BDS – zu den Hinter- und Abgründen einer antisemitischen Bewegung

Wo BDS drauf steht ist Antisemitismus drin

Das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel hatte im Januar nicht nur aufgedeckt, dass mit „The Question of Funding“ eine Gruppe kuratiert wurde, die aus antiisraelischen Aktivisten besteht, die aus dem Umfeld des Khalil Sakakini Cultural Center kommen, sondern dass die Führung der documenta 15 (documenta-Beirat und das Artistic Team) und auch die kuratierende Gruppe ruangrupa von Befürwortern des Boykotts gegen Israel durchsetzt sind, bzw. von diesen dominiert werden.1 Die am 16. Juli 2022 abgesetzte Generaldirektorin Sabine Schorman führte über die BDS-Bewegung folgendes aus: „Aber BDS ist eine breite und vielschichtige Bewegung, in der leider Antisemitismus nicht ausgeschlossen ist, die aber auch weltweit von einer Vielzahl von Kulturschaffenden unterstützt wird – die dies als Zeichen friedlichen Protests in Ausübung von Kunst und Meinungsfreiheit verstehen.“2

Auf unserer Tagung „Antisemitismus im Nah-Ost-Konflikt und in der Kunst der postbürgerlichen Gesellschaft“ am 16. Juli 2022 in Kassel hatten wir Alex Feuerherdt eingeladen, über das Thema BDS zu referieren.

Wir veröffentlichen hier den Mitschnitt3 seines Vortrages: „BDS – zu den Hinter- und Abgründen einer antisemitischen Bewegung„.

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1 Im Beitrag „Kein Platz für Antisemitismus auf der documenta?“ findet sich ein Überblick zu den antiisralischen Aktivisten in den Führungsstrukturen der documenta 15.

2 HNA, 12. April 2022.

3 Auch hier bedanken wir uns beim Freien Radio Kassel und ganz besonders beim Radio T (Chemnitz), dessen Mitarbeiter M.S. die Aufnahme bearbeitete.

Antizionismus, Antisemitismus und der Schatten des Nationalsozialismus auf der documenta 15

Am 7. Januar 2022 deckten wir vom Bündnis gegen Antisemitismus Kassel auf, dass für die documenta 15 mit dem Künstlerkollektiv „The Question of Funding“ eine palästinensische Gruppe von Künstlern kuratiert wurden, die eng mit dem Khalil Sakakini Cultural Center (KSCC) aus Ramallah verbunden sind. Der Namensgeber des KSCC, Khalil al-Sakakini war überzeugter Antizionist, äußerte sich verschiedentlich antisemitisch und lobend über Hitler.1

Auf unserer Tagung „Antisemitismus im Nah-Ost-Konflikt und in der Kunst der postbürgerlichen Gesellschaft“ am 16. Juli 2022 in Kassel hatten wir Ralf Balke geladen, über das Thema Antisemitismus und den Einfluss der NS-Ideologie in der palästinensischen Nationalbewegung zu referieren.

Wir veröffentlichen hier den Mitschnitt2 der Einführung zur Tagung und den Vortrag Ralf Balkes.

Jonas Dörge: Einleitung. Unser Auftrag ist es, Kassel in Schutt und Asche zu legen

Ralf Balke: Die Entstehung von Feindbildern: Antisemitismus in der palästinensischen Nationalbewegung

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1 vgl. hierzu im wesentlichen: Tom Segev, Es war einmal ein Palästina. Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels, München 2005.

2 Wir bedanken uns an dieser Stelle beim Freien Radio Kassel und ganz besonders beim Radio T (Chemnitz), dessen Mitarbeiter M.S. die Aufnahme bearbeitete.

Hier kommt Alex – Oder das Problem heißt documenta

Der Vorhang für die Antisemita bleibt offen

Wenn eine Initiative von Personen geleitet wird, die eine bestimmte Agenda verfolgen, ist es nicht verwunderlich, dass ein bestimmtes Ergebnis dabei herauskommt. Im Januar 2022 und in den folgenden Monaten stellten wir heraus, dass der documenta-Beirat (ursprünglich die Findungskommission), die künstlerische Leitung, das Artistic-Team und das kuratierend Kollektiv ruangrupa von Personen dominiert werden, die verschiedenen Boykott-Bewegungen gegen Israel nahestehen, sie unterstützen oder gar aktiv für diese tätig sind.1 So war es nicht überraschend, dass mit dem Kollektiv „The Question of Funding“ eine Gruppe für die documenta 15 kuratiert wurde, deren Mitglieder aktive Gegner des israelischen Staates sind. Auch einige andere Feinde Israels und Antisemiten sind unter den ausstellenden „Künstlern“ der documenta zu finden. Und bis heute werden immer wieder neue Kunstwerke entdeckt, die klassische oder verdeckte antijüdische oder antizionistische Elemente enthalten.

Zur Ausstellungseröffnung am 18. Juni stellte ein Ereignis diese Tatsachen und die bis dahin stattfindende Debatte um die Rolle der BDS-Bewegung auf der documenta in den Schatten. Das indonesische Künstlerkollektiv „Taring Padi“ präsentierte eine antisemitische Figur im Stile des nationalsozialistischen Stürmers mitten auf dem Friedrichsplatz. Das Banner der Agit-Prop-Gruppe ist über 20 Jahre alt. Deshalb dürfte es den – ebenfalls aus Indonesien kommenden – Kuratoren, der ruangrupa, durchaus bekannt gewesen sein. Doch abgesehen von dem Umstand, dass das Banner zunächst verhüllt und dann umgehend abgehängt wurde, hatte dieser politische Skandal keine weitergehenden Folgen gehabt.

Schon zuvor wurde bekannt, dass mit dem „Kunstwerk“ des Antisemiten Mohammed Al Hawajri „Guernica-Gaza“ antiisraelische Agitation par excellence ausgestellt und dass eine Party des Party-Office mit „Pro-BDS“ angekündigt wurde. Kurz danach wurde bekannt, dass das Kollektiv „Subversive Film“ distanzlos Filme über palästinensische und japanische Terroristen als „antiimperialistische Solidaritätsbeziehungen“ präsentiert und dass der „Künstler“ und Hisbollah-Anhänger Hanja Ahsan mit PFLP-ähnlichen Insignien kokettierte, dass die Veranstaltungskuratorin Emily Dische-Becker die Guides der documenta briefte, wie Antisemitismus-Vorwürfe beiseite zu räumen sind. Die Thematisierung der antiisraelischen Propaganda von wasserstehlenden Siedlern der bekennenden Antizionistin Jumana Emil Abboud, blieb hingegen wenig beachtet.2

Ein Bauernopfer und weiter geht’s

Die Generaldirektorin Susanne Schormann wurde schließlich abberufen. Man machte sie dafür verantwortlich, dass die vom Zentralrats der Juden angebotene Beteiligung am schließlich abgesagten Diskussionsformats „We need to talk“ ausgeschlagen wurde. Auch die widerstreitenden Aussagen über das Agieren Claudia Roths und zuletzt der Umstand, dass der sich als Experte andienende Meron Mendel entnervt das Handtuch warf, wurden ihr zur Last gelegt. Die im Aufsichtsrats vertretenen Personen insbesondere Christian Geselle und die anderen politisch verantwortlichen Angela Dorn und Claudia Roth verrieten damit ihre treue Mitstreiterin und dachten, sie wären fein raus. Dass dieser Versuch, Dampf aus dem Kessel zu lassen, nichts anderes als Kosmetik ist, beweisen die ersten Stellungnahmen von Axel Fahrenholtz. So berichtete er von seiner Zusammenkunft mit ruangrupa und dem Artistic Team. Diese sei herzerfrischend gewesen sei, man habe sich in die Arme genommen und er wäre mit ‚Hallo Alex‘ begrüßt worden. Er fühlte sich sofort gut aufgehoben. Eine Zusammenkunft mit den unmittelbar Verantwortlichen des größten antisemitischen Skandals der letzten Jahre in Deutschland stellen wir uns anders vor. Dann verkündete Fahrenholtz, die kritisch geltenden Werke seien juristisch begutachtet worden oder werden noch begutachtet. Bislang seien sie unbedenklich. Er betont, es wird durch ihn keine Entscheidung über Inhalte der Ausstellung geben. Entscheidungen fällen lediglich ruangrupa.3

Wer Antizionisten, Israelhassern und Antizionisten – und darum handelt es sich bei den wichtigen Personen sowohl der ruangrupa als auch des Artistic Teams – die Konzeption einer Ausstellung und die Entscheidung darüber überlässt, welche Kunstwerke präsentiert werden und welche nicht, muss sich nicht wundern, wenn Israelhass und Antisemitismus präsentiert werden. Würde der Bundestagsbeschluss zur antisemitischen BDS-Bewegung, würde das Bekenntnis der Lokalpolitiker zur besonderen Verantwortung gegenüber Israel und den Juden in Kassel, würde die zu den diversen historischen Daten hinausposaunte Verantwortung vor der Geschichte irgendeine Rolle spielen, hätten die politisch Verantwortlichen und hätte die Generaldirektorin schon im Januar handeln müssen. Doch der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta 15, Christian Geselle gab schon im Januar die Linie vor, die nach Sabine Schormanns Abberufung nun auch Fahrenholtz verkündet: Eine Überprüfung findet nicht statt.

Da es sich um klare politische Bekenntnisse sowohl der „Künstler“ als auch derjenigen handelt, die für die documenta 15 führend tätig sind, hat die Kritik an diesen Personen, an ihren Werken und die Infragestellung ihrer Funktion im Rahmen einer öffentlich geförderten Kunstausstellung weder mit der Frage Kunstfreiheit, noch mit Zensur etwas zu tun und schon gar nichts mit Gesinnungsschnüffelei.

Nachdem jetzt antisemitische Zeichnungen im Fridericianum gesichtet wurden4, versucht sich die documenta-Leitung in der Tradition, mit der sie von Beginn an aufgefallen ist: mit peinlichen und dümmlichen Ausflüchten und Statements, mit sturer Verleugnung des existierenden Problems und mit dem penetranten Verweis auf die Freiheit der Kunst. „Juden seien als solche nicht bebildert worden“, eine staatsanwaltliche Prüfung habe ergeben, strafrechtlich seien die Bilder nicht relevant, heißt es nun. Man arbeite nun an einer Kontextualisierung aber ein Screening nach antisemitischen Motiven wird es auch unter Fahrenholtz nicht geben.

Weitgehend unbeachtet blieb das untere Bild, dass ein Motiv des klassischen Judenhasses wiedergibt. Der steinewerfende Christus ist eine Variante des antisemitischen Motivs von den Juden als Christus-Mörder. (Quelle: WerteInitiative)

Es gibt keinen Antizionismus ohne Antisemitismus!

Eine Ausstellung, die von Antizionisten und Antisemiten, wie sie eben in der ruangrupa, im Artistic Team und im documenta-Beirat eine entscheidende Rolle spielen, kuratiert und geleitet wird, hat nicht ein Problem, sie ist das Problem. Wenn dann noch der Aufsichtsratsvorsitzende und auch der neue Geschäftsführer schlicht und ergreifend über keinerlei Problembewusstsein verfügen, ist Land unter. Nicht die Kunstwerke sind zu überprüfen, dieses Vorhaben gestaltet sich wie das Wettrennen von Hase und Igel. ruangrupa ist die kuratorische Arbeit zu entziehen. Das Artistic-Team muss entlassen werden, der documenta-Beirat ist aufzulösen und als politisch Verantwortlicher für die desaströse Entwicklung der Ausstellung muss Christian Geselle die Konsequenz ziehen, die ein Politiker zu ziehen hat, wenn er auf der ganzen Linie versagt hat. Er muss von seiner Funktion zurücktreten.

Diese Minimalforderungen dürften das Ende der documenta 15 bedeuten, deswegen bleibt die logische Konsequenz: Macht die documenta 15 dicht.


1 Siehe vor allem unsere Beiträge „Kein Platz für Antisemitismus auf der documenta“ und „Documenta fifteen. Antisemitismus im lumbung„. Die Übersicht über alle unsere Beiträge zum Thema finden Sie mit dem Tag: documenta fifteen

2 Die Hessenschau pries in vollkommener Ahnungslosigkeit das Kunstwerk dieser Dame als Ort zum Entspannen. documenta 15. Kann  die Kunst die Antisemitismus-Debatte beenden?

3 HNA, 23.07.2022, Neuer documenta-Geschäftsführer: Inhaltliche Entscheidungen fällen nur Ruangrupa.

4 Jüdische Allgemeine, 27.07.22, Hakennase, Armeehelm und Davidstern (Siehe Abbildung)

Schutz des jüdischen Lebens? Wo kämen wir da hin!

Im Schatten der documenta: Der ganz normale Antisemitismus in der nordhessischen Provinz

Man sollte meinen, dass es nach Auschwitz eine Selbstverständlichkeit sei, dass jüdisches Leben eines besonderen Schutzes bedarf und dass man sich dem Bestreben der Juden nach nationaler Selbstbestimmung in einer jüdischen Nation nicht entgegenstellt.

Doch dem Deutschen ist jüdisches Selbstbewusstsein ebenso suspekt, wie die Einsicht der wenigen Deutschen, für die „Nie wieder!“ nur die „Wiederaneignung von Kraft und Gewalt durch die Juden“ (Claude Lanzmann) heißen kann.

Der HNA-Journalist Axel Welch formuliert vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen um die documenta 15 in einem kurzen Artikel der Zeitung folgendes: „Der Antisemitismus-Eklat offenbart, wie stark externe Fliehkräfte auf die documenta wirken.“

Schon der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta-gGmbH, Christian Geselle, sah in der Kritik an den antizionistischen Akteuren in der documenta 15 und deren Wirken nicht eine Debatte der Gesellschaft, sondern eine von außen auf die documenta einwirkende Kampagne. Jetzt ist es die Kritik, die Fliehkräfte hervorrufe. Fliehkräfte können dazu führen, dass ein Objekt sich wie in einer Zentrifuge in seine Einzelbestandteile auflöst. Sie wirken also zersetzend. Die mittlerweile wichtigsten Kritiker am Antizionismus und Antisemitismus auf der documenta 15 sind, neben verschiedenen Autoren der Zeitung „Die Welt“, vor allem die Vertreter des Zentralrats der Juden Daniel Botmann, Doron Kiesel und Joseph Schuster und z. B. Elio Adler von der WerteInitiative und des American Jewish Commitee (AJC), also Juden. Der Vorwurf der Zersetzung gehört zu den typischen antisemitischen Argumentationsmustern.

Welch führt weiter aus: „Eingebunden in dieses Geflecht sind auch die Medien. Differenziertheit bleibt da mal auf der Strecke, wenn etwa die Springerpresse reflexartig ihren Schutzschirm ausbreitet, weil jüdisches Leben aus einem anderen Blickwinkel, einer anderen Hemisphäre betrachtet wird.“ Dem Autor ist zunächst einmal die Verteidigung („Schutzschirm“) „jüdischen Lebens“, sprich der Juden, gegen Angriffe (der „andere Blickwinkel“) offensichtlich ein Ärgernis. Wenn der Begriff „Springerpresse“ fällt, weiß der geneigte Leser seit 1968: Hier sind unseriöse Kräfte, rechte Hetzer oder gar Faschisten am Werk. Einen Schutz haben Juden, die sich zersetzend betätigen, nicht verdient. Es ist allenfalls die Springerpresse (oder das Werk linksradikaler Antideutscher, wie es ein anderer Journalist der HNA zu wissen meinte), die sich dazu hinreißen lässt. Ein anständiger Kasseler oder Deutscher tut so etwas nicht, schon gar nicht dann, wenn die „weltweit bedeutendste Ausstellung moderner Kunst“ (Geselle, Eichel, Hilgen, Bremeier) der Kritik ausgesetzt ist, weil sie zur Spielwiese antiisraelischer Aktivisten geworden ist.

Was unter einem „anderen Blickwinkel“ gemeint ist, ist bekannt: Damit ist die Diffamierung Israels als Apartheidstaat, die BDS-Bewegung, andere Boykottinitiativen, der palästinensische „Widerstand gegen die Besatzung“ etc. gemeint. Ziel dieses „anderen Blickwinkels“ ist die Abschaffung des Staates Israel, also die schutzlose Auslieferung des jüdischen Lebens an die antisemitische Internationale. Der BDS-Bewegung geht es den Beteuerungen vieler ihrer Protagonisten nach um Israel und dessen Politik und nicht um Juden. Doch Welch spricht das aus, was gemeint ist, wenn bei diesen Kräften von Israel, von israelischer Politik und von Zionismus die Rede ist, es geht um das „jüdisches Leben“, das ihnen ein Dorn im Auge ist.

Sie wussten was sie taten

Die Probleme einer Weltanschauung und die Ignoranz der politisch Verantwortlichen

Am 09.01.2022 schrieben wir dem Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzenden der documenta gGmbH eine E-Mail. Hier der Text:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Christian Geselle,

Sie stehen persönlich dafür ein, dass Kassel eine besondere Verbundenheit zu Israel und zur Partnerstadt Ramat Gan auszeichnet. Seit zwei Jahren wird zum Zeichen der Verbundenheit mit Israel am 14. Mai die Fahne Israels am Rathaus gehisst. Wir begrüßen diese auch heute nicht selbstverständliche Haltung in der Kommunalpolitik.

Als Vorsitzender des Aufsichtsrates der documenta-GmbH können Sie sicherlich nicht alle Persönlichkeiten und Künstler kennen, die im Rahmen der kommenden documenta fifteen kuratiert werden und dort in den diversen Gremien sitzen. Der Bundestag fordert in seinem Beschluss vom 17. Mai 2019, „BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen“, Organisationen und Personen, die das Existenzrecht Israels in Frage stellen nicht mit öffentlichen Geldern finanziell zu fördern und hat Länder, Städte und Gemeinden aufgefordert, sich dieser Haltung anzuschließen.

Mit der „Künstlergruppe“ „The Question of Funding“ aus Ramallah, die zunächst als „Cultural-Center Khalil Sakakini (KSCC)“ vorgestellt wurde, ist jedoch genau eine Gruppe als „member“ des „lumbung“ geladen worden, die die BDS-Bewegung und ähnliche Initiativen unterstützt. Auch weitere Künstler, die sich in dieser Richtung engagieren, werden als member des lumbung genannt. Das verwundert nicht, weil in den verschiedenen Gremien der documenta fifteen Unterstützer der Boykottbewegung gegen Israel agieren.

Das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel hat eine Presse-Erklärung und einen ausführlichen Blogbeitrag zu dem unmittelbar dem KSCC zuzurechnenden Personenkreis, zu den zu verurteilenden Bezügen des KSCC und zu weiteren Personen aus dem Unterstützerkreis der Boykottbewegung gegen Israel veröffentlicht.

Wir wünschen uns eine klare Stellungnahme und Intervention von Seiten der Stadt und von Ihnen als Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der documenta-GmbH, der Absicht von BDS-Unterstützern und anderen Boykottbefürwortern gegen Israel, namentlich der Gruppe „The Question of Funding“ im Rahmen der international beachteten documenta auszustellen und zu agieren, entgegenzutreten.

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Eine Antwort gab es nicht.

Inkompetenz, Desinteresse und Abwehr der Kritik auf allen Ebenen

Was war der Anlass unserer E-Mail?

Am 07. 01.2022 veröffentlichten wir den Beitrag „Documenta fifteen: Antizionismus und Antisemitismus im lumbung“. Dort kritisierten wir in einigen Sätzen die grundlegende Ausrichtung der documenta, die unseres Erachtens in einem systematischen Zusammenhang mit Antizionismus, Israelhass und Antisemitismus steht. Wir nannten Gründe dafür, warum die Gefahr bestand, dass die Kunstausstellung antizionistischer Propaganda eine Bühne bietet. In der Findungskommission, die als documenta-Beirat während der documenta 15 fortgeführt wird, sitzt mit Amar Kanwar eine Person, die die Boykottbewegung gegen Israel unterstützt und mit Charles Esche eine, die den Bundestagsbeschluss zur antisemitischen BDS-Bewegung kritisierte. Im aus fünf Personen bestehenden „Artistic Team“, der künstlerischen Leitung der documenta 15, unterstützen vier den antiisraelischen Hassbrief „A Letter Against Apartheid“. Die von der Findungskommission berufene ruangrupa besteht aus zehn Personen. Sie soll die kuratorische Arbeit der documenta 15 übernehmen. Vier, davon die beiden führend tätigen Ade Darmawan und Farid Rakun gehören zu den Unterstützern dieses Briefes oder andere antiisraelische Pamphlete. Der „A Letter Against Apartheid“, und das ist in diesem Kontext das Entscheidende, fordert auch den kulturellen Boykott Israels. Er steht für die Parole: Israelis raus!

Wir stellten am Beispiel der kuratierten palästinensischen Gruppe „The Question of Funding“ heraus, dass deren Protagonisten, insbesondere einer der beiden bekannten Akteure dieser Gruppe, Yazan Khalili, sich in antisemitischer Art und Weise öffentlich geäußert hat und zu den Unterstützern der BDS-Bewegung zählt. Ferner stellten wir heraus, dass diese Gruppe aus dem Umfeld des „Khalil Sakakini Cultural Centers“ kommt, das zu den Mitgründern der antisemitischen BDS-Bewegung gehört und sich nach einem palästinensischen Pädagogen und Nationalisten benennt, der sowohl antisemitische Aussagen getroffen als auch sich lobend über Hitler geäußert hat.

Sofern der Bundestagsbeschluss zur antisemitischen BDS-Bewegung und die Bekenntnisse der Stadt Kassel und ihrer Repräsentanten zu Israel, zu den hier lebenden Juden und zur deutschen Vergangenheit irgendeine politische Bedeutung haben sollen, gab es zu diesem Zeitpunkt genug Gründe, erstens mit uns in Kontakt zu treten, zweitens darauf hinzuwirken, dass die Arbeit der Kuratoren kritisch begleitet wird und drittens vielleicht sogar zu erwägen, das „Artistic Team“ abzulösen und die Gruppe „The Question of Funding“ nach Hause zu schicken.

Ein Problembewusstsein ließen weder Christian Geselle noch irgendein anderer Akteur der Stadt erkennen. Im Gegenteil. Der Oberbürgermeister ließ am 16.01.2022 in einer Pressemitteilung verlauten: „Mit dem indonesischen Künstlerkollektiv ruangrupa kuratieren 2022 zum ersten Mal Vertreter aus Asien die documenta, die auch die Perspektive des globalen Südens berücksichtigen. Dabei seien unter anderem die Hinterfragung von Machtverhältnissen und dekoloniale Ansätze zentrale Gegenstände. […] Die Freiheit der Kunst zu wahren und zu verteidigen sei [..] Aufgabe aller, die an die Werte unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung glauben. Eine Überprüfung […] dürfe es nicht geben […]“.1

Nachdem zunächst die CDU-Fraktion eine Resolution für die Stadtverordnetenversammlung entwarf, in der die Überprüfung der von uns geschilderten Tatsachen gefordert wurde, zog die CDU nach der Stellungnahme des Oberbürgermeisters und der dünnen Erklärung der documenta, sie wende sich auch gegen Antisemitismus, diese Resolutionsentwurf zurück.2

Dass genau der vom Oberbürgermeister angeführte postkoloniale Ansatz problematisch ist, sollte seit den Ereignissen um die Ruhrtriennale 2020 und der darauf folgenden Debatte bekannt sein. Uns ist klar, dass es nicht die Aufgabe eines Bürgermeisters einer Provinzstadt ist, die verschiedenen Facetten der Diskussionen und Auseinandersetzungen zum zeitgenössischen Antisemitismus, zur postmodernen Ideologie im Allgemeinen und zum Postkolonialismus im Besonderen zu kennen. Vor dem Hintergrund des Bundestagsbeschlusses und spätestens nach unserer E-Mail hätte es aber gute Gründe gegeben, einfach mal beim BgA-Kassel nachzufragen, anstatt dieses dem Verdacht der Verfassungsfeindlichkeit auszusetzen. Aber es kam noch schlimmer. Weil wir angeblich eine urheberrechtlich geschützte Zeichnung des lumbung verfremdeten und zur Illustration unseres Blogbeitrages nutzten, erreichte uns am 07.02.2022 ein Abmahnschreiben einer renommierten Anwaltskanzlei im Auftrag der documenta-gGmbH. Aus dem Text des Abmahnschreibens ging hervor, dass man wohl zuerst versuchte, uns der „unzulässigen Meinungsäußerung“ zu überführen. Zusammengefasst, man nahm uns zwar ernst, versuchte uns aber mundtot zu machen.

Obwohl dann einige Autoren wichtiger überregionaler Zeitungen (Die Zeit, NZZ, FAZ, TAZ und Die Welt und zuletzt sogar Spiegel) so etwas wie ein Problembewusstsein hatten3 und sich im Mai dann auch der Zentralrat der Juden, die WerteInitiative und das American Jewish Comittee (AJC) sehr deutlich zu Wort meldeten4, fochten dies weder die Verantwortlichen und die Leitung der documenta 15, noch die lokale Politik oder andere Akteure der sogenannten Zivilgesellschaft in Kassel an. Noch am Mittwoch, den 15.06.2022, also unmittelbar vor der Eröffnung der documenta 15, feierten sich Christian Geselle, Angela Dorn und Sabine Schormann im Auestadion selbst und Kassel und wiesen die mittlerweile immer deutlicher werdende Kritik als von außen aufgezwungen und dem Gegenstand als unangemessen zurück. Wie zum Trotz überließen sie dem Israelfeind Agus Nur Amal (Pmtoh) die Bühne.

Der offene Antisemitismus war kein Zufall

Am 18.06.2022 hängte die Gruppe Taring Padi das nun weltbekannte Banner auf, dessen Mitte eine im Stil des Stürmers gehaltenen Karikatur eines Juden zeigte. Hätte die Partei „Der Dritte Weg“ oder „Die Rechte“ ein solches Banner aufgehängt, halb Kassel hätte auf den Beinen gestanden und „No Pasaran!“ skandiert. Man hätte nicht nur die Entfernung des Plakats, sondern mit dem sattsam bekannten Slogan „Nazis raus!“ die Verbannung der Gruppe aus Kassel gefordert. Nichts dergleichen passierte anlässlich des Propaganda-Coups durch die Gruppe Taring Padi. Man nahm die fadenscheinige Entschuldigung der Gruppe hin, die im Duktus fast gleichlautend daher kam, wie man ihn von rechten Politikern vernehmen kann, wenn sie bei antisemitischen Rülpsern erwischt werden. Man suchte den Diskurs und war froh, dass zunächst mit Meron Mendel ein Experte engagiert werden konnte, der sowohl weiß, wovon er spricht, wenn er sich zum Thema Antisemitismus äußert und der gleichzeitig, sich dem von der documenta verkündeten Dogma der Multiperspektivität unterwerfend, die palästinensische Perspektive als legitim betrachtet und keinen strukturellen Zusammenhang von Postkolonialismus und Antisemitismus erkennen will.5

Allen, bis auf den Anführer der VVN-BdA Kassel, Ulrich Schneider6, war klar, dass die Karikatur des Juden auf dem indonesischen Banner antisemitisch ist. Dennoch, die einhellige Verurteilung des Banners – wohlgemerkt nicht der Gruppe – verstellt die Debatte, um die es eigentlich gehen müsste: Warum war es möglich und was hat es zu bedeuten, dass eine sich progressiv gebende Gruppe einen Juden im Stürmer-Stil als Repräsentant für das Schlechte in der Welt präsentiert?

Das jetzt abgehängte Banner der Gruppe Taring Padi wäre ohne die Judenkarikatur und ohne den Mossad-Mann genauso unbeanstandet goutiert worden, wie das am Opernplatz aufgehängte Bild, in dem die Ami-Sau unten rechts im Bild zu finden ist, oder die zahllosen Papp-Aufsteller am Hallenbad Ost, die in bisweilen rassistischer Überzeichnung, Kapitalisten und Politiker als Ratten und Schweine darstellen. In diesen vermeintlich kritischen Darstellungen von Unterdrückung und Ausbeutung sowie der Illustration des Kampfes für eine angeblich bessere Welt zeigt sich die gemeinsame Grundlage der Ideologie der umworbenen Aktivisten aus dem Süden und der saturierten Kunstschaffenden und -konsumenten in den Metropolen des sich selbst hassenden Westens.

Die Ideologie, die sich im Banner der Gruppe Taring Padi mit oder ohne Jude in der Mitte darstellt, ist geprägt von einem simplen Gut-Böse-Dualismus, der Personalisierung abstrakter Herrschaftsverhältnisse, einem zivilisationsfeindlichen Zurück-zur-Natur-Mythos und in der Verherrlichung des Landlebens. Die als Befreiung interpretierte Anbetung des Kollektivs und autochtone Tradition und die letztendlich autoritäre Verachtung des Individuums paart sich mit der auf der documenta allenthalben gefeierten Ursprünglichkeit, die sich in der politischen Aufladung der präsentierten Kollektive, Gemüsebeete, und Komposthaufen darstellt. Heraus kommt dabei ein Gebräu einer Weltanschauung, die sich durch die Feindschaft gegenüber der Moderne und ihrer Ideen von der Freiheit des Individuums, der Aufklärung, von der Befreiung aus der Knechtschaft und aus den Zwängen der Natur auszeichnet und die der Nährboden antisemitischer Weltanschauung ist. Dieses Konglomerat an Vorstellungen von einer „anderen Welt“ der ruangrupa und ihrer Protegés und Anhänger kommt als eine Weltanschauung der Antimoderne daher, die schlicht und ergreifend eine offene Flanke zum Antisemitismus hat. Und zu dieser Weltanschauung gehört das Bündnis mit den Antizionisten aus dem Nahen Osten, wie der Komposthaufen zum Gemüsebeet an der documenta-Halle. Aus diesen Gründen war die von Mendel erwogene Schnüffelei nach weiteren offen antisemitischen Exponaten fehl am Platze.

Es ist kein Wunder, dass so lupenreine Antisemiten wie Mohammed Al Hawajri, Hamja Ahsan, dass beinharte Israelfresser wie Khalid Albaih, Jumana Emil Abboud, das Party-Office und mindestens 60 weitere Unterzeichner des „A Letter Against Apartheid“ auf der documenta präsentiert werden7, nur dass diese es im Gegensatz zu den Indonesiern vielleicht verinnerlicht haben, dass man nach 1945 in Deutschland den Juden nicht (mehr) mit Hakennase und blutunterlaufenen Augen, ihn nicht als Gottesmörder oder blutrünstigen Militär präsentiert. Das macht man zuhause, wenn die Weltöffentlichkeit nicht hinschaut. Sie wissen, dass man es ihnen als „Israelkritik“ durchgehen lässt, wenn die einzige Demokratie im Nahen Osten als Apartheid-Regime bezeichnet wird und wenn Israel selbst dafür verantwortlich gemacht wird, wenn die Hamas Israel mit Raketen beschießt. In der Sitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Bundestages konnte man nachvollziehen wie das funktioniert. Einer der beiden Sprecher der ruangrupa, Ade Darmawan, äußerte sich gemäß eines Artikels des Tagesspiegels wie folgt: „‘Es gibt keinen stillen Boykott gegen Israel oder gegen Juden.‘ Jüdische und israelische Künstler seien bei der documenta vertreten, würden auf eigenen Wunsch namentlich nicht genannt, da sie mit dem Konzept des Nationalstaates nicht in Verbindung gebracht werden möchten.“8 Damit dürfte er den antizionistischen Konsens der documenta 15 ausgedrückt haben, den Yazan Khalili so ausdrückte, dass er die Juden vom Zionismus emanzipieren wolle. Nach der Expertise der Elke Buhr und eines Joseph Croitoru ist das kein Antisemitismus, nach Meron Mendel Ausdruck des legitimen Widerstandes gegen die „Besatzung“ und als Äußerung mindestens von der Kunstfreiheit gedeckt. Zwar ist Antizionismus nicht das gleiche, wie Antisemitismus, aber es gibt keinen Antizionismus ohne Antisemitismus. Dieser Zusammenhang wurde nirgends deutlicher als auf der aktuellen documenta. Dafür stehen die Gruppe Taring Padi, die Personen Mohammed Al Hawajri, Hamja Ahsan, Khalid Albaih, das Party-Office u.a.

Die offensichtliche Hoffnung der Ausstellungsmacher, dass man zwar die Judenkarikatur des Taring-Padi-Banners von Experten und Juristen als antisemitisch definieren lässt, die Bildreihe Gaza-Guernica aber als schlechte Kunst, als „Israelkritik“ oder im Rahmen der Multiperspektivität als künstlerischen Ausdruck des legitimen Widerstands gegen die „Besatzung“ durchgehen lässt, dürfte also nicht ganz abseitig sein. Zudem werden die Bilder Gaza-Guernica an einem Ort präsentiert, der den traditionsbewussten Kasseler Bürger an die „Luftgangster“ erinnert, die in ihrer Vorstellung gleich der Legion Condor, die wunderschöne Stadt Kassel aus Rachsucht in Schutt und Asche legten.

Es stellt sich die Frage, ob es die Sache besser gemacht hätte, wenn man, wie es sich mittlerweile herausgestellt hat, auf den Rat Claudia Roths gehört hätte, die Arbeit der Kuratoren kritisch zu begleiten.9 Die HNA berichtete jüngst, dass auch die documenta-Generaldirektorin versuchte, einen Dialog mit dem Zentralrat der Juden mit Vertretern des „Artistic Teams“ über den Ansatz der Multiperspektivität zu initiieren. Ob man über die Naivität, die den Versuch auszeichnet, Vertreter des Zentralrats der Juden mit Israelhassern an einen Tisch zu setzen, lachen oder weinen soll, ist die eine Frage. Dass man es gleichzeitig für eine probate Maßnahme hält, die Gegner und Feinde Israels durch die Teilhabe an der Erinnerungskultur Deutschland davon abzuhalten, ihrem Hass Ausdruck zu verleihen ist die andere Frage.10 Dass darüber hinaus der Zentralrat der Juden, oder die örtliche Jüdische Gemeinde herangezogen werden, wenn es um die Frage Antisemitismus, Antizionismus, Israelhass und „Israelkritik“ geht, verdeutlicht, dass man Antisemitismus offensichtlich für ein jüdisches Problem hält.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta, Oberbürgermeister Christian Geselle, die hessische Ministerin Angela Dorn und die Bundesministerin Claudia Roth, sie alle wussten vom Problem und schwiegen oder taten so, als ob die Luftnummern Hauensteins, Buhrs und des Dünnbrettbohrers Croitorus und letztlich auch die Versuche der tragischen Figur Mendels die Quadratur des Kreises hinzubekommen, irgendeine Substanz gehabt hätten. Obwohl Mendel bekanntlich die palästinensische Sichtweise für legitim hält, immer wieder davor warnte, die documenta unter Generalverdacht zu stellen, musste er erfahren, dass man im WH22 mit Juden nicht spricht und dass auf seiner Diskussionsveranstaltung der Vertreter der ruangrupa (und Unterzeichner des „A Letter Against Apartheid“) Ade Darmawan sich frech hinstellte und bekundete: Hier bin ich.11

Geselle, Dorn und Roth sind für das Desaster, dass vor den Augen der Weltöffentlichkeit faktisch Nazi-Propaganda gegen Juden und Israel betrieben wurde, politisch verantwortlich. Als Generaldirektorin steht Frau Sabine Schormann im engeren Sinne in der Verantwortung dafür, was im Namen der documenta der Öffentlichkeit präsentiert wird. Direkt dafür verantwortlich sind die Künstlerische Leitung, also die ruangrupa und das leitend tätige „Artistic Team“. Während Schormann sich vielleicht nicht ganz der Tragweite ihrer den Antisemitismus relativierenden und verharmlosenden Ideologie von der Multiperspektivität bewusst ist, sind die Vertreterinnen des „Artistic Teams“ und Teile des documenta-Beirats, sowie der ruangrupa Überzeugungstäter. Letzteres war durch unsere Veröffentlichung seit Januar bekannt.

Wollte man das, was mit dem Bundestagsbeschluss gegen die BDS-Bewegung intendiert wurde, ernst nehmen, müssten alle hier genannten Beteiligten von ihren Funktionen entbunden werden. Die ruangrupa und alle hier genannten members of the lumbung müssten schlicht nach Hause geschickt werden.

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1 Antisemitismus-Vorwürfe gegen die documenta fifteen: Stellungnahme von Oberbürgermeister und documenta-Aufsichtsratsvorsitzenden Christian Geselle, Pressemitteilung, 16.01.2022

2 Die Resolution der CDU ist am 13.01.2022 formuliert worden. Dort hieß es: „Die Stadtverordnetenversammlung distanziert sich von jeglichen antisemitischen Umtrieben, die möglicherweise im Umfeld der Organisation der documenta 15 Raum greifen. Die Organisatoren der documenta 15 mögen Stellung dazu nehmen, ob der Vorwurf zutrifft, dass Unterstützer der so genannten BDS-Bewegung und andere Boykottbefürworter gegen Israel, namentlich der Gruppe „The Question of Funding“, im Rahmen der international beachteten documenta ausstellen und agieren. Falls das der Fall ist, verwahrt sich die Stadtverordnetenversammlung ausdrücklich und nachdrücklich gegen antisemitische Tendenzen im Rahmen des Programms der documenta 15.

3 Israelkritik, Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit sind keineswegs dasselbe, Die Zeit, 02.02.2022; Documenta in der Kritik. Hetzkunst, FAZ, 13.01.2022; Kassel. Antisemiten, Sexisten und falsche Indianer?, NZZ, 10.01.2022; Kunstfreiheit und Antisemitismus. Debatte um BDS und documenta 15, taz, 14.01.2022; Wie man die rote Linie klar und deutlich markiert, Die Welt, 22.01.2022. In der Folge war es vor allem Die Welt, die kontinuierlich Kritik an der documenta 15 formulierte.

4 Dahinter verbirgt sich ordinärer Antisemitismus, Die Welt, 25.05.2022.

5 Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main, sieht den Vorwurf des Antisemitismus gegen das Kollektiv nicht begründet. Klaren Antisemitismus würde er der NGO „auf keinen Fall“ vorwerfen, sagt er. Es gebe sicherlich Grauzonen, wo sich der legitime Widerstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung mit antisemitischen Narrativen vermische, so Mendel. Doch habe sich die Organisation nicht besonders durch Antisemitismus hervorgetan. Palästinenser hätten sehr wohl das Recht, die Forderung zu stellen, dass Israel boykottiert werde, unterstreicht der Bildungsstättendirektor. „Diese Forderung würde ich nicht per se als antisemitisch sehen.“ Vorwürfe gegen Kasseler Kunstschau. Hat die Documenta ein Antisemitismusproblem?, Deutschland Funk, 13.01.2022.

6 Die HNA zitiert am 23.06.2022 Dr. Ulrich Schneider wie folgt: „Dagegen verteidigt der Historiker Ulrich Schneider (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) das Kollektiv und weist darauf hin, dass die ‚Figur mit einem Schweinegesicht‘ und einem Helm, auf dem Mossad steht, Teil einer Gruppe von Geheimdiensten ist. Es würde aber nur die Mossad-Figur kritisiert. Die Antisemitismusvorwürfe entbehrten jeglicher Grundlage.“

7 Hier sind die Unterzeichner des „Letter Against Apartheid“ und anderer Pamphlete aufgelistet, die als Künstler auf der documenta 15 präsentiert werden oder für diese tätig sind. Die Liste wurde von Markus Hartmann zusammengestellt, dem wir an dieser Stelle zu danken haben. https://bgakasselblog.files.wordpress.com/2022/07/documenta-fifteen-beteiligte-an-antisemitischen-briefen-1.pdf

8 Documenta-Skandal ist Thema im Bundestag. Kasseler Verantwortliche bleiben fern, Tagesspiegel, 06.07.2022.

9 Skandal um antisemitische Kunstwerke. Documenta-Leitung ließ Claudia Roth abblitzen, Spiegel, 27.06.2022.

10 Was Schormann unternommen hat, HNA, 09.07.2022 In der HNA wird berichtet, dass Schormann für die Künstlerische Leitung einen Besuch an den Kasseler Gedenkstätten initiierte. Den toten Juden zu gedenken, den Antizionismus jedoch mit Gleichgültigkeit oder Ablehnung zu begegnen, sind typisch für die deutsche Erinnerungskultur. Nichts verdeutlicht das so, wie die Kombination der Stolpersteine vor dem Kasseler Kino Gloria indem den japanischen und palästinensischen Terroristen unter dem Motto „antiimperialistischen Solidaritätsbeziehungen“ zwischen Japan und Palästina gehuldigt wird. Die Attentäter der japanischen „Roten Armee“ und palästinensischer Terroristen ermordeten am 30.05.1972 auf dem israelischen Flughafen Lod 26 Menschen. Vgl.: Documenta ehrt Initiatoren eines Selbstmordattentats, Mena-Watch, 24.06.2022.

11 Obwohl Meron Mendel mehrfach Verständnis für Sache der Palästinenser geäußert hat, die Kritik des Bündnis gegen Antisemitismus Kassel als unzutreffend zurückgewiesen hat, musste er erfahren, dass der Künstler Al Hawajri aus dem Gazastreifen nicht mit Juden reden wolle und biss mit seinem Vorhaben, sich als Experte der documenta 15 zum Zwecke der Sensibilisierung in Sachen Antisemitismus anzudienen auf Granit und . Vgl.: „Wir stehen vor einem Scherbenhaufen“, Meron Mendel über das Versagen der Documenta-Verantwortlichen – und den antisemitismus-Vorwurf als politisches Spiel, Tagesspiegel 24.06.2022; Eine Unverschämtheit, die keiner bemerkte, FAZ, 01.07.2022; Antisemitismus-Eklat. Meron Mendel nicht länger Berater der documenta, hessenschau, 08.07.2022.

Illustrationen: There ist no Antizionism without Antisemitism!

Der durch die im WH22 ausgestellte Bilderserie „Guernica-Gaza“ bekannt gewordene Künstler aus dem Gaza-Streifen Mohammed Al Hawajri (Eltiqa) hat hier ein Bild geschaffen, das eindeutig das antisemitische Stereoptyp vom Juden als Christusmörder bemüht und dieses antijüdische Feindbild auf die aktuelle Situation des Konflikts zwischen Israel und Palästinensern überträgt. Jesus tritt mit dem Schlüssel auf dem Rücken vor seine Mörder. Der Schlüssel steht für den Anspruch der Palästinenser auf das israelische Staatsgebiet. Das Bild ist nicht auf der documenta 15 ausgestellt, verbürgt aber die Weltanschauung des ausstellenden Künstlers, der vom Kollektiv The Question of Funding eingeladen wurde.

Der Künstler Khalid Albaih, der für das Kollektiv Trampolin House auf der documenta ausstellt, hat sich auch als israelfeindlicher Karikaturist versucht. Einige seiner Karikaturen präsentieren seine Weltsicht von der Grausamkeit und von dem mörderischen Wesen der israelischen Politik. Hier wird Palästina tranchiert.

Jumana Emil Abboud ist eine der wenigen Künstlerinnen, die als Personen und nicht als Kollektiv als member des Lumbung auf der documenta 15 kuratiert wurden. Auch sie hat den „A Letter Against Apartheid“ unterzeichnet und verbreitet durch Steuern finanziert im documenta-Handbuch und auf der Ausstellung anitiisraelische Propaganda: „Abbouds Arbeit für die documenta fifteen erweitert ihre bisherige künstlerische Praxis um das Thema Wasser. […] In den sogenannten ‚Wünschelruten-gänger*innen‘-Workshops […] ging es darum, den hier lebenden Menschen ihr Recht auf Wasser symbolisch zurückzugeben. Der Verlust von Wasserrechten erscheint hier als Bestandteil der Siedlungspolitik des israelischen Staates: Wasser wird von den Quellen in Palästina abgezapft und in nahe gelegene Neusiedlungen umgeleitet. […] Um ‚Rückgabe des Wassers‘ geht es sowohl in konkreter als auch in kultureller Hinsicht.“

Solidarität mit Israel – Dem Antisemitismus entgegentreten – Stoppt BDS!

Am 16. Juni 2022 riefen Malca Goldstein, das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel, das Junge Forum DIG-Kassel, die Gruppe Thunder in Paradise, die Gruppe AG Antifa Halle und das Bündnis gegen Antisemitismus Kiel zur Kundgebung gegen die Präsentation antizionistischer und antisemitischer Agitatoren auf der documenta 15 auf.

Wir eröffneten unsere Kundgebung mit Bob Dylans „Neighborhood Bully“

Auf der Kundgebung redeten Malca Goldstein-Wolf, Stefan Naas (Landtagsabgeordneter der FDP in Hessen), Daniel Kohn (WerteInitiative.jüdisch-deutsche Positionen), Franziska Schwedes (Junge Union Kassel), Thunder in Paradise, Junges Forum DIG Kassel und zuletzt gab es einen Beitrag vom BgA-Kassel. Malca Goldstein-Wolf verlas das Statement des Antisemitismusbeauftragten des Landes Hessen Uwe Becker. Der geplante Beitrag der Gruppe AG Antifa Halle fiel krankheitsbedingt leider aus.

Den ersten Teil der Kundgebung kann man hier hören: Redebeiträge Kundgebung am 16.06.2022.

Den zweiten Teil der Kundgebung leiteten wir mit dem Song Counterstrike von Sabaton ein.

Der Beitrag der Gruppe Thunder in Paradise kann hier nachgelesen werden: Volkskunst gegen Israel. Zum Elend des Kulturbetriebs.

Der Beitrag des JuFo DIG-Kassel kann hier nachgelesen werden: Redebeitrag

Im Folgenden veröffentlichen wir unseren Beitrag:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Genossinnen und Genossen,

erinnern Sie sich an Andreas Kalbitz? Kalbitz war Vorsitzender der Brandenburger AfD bis ihm 2020 seine Parteimitgliedschaft entzogen wurde, weil er in den Neunzigerjahren Mitglied in eindeutig neonazistischen Organisationen war. Oder Wolfgang Gedeon – AfD-Abgeordneter im Landtag in Baden-Württemberg. Nachdem ans Licht kam, dass dieser in seinen Büchern unter anderem davon schrieb, die Juden arbeiteten an der Versklavung der Menschheit, forderte sein Parteikollege Jörg Meuthen, den Parteiausschluss, womit er schließlich auch Erfolg hatte. Man sah sich zum Handeln gezwungen, da es eine offensichtliche Diskrepanz gab zwischen dem Licht, in dem man im Auge der Öffentlichkeit gern stünde – im Falle der AfD das einer bürgerlichen Partei – und jenem, das die besagten Akteure stattdessen auf die eigene Gruppe warfen. Es wurden pragmatische Schlüsse gezogen und zumindest für den tatsächlich bürgerlichen Teil der AfD-Anhängerschaft konnte nach außen hin demonstriert werden, wie ernst man es mit den eigenen Idealen meint. Die Parteien links der AfD zeigten sich empört doch wenig überrascht, wussten sie doch schon immer von der faschistischen Bedrohung, die von der Partei ausgehe.

Fragt man nach dem Licht, in dem die Veranstalter der documenta sich gerne sonnten, so würden sie womöglich antworten, dass es die natürlichen Textilfarben Indonesiens seien – stellvertretend für das der Ausstellung zu Grunde liegende lumbung-Prinzip mit Fokus auf Kollektivität, gemeinschaftlichen Ressourcenaufbau und gerechte Verteilung. Ein Traum von Gemeinwohlökonomie und Harmonie mitten im durch seine optische Erscheinung immer noch an das Elend vom verlorenen Weltkrieg erinnernden Kassel – ein Schelm, wer dahinter böses vermutet. Und genau dieser Schelm fand sich – im Bündnis gegen Antisemitismus Kassel. Meine Vorredner sind bereits auf die Recherche des BgA-Kassel sowie das durch sie losgetretene mediale Echo eingegangen, das den postmodernen Diversitätsglanz der Kunstaktivisten trüben sollte.

Auf den antisemitischen „Letter Against Apartheid“, den unter anderem der regelmäßig als Sprecher der ruangrupa auftretende Ada Darmawan unterzeichnet hat, möchte ich etwas näher eingehen. In diesem Brief aus dem Mai 2021, wird dem israelischen Staat unter anderem vorgeworfen, er „massakriere“ die Bevölkerung Gazas, lösche ganze Familien aus und zerstöre gezielt die Infrastruktur dieses „ohnehin beinahe unbewohnbaren“ Gebietes. Dass es die mörderische Infrastruktur der Hamas-Raketenlager ist, die seitens der israelischen Streitkräfte gezielt zerstört wird, dass diese Lager von der islamistischen Terrororganisation bewusst inmitten von dicht bewohnten Gebieten positioniert werden, deren Bewohner als menschliche Schutzschilde fungieren und dass ebenjene Hamas der Grund für das Elend der in Gaza lebenden Bevölkerung ist, wird bewusst verschwiegen. Und selbstverständlich werden auch die 4360 Raketen mit keinem Wort erwähnt, die zur gleichen Zeit von palästinensischer Seite in Richtung israelischer Wohngebiete abgeschossen wurden, mit dem Ziel, die dort lebenden Juden zu vernichten, aus dem einzigen Grund, dass sie Juden sind.

Von den zahlreichen Unterstützern israelfeindlicher Kampagnen, die in entscheidenden Positionen an der documenta 15 mitwirken, möchte ich an dieser Stelle mit Lara Khaldi und Yazan Khalili zwei weitere Akteure beleuchten. Erstere ist die ehemalige Direktorin des „Khalil al Sakakini Cultural Center“ aus Ramallah. Der Namensgeber einer der laut Eigenbeschreibung „führenden palästinensischen Kunst- und Kulturvereine“ ist der arabische Nationalist und Anhänger Hitlers Khalil al Sakakini. Ihm zufolge habe Hitler „der Welt die Augen geöffnet.“ Bevor er an die Macht gekommen ist, habe die Menschheit die Juden und ihren grenzenlosen Einfluss gefürchtet. Hitler habe die Juden in ihre Schranken gewiesen. Damit steht er den eingangs zitierten Aussagen des AfD-Mannes Wolfgang Gedeon an Judenhass in nichts nach. Nun stellen Sie sich einmal vor, eine documenta-Künstlerin entspränge einem Wolfgang Gedeon Kunst- und Kulturzentrum, die Konsequenzen muss ich Ihnen wohl kaum ausmalen. Zwar tritt die Gruppe um Lara Khaldi inzwischen als „The Question of Funding“ unter geändertem Namen auf, eine Distanzierung vom Antisemitismus ihres Namensgebers wird jedoch damit nicht einhergegangen sein. Yazan Khalili, neben der eben erwähnten Lara Khaldi einer der Sprecher des Kollektivs, ist nicht nur BDS-Unterstützer. Der seitens meiner Vorredner erwähnte Umstand, dass die BDS-Kampagne sich in Bezug auf das Existenzrecht Israels im Nebel hält, trifft auf ihn nicht zu. Er fordert die Beendigung des Zionismus und damit die Auslöschung Israels als jüdischer Staat. Dass die für deutsche Verhältnisse überraschend deutliche Positionierung des Bundestages gegenüber der BDS-Kampagne klare Richtlinien liefert, wie man sich gegenüber Unterstützern dieser Gruppe zu verhalten hat, haben meine Vorredner bereits ausführlich zur Sprache gebracht. Genauso die persönlichen Angriffe und Verleumdungen gegenüber den Mitgliedern des BgA-Kassel. Mit der Diffamierung dieser als „Antideutsche“ will man, beispielsweise bei der Lokalzeitung HNA, den womöglich unvoreingenommenen Lesern die Arbeit ersparen, sich mit den tatsächlichen Vorwürfen auseinanderzusetzen, da mit dieser „anti-islamischen“ und wahrscheinlich sogar „rassistischen“ Gruppe ohnehin kein vernünftiges Wort zu reden sei. Wie auch, wenn sie mit dem Antisemitismusvorwurf als Totschlagargument um sich schmeißen?

Diese Argumentation steht dabei ganz in deutscher Nachkriegstradition. So sprach auch schon der Schriftsteller Martin Walser bei seiner Rede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels im Jahr 1998 von Auschwitz als Moralkeule, die Deutschland auf ewig seine Schande vor Augen führen solle. Ähnliche Behauptungen wie die, dass „Vergangenheitsbewältigung als gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe (…) ein Volk (lähmt)“ des Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke hatten im Januar 2017 noch zu einem empörten Aufschrei der deutschen Tagesblätter geführt. Stehen im Zentrum der Kritik nicht mehr die Rechtspopulisten, sondern solche, die der Volksgemeinschaft gegen rechts ihren multikulturellen Anstrich geben, dann bedienen sich die wiedergutgewordenen Deutschen in ihrer Entrüstung derselben Argumentationsschemata wie ihr blaues Feindbild aus Thüringen.

Ein weiterer Vorwurf gegenüber den Kritikern des sich im documenta-Team manifestierenden Antisemitismus ist schließlich der, es ginge ihnen um eine Zensur der Kunst. Nun ist die documenta keine private Kunstausstellung, die frei nach Lust und Laune unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit ideologisch aufgeladenen Aktivismus gegen Israel nach Nordhessen bringt. Die documenta GmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die von der Stadt Kassel und dem Land Hessen als Gesellschafter getragen und zudem durch die Kulturstiftung des Bundes finanziell unterstützt wird. Akteure wie Ruangrupa wurden von einer Expertenkommission explizit eingeladen und vom Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle bestätigt.

Dass die Dämonisierung Israels im Kunstbetrieb des 21. Jahrhunderts nicht die Ausnahme sondern die Norm ist, hätte umso mehr eine vorherige Kontrolle bedingen müssen, die zum Resultat hat, dass es nicht öffentlich als solche erkennbare Antisemiten sind, deren Arbeit man mit zigmillionen Euro an Steuergeldern fördert und deren Ressentiments man eine internationale Bühne bietet.

Sind es Beschlüsse wie der des Bundestages, der BDS-Bewegung entgegenzutreten oder die zuletzt vom heutigen Bundeskanzler Olaf Scholz im Mai 2021 verkündete Zusage, die Sicherheit Israels müsse Teil der deutschen Staatsräson sein, die eine Idee davon geben könnten, welches Licht es ist, in dem die zentralen Akteure der Bundesrepublik gern erstrahlen würden? Dann muss man mit Blick auf die documenta feststellen, dass es ihnen so ernst mit diesem Bestreben nicht sein kann. Der Schatten, den der schon im Vorhinein grassierende Antisemitismus aus dem documenta Umfeld auf den bunten Heiligenschein der lumbung-Bewegten wirft, trägt bislang – und wohl auch in Zukunft – keine personellen Konsequenzen mit sich.

Seit Januar haben viele Zeitungen von Welt und FAZ bis zur New York Times die Kritik des BgA aufgegriffen. Damit haben sie der Debatte die Reichweite verschafft, die auch Claudia Roth letztendlich zu dem in der letzten Rede zitierten Lippenbekenntnis bewegte. Diesem Umstand zum trotz trat mit dem Künstler Agus Nur Amal vergangenen Mittwoch ein weiterer Unterzeichner des antisemitischen „Letter Against Apartheid“ vor Journalisten aus aller Welt im Zuge der Pressekonferenz im hiesigen Auestadion auf. Damit zeigt sich in der Institution documenta die Manifestation einer antisemitischen Kontinuität, die schon mit völkischen Ideologen wie Joseph Beuys deutlich zum Vorschein trat und zuletzt in der Performance „Auschwitz on the Beach“ im Zuge der documenta 14 gipfelte. Ihr progressiver Schein fällt ab und ans Licht kommt das, was diese weltweit bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst tatsächlich darstellt, ein postmodernes Happening gegenaufklärerischer Selbstbeweihräucherung, in dem der Hass auf Israel nicht nur zum guten Ton gehört, sondern Teil der ihm immanenten Ideologie ist.

Wir fordern: keine Safe-Spaces für Antisemiten, keine Zusammenarbeit mit der BDS-Bewegung und Kampf den Feinden des jüdischen Staates!
(JB)


Kein Platz für Antisemitismus auf der documenta?

Die Behauptung:

„Antisemitische Ressentiments und Antisemitismus dürfen auf der documenta nicht zum Ausdruck kommen. Das haben auch die documenta und das Kuratorenkollektiv ruangrupa selbst immer wieder betont.“ (Angela Dorn, Kunst- und Kulturministerin Hessen vor dem Hessischen Landtag)1

Die Realität:
A Letter Against Apartheid (2021)

In diesem Brief steht u.a. sinngemäß: Israel ist eine Kolonialmacht und ein Apartheidsystem. Wir fordern von den Regierungen, Sanktionen gegen Israel zu implementieren, Handelsbeziehungen und kulturelle Beziehungen zu Israel einzustellen.

Die Unterzeichner:
Ade Darmawan (ruangrupa), Farid Rakun (ruangrupa), Iswanto Hartono (ruangrupa), Reza Afisina (ruangrupa), Amar Kanwar (documenta-Beirat), Andrea Linnenkohl („General Coordinator der documenta 15“; Artistic Team), Ayşe Güleç (Artistic Team), Gertrud Flentge (Artistic Team), Lara Khaldi (Artistic Team), Lydia Antoniou (Kuratorische Assistenz), Noor Abed (Kuratorische Assistenz), Kasia Nancy Naser al Deen (Assistenz Koordination öffentliche Programme), Wlaszczyk (Koordination öffentliche Programme), Jumana Emil Abboud (Lumbung), Yazan Khalili (Lumbung), Fehras Publishing Practices: Kenan Darwich, Sami Rustom, Omar Nicolas (Lumbung), Kiri Dalena (Lumbung), Agus Nur Amal Pmtoh (Lumbung)

(Die ruangrupa besteht aus zehn, das Artistic Team aus fünf Personen)

Wir können nur Ändern was wir konfrontieren (2021)

In diesem Brief steht sinngemäß: Boykotte [gemeint ist der Boykott gegen Israel = „Kauft nicht beim Israeli“] gelten als legitime Ausübung der Meinungsfreiheit. Es gibt ein Recht darauf, gewaltfreien Druck auf Regierungen [gemeint ist nur Israel] auszuüben, die Menschenrechte verletzen [gemeint sind u.a. der Bau von Wohnungen für Juden auf der Westbank und die Ausübung des Selbstverteidigungsrecht Israels gegen terroristische Angriffe]. Die Vermengung von „Kritik an Israel mit antijüdischem Rassismus“ verhindere, dass Israel „zur Rechenschaft gezogen wird“. Das schadet dem Kampf gegen Antisemitismus. „Der Kampf gegen Antisemitismus kann nicht nach Belieben von parallelen Kämpfen gegen Islamophobie, Rassismus und Faschismus entkoppelt werden. Nachdrücklich lehnen wir die Monopolisierung von Unterdrückungserzählungen [d.i. Holocaust / Shoah] durch Staaten wie Deutschland ab …“

Die Unterzeichner

Charles Esche (Documentabeirat), Ayşe Güleç (Artistic Team), Andrea Linnenkohl (Artistic Team), Lara Khaldi (Artistic Team), Yazan Khalili (QoF / Lumbung), Marwa Arsanios (Lumbung), Jimmie Durham † (Lumbung)

Andere Antisemitische Pamphlete

Free Palestine / Strike MoMA: A Call to Action: Yazan Khalili (QoF / Lumbung), Lara Khaldi (Artistic Team)

Artists Against Apartheid – Sydney: Safdar Ahmed (Lumbung)

Campaign to boycott the oral History Conference at the Hebrew University of Jerusalem: Yasmine Eid-Sabbagh (Lumbung)

Open letter to the Fundacao Bienal Sao Paulo: Farid Rakun (ruangrupa), Charles Esche (Documentabeirat)

InCACBI Condemns the Growing Partnership between the State of Gujarat and the State of Israel: Amar Kanwar (documenta-Beirat)

Die Ansage:
„Wer aktuell der ganzen documenta ein Antisemitismus-Label anhängen möchte und Künstlerinnen und Künstler ausladen will, ohne dass es Belege gibt, dass sie sich in ihrer Kunst antisemitisch ausdrücken, der redet der Zensur das Wort.“ (Angela Dorn, Kunst- und Kulturministerin Hessen)

Ein Künstler

Yazan Khalili, Sprecher des Kollektivs The Question of Funding (Lumbung), Direktor des Khalil Sakakini Cultural Center bis 2019

Yazan Khalili: „[Israelis] are not Middle Easterners […] the white Christian Europeans [es war tatsächlich die von den Nazis geführte deutsche Volksgemeinschaft] annihilating the European Jews […] they work with the Zionists to export the survivors to the Middle East, so they become someone else’s problem […] the Arab Jews, who were disassociated from their Arab origins to become part of the European project of colonization, so they’re now despised by all other Arabs […] for a Palestinian all Israelis are white, regardless where they come from, simply because the Zionist project is a white colonial European project“.2

„The creation of the Israeli state didn’t only result in the Palestinian catastrophe:  it also allowed for the continuation of the Jewish catastrophe, by fixing „the Jew“ as a national identity. […]  after the creation of the Jewish state, the destruction of Jewish existence in Arab and North African communities. […] For the boycott movement to have a radical demand, a structural one, it must call for boycotting the Israeli state until it dismantles itself as a Jewish state, meaning that the Israeli is no longer „the Jew“.3

Khalil Sakakini Cultural Center

Mitunterzeichner von: Comprehensive Academic Boycott of Apartheid Israel / Calls for Boycott, Divestment and Sanctions against Israel By Palestinian Civil Society / BDS-Aufruf (2005); Aufruf des Palestinian Human Rights Organizations Council (PHROC) zum Boykott Israels 2020

Der Namensgeber:

Khalil al-Sakakini: „Hitler hat der Welt die Augen geöffnet. Bevor er an die Macht gekommen sei, hätten die Menschen die Juden und ihren grenzenlosen Einfluss gefürchtet. Die Deutschen haben als erste den Juden die Stirn geboten und keine Angst vor ihnen gehabt. Hitler hat die Juden in ihre Schranken gewiesen.“ (Tom Segev, Es war einmal ein Palästina, S. 450)

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1 Pressemitteilung, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, 02.06.2022: Antisemitismus darf und wird keinen Platz auf der documenta fifteen haben.

2 Does That Makes You Feel Bitter? Relieved? Blasé?, Interview with Yazan Khalili, Mai 2014, fkawdw.nl.

3 The Utopian conflict, Web-Site Yazan Khalili (2014). Im gleichnamigen Aufsatz in der Broschüre „Assuming Boycott: Resistance, Agency and Cultural Production“ aus dem Jahr 2017, wird diese Passage gleichlautend wiederholt.

Antisemitismus im Nah-Ost-Konflikt und in der Kunst der postbürgerlichen Gesellschaft

Eine Tagung am 16. Juli 2022 in Kassel. Beginn 14:00 Uhr
Phillip-Scheidemann-Haus, Holländische Str. 72

Mit der Einladung des Kollektivs „The Question of Funding“ aus Ramallah wurde eine antiisraelische Künstler- und Aktivistengruppe zur documenta 15 eingeladen. Unsere im Zusammenhang dieser Einladung getätigten Recherchen förderten zu Tage, dass zahlreiche Funktionäre und Macher der Kunstausstellung zur antiisraelischen und bisweilen auch antisemitischen „israelkritischen“ Szene der Kulturschaffenden gehören. Dieses Phänomen ist nicht ganz neu, das Gespräch mit Edward Said auf der documenta 10, die „antizionistische Giraffe“ des Künstlers Peter Friedl auf der documenta 12 und der Auftritt des Antisemiten Franco Berardi auf der documenta 14 verweisen darauf, dass wir es mit einem systematischen Zusammenhang zu tun haben.

„Aber BDS ist eine breite und vielschichtige Bewegung, in der leider Antisemitismus nicht ausgeschlossen ist, die aber auch weltweit von einer Vielzahl von Kulturschaffenden unterstützt wird – die dies als Zeichen friedlichen Protests in Ausübung von Kunst und Meinungsfreiheit verstehen.“ Dr. Sabine Schormann (Generaldirektorin documenta).

„Mit dem indonesischen Künstlerkollektiv ruangrupa kuratierten 2022 zum ersten Mal Vertreter aus Asien die documenta, die auch die Perspektive des globalen Südens berücksichtigen.“ Christian Geselle (Aufsichtsratsvorsitzender documenta GmbH und Oberbürgermeister der Stadt Kassel)

Stehen diese beiden Zitate für die Problematik die sich in der skandalösen Entwicklung der Debatte um die manifeste Israelfeindlichkeit, den Antizionismus und teilweise auch den Antisemitismus im Zusammenhang der aktuellen documenta 15 ausdrückt? Stehen sie für die Ignoranz oder die schlichte Unkenntnis darüber, mit wem wir es mit der antisemitischen Bewegung BDS zu tun haben? Was hat dies alles mit der politischen Ideologie der postmodernen Linken, insbesondere der des Postkolonialismus zu tun? Es scheint uns kein Zufall zu sein, dass das Konzept der documenta 15 sich wie eine Mischung aus dem „Tag der Erde“, einem Tag der Offenen Tür eines Eine-Welt-Ladens oder als ein Potpourri des Veranstaltungskalenders des Palästina-Fan-Clubs aus dem Café Buch-Oase liest. Gibt es also eine notwendig ideologische Nähe der documenta-Macher zu den Volkstumskämpfern im Nahen-Osten und worin liegt diese begründet? Was hat die stoische Abwehrhaltung und das fehlende Problembewusstsein der politisch Verantwortlichen in Stadt und Land angesichts der geladenen Gäste und der politischen Schlagseite der documenta-Macher zu bedeuten?

Diesen Fragen wollen wir auf zwei Podien nachgehen.

1. Podium: BDS und die Rolle des Antisemitismus im Nah-Ostkonflikt mit Alex Feuerherdt und Ralf Balke

Auf dem ersten Podium wird es darum gehen, die Entwicklung, den politischen Charakter und die gesellschaftliche Bedeutung der BDS-Bewegung herauszustellen, um dann auf die spezifische Rolle des Antisemitismus als ein zentrales Element in der Ideologie der palästinensischen Nationalbewegung einzugehen.

Alex Feuerherdt ist freier Autor. Er schreibt u.a. für Jungle World und Mena-Watch. Feuerherdt ist zusammen mit Florian Markl Autor des Buches: Die Israelboykottbewegung. Alter Hass im Neuem Gewand, (Hentrich & Hentrich, 2020).

Ralf Balke ist Historiker und Journalist und schreibt u.a. für die Jüdische Allgemeine und Jungle World. Balke hat über den Einfluss der NSDAP in Palästina mit der Arbeit „Die Landesgruppe der NSDAP in Palästina“ promoviert. Balke hat u.a. das Buch „Israel. Geschichte, Politik, Kultur“ (C.H. Beck, 2013) veröffentlicht.

2. Podium: Antisemitismus und das Kunstwerk in der postbürgerlichen Gesellschaft mit Justus Wertmüller und Jan Gerber

Das zweite Podium wird die Entwicklung der Szene der „Kulturschaffenden“ im Kulturbetrieb der Gesellschaft des „antirassistischen“ Deutschland aufzeigen, um dann einen genaueren Blick darauf zu werfen, wie sich im kulturpolitischen Ansatz der documenta die pseudokritische Weltsicht postkolonialer und postmoderner Ansätze als Verfall jeder Kritik darstellt, dessen notwendiges Produkt der Hass auf Israel und die Zivilisation ist.

Justus Wertmüller ist Autor und Redakteur der Zeitschrift Bahamas. 2015 hat er im Aufsatz „Der deutsche Anschlag auf die Souveränität“ über den Zusammenhang von Souveränitätsverzicht, Djihad und der Veralltäglichung des Ausnahmezustandes im postnationalen Deutschland geschrieben.

Jan Gerber ist Historiker und Politikwissenschaftler, Herausgeber und Autor mehrerer Bücher über die Geschichte und Gegenwart der Linken. Zuletzt hat er den ersten Band der „Hallischen Jahrbücher“ mit dem Schwerpunkt „Die Untiefen des Postkolonialismus“ (Edition Tiamat, 2021) und das Buch „Geschichtsoptimismus und Katastrophenbewusstsein, Europa nach dem Holocaust“ (Vandenhoeck & Ruprecht, 2022) herausgegeben.

Ein Einbruch und waghalsige Schlussfolgerungen

Am 30.05.2022 meldete die Polizei, dass „Unbekannte zwischen Freitagabend und Samstagvormittag in einem Gebäude in der Werner Hilpert Straße, dem „WH22“, in Kassel Wände von Ausstellungsräumen einer bevorstehenden Kunstausstellung“ beschmiert hatten. Es entstand Sachschaden in Höhe von mehreren Tausend Euro. Die Polizei ermittelt wegen „gemeinschädlicher Schachbeschädigung“, ein politisches Motiv könne nicht ausgeschlossen werden. Das Kollektiv „The Question of Funding“, Hanno Hauenstein und Candice Breitz wussten mehr. Hauenstein schreibt: „Die unsachliche Debatte um vermeintlichen Antisemitismus in den Reihen der Documenta ist eskaliert.“ Mit dieser Zeile bringt er die Kritik des BgA-Kassel mit den strafbewehrten Handlungen der Einbrecher in einen unmittelbaren Zusammenhang. Unsere Kritik habe zu einer feindseligen und potentiell gewalttätigen Atmosphäre beigetragen. Die enge Beweisführung führt Hauenstein wie folgt: „Bereits im April war die Fassade des sogenannten Ruruhaus […] mit rassistischen Aufklebern beklebt worden.“ Die Gruppe QoF verstieg sich sogar zur Behauptung, es habe eine Monate lange rassistische Kampagne in den Medien gegeben. Jetzt seien die Künstler Morddrohungen ausgesetzt. Diese Argumentation wurde nicht nur vom notorischen Hauenstein übernommen, sondern u.a. auch in der Süddeutschen Zeitung verbreitet, in der es am 01.06.2022 hieß: „die Zahl ‚187‘, die an die Wände gesprüht wurde, kann man, wenn man mit modernen Zahlencodes vertraut ist, durchaus als Morddrohung lesen.“1

Kritik am Antizionismus, an der Unterstützung von BDS, an antisemitischen Pamphleten, die von einer großen Anzahl von Künstlern wie auch der Führungsgarnitur der documenta unterzeichnet wurden, Aufkleber auf denen steht „Freiheit statt Islam“, „Solidarität mit Israel“ und „Free Gaza from Hamas“, das soll rassistisch sein, ein Ansporn zum Vandalismus oder gar zu Mordaufrufen?

Wer eskaliert hier? Die Zielrichtung ist klar. Angesichts unserer gut belegten Vorwürfe, dass die Führungsgarnitur der documenta 15 von Unterstützern des antisemitischen „A Letter Against Apartheid“ dominiert wird, dass dieselben auch den Bundestagsbeschluss zur antisemitischen BDS-Bewegung ablehnen, dass das Khalil Sakakini Cultural Center, dem das Kollektiv QoF entstammt, nach dem Hitlerfan Khalil al-Sakakini benannt ist2, dass einige Künstler, u.a. eben auch die bisher für das QoF in Erscheinung getretenen Yazan Khalili und Fayrouz Sharkawi, BDS direkt unterstützen, soll die Kritik am Antisemitismus und Antizionismus delegitimieren. Man streut das Gerücht, hier seien rassistische Kreise am Werk – der Korrespondent Ludger Fittkau meint uns sogar als „Reichsbürger von Links“ bezeichnen zu müssen3 – die vor Gewalttaten und Morddrohungen nicht zurückschrecken. Doch im Gegensatz zu unserer fundierten und unwiderlegten Kritik sind die gegen uns vorgebrachten Anwürfe schlicht gegenstandslos und unzutreffend.

Wir machen kein Geheimnis daraus, dass wir den Islam kritisch betrachten. Im Zusammenhang unserer Kritik an der documenta war und ist von Islam bisher jedoch nie die Rede gewesen. Außerdem sind Aufkleber gegen den Islam, gegen die Hamas und für Israel kein Aufruf, um in Gebäude einzubrechen, oder Künstlern persönlich zu bedrohen. Es sind Aufkleber, die dazu auffordern, sich mit Israel solidarisch zu zeigen, d.h. sich mit einem Land zu solidarisieren, das aktuell vor allem dem jihadistisch motivierten Terror der Hamas, des Islamic Jihad u.ä. Gruppen, aber auch solchen aus dem Umfeld der Fatah ausgesetzt ist und das von der gleichermaßen islamisch argumentierenden Vernichtungsdrohung durch Hisbollah und dem Iran bedroht ist.

Dem BgA-Kassel wird nachgesagt, wir wären eine Gruppe alter weißer Männer, die sich Herrenwitze erzählen. Ob das der Wahrheit entspricht tut hier nichts zur Sache. Wir sind jedoch keine alte Herren, die wie Michael Caine, Morgan Freeman und Alan Arkin auf eine Einbruchstour gehen, um Juwelen oder Geldbeträge zu requirieren um unsere Aktionen finanzieren können oder um unserer Kritik im Jargon der Jugend handgreiflich Nachdruck zu verleihen.

Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, dem dürfte auf den ersten Blick auffallen, dass der Stil der Graffitis vermutlich von denen stammt, die ihre Tags und Schriftzüge überall hinterlassen. Es handelt sich in der Regel um Jugendliche mit eher diffusen politischen Vorstellungen, denn mit Kenntnissen theoretischer Auseinandersetzungen zum Antisemitismus, zu Israel und zur Kritischen Theorie. Es ist geradezu absurd anzunehmen, dass irgendwelche dreizehnjährige Azzlacks mit Bezug auf unsere Kritik sich aufmachten, um ihre Tags 187 (steht für die Gruppe 187 Strassenbande) steht und PJ oder RJ Peralta (steht eher für den Rapper RJ Peralta als für die Nazidame gleichen Namens aus Spanien), an den Wänden zu hinterlassen.

Wie die HNA unter Bezugnahme auf „Experten“ aufdeckte, handelt es sich beim BgA-Kassel um eine Gruppe Antideutscher.4 Auch wenn es mit der Gruppe Scheiteljugend mittlerweile wieder eine kleine, aktive Nazigang in Kassel gibt: Warum sollten sich Nazis, die sich durch einen exzessiven Bezug auf Deutschland auszeichnen und in Fraktur schreiben, auf unsere Kritik beziehend gegen die Volkstumskämpfer aus „Palästina“ zu Felde ziehen, haben sie doch den gleichen Feind wie die Künstler im WH22, nämlich die Juden, die Zionisten und Israel. Ob den Aktivisten aus der rechtsextremen Szene die Bedeutung der Zahlenfolge 187 aus den USA geläufig ist, darüber lässt sich trefflich spekulieren. Wir bezweifeln das eher. Ob es sich also um rechtsextreme Täter handelt, die Tags im Sprayer-Stil innerhalb von Gebäuden hinterlassen, dürfte sehr unwahrscheinlich sein.

Im Übrigen hat das BgA keine Jugendabteilung, die mit dem Werkzeug der Spraydose vertraut ist und die unsere kritischen Interventionen als Ansporn sähe, um gegen palästinensische Volkstumskämpfer mit Tags in geschlossenen Räumen vorzugehen.

Unsere Aktionsform, „unsere Waffe“, ist die Intervention durch Kritik. Das tun wir mit Blogbeiträgen, Infoständen, Veranstaltungen, Flugschriften und kleinen Kundgebungen. Es ist die Staatsräson Israels allen vom Antisemitismus bedrohten und verfolgten Juden eine sichere Heimstatt zu bieten. Der Staat Israel steht für das „Nie wieder!“. Die Existenz des Staates Israel ist die Gewähr dafür, dass sich Auschwitz nie wieder wiederholt (Adorno). Nicht das BgA-Kassel sondern die israelische Armee und die israelischen Sicherheitskräfte treten den Angriffen der Antisemiten wehrhaft entgegen.

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1 „Bekennt Euch. Antisemitismus, BDS, Israelfeindlichkeit. Der Streit um die Documenta zeigt, wie zielführende Debatten in Kultur und Gesellschaft immer schwerer werden“, Süddeutsche Zeitung, 01.06.2022. Candice Breitz veröffentliche als erste auf ihrem Facebookaccount die anmaßende Pressemitteilung der Gruppe QoF. Dort wird ausgeführt, nach Monaten rassistischer Anstiftung in den Medien (sic!) sei der Ausstellungsraum mit Graffitischmierereien beschädigt worden u.a mit den Nummer 187, die für Mord stehen würde. Wörtlich heißt es dort „After months of racist incitement in the media, the exhibition space […] was vandalized with graffiti“. Der Deutschlandfunk und die Berliner Zeitung titelten kurzerhand „Mordrohungen“, andere Zeitungen sprachen von „politischen Drohungen“.

2 Hanno Loewy gehört zu denen, die meinen unsere Kritik sei widerlegt. Er schreibt in der Süddeutschen Zeitung: „Die ‚antideutschen‘ Agitatoren zückten aber auch das schärfste Instrument: Sakakini, so sei Wikipedia zu entnehmen, sei ein Anhänger des NS gewesen, habe die Politik Hitlers befürwortet und die Idee einer ‚jüdischen Weltverschwörung‘ übernommen. Sucht man auf Wikipedia nach einem Beleg für diese Behauptungen, dann sucht man vergebens.“ („Schaut genau hin. Jedes Jahr eine Antisemitismusdebatte. Und jedes Jahr steigt die Temperatur. Siehe die aktuelle Documenta“, in SZ, 01.06.2022) Hätte Loewy nicht nur den deutschen Eintrag in Wikipedia gelesen, sondern den englischen, dann hätte er reichlich Belege dafür gefunden. Die stammen von Tom Segev. Segev gilt als Vertreter des Postzionismus, steht also dem Zionismus eher skeptisch gegenüber und sein Buch „Es war einmal Palästina“ wurde einst von der Süddeutschen Zeitung als Standardwerk empfohlen. Segev zeichnet ein differenziertes Bild von Sakakini, eine Einschätzung, die wir gar nicht bestritten haben. Warum man jedoch Sakakinis „nazifreundliche Gefühle“ (Segev, S. 562) damit entschuldigen will, dass „er gegen die jüdische Einwanderung in Palästina [war], die er als das erkennt, was sie (neben einer Fluchtbewegung aus Europa) eben auch war: das Streben nach jüdischer Souveränität über ein Land, in dem damals noch eine überwiegend arabische Bevölkerung lebte […]“, bleibt das Geheimnis des Direktors des Jüdischen Museums Hohenems Loewy.

3 Ludker Fittkau im Deutschlandfunk, siehe Fußnote 1

4 Es sei an dieser Stelle verraten, dass sich tatsächlich einige unserer Mitstreiter der Tradition der Antideutschen verbunden fühlen, aber eben nicht alle. Was uns eint ist, sind nicht die Ausführungen Jochachim Bruhns, sondern unsere Haltung zu Israel. Aus diesem Grund führen wir auch bis heute den Begriff „Bündnis“ in unserem Namen.

A Letter Against Apartheid, der Hass auf Israel und die documenta fifteen

„Es sei kein israelischer Künstler eingeladen, [es] wäre es ein Leichtes, all die vielen Staaten aufzuzählen, die auch nicht in Kassel vertreten sind …“ (HNA, 28.05.2022)

Sabine Schormann sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung am 27.05.2022: „Die documenta wendet sich klar gegen Antisemitismus“. Die Generaldirektorin der documenta 15 führte dazu aus: „Alle Künstlerinnen und Künstler, die künstlerische Leitung Ruangrupa, die Träger und die Geschäftsführung distanzieren sich eindeutig vom Antisemitismus. Es ging auch nie darum, aus der documenta eine Veranstaltung im Sinn des israelkritischen Bündnisses BDS (Boycott, Divestment and Sanktions) zu machen.“1 Die Journalisten nahmen dies zur Kenntnis. Die Hessenschau z.B. reproduzierte diese Nebelkerze ohne die Aussage zu hinterfragen.2

BDS ist keine „israelkritische“3 sondern ein antisemitische Initiative, die maßgeblich von palästinensischen Terrorgruppen ins Leben gerufen wurde. Das Ziel von BDS ist die Abschaffung des Staates Israel. Erreicht werden soll dieses Ziel durch den umfassenden wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, politischen und eben auch den kulturellen Boykott. Der Zentralrat der Juden stellte fest, es sei schwierig, „an einen Zufall zu glauben, wenn kein einziger israelischer Künstler vertreten sein wird […] Bei den Gesamtumständen, die wir bei der documenta sehen, drängt sich der Eindruck geradezu auf, dass BDS mit seinem Aufruf zum Boykott israelischer Kunst und Kultur bereits wirkt.“4 Ein Gegenargument, das die Wahrnehmung des Zentralrates entkräften könnte, führte Schormann nicht an. Ihre Ausführung bleibt eine schlichte Behauptung, die sich einfach widerlegen lässt.

Die ruangrupa ist sozusagen das Herz der documenta 15. Diese Gruppe besteht aus zehn Künstlern. Von diesen zehn Künstlern haben der Direktor der ruangrupa, Ade Darmawan, und als weitere Mitglieder Farid Rakun, Iswanto Hartono und Reza Afisina den sogenannten A Letter Against Apartheid unterzeichnet bzw. unterstützen diesen Brief. Die künstlerische Leitung der documenta 15, das „Artistic Team“, besteht aus fünf Personen. Von diesen fünf haben Andrea Linnenkohl, Ayşe Güleç, Gertrud Flentge und Lara Khaldi diesen Brief unterzeichnet. Insgesamt haben aus den maßgeblichen Strukturen der documenta 15 16 Personen das antiisraelische Pamphlet A Letter Against Apartheid unterzeichnet.5

A Letter Against Apartheid – ein Dokument des Israelhasses

Diesen Brief sollte man sich näher ansehen. Er wurde im Zuge der Auseinandersetzungen im Jerusalemer Stadtviertel Sheikh Jarrah6 von zahlreichen palästinensischen Künstlern unterzeichnet, von denen einige auch in Israel leben. Sie werfen in dem Brief den israelischen Soldaten und Zivilisten vor, in den Straßen Jerusalems, Lyddas, Haifas und Jaffas wandelnde („roaming the streets“) Palästinenser straflos zu attackieren und zu töten. Ja, es habe sogar eine Anzahl von Lynchmorden („several lynchings“)7 an unbewaffneten und ungeschützten Palästinensern gegeben. Israel betreibe eine Politik der ethnischen Säuberung. Da die Hamas die Auseinandersetzungen in Jerusalem zum Anlass nahm, Israel mit einer bisher nicht gekannten Anzahl von Raketen wahllos zu beschießen und Brandballons über die Grenze zu schicken, bombardierte die israelische Luftwaffe Stützpunkte der Hamas, Fertigungsstätten von Raketen und Tunnel, die von den Terroristen unter die israelische Grenze getrieben wurden. Diese legitimen Maßnahmen der Selbstverteidigung bezeichnet der Brief als Massaker. Weiter heißt es, der Gaza sei kein separiertes Land, vielmehr wäre er gewaltsam durch die Architektur des israelischen Staates vom dem „einen Volk“ der Palästinenser („one people“) getrennt. Palästina sei ein kolonisiertes Land, Israel die Kolonialmacht und die Palästinenser würden gegen diese Kolonialmacht einen Befreiungskampf führen. Bei dem seit 1948 andauernden Krieg gegen Israel handele es sich nicht um einen (militärischen) Konflikt, sondern um Apartheid, denn der palästinensischen Gemeinschaft würde seit den Anfängen des „Siedler-Kolonialismus“ die Rückkehr in die Heimat („right of return“) systematisch verwehrt. Der Terminus „Siedler-Kolonialismus“ steht für eine Besiedlung in der Absicht, die Urbevölkerung auszurotten.8 Das ist eine geradezu wahnhafte Interpretation der Geschichte Israels und der arabischen Staaten: Arabische Israelis stellen rund 20 % der israelischen Bevölkerung, sie sind gleichberechtigte Bürger des Staates Israel. 1948 und in den folgenden Jahren wurden aus den arabischen Staaten über 700.000 Juden vertrieben. Manche arabische Staaten (Libyen, Syrien, Irak u.a.) sind wie die palästinensischen Autonomiegebiete heute „judenfrei“.

Die Unterzeichner fordern das Ende der militärischen Unterstützung Israels, vor allem die der USA. Sie fordern die Auflösung des Apartheid-Regimes. Weil Israel mit Apartheid gleichgesetzt wird, ist klar was mit dieser Forderung gemeint ist. Die Regierungen anderer Länder werden aufgefordert, die Verbrechen gegen die Menschheit („crime against humanity“), die Israel begehen würde, durch Sanktionen entgegenzutreten, den Handel mit Israel einzustellen und ökonomische und kulturelle Beziehungen zu Israel zu kappen. Die Unterzeichner fordern alle Aktivisten und Künstler auf, den palästinensischen Kampf gegen die Kolonialmacht Israel zu unterstützen.

„Rassismus, Antisemitismus und alle Formen des Hasses seien im palästinensischen Kampf nicht erwünscht.“ A Letter Against Apartheid.
Foto: Twitterbeitrag der IDF, 23.08.2019

Der Brief ist ein unbändiger Ausdruck des Hasses auf Israel. Kaum verklausuliert wird die Abschaffung Israels gefordert. Mit keinem Wort geht er auf den Terror palästinensischer Gruppierungen wie den der Fatah, der Hamas und des Islamic Jihad u.a. ein. Mit keinem Wort wird der andauernde massive und wahllose Beschuss Israels durch Raketen aus dem Gaza erwähnt. Man kann mit Fug und Recht behaupten: Wer sich mit einer solchen Erklärung einverstanden erklärt und sie unterstützt, der kann sich keinesfalls von Antisemitismus freisprechen.

Die Unterzeichner unterstützen mit ihrer Unterschrift wie die BDS-Bewegung explizit aber auch die kulturelle Isolation Israels. Eine Forderung, die im Zusammenhang der documenta von herausragender Bedeutung ist. Insofern ist die Aussage, es ginge nicht darum, aus der documenta eine Ausstellung im Sinne von BDS zu machen, unglaubhaft. Dem Zentralrat ist schlicht Recht zu geben: Es scheint kein Zufall zu sein, dass auf der documenta keine Künstler aus Israel präsentiert werden.

Die Verwurzelten und die Unerwünschten

Der Redaktion der HNA stand am gleichen Tag ein Teil der „künstlerischen Leitung“ der documenta „Rede und Antwort“.9 Daraus machte die nordhessische Lokalzeitung einen eine ganze Seite füllenden Artikel. Dieser wird auf der ersten Seite wie folgt angekündigt: Die ruangrupa sei in der Stadt verwurzelt. Ziel sei es: „Alle sollen sich wohlfühlen, Mitwirkende, Künstler und Besucher.“ Es wurden Ayşe Güleç („Artistic Team“), Farid Rakun und Reza Afisina („ruangrupa“) befragt. Alle drei haben den oben genannten „A Letter Against Apartheid“ unterzeichnet. Die HNA wusste dies entweder nicht oder sie interessierte sich dafür nicht.

Es gehört nicht viel dazu zu vermuten, wer sich aufgrund der Haltung maßgeblicher Macher der documenta und einiger auf der dort eingeladenen Künstler nicht wohl fühlen wird.

Die Gesprächspartner der HNA: Reza Afisina, Ayşe Güleç, Farid Rakun. Alle drei haben den „A Letter Against Apartheid“ unterzeichnet. Kritische Nachfragen der Redaktion? Keine.
(Screenshot; HNA)

Güleç stellt im Gespräch fest: „Die Unterstellung eines israelfeindlichen Antisemitismus werde von außen an die Ausstellung herangetragen.“ Dass wir als BgA-Kassel in der Stadtgesellschaft und -politik nicht wohl gelitten sind, ist bekannt. Wenn wir Kritik üben, tun wir das ohne Rücksicht auf Ansehen und Position der betroffenen Personen und Gruppen. Man schneidet uns dafür systematisch, namhafte Stadtpolitiker betiteln Einzelne von uns mit „der unmögliche …“, andere bezichtigen uns „auf Rassismus bezogener Antisemitismusvorwüfe“. So what. Wenn nun aber Güleç die Kritik als von außen herangetragen sieht und die HNA gleichzeitig vermeldet, die ruangrupa sei in der Stadt fest verwurzelt, dann wird in dieser Wortwahl klar, dass die jüdischen Organisationen: der Zentralrat der Juden in Deutschland, das AJC Berlin, die WerteInitiative und die Jüdische Studierendenunion Deutschland, die sich kürzlich in aller Deutlichkeit geäußert haben, genau nicht zu dieser Gemeinschaft der Verwurzelten gehören.10 Dass es Zeitungen gibt, die diese Kritik auch in die Öffentlichkeit bringen, macht sie laut HNA zum Sprachrohr des Zentralrats der Juden.11 Güleç aber ist nicht nur von jedem Verdacht erhaben, sondern gibt darüber hinaus noch die theoretisch versierte Fachfrau: „Antisemitismus und Rassismus hingen zusammen – nicht umsonst habe der Attentäter von Halle, als er sich keinen Zugang zur Synagoge verschaffen konnte, in einem Imbiss irgendwie ‚migrantisch‘ aussehende Opfer gesucht.“

Es ist in der Forschung unumstritten, dass Antisemiten auch Rassisten sein können. Rassismus ist im Wesentlichen eine auf Vorurteilen beruhende Ideologie, die tatsächlich oder vermeintlich anders Aussehende, in anderen Gesellschaften Sozialisierte und Angehörige anderer Nationen abwertet. Antisemitismus ist dagegen eine wahnhafte Weltanschauung, die den Juden als allmächtig halluziniert und in ihm ein Gegenvolk sieht, das es letztendlich zu vernichten gilt. Dass nicht nur Nazis sondern auch „antirassistische“ Kulturschaffende, „People of Colour“, linke Aktivisten, Kämpfer für Diversität und Nachhaltigkeit veritable Antisemiten sein können, darüber spricht weder die HNA noch irgendjemand in der Stadt Kassel, denn die ruangrupa ist „in der Stadt verwurzelt“ und alle wollen dazu gehören und sich wohl fühlen.

Aber auch für die HNA ist mit der Aussage der Güleç, „es gebe aber viele Künstler, die sich […] gegen Rassismus aussprächen“ alles erledigt. Und überhaupt, worüber regen die jüdischen Verbände sich auf: „Es sei kein israelischer Künstler eingeladen, [es] wäre es ein Leichtes, all die vielen Staaten aufzuzählen, die auch nicht in Kassel vertreten sind. Auf der Venedig-Biennale ist auch kein Künstler aus Israel dabei,“ meinte der Journalist Mark-Christian Busse am folgenden Tag in der HNA anmerken zu müssen.

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1 Neue Osnabrücker Zeitung, Generaldirektorin Sabine Schormann: „Documenta wendet sich klar gegen Antisemitismus“, Presseportal.de, 27.05.2022.

2 documenta-Chefin positioniert sich gegen Judenhass, Hessenschau, 27.05.2022; ähnlich auch „documenta-Generaldirektorin positioniert sich gegen Judenhass“, Deutschlandfunk Kultur, 27.05.2022.

3 „Israelkritik“ ist dem Grunde nach eine antisemitische Anwandlung. Denn weder gibt es Frankreichkritik, noch Islandkritik und auch wenn es angebracht wäre, keine China- oder Russlandkritik. Im Zusammenhang von Russland spricht man vom großrussischen Chauvinismus, vom russischen Angriffskrieg, Kriegsverbrechen usw. Angesichts der großen Zustimmung in Russland für den Krieg, ist die Rede von einer Verantwortung des russischen Volkes, von einer der Russen für diesen verbrecherischen Krieg. Angesichts dieser richtigen Schlußfolgerungen dürfen die zahlreichen Stimmen nicht fehlen, die mahnen, nicht alle Russen pauschal zu verurteilen.

4 Jüdische Kritik an der documenta. „Dahinter verbirgt sich ordinärer Antisemitismus“, Die Welt, 26.05.2022.

5 Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn je tiefer man bohrt, desto größer ist der Unrat, den man zutage fördert. Darüber hinaus gibt es andere Pamphlete des Israelhasses, deren Unterzeichner wir jetzt nicht alle überprüft haben. Die auf der documenta fifteen tätigen Unterzeichner werden in unserem Beitrag „Hätten sie lieber geschwiegen“ aufgezählt.

6 Zum Hintergrund der Auseinandersetzungen in Sheikh Jarrah, vgl.: Nadav Shragai, Sheikh Jarrah: Ein Immobilienstreit, der nicht nur um Immobilien geht, in: mena-watch, 12.09.2021.

7 Im Mai 2021 kam es zu gewalttätigen Übergriffen auf arabische Israelis, wie umgekehrt durch arabische Israelis auf Juden. Der israelische Ministerpräsident verurteilte diese Taten: „Was in den vergangenen Tagen in den Städten Israels geschehen ist, ist inakzeptabel“, erklärte er. „Nichts rechtfertigt den Lynchmord an Arabern durch Juden, und nichts rechtfertigt den Lynchmord an Juden durch Araber.“ Vgl.: Erneut Raketenalarm in Tel Aviv, Zeit.online, 13.05.2021.

8 Über die Bedeutung des Begriffs „Siedler-Kolonialismus“ in Bezug auf den Zionismus, vgl.: Zionism as settler colonialism, wikipedia.

9 Die Eisdielentipps gehören dazu. So funktioniert die ruangrupa: documenta fifteen zu Gast bei der HNA, HNA, 27.05.2022. Auf der Titelseite der Zeitung hieß es am gleichen Tag: „Im Redaktionsgespräch wurde deutlich, wie tief Ruangrupa in der Stadt verwurzelt ist, …“

10 Siehe Fußnote 4

11 In der HNA bezichtigte der Journalist Mark-Christian von Busse am 28.05.2022 „Die Welt“ „zuletzt als Sprachrohr des Zentralrats der Juden“ zu fungieren und munkelte über die Einflussnahme jüdischer Organisationen: Diese forderten, ein ‚Expertengremium‘ das über die Kunst in Kassel wachen solle. „Das wäre genau die Einflussnahme, vor der Hans Eichel gewarnt hat.“