22 Jahre nach einer Ausstellung

Über einen Versuch die Vergangenheit sanieren zu wollen

„3,3 Millionen € habe die MHK (Museumslandschaft Hessen Kassel) in die Sanierung des Ehrenmales gesteckt“, vermeldete am 22.09.2020 die HNA, dennoch wurde das Ehrenmal in Kassel kurz nach der Eröffnung „gleich wieder beschädigt.“ „Unbekannte haben zwischen Freitagvormittag, 10 Uhr, und Montagmorgen, 8 Uhr, den aufwendig sanierten Sandstein der Anlage mit roter Farbe und weißer Gipsmasse beschmiert. Insgesamt sind laut Polizeisprecher Matthias Mänz insgesamt 34 Steintafeln in der Anlage beschädigt worden. Zudem hinterließen die Täter den Schriftzug ‚Kein Gedenken den NS-Verbrecher*innen‘“ heißt es weiter in der Meldung.1

Die MHK-Sprecherin Lena Pralle wurde in der HNA wie folgt zitiert: „ […] dass das Ehrenmal nicht nur eine Gedenkstätte für gefallene Soldaten, sondern für alle Opfer von Kriegen sei.“2 Eine Woche später rückte der Direktor des MHK, Dr. Martin Eberle, diese unsägliche Aussage etwas zurecht und übte sich im Spagat. „Es handele sich um ein Ehrenmal für Gefallene, die gleichzeitig Opfer und Täter seien. Es würden aber auch Kompanien geehrt, die eindeutig als Täter zu werten seien. In gewisser Weise habe er Verständnis für das Ansinnen der Gruppierung, sagt Eberle. Er ärgere sich aber sehr darüber, dass die Gruppe aktiv geworden ist, bevor das Ehrenmal überhaupt fertig saniert worden sei. Die MHK habe in Absprache mit der Stadt Kassel und dem Land Hessen nämlich Schilder vorbereiten lassen, die oben und unten am Ehrenmal angebracht werden sollen. Die Anlage solle nicht unkommentiert bleiben.“

Anstatt zu kommentieren: „[…] a ‚semi-private‘ photograph – taken by a propaganda unit photographer named Gerhard Gronefeld – became an iconic image in the context of the exhibition Vernichtungskrieg: Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944, wich was presented in 33 towns and cities in Germany […]“ 1998 auch in Kassel. „The photograph shows an execution in the Serbian town of Pancevo in April 1941. Executed civilians lie next to the cemetery wall; in front of them stands an officer from the Wehrmacht‘s Großdeutschland regiment with his gun pointes at a dying victim.“3

Das folgende Relief, das auf dem Ehrenmal zu finden ist, zeigt die Silhouette eines deutschen Panzers. Der Text dazu heißt: „1939 IR GD – 1942 PzGrenDiv GD – 1944 Panzerkorps Großdeutschland. Es ward gespannt/ein einig Band/um alles deutsche Land.“ IR GD steht für Infanterieregiment Großdeutschland, eben jenes, das an der Ermordung von 36 Geiseln bei Pancevo (Jugolawien)4 beteiligt war. In Frankreich nahm diese „nationalsozialistische Elitetruppe“ bereits 1940 eine Schlüsselrolle bei der Misshandlungen und der Ermordung entwaffneter, wehrloser schwarzer Soldaten der französischen Armee ein.5

Jeder Kommentar erübrigt sich.

1 „Politisch motivierte Tat? Nach Millionensanierung – Unbekannte beschmieren Ehrenmal“, in: HNA, 22.09.2020. Die Gruppe, die sich verantwortlich zeigte, begründete ihre Tat im pathetisch gehaltenen Ton und ohne einen Begriff vom Nationalsozialismus zu haben: „Keine Ehre für Mörder – Nie wieder Faschismus! Wir haben das sogenannte Ehrenmal im Kasseler Auepark angegriffen“, Indymedia.org, 23.09.2020.

2 HNA, 22.09.2020 (ob.cit).

3 Violence and Visibility in Modern History, (Ed.) J. Martschukat, S. Niedermeier, London 2013, S. 182.

4 „Am 17. April 1941 hatte die jugoslawische Armee kapituliert. Im Waffenstillstandsvertrag hieß es: ‚Wer sich an dem Kampf gegen die Achsenmächte beteiligt, wird als Freischärler behandelt.‘ Bereits einen Tag später zeigte die Wehrmacht, welche Maßnahmen sie in Zukunft bei Widerstandsaktionen ergreifen würde. Als ein Soldat der SS-Division „Das Reich“ in der Banater Stadt Pancevo von serbischen Heckenschützen erschossen wurde, ordnete der Divisionskommandeur die Erschießung von 18 Serben und das Erhängen von weiteren 18 an. Die Exekution wurden vom Regiment ‚Deutschland‘ dieser Division durchgeführt, die Leichen zur Abschreckung drei Tage lang öffentlich ausgestellt.“ in: Walter Manoschek, Serbien ist judenfrei. Militärische Besatzungspolitik und Judenvernichtung n Serbien 1941 / 42, Oldenbourg 1993, S. 31

5 Bernhard Schmid, Vergessene Opfer. Der Umgang der Nationalsozialisten mit schwarzen französischen Soldaten, in: jungle world, 14.10.2010

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