackelten Türstehern, Nachtclubbetreibern und Unterhosenmodels, die Zeit und Frührente in Kneipen auf der Friedrich-Ebert-Strasse durchbringen, zusammensetzen.1

Die Kluft zwischen bildungsbürgerlicher Hochkultur und den Niederungen des Internet-Trashs irgendwo zwischen Schminktipps und Pornographie könnte scheinbar grösser nicht sein. Hinzu kommt, dass die einen den sunnitisch muslimischen Jungmann gern mit Teddybären bewerfen wollen, die anderen hingegen eher mit Fassbomben. Auch das Verhältnis zu Putin und seinen Satrapen im In- und Ausland könnte unterschiedlicher nicht sein: Pathologische Furcht vor dem letzten AFD-Hinterbänkler auf der einen, ebenso pathologische Unterwürfigkeit gegenüber dem Moskowiter Großfürsten auf der anderen Seite. Dies sollte eigentlich herzliche Feindschaft für alle Ewigkeit garantieren.

Und doch trafen sich beide scheinbar entgegengesetzten Enden der kulturellen Nahrungskette am Nikolauswochendende in trauter Eintracht auf dem Kasseler Friedensratschlag.

Merke: Solange es gegen den großen Satan USA und den kleinen Satan Israel geht, sind alle Gegensätze vergessen. Dann gilt das Wort des großen Friedenskämpfers Wilhelm II: Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche.

1 Die in Kassel vertretene Friedensbewegung gehörte zu dem Teil, die eine Zusammenarbeit mit dem sogenannten Friedenswinter ablehnte. (Strutynski, Wie die Kanninchen auf die Schlange) Die „feindliche Übernahme“ gelang der Kasseler Friedensbewegung dadurch, dass sie die Themen Ukraine und Syrien thematisierte und auf Kundgebungen mehr oder weniger die russische Position propagierte. Berührungsängste zum Umfeld KenFM und Diether Dehm kannte man in Kassel noch nie. Der Friedenswinter wurde in Kassel von einem ehemaligen Türsteher und Endgamer Viktor Seibel angeführt. Das Unterhosenmodel Christian C. Gherhard führte 2016 eine Kundgebung gegen die Amerikanisierung des Abendlandes an.

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