From the River to the Sea – Der Mob formierte sich auch in Kassel

Am Samstag, den 15. Mai 2021, so kündigte die deutschlandweit agierende Initiative „Palästina spricht“ an, sollte dem „Tag der Nakba“ gedacht werden. Im mit „Wir werden zurückkehren! Wir werden nach Hause kommen!“ überschriebenen Ankündigungstext zu den Kundgebungen, hieß es, „im Zuge der Gründung des israelischen Staates, zogen zionistische paramilitärische Gruppen durch Palästina, massakrierten Hunderte und vertrieben Hunderttausende.“ Die Gruppe schreibt weiter, dass diese „Nakba“ bis heute vom israelischen Staat vollzogen wird. Ziel sei es, „so viel Land wie möglich mit so wenig Palästinenser*innen wie möglich zu erreichen. Und deshalb werden bis heute Häuser zerstört, Menschen vertrieben, eingesperrt und erschossen …“ Zum Schluss heißt es: „Wir fordern alle emanzipatorischen […] Kräfte und Individuen dazu auf, an diesem Tag […] für ein freies Palästina, vom Jordan bis zum Mittelmeer […]“ zu demonstrieren.1 Inhaltlich weitgehend übereinstimmend gestaltete sich der Aufruf der Gruppe Samidoun. Diese Organisation ist eine Organisation mit Verbindungen zur PFLP. Auch die Gruppe Samidoun mobilisierte für alle Städte in Deutschland.2

Lügen …

Dieser Text war auch Bestandteil des Aufrufs zur Kundgebung am 15. Mai 2021 in Kassel.3 Der Text ist durch seine bewussten Auslassungen schlicht eine Geschichtslüge. Der 15. Mai 1948 ist der Tag, der dem Tag der Gründung Israels folgte. Zu diesem Datum überfielen die Armeen Jordaniens, Ägyptens, Syriens und des Libanons den gerade gegründeten jüdischen Staat. Ihnen folgten die Anhänger des Nazikollaborateurs, Kriegsverbrechers und palästinensischen Anführers al-Husseini. Ziel dieses Krieges war die Vernichtung des jüdischen Staates und die Vertreibung seiner Bewohner. Im Zuge der ausgebrochenen Kampfhandlungen kam es sowohl zu Vertreibungen, aber auch zur Flucht von arabischen Palästinensern. Zur Flucht riefen jedoch auch die palästinensischen Autoritäten die arabische Bevölkerung selbst auf. „Eine Minderheit wurde von israelischen Truppen vertrieben. Die Mehrheit flüchtete aus Angst vor den Kampfhandlungen wie auch aus Angst vor den israelischen Streitkräften. Dabei setzten sich erst die vermögenden Eliten, dann die Mittelklasse und später die ärmeren Gesellschaftsschichten ab. Israelische Kräfte waren an Vertreibungen und vereinzelten Massakern beteiligt. […] Eine konsistente Politik der Vertreibung wurde jedoch […] nicht verlautbart.“4

Zum bekanntesten Massaker an arabischen Palästinensern kam es am 9. April 1948 in Der Yasin, also vor der israelischen Staatsgründung im Bürgerkrieg. In diesem Bürgerkrieg standen sich vor allem die Hagana und arabische Milizen gegenüber. Im Dorf Der Yasin töteten während Kampfhandlungen Einheiten des Irgun und Lechi 100 – 120 Araber, in der Mehrheit Zivilisten. Die Hagana wurde von diesen Einheiten in den bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen unterstützt, gleichwohl operierten Irgun und Lechi auf eigene Faust. Nach der Staatsgründung wurde die Hagana in die regulären israelischen Streitkräfte umgewandelt. Nicht ohne Konflikte verlief die Eingliederung der Irgun und Lechi. Sowohl Hagana als auch die Jewsh Agency haben dieses Massaker jedoch klar verurteilt.5

Im Zuge des arabisch-israelischen Krieges flohen bis zu 600.000 Juden aus den arabischen Ländern. Viele von ihnen wurden schlicht vertrieben, auch aus den von jordanischen Streitkräften 1948 eroberten Teilen Jerusalems, zu denen nicht nur die östlichen Stadtteile gehörten, sondern auch die Altstadt mit dem dort seit Jahrhunderten existierenden jüdischen Viertel. Im Gegensatz zum Staat Israel, in dem bis heute ca. 20 % der Bevölkerung arabische Palästinenser sind, die im Parlament vertreten sind, in den Sicherheitskräften arbeiten, Bürgermeister-Posten einnehmen usw., sind die meisten arabischen Staaten, einschließlich der Gebiete, die unter der Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde stehen, „judenfrei“.

Während also durch bewusste Weglassungen eine Geschichtslüge verbreitet wird, kommt die Forderung nach einem „freien Palästina“, das vom Jordan bis zur Meer reichen soll, einer der Vernichtung des jüdischen Staates und einer Vertreibung eines Großteils der jüdischen Bevölkerung gleich. Im Gegensatz zur Behauptung im Aufruf, Israel würde eine Politik der Vertreibung und Massaker bis heute fortsetzen, handelt es sich bei der zentralen Forderung des Aufrufes um die seit 1948 bestehende Agenda des Muftis, die wenig modifiziert von Arafat, Abbas und den Gruppen Hamas, PFLP und DFLP übernommen worden ist. Der zentrale Inhalt des Aufrufs, der zwar die Diktion linken Politik-Sprechs bemüht, unterscheidet sich daher nur unwesentlich von der Hamas-Charta und deren aktuellen Verlautbarungen.

Der Inhalt des Aufrufs wurde (nicht nur) in der in Nordhessen und Kassel erscheinenden HNA entweder nicht zur Kenntnis genommen, was eigentlich zur Aufgabe einer gründlichen Recherche gehört. Oder man hat den Inhalt schlicht ignoriert. Wie sonst konnte die Zeitung über Ahmed Tubail am 15. Mai 2021 schreiben: „Tubail wendet sich gegen jeglichen Antisemitismus.“ Ein Hohn angesichts dessen, was im Aufruf steht.6 Ebenfalls wird Brigitte Domes, „Chefin“ (HNA) der „Deutsch-Palästinensische Gesellschaft, Regionalgruppe Kassel“, die explizit die antisemitische BDS-Bewegung unterstützt, wie folgt zitiert: „Das Existenzrecht Israel werde nicht infrage gestellt, wie es den Veranstaltern vorgeworfen wird.“ Eine eiskalte Lüge.7

Im Vorfeld ließ dann der ehemalige Kasseler Dechant, Harald Fischer, in einer an über 400 Empfänger versandten E-Mail wissen: Die Kundgebung erinnere an die „ungelöste Frage nach der Zukunft der Menschen in den palästinensischen Gebieten in Israel, auf den West-Banks und im Nahen Osten.“ Wir wissen nicht, wie Herr Fischer die beiden Sätze im Aufruf zur Kundgebung „Wir werden zurückkehren! Wir werden nach Hause kommen!“ versteht bzw. interpretiert. Seine Intervention gegen die Kundgebung zur Solidarität mit Israel lässt jedenfalls nicht erkennen, dass er sich der Problematik der Forderung nach dem „Rückkehrrecht“ bewusst ist. Die Umsetzung dieses „Rückkehrrechtes“ wäre die Liquidation des Jüdischen Staates und ist nichts anderes als die etwas vornehmere Form des Slogans „From the river to the Sea – Palästina will be free!“.8

Aktivist mit Stirnband der Hamas

Alles bleibt friedlich“ (HNA). Rechts im Bild: Saddam Hussein

Die allseits beliebte Diskreditierung Israels als Apartheidssystem

Die Nazis von heute sind die Juden

Der antisemitische Topos vom Juden als Kinderschlächter gepaart mit Nekrophilie. Die hier ebenfalls zu sehende Verwendung des Begriffs "Rassismus" steht für die Anschlußfähigkeit zum den Postkolonialen Linken.

Der antisemitische Topos vom Juden als Kinderschlächter gepaart mit Nekrophilie. Die hier ebenfalls zu sehende Verwendung des Begriffs „Rassismus“ steht für die Anschlussfähigkeit zu den Postkolonialen Linken.

… Unterstützer …

Die Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) von VW-Baunatal, Seyda Demircan, und Harald Fischer waren nach bisherigem Kenntnisstand die einzigen prominenten Personen aus Kassel, die die Kundgebung unterstützten. Fischer sprach sich darüber hinaus auch ausdrücklich gegen eine Gegenkundgebung aus. Kleinparteien und linksradikale Grüppchen wie die „Revolution Hessen“, die SDAJ, die MLPD9 und ihre Satelliten, die Organisation „Internationalistisches Bündnis“, die in Kassel Anhänger der Terrorgruppe DFLP versammelt, und der Jugendverband Rebell unterstützten den Aufruf ebenfalls.

Ein gewisser Jörg Ulloth hielt auf dieser Kundgebung einen Redebeitrag. Aber wer ist Jörg Ulloth? Er ist laut „Literaturhaus Nordhessen e.V.“ einer der Betreiber des Café Buch-Oase. Jeff Halper, der eine ganze Nacht mit ihm diskutierte, nannte ihn einen „ardent Communist“. Zu den Unterstützern des Cafés gehören u.a. drei Gruppen aus dem Umfeld der MLPD: Die Gruppe Solidarität-International e.V. (SI) RG Kassel, das VW-Komitee Kassel und das Internationalistisches Bündnis RG Kassel, ferner auch das Café Palestine Colonia, das 2018 ganz offen für die PFLP Werbung gemacht hat.10

Zur Kundgebung kamen ca. 500 Teilnehmer. Die sattsam bekannten Rufe „Israel – Terrorist“, „Kindermörder-Israel“, „Allahu-Akbar!“ usw. wurden skandiert. Hamas-Stirnbänder wurden getragen, Bilder von Saddam Hussein präsentiert, die israelfeindliche Identifikation des israelischen Staates als System der Apartheid oder die Gleichsetzung der israelischen Politik mit der der Nazis wurden auf Plakaten und Transparenten präsentiert. Das häufig auf Kasseler Ostermärschen gezeigte Banner mit „Schluss mit Vertreibung und Besatzung“ war ebenfalls zu sehen.

… Angst und Solidarität

Diesem Mob stellten sich etwa 150 Menschen entgegen. Nachdem das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel bereits am Vortag, am 14. Mai, an den Tag der Gründung Israels erinnerte, rief das „Junges Forum DIG“ und die „Deutsch-Israelische Gesellschaft Kassel“ und andere am 15. Mai zur Kundgebung „Solidarität mit Israel – Gegen antisemitischen Terror“ auf. Auch ein Vertreter der Kasseler Falken und des BgA-Kassel hielten einen Redebeitrag.11 Vertreter der CDU und der FDP zeigten sich solidarisch. Auch der SPD-Abgeordnete Timon Gremmels suchte die Kundgebung auf. Er konnte es allerdings nicht lassen, in seiner Mitteilung auf Facebook gleich im zweiten Satz darauf hinzuweisen, dass man die Regierung Israels auch kritisieren dürfe.12 Von den Vertretern derjenigen, die sonst den Antifaschismus wie eine Monstranz vor sich hertragen und bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit „Nazis raus!“ oder „Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg!“ skandieren, war weit und breit nichts zu sehen, zu hören und zu lesen.

In der HNA vom 15. Mai wurde erwähnt, dass die jüdische Gemeinde den Gottesdienst aus Angst abgesagt hatte und dass die gerade neu beklebte Straßenbahn, die an jüdisches Leben in Kassel erinnern soll, im Depot bleibt. Damit wird deutlich, dass in der Stadt ein Klima der Angst herrscht. Angst der Kasseler Juden vor antisemitischen Angriffen. Trotzdem hielt es die Zeitung für wichtig, angesichts der bedrohlichen Kundgebung zu titeln: „In Kassel blieb es friedlich“.

Während in den Medien mehrheitlich die Umtriebe in verschiedenen Städten Deutschlands am 15. Mai und davor als das erkannt wurden, was sie waren, als antisemitische Zusammenrottungen, blieb die HNA in der Bewertung der Kasseler Kundgebung seltsam indifferent.13 Obwohl der Ruf „Israel Kindermörder“ und die Parole „Freies Palästina“ auf dem Staatsgebiet Israels im Artikel benannt wurden, kam erneut Tubail zu Wort. „Man habe sich von den antisemitischen Ausschreitungen distanzieren wollen“ wurde er zitiert. Aus Tubails Sicht ist „ist jeder antisemitische Vorfall einer zu viel.“ Die auf der Hand liegende Nachfrage, warum er sich dann an der Organisation eines antisemitischen Aufmarsches beteiligte, unterblieb.

Nachtrag

Die CDU-Fraktion in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung ergriff die Initiative, eine Resolution einzubringen, die den Antisemitismus auf den Straßen und den Terror gegen Israel verurteilen sollte. Selbst der dann eher allgemein formulierten Resolution, die die CDU, die SPD, die Grünen und die FDP am 17. Mai 2021 in die Stadtverordnetenversammlung einbrachten, wollte die Fraktion der Kasseler Linke nicht zustimmen.

In der Resolution hieß es: „Die Stadtverordnetenversammlung […] verurteilt die Hasstiraden gegen Juden in Deutschland. Angriffe auf jüdisches Leben und jüdischen Einrichtungen, brennende Israelfahnen, Steinwürfe auf Synagogen und antisemitischer Mob auf den Straßen sind unerträglich und nicht hinnehmbar. Verbrämt unter dem Deckmantel des „Antizionismus“ zeigt sich in Wahrheit ein offen vorhandener Antisemitismus […] Die Stadtverordnetenversammlung […] stellt sich klar und entschieden gegen jede Form von Antisemitismus. […]“

Die Kasseler Linke ließ verlautbaren, dass der Konflikt instrumentalisiert würde und die Resolution würde „Öl ins Feuer gießen.“14

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1 Aufruf zu den Aktionstagen der andauernden Nakba 2021, auf: www.palaestinaspricht.de

2 Die Rolle linksextremer Terror-Anhänger bei judenfeindlichen Demos, in: welt.de. Der Aufruf der Gruppe Samidoun findet sich hier: Berlin, 15. Mai: Die populäre Demo für Rückkehr und Befreiung in Palästina.

3 Facebook-Veranstaltungs-Ankündigung Kundgebung zum Tag der Nakba

4 „Palästinakrieg“, in: Wikipedia. Kurz: Es war das erklärte Ziel des arabischen Angriffskrieges , die Juden zu vertreiben. Die Flucht und Vertreibung der arabischen Bevölkerung war dagegen kein Plan israelischer Politik.

5 „Massaker von Deir Yasin“, in: Wikipedia

6 Die HNA ließ im Vorfeld der Kundgebung die beiden einschlägigen Aktivisten unkommentiert zu Wort kommen. Vgl.: Zunehmender Hass auf Juden, in: HNA, 15.05.2021. Ahmed Tubail ist Vorsitzender des Vereins „Palästinensische Gemeinde-Kassel, dem man mindestens die Nähe zur DFLP nachsagen kann. Vgl. hierzu: Antisemiten und Völkische auf Kassels Sommer- und Straßenfesten.

7 Siehe FN 6. Die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e.V. Kassel wird auf der Internetseite der Gruppe BDS als Unterstützer genannt.

8 Die Forderung nach dem Rückkehrrecht hat bisher alle Friedensverhandlungen mit Israel und der Fatah torpediert. Vgl. zu dieser Problematik z.B.: Martin Klingst, Weniger Geld für die Krake, in Zeit-Online, 22. Januar 2018

9 „Revolution Hessen“ und die SDAJ gehören dem „Bündnis Gegen Rechts Kassel“ an. Das Kasseler MLPD-Mitglied und Ortsvorsteher in Rothenditmold, Hans Roth, erklärte im Zusammenhang unserer Presse-Mitteilung in der HNA am 8. Mai 2021, er könne es nicht nachvollziehen, dass seine Partei mit israelfeindlichen Gruppen zusammenarbeite und er spreche sich auch strikt gegen Antisemitismus aus. Die MLPD steht nicht nur wegen ihres positiven Bezuges auf die Stalinära in der Kritik, sondern auch wegen der Zusammenarbeit mit der PFLP und der DFLP. Beides sind terroristische Gruppen. Der Chef des Thüringer Verfassungsschutzes Stephan Kramer forderte dieses Jahr das Verbot der PFLP und erhielt dafür eine breiten Zuspruch aus Politik und Gesellschaft. Vgl.: tagesspiegel.de, Breite Unterstützung für Verbot palästinensischer Terrororganisationen in Deutschland, 14.05.2021.

10 Zum Café Buch-Oase siehe: Die Café Buch-Oase Connection. Das Café Palestine Colonia wird wie die IPPNW, die ebenfalls das Café unterstützt, als deutsche Unterstützergruppe der BDS aufgezählt. Über das Café Palestine Colonia, siehe: belltower.news, „From the river to the sea!“ Antizionistische Kundgebung in Köln, 10.07.2020

11 Der Redebeitrag des BgA-Kassel ist hier dokumentiert: Für Israel – Gegen Antisemitismus und Terror

12 Der SPD-Politiker postete am 15.05.2021 folgendes: „Das Existenzrecht des Staates Israel ist deutsche Staatsräson. Das heißt aber nicht, das man die Regierung Israels nicht auch kritisieren darf. Was aber keinesfalls geduldet werden kann, sind Demonstrationen vor Synagogen gegen den Staat Israel und gegegen Juden oder die Beschimpfung eines Rabbiners – letzteres ist gestern in Kassel geschehen. Das ist zweifelsohne antisemitisch und gegen jede Form des Antisemitismus gilt es Flagge zu zeigen. Vielen Dank der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft Kassel für die Organisation der heutigen Demonstration und dem Platzverweis für die Trittbrettfahrer der AfD.“

13 Der Umgang der Zeitung mit den Ereignissen gipfelte im Abdruck eines dpa-Artikels, der die, angesichts der Ereignisse aberwitzige, These vertrat, die AfD nehme eine problematische Rolle ein. Antisemitismus ist vielschichtig. In Deutschland schwierige Gemengenlage: Von Rassismus bis Erinnerungsabwehr“, HNA, 15.05.2021

14 Kassel verurteilt „Hasstiraden gegen Juden“, HNA, 19.05.2021

Erneut eine Kundgebung in Kassel – Kompromisslos gegen Israel

(9. Dezember 2017)

Der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump hat die Tatsache offiziell anerkannt, dass Jerusalem die Hauptstadt Israels ist. Jerusalem ist seit 1950 die Hauptstadt Israels. Erst nach der Eroberung ganz Jerusalems im Sechstagekrieg 1967 konnten Juden wieder in das jüdische Altstadtviertel zurückkehren, aus dem sie 1948 vertrieben wurden. Unter israelischer Hoheit wurde und wird bis heute die islamische Selbstverwaltung des sogenannten Tempelbergs nicht in Frage gestellt und steht entgegen der vielfach suggerierten Behauptung auch nicht zur Disposition. In Israel hat es in der Vergangenheit immer mal wieder auch kompromissbereite Politiker gegeben, die bereit waren, Teile Jerusalems der palästinensischen Selbstverwaltung zu unterstellen. Die kompromisslose Haltung palästinensischer Politiker trug dazu bei, dass diese Variante seit Jahren keine realistische Option mehr ist.

Die irakische Flagge mit Allahu Akbar und die palästinensische auf der Rathaustreppe

Mit dem aktuellen setzt der amerikanischen Präsidenten den Beschlusses des Kongresses aus dem Jahr 1995 um, der damals mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde. Der Schritt des Präsidenten ist weltweit auf Unverständnis gestoßen und verweist damit auf die weltweit verbreitete ideologische Haltung, die sich darin festmacht, dass man Israel gegenüber doppelte Standards an den Tag legt oder versucht diesen Staat zu delegitimieren. Denn es ist völlig unklar, warum für Israel nicht das Recht gelten soll, selbst zu bestimmen, welche Stadt Hauptstadt ist.

Bei den politischen Gruppierungen Palästinas führte dieser Schritt zu eindeutigen Bekundungen des Antisemitismus, des Hasses und der Kompromisslosigkeit. Man wird das Gefühl nicht los, dass diese nur auf einen Anlass gewartet haben, die Wutmaschine anzuwerfen und die Leidenschaft zu entfachen. So wie gestern in Berlin (Welt / Demonstranten verbrennen israelische Fahnen) kam es heute in Kassel zu einer Kundgebung palästinensischer, offensichtlich der Fatah nahestehenden, Gruppierungen. Die Kundgebung wurde klandestin angekündigt. Nirgends war eine Ankündigung zu finden. Man scheut offensichtlich die Öffentlichkeit. Eine ähnliche Kundgebung gab es bereits in diesem Sommer (Khaibar – Khaibar – Allahu Akbar), von der ebenfalls unklar ist, welche politische Organisation dafür verantwortlich war.


Auf der Kundgebung in Kassel wurden dann auch vornehmlich arabische Parolen skandiert. Deutlich zu vernehmen waren trotzdem die Parolen, die sich gegen Israel, aber auch gegen die USA richteten. „Raus Raus Israel – Raus Raus Israel“, „Nieder mit Israel“, die islamische Kampfparole „Allahu Akbar“ wurde mehrfach skandiert, obwohl die Teilnehmer deutlich als säkular ausgerichtet zu erkennen waren und auch die irakische Flagge, die den Schriftzug „Allahu Akbar“ führt, wurde warum auch immer präsentiert. Immer wieder wurde auch die durch und durch von einer Blut-und-Boden-Ideologie geprägte palästinensische Hymne angestimmt (Wikipedia / Fida’i). Auf Plakaten der Protestierenden war zu lesen: „70 Jahre Besatzung“, eine kaum verklausulierte Stellungnahme, dass es ihnen um die Beseitigung Israel insgesamt und nicht nur um die der Enklaven jüdischer Bewohner und der israelischen Militärherrschaft in Teilen der Westbank geht. „Jerusalem (Al Quds) bleibt die Hauptstadt Palästinas“ ist ebenfalls die klare Bekundung eines politischen Ziels, das keinen Raum für Kompromisse lässt. Das zentrale Banner der Kundgebung präsentierte die Aussage: „Biblischer Zeit gab es Israel gar nicht.“ Ein klarer Ausdruck dafür, dem jüdischen Staat auch die historisch begründete Identität abzusprechen. Der mutmaßlich Verantwortliche der Kundgebung ließ sich mit einem Plakat ablichten „Jerusalem und Jaffa gehören uns“.

Und auch wenn die Verantwortlichen der Kundgebung dieses Mal das Anstimmen des antisemitischen Kampfsongs „Khaibar Khaibar“ unterbanden, war es deutlich, gegen wen sich die Kundgebung richtete und für was sie stand. Ein Beitrag eines Redners, der beteuerte, man habe nichts gegen Juden, thematisierte dann doch den Einfluss jüdischer Politiker und insbesondere die der Israels auf den, angeblich dem Ansinnen Palästinas gegenüber feindlichen gesinnten Rest der Welt. Er hat die politische Welt mit denen verwechselt, die in Kassel auch auf der Straße waren: Passanten auf Einkaufsbummel und Besucher des Weihnachtsmarktes. Erfreulich war, dass nicht wenige Passanten ihren Unmut äußerten.

(jd)

Unrat der Religionen – Der Kasseler Aufruf zum Märtyrertod

Der Schein der trügt und die Naiven

In Kassel gibt es nicht nur eine DITIB-Gemeinde. Eine davon ist die in Oberzwehren. Dort steht eine „imposante“ (Christine-Brückner-Schule) Moschee. Dieser Moschee stattete eine Klasse der Kasseler Christine-Brückner-Schule einen Besuch ab. Sie traf dort auf einen Imam, der Semih Ögrünc heißt. Der Text der Schule führt weiter aus: „In einem interessanten Vortrag erklärte Semih Ögrünc uns zunächst wesentliche Ansichten und Traditionen des Islam, … und ging anschließend auf die im Vorfeld schon erarbeiteten zahlreiche Fragen der Klasse ein. Geduldig wurden alle Fragen beantwortet, sodass wir hinterher nicht nur schlauer, sondern auch inspiriert und beeindruckt wieder Richtung Schule von dannen zogen.“ Was die inspirierten und beeindruckten Schüler lernten: „Islam bedeutet Frieden.“

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Screenshot von der Webseite der Christine-Brückner-Schule. Unter dem Logo „Islam bedeutet Frieden“ posieren die Schüler hier mit dem Imam.

Das wahre Gesicht: Dunkle Mächte, Vernichtungsabsicht, Märtyrertod und Volksgemeinschaft

Nach dem Putschversuch in der Türkei trat am 17. Juli eben dieser Imam auf dem Königsplatz in Kassel auf und hielt dort eine Predigt. Die Initiative „DITIB Die Marionetten Erdogans*“ hat diese Rede übersetzt. Der Beitrag des Imams begann mit der raunenden Suggestivfrage, „Wer auch immer, welche üble Gewalt auch immer, welche Parallelorganisation auch immer, welche unaufzählbare Macht auch immer daran arbeitet den Zusammenhalt dieser Menschen zu brechen …“ und kommt zur Aufforderung diese Mächte zu vernichten: „… lasse sie uns vernichten und verwahrlosen mein Herr. Amen!“ Seine Rede endete mit dem Aufruf, dass wenn der Herr wieder eine Anordnung gebe, das Leben für das Vaterland zu geben, „dann sind wir mit unseren Geschwistern zusammen bereit Märtyrer zu werden.“ Die Predigt ist hier zu finden: Imam verherrlicht Märtyrertod.

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Ausschnitt der HNA-Meldung. Auch die HNA sieht eine friedliche Kundgebung – Sie hat dem Imam nicht zugehört.

Deutlich wird in der Predigt die Affinität des politischen Islam zur volksgemeinschaftlichen Ideologie. Der Imam propagiert eine Volksgemeinschaft und sieht in geheimnisvollen Mächten Kräfte, die das Volk spalten. Sie gilt es zu vernichten. Dazu braucht es nach Ansicht des Imams zum Tode bereite Kämpfer. Soviel zur Religion des Friedens.

Partner des interreligiösen Dialoges in Kassel

Die DITIB ist wie die faschistische und antisemitische Milli Görüs Mitglied im Kasseler Rat der Religionen. Der Rat der Religionen der Stadt Kassel, ist unter dem Vorsitz vom Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen am 11. Mai 2011 gegründet worden. Im Selbstverständnis des Rates der Religionen ist die Rede davon, dass sich die Beteiligten „für die Förderung des interreligiösen Dialogs und das friedliche, gleichberechtigte Miteinander aller Menschen in Kassel einsetzen.“

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Nach wie vor werden als Mitglieder des Kasseler „Rat der Religionen“ 3 DITIB-Gemeinden aufgeführt sowie die Milli Görüs, die sich hinter dem Kürzel „IGMG- Ayasofya Moschee“ verbirgt.

In der Erklärung zum 11. September 2001 wird von diesem Rat ausgeführt, dass „Misstrauen und Vorbehalte bis hin zu Hass gegenüber Andersgläubigen“ nach dem massenmörderischen Attentat verstärkt wurden. Gemeint ist nicht der Hass, der die Attentäter zu ihrer Tat trieb, sondern das gewachsene Misstrauen einer Religion gegenüber, die, wie es oben beschrieben wird, von viel zu vielen immer noch als Religion des Friedens und als Dialogpartner gilt. Es bleibt abzuwarten, ob der Imam wieder nur ein bedauerlicher Einzelfall ist und das Bild vom Islam, der Frieden heißt, wieder aufgerichtet wird. (jd)

* Die hier genannte und an sich lobenswerte Initiative, soll nicht ganz ohne Kritik bleiben. Die Illustrierung Erdogans als großen Strippenzieher hat zwar einen rationalen Kern, weil eben die DITIB tatsächlich dem türkischen staatlichen Präsidium für religiöse Angelegenheiten unterstellt ist, dennoch haben wir es z.B. auch in Kassel mit aktiv handelnden politischen Subjekten zu tun, die sich mit dem Regime und mit den diesem unterstellten Religionsverbänden identifizieren und dafür sorgen, dass diese islamisch-türkisch-nationalistische Ideologie verbreitet wird. Wenn das in der Illustration darauf reduziert wird, dass es eine im Hintergrund agierende Macht gibt, die die willenlosen Puppen tanzen lässt, so weist dieses Bild wiederum eine strukturelle Nähe zur hier kritisierten Rede auf.

Salafisten – Ein Anfrage – Keine Antworten

Die CDU hatte am 23.06.2016 eine Anfrage über salafistische Aktivitäten in Kassel an den Magistrat gerichtet. Sie wurde im Ausschuss Recht, Sicherheit, Integration und Gleichstellung behandelt. Beantwortet werden sollten Fragen zu Erkenntnissen über eine Veranstaltung mit Abu Walaa in Kassel und mögliche Handlungsoptionen der Stadt Kassel. Am 07. und 8. Mai 2016 veranstaltete die Al-Madina-Moschee zum wiederholten Male ein Seminar mit dem Salafisten Abu Walaa. Der Oberbürgermeister beantwortete die Fragen, hielt sich aber bedeckt. Es gebe einen Austausch mit der Polizei, dem Staats- und Verfassungsschutz, darüber könnte man jedoch keine näheren Auskunft geben. Es lägen keine Erkenntnisse über die Veranstaltung vor, die er dem Ausschuss darlegen könne und die Stadt sehe sich nicht in der Lage und Verantwortung, etwas gegen solche Veranstaltungen zu unternehmen. Gleichwohl verurteilte der Oberbürgermeister diese Aktionen der Salafisten, sie störten den Stadtfrieden.

Der Verfassungsschutz Hessen gibt Auskunft darüber, mit wem man es zu tun hat. Regionaler Schwerpunkt der salafistischen Szene ist auch Nordhessen, gelegentlich gibt es den Büchertisch „Lies“. Die Ergüsse des Abu Walaa kann man auf seiner Facebookseite verfolgen, weiteres ist auf der Seite Al Manhaj nachzulesen und es gibt etliche Propagandavideos von und über Abu Walaa. Auch die eine oder andere Veranstaltung in Kassel ist dort dokumentiert. Walaa indoktriniert Kinder, hält Vorträge über Frauen, Juden usw.

Kein Thema

Im Ausschuss gab es keinen weiteren Diskussionsbedarf. Kein Thema war zum Beispiel das „Bündnis gegen Rechts“, indem immerhin auch Vertreter verschiedener Parteien aktiv sind, die im Kasseler Stadtparlament vertreten sind, aufzufordern, gegen diese faschistoide Gruppe „Gesicht zu zeigen“ zu zeigen, oder unabhängig von den Berufenen, wenn es gegen Rechts geht, einen gemeinsamen Beschluss zu fassen, die Stadt aufzufordern, zu einer Demonstration gegen diese Moschee in der Schäfergasse aufzurufen, um gegen Frauenverachtung, Antisemitismus und, wenn schon nicht für die Freiheit von der Religion, so dann doch wenigstens für die Religionsfreiheit, Freiheit und Demokratie zu demonstrieren. Kein Thema war, von den im „Rat der Religionen“ vertretenen islamischen Gemeinden, eine klare Stellungnahme gegen die Salafisten als Bedingung für die weiterer Einbindung in den Dialog einzufordern.

Ein Thema

Über eine Stunde wurde dagegen über einen Schaufensterantrag aller Fraktionen palavert, der anlässlich eines Antrages der AfD initiiert wurde. In diesem Antrag der AfD wurde mehr Schutz für Kasseler Frauen und Mädchen eingefordert. Die Fraktionen sprangen auf das Thema an und forderten heroisch in einem gemeinsamen Antrag an die Stadt Kassel, die Kampagne „Nein heißt Nein!“ zu unterstützen. Die Aufforderung eines Abgeordneten doch erst einmal die juristischen Implikationen und die rechtsstaatliche Problematik, die im Zusammenhang diese Kampagne durchaus bestünde, zu diskutieren, verhallte wirkungslos.

Alle Beteiligten wiederholten sich in der mantrahaft vorgetragenen Vergewisserung, dass es eine Anmaßung der AfD sei, sich für die Rechte der Frauen einzusetzten – was natürlich stimmt – (keiner kam jedoch auf die Idee auf das ähnliche Frauenbild von AfD und Islam hinzuweisen) und dass diese Partei, die von einer „Flüchtlingsverwaltung“ schwadronierte, die es zum Schutze der deutschen Frau vor „fremden Männern“ (Originalton Werle) einzubinden gelte, nicht gerade von Intelligenz gesegnet sei, – was natürlich auch stimmt – und beschworen eine über vierzigjährige Tradition der Emanzipationsgeschichte der Frau in Deutschland.

Hörte man dem Abgeordneten der AfD zu, der in der Debatte nicht mehr beisteuern konnte, als seine Anträge noch mal vorzulesen, erwies es sich, dass wir es mit ziemlichen Hohlköpfen und Stümpern zu tun haben und man fragt sich, warum es eine Versammlung von Stadtverordneten nötig hat, sich gegenseitig immer wieder dessen zu vergewissern, worin man sich einig ist, dass es die AfD zu verachten gilt, dass wir in einer lebenswerten, toleranten und bunten Stadt leben. Eine Stadt in der es eben auch Salafisten gibt über die keiner spricht und um die sich keiner (außer Polizei, Staats- und Verfassungsschutz) schert. (jd)

Das Problem heißt Islam

Die Genossen vom ak: raccoons haben folgenden Beitrag veröffentlicht. Die Reaktion auf diesen Text (siehe die Facebookseite) lässt tief in den Bewusstseinsstand der sich links Wähnenden blicken. Es ist ein Elend …

In der Nacht zum 12.06. richtete ein Attentäter in einem besonders bei homo- und transsexuellen Menschen beliebten Club in Orlando, USA ein verheerendes Blutbad an. Seitdem häufen sich die weltweiten Solidaritätsbekundungen, die wohl stets gut gemeint sind, jedoch nicht immer dem Gegenstand gerecht werden. Sicherlich ist es richtig, einen homophob motivierten Täter zu vermuten, doch ist es ebenso wichtig, festzuhalten, dass Omar Mateen eben nicht „einfach nur“ einen homophoben Fanatiker darstellte. Es ist mittlerweile bekannt, dass der Sohn afghanischer Einwanderer ein praktizierender Moslem war, der sich in der Tatnacht offen zum IS bekannte. Und dies ist ein entscheidender Punkt für die politische Analyse der Ereignisse und deren Einordnung in einen Gesamtkontext. Hier ist der vollständige Text zu finden …

Die klammheimliche Freude …

… oder so was kommt von so was

In Kassel gibt es eine kleine Gruppe, die nennt sich „Projekt eine andere Welt – so zum Beispiel!? Ein anderes Kassel so zum Beispiel!?“ Diese Gruppe bewegt sich im Umfeld von Attac Kassel. Die besten Tage von Attac dürften auch in Kassel schon seit längerem gezählt sein und es besteht die berechtigte Frage, warum man an jedem Scheißhaufen schnüffeln soll, um festzustellen, dass er stinkt.

Doch der aktuelle Anlass verdient Beachtung. Das „Autonomes schwultransqueer Referat Uni Kassel“ hat zu einer Mahnwache für die Opfer von Orlando aufgerufen.

Der Initiator der Gruppe „Projekt eine andere Welt …“ hat nun angesichts des Aufrufs zur Mahnwache folgende Antwort an das Referat gesandt: „Es gibt von Charles Baudelaire (1821 – 1867) ein Gedicht mit einem ellenlangen griechischen Titel Der Heautontimoroumenos (Der sich selbst verletzt). Die vorletzte Strophe (von sieben) lautet: Ich bin die Wange und der Streich / Ich bin das Messer und die Wunde / Glieder und Rad zur selben Stunde! / Opfer und Henkersknecht zugleich! // Dem Kriegstreiber G.W.Bush konnte nichts gelegener kommen als der Anschlag vom 11. September 2001. Endlich konnte ein Täter (er und seine Kollegen haben 41 Staatsstreiche zwischen 1953 und 2014 zu verantworten) in die Opferrolle schlüpfen und sich so eine moralische Rechtfertigung für weitere Akte des Staatsterrorismus schaffen.

Diese Äußerung mag in ihrer krassen Empathielosigkeit und Unverfrorenheit eher alleine stehen. Sie drückt in ihrer extremen Form jedoch wesentlich klarer eine Tendenz aus, die bei Vielen, die nun im Blätterwald und im Äther davon raunen, der Anschlag galt uns allen, es sei die Tat eines verrückten Einzeltäters, oder Ausdruck der Hilflosigkeit der Elenden und Unterdrückten, das habe nichts mit dem Islam zu tun und man müsse sich nun vor allem gegen „Islamophobie“ wenden usw. Kurzum bringt der Aktivist für „eine andere Welt“ die Tendenz zum Ausdruck, die sie alle meinen: So was kommt von so was!

„Es [hat, wie z.B. in Paris] diesmal in der Tat [wieder] eine ganz spezifische Gruppe getroffen, dem Terror fielen nicht völlig wahllos Menschen zum Opfer, die sich, wie in New York, London oder Madrid zum Tatzeitpunkt einfach am falschen Ort aufgehalten hatten. Dass nun ausgerechnet gezielt „LGBT-People“ ins Visier eines „colored Muslim“ geraten, der doch eigentlich zu den Verdammten dieser Erde gehört, man in den entsprechenden Kreisen also nun, plötzlich mit der blutigen Realität konfrontiert ist, nämlich der in der islamischen Welt vorherrschenden tödliche Homophobie, darf und kann nicht sein!“ (Thomas v.d. Osten-Sacken)

(jd)

Das Prinzip Gegenaufklärung – Ein Professor und sein Stichwortgeber an einer Schule

Das Friedrichsgymnasium in Kassel, das seinen Schülerinnen und Schülern „ein Lernen für die Gegenwart und die Zukunft“ ermöglichen will und sich dadurch hervortut, sich mit ihnen an dem in Kassel notorischen Stolpersteinprojekt zu beteiligen, lädt am 8. Dezember 2015 Prof. Dr. Werner Ruf zu einer Podiumsdiskussion mit Dr. Rabani Alekuzei ein. Thema sind die Terroranschläge in Paris.

Alekuzei ist SPD-Mitglied, Stadtverordneter in Kassel und regelmäßiger Unterzeichner des Ostermarsches. Werner Ruf war Professor für internationale Politik an der Uni Kassel, sieht sich selbst als Berater der Bundesregierung und gilt als Nah-Ost-Experte. Er dürfte neben dem mittlerweile verstorbenen Peter Strutynski einer der maßgeblichen Masterminds der Kasseler Friedensbewegung sein. Ist es bedenklich dass Anhänger der Friedensbewegung an einer Schule den Schülern Frage und Antwort stehen? Ein kurzer Blick auf das Verständnis des Professors aus Edermünde zum Islam dürfte klarstellen, mit wem wir es hier zu tun haben.

In einem Aufsatz zum „Der politische Islam – Eine Widerstandsbewegung“ stellt Ruf sein Verständnis vom Islamismus bzw. vom politischen Islam dar. Er stellt drei Punkte heraus. Der politische Islam sei weniger eine religiöse Bewegung denn eine politische, der Islamismus tue sich vor allem durch karitative Tätigkeit hervor und drittens sein Hauptargument, der Islamismus sei eine Antwort auf die vom Westen, bzw. vom Imperialismus zu verantwortenden Gewalt- und Ausbeutungsverhältnisse, Unterdrückung und Kriege. Nicht fehlen darf der Hinweis darauf, dass der Westen und Israel schließlich diese Bewegung initiiert hätten.

Islamisten sind eine Protestbewegung, …

Die semifaschistischen Muslimbrüder werden als „fortschrittlich“ eingestellte Vertreter eines modernen Nationalismus dargestellt, die blutrünstigen algerischen Islamisten als „Protestbewegung“. Den Terror der verschiedenen Ableger der Muslimbrüder setzt er in Anführungsstrichen um dann zu behaupten, offene Gewalt sei nicht das „primäre Charakteristikum“ des politischen Islam, im Gegenteil, die politische Gewalt ginge „mehrheitlich von Akteuren aus, die sich nicht auf den Islam bezogen.“ Die Al Qaida-Führer Bin Laden und az-Zawahiri werden schließlich als Gewährsmänner dafür herangezogen, zu beweisen, dass die Al Qaida nichts mit Religion zu tun habe. Die politische Agenda dieser Bewegung(en) sei ein politischer Diskurs, „der in kompromissloser Radikalität die alten Forderungen des – säkularen! – arabischen Nationalismus aufnimmt.“ Und der sei angesichts der Politik des Westens mehr als berechtigt.

Und dann folgt eine geradezu unglaubliche Rechtfertigung. Diese Bewegungen übten „Widerstand gegen den imperialistischen Westen“ aus und fänden darin die Unterstützung eines Großteils der Bevölkerung, da diese „ihr alltägliches soziales Elend in Systemen erleben, die gekennzeichnet sind durch Korruption und brutale Unterdrückung im Inneren und durch die fremde Gewalt in Palästina, Irak und Afghanistan.“ Deswegen, das sagt er zwar nicht aber suggeriert es oder meint es vielleicht sogar, haben die Pariser Bürger, die in Tel Aviv, Jerusalem, in Madrid, London und New York usw. zurecht mit ihrem Leben bezahlt, leben diese doch in den kapitalistischen Metropolen des Imperialismus und profitieren von den durch diesen durchgesetzten Verhältnissen. Und die zahllosen Opfer des Terrors im Irak, in Syrien, in Nigeria, im Tschad usw., die zählen offensichtlich sowieso nicht im Weltbild dieses Professors.

… nein, sie sind Friedenskämpfer und Sozialarbeiter

Dem Anschlag am 11. September in New York gewinnt Ruf sogar noch eine „antiimperialistische Symbolik“ ab, was dazu führe, dass „die wachsende Gewalttätigkeit des sich auf den Islam berufenden Widerstands .. in weiten Kreisen der arabisch islamischen Welt Stolz und Selbstbewusstsein“ fördere – und, dass darf natürlich nicht fehlen, „ganz so wie die Selbstmordanschläge von Palästinensern in Israel die Botschaft vermitteln: Der Feind ist übermächtig, aber wir können ihn treffen, verletzen, verwunden; wir können Rache üben! Die Hauptziele dieses Widerstands aber sind politische … nämlich auch Israel zu einem diesen Namen verdienenden Friedensschluss mit den Palästinensern zu zwingen …“

Wir haben es also nicht mit blutrünstigen Terroristen, mit würdigen Nachfolgern des nationalsozialistischen Terrors zu tun, sondern mit Friedenskämpfern und so der Subtext des Professors mit dem ewigen Störenfried, dem Juden.

Der Hinweis des Friedenkämpfer Ruf, dass diese Bewegung eben nicht nur eine Friedensbewegung, sondern auch eine karitative sei, darf schließlich nicht fehlen.

Ausführlich legt Ruf das karitative Moment des Islam dar, um dem Argument, diese Tätigkeit sei nur ein taktisches Moment, mit dem Hinweis dieses sei islamische Tradition und Teil der Religion zu entgegen. Dass Suppenküchen, Kleiderkammern und soziale Unterstützung konstitutives Element der meisten faschistischen Bewegungen ist, um die Volksgemeinschaft, resp. die Umma zu formieren, das wird natürlich unterschlagen. Die Terrortruppe Hisbollah wird von ihm dann sogar noch als die größte Hilfsorganisation im Libanon gelobt, die sich sogar den Alkoholikern widme, sofern die Alkohol trinkenden Barbesucher nicht vorher schon von den islamistischen Tugendwächtern liquidiert worden sind.

Nicht nur eine Meinungsäußerung

Vor knapp 40 Jahren musste der Wissenschaftler Peter Brückner dafür büssen, sich nicht von dem Mescalero-Aufruf distanziert zu haben, dem man nachsagte, den Terror der RAF und den Mordanschlag gegen Buback begrüßt zu haben, was er so nicht tat. Dass heute ein Professor Emeritus eine so deutliche Freisprechung und gar Rechtfertigung des islamistischen Terrors vornimmt, ohne dass auch nur irgendjemand daran Anstoß nimmt, ist sehr befremdlich.

Man könnte nun anführen, die Schülerinnen und Schüler des Friedrichsgymnasiums in Kassel hätten ja die Möglichkeit, den Verharmloser des Terrors auf den Zahn zu fühlen und seine Thesen mithilfe ihrer Lehrer kritisch zu hinterfragen und ihn dann mit Schimpf und Schande vom Podium zu jagen. Doch Werner Ruf ist Professor, der mit der Aura des Experten auftritt, mit Bescheidwissen und Fakten, Weglassungen und Verdrehungen arbeitet, dem die Schülerinnen und Schüler nicht gewachsen sein dürften, weil ihnen schlicht das Hintergrundwissen fehlen dürfte um dem Professor damit parieren zu können und, man muß es befürchten, von Lehrern unterrichtet werden, die Ruf klammheimlich oder offen Beifall zollen.

Es geht uns nicht darum, zu fordern, dem Professor aus Edermünde Meinungsäußerungen zu verbieten, sich als Nah-Ost-Experte oder Politikberater zu gerieren usw., dass kann er ungestört in diversen einschlägigen Zeitungen und Zeitschriften und im Café Jihad ja tun. Diese Zeitschriften werden von unbelehrbaren Zeitgenossen und Friedensfreunden gelesen und das Café von ebensolchen Frühstücksverleumdern besucht. Hier ist jede Hoffnung auf Aufklärung und Vernunft vergebens.

Dass Ruf als hoch dotierter Wissenschaftler einer Universität jahrelang hauptamtlicher Ideologe der Friedensbewegung sein konnte ist schlimm genug, dass er – nun zwar mutmaßlich ehrenamtlich – an einer Schule ein Podium für seine Ideologie geboten bekommt, eine Schule, die einen öffentlichen Bildungsauftrag hat, ist jedoch ein Skandal. (jd)

Offener Brief an das Friedrichsgymnasium

DITIB Melsungen: Die Lehre über den Juden

Die DITIB ist ein Dachverband türkisch-islamischer Moscheegemeinden. Sie untersteht dem Präsidium für religiöse Angelegenheiten des türkischen Staats. Bekanntlich herrscht in der Türkei die islamistische Partei AKP. Die AKP und ihr Führer Erdogan halten wenig von Israel im Besonderen und den Juden im Allgemeinen. Es liegt daher nahe, dass sich die DITIB nicht gegen entsprechende Positionen ausspricht und dass entsprechende Meinungen und Wahnvorstellungen vieler Mitglieder dieses Verbandes denen der AKP und Erdogans ähneln oder gar entsprechen. Dass sich die DITIB darin versucht, diese Positionen nicht offen hinauszuposaunen ist angesichts dessen, dass es in Deutschland nicht opportun ist, sich offen zur Judenfeindschaft zu bekennen, nicht schwer zu verstehen.

Die DITIB ist in der sogenannten Islamkonferenz vertreten, die sich dem Dialog zwischen Deutschland und den hier lebenden Muslimen verschrieben hat. In Kassel unterhält die DITIB die Moschee am Mattenberg und ist im sogenannten Rat der Religionen Kassels vertreten. Der Rat der Religionen will dem Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften und der Stadtgesellschaft dienen. In welcher Sprache auch immer der Dialog auf der Islamkonferenz und im Kasseler Rat der Religionen geführt wird, auf türkisch offensichtlich nicht. Notwendige Auseinandersetzungen über Antisemitismus werden dort mit Sicherheit jedenfalls nicht geführt.

Auch in Melsungen (eine Kleinstadt bei Kassel) gibt es eine Vertretung der DITIB. Auf ihren deutschen Texten kommen die Präsenzen der DITIB seriös daher und verurteilen auch brav die jüngsten Terroranschläge in Paris. Auf der Seite der Kasseler DITIB heißt es: „Der DITIB Landesverband Hessen seine Ortsgemeinden sind zutiefst getroffen von den niederträchtigen Mordtaten in Paris. Mit Bestürzung und Entsetzen haben wir die Angriffe und Anschläge in Paris vernommen, welche wir als Angriffe auf unsere Menschlichkeit aufs Schärfste verurteilen.“ (Hervorhebung durch den Autor.) Wer genau liest, versteht, die DITIB meint, der Terroranschlag in Paris richtete sich gegen Muslime oder gar gegen die DITIB oder deren Menschlichkeit.

Türkisch versteht bekanntlich nicht jeder, da kann dann auch von der DITIB mal Klartext gesprochen werden: Unter der Überschrift „YAHUDİLER“ (Juden) wird auf der Internetseite der DITIB Melsungen eine streng am medinensischen Koran orientierte Sammlung von Zitaten als „Lehrtext über Juden“ für Gemeindemitglieder in türkischer Sprache präsentiert.

So heißt es im Text:

Lernen wir die Juden nach dem Kuran kennen :

1. Die Juden verleugnen die Gebete Gottes.
2. Die Juden bezichtigen Gott mit Geiz, und sind selbst mit Geiz verdammt worden.
3. Die Juden und Christen glauben sie seien Gottes Söhne und geliebte Geschöpfe. Wenn dem so ist, warum werden sie, über ihre Sünden hinaus, gequält ?
4. Sie wollten unglaubliches von Gott, und sind wegen ihrer Untat vom Blitz getroffen worden.
5. Aufgrund ihres Neides leugnen sie den Propheten.
6. Die Juden haben gegenüber Gott nicht Wort gehalten, so werden sie es erst recht nicht gegenüber den Menschen.
7. Die Juden predigen Gutes, aber hören nicht auf Böses zu tun.
8. Sie haben die falschen Freunde und sind Frevler.
9. Die Juden sind gemein/niederträchtig.
10. Juden haben ihre eigenen Propheten verleugnet.
11. Juden haben ihre eigenen Propheten umgebracht.
12. David und Jesus haben die Juden verflucht.
13. Sie sind rebellisch und extremistisch.
14. Juden sind geizig.
15. Juden sind eine überhebliche Gesellschaft.
16. Juden gehen den Weg der Hexer.
17. Juden sind langlebig (bemüht um langes Leben) Gott sieht gleichwohl ihre Fehler.
18. Juden geben Lügen Gehör und essen sündig.
19. Juden sind schwache Kämpfer.
20. Sie lügen und stehlen.
21. Juden qualifizieren Gott arm, sich reich.
22. Sie sind gegen den Erzengel Gabriel.
23. Die Arbeit der Juden beruht darauf, die Wahrheit zu verdrehen.
24. Die Juden glauben, sie verweilten nur kurz in der Hölle.
25. Sie verstoßen gegen die Tora
26. Sie überhöhen ihre Geistlichen
27. Sie schreiben Gott Kinder zu
28. Juden und Christen missionieren
29. Sie verfälschen die Tora
30. Juden brechen Versprechen/Verträge

Die Seite der DITIB eV Melsungen ist mittlerweile vom Netz genommen worden. Ein Screenshot_(DITIB Melsungen 23.11.15) liegt vor. Hingewiesen (und übersetzt) haben auf dieses Elaborat offiziöser islamischer „Judenlehre“ die Internet-Aktivisten Ferdi Azadi und Julian Tumasewitsch sowie in der jungle-world der Autor Sebastian Weiermann. (jd)

(Nachtrag 26.11.15) Unser Hinweis, hat ein wenig Staub aufgewirbelt.
In der HNA Melsungen befassen sich zwei Ausgaben erfreulich ausführlich und informiert mit dem Ereignis. (Der Begriff „Judenhetze“ in den Überschriften der HNA und des HR ist natürlich problematisch.)
HNA Melsungen 25.11.15

HNA Melsungen 26.11.15

Hessischer Rundfunk: Judenhetze aus muslimischer Ditib-Gemeinde

und schließlich die Zeitung „Die Welt“: Ditib-Gemeinde stellt antisemitische Hetze in Netz

Nachtrag: Tobias Huch hatte Anzeige wegen dieser „Thesen“ gestellt. Die deutsche Gerichtsbarkeit stellte fest, Antisemitismus im Koran ist aus dem Zusammenhang gerissen und sei keine Volksverhetzung.

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Babas in Kassel

Ein Augenzeugenbericht. Vor einem Konzert in Kassel

Die Band und ich saßen in der Küche und aßen, einer war noch im Barraum andere probten noch weiter hinten in den Räumlichkeiten. Zwei Männer, Mitte 20 kamen ins Haus und gingen in den Proberaum. Auf ihrem Weg zurück kamen sie in der Küche vorbei. Einer von beiden fragte nach Feuer und nachdem ihm niemand welches geben konnte, fing er an auf polnisch zu pöbeln. Sein Kumpel erklärte, dass er es „nicht richtig“ finde, wenn zwei Frauen mit drei Männern zusammen säßen. Er informierte ebenfalls darüber, dass er anlässlich des Bayramfests den ganzen Tag Schafe „aufgeschlitzt“ habe.

Er führte aus, dass ausschließlich Araber echte Muslime seien und dass er selbst Palästinenser sei. Sein Monolog endete mit sich wiederholenden Rufen “ Allahu akbar! Tod den Juden! Arbeit macht frei.“ Danach gingen beide in den Vorraum. Ich war ebenso perplex wie die australische Band und verfolgte die beiden Männer in den Vorraum. Dort forderte ich sie zum Gehen auf und erklärte ihnen, dass Antisemitismus nicht geduldet wird.

Daraufhin explodierte der Palästinenser und wurde vor mir zu einem schreienden, spukenden, schwitzigen und wild gestikulierenden Bündel. Er warf mir „Beleidigung des palästinensischen Volkes“ vor und drohte, dass mein einziges Glück sei, dass er keine Frauen schlage.

Die Bandmitglieder kamen aus dem Proberaum hinzu und versuchten ebenfalls, die beiden zum Gehen zu bewegen. Wir haben sie aus dem Haus gedrängt, was etwa 10 Min dauerte. Sie wiederholten in der Zeit Beschimpfungen und Bedrohungen, so etwa die Ankündigung eines Mobs „aller Babas in Kassel“ zum abendlichen Konzert. Da wir diese Drohung nicht einschätzen konnten wurde das Konzert verlegt.

(Die Zeugin ist uns bekannt)

Die HNA, ein runder Tisch und ein „Konfliktforscher“

Die HNA bringt es fertig im Zusammenhang des Berichts über unser Pressegespräch am Freitag, den 25. Juli, ausgerechnet Prof. Dr. Werner Ruf seines Zeichens „Friedens- und Konfliktforscher“ zu interviewen. Überschrieben ist die Seite in der Zeitung mit „Mehr zum Thema: Jüdische Gemeinde in Kassel hat Angst“. Herr Ruf fordert die Menschen in der Stadt zum Dialog auf, „Ein runder Tisch ist nötig.“ Die Illustration des Artikels (siehe am Ende des Textes) verweist auf die Absurdität des Appells. Der in der Berichterstattung schon durch seine seltsame Wahrnehmung aufgefallene Journalist Bastian Ludwig stellt die Fragen.

Nach den Allahu-Akbar-Rufen befragt, sagt Ruf: „Es gibt keinen Grund für Ängste“, Allahu Akbar sei zwar auch ein Ruf der Islamisten, könne aber andererseits bedeuten „Gott, tu was, richte das.“ Wer die Rufe am Dienstag und am Freitag gehört hat, weiß was sie bedeuten, wer hier zu richten ist.

Die Frage nach den Rufen „Israel Kindermörder“ beantwortet der „Nah-Ost-Experte“ wie folgt: „Ein Ausdruck der Verzweiflung und Verweis auf Dinge die tatsächlich stattfinden.“ Klar, am Gerücht über die Juden muss was dran sein, der Ruf (sowohl der Herr Professor, als auch der auf den Strassen) kann daher nicht antisemitisch sein, sondern ist ein Ruf der Verzweifelten.

Dann verweis der der Reporter auf „vereinzelt antisemitische Beschimpfungen“. Hier flüchtet der emeritierte Professor sich ins kryptische und meint, es gäbe viele Leute, die sagen, die Juden dürfen alles, „das geht in die antisemitische Richtung.“ Das – was in den Köpfen der Menschen so west – geht also irgendwo hin, aber ist noch kein Antisemitismus, sondern ist Ressentiment, immerhin, aber dieses Ressentiment sitze in der deutschen Bevölkerung tiefer als bei Muslimen. Was will der Professor uns damit sagen? Die Demonstranten hätten gar nichts gegen die Juden, aber …, alles sei gar nicht so schlimm. „Die Muslime“ – als wären nur Muslime auf den Straßen gewesen – hätten nur ihren Emotionen freien Lauf gelassen? Ihre Sprüche seien ihnen im Affekt nur so herausgerutscht? Antisemitismus? Der äußere sich aber doch wo anders. Zum Schluss nimmt seine Antwort eine unvorhergesehene aber vorhersehbare Wendung, „in Israel, aber auch hier und in den USA gibt es viele jüdische Menschen, die den Krieg verurteilen.“ Das ist richtig. Keiner in Israel wünscht sich den Krieg der Hamas gegen Israel, und man darf annehmen, dass auch die überwiegende Mehrheit der Israelis, der Bevölkerung im Gaza etwas anderes wünscht, als ein Terrorregime der Hamas und als die Bomben der israelischen Flieger, die versuchen die Stellungen der Hamas zu vernichten. Aber Ruf meint die, die Israels Verteidigungspolitik verdammen und der Auffassung sind, Israel beginge einen Bruch des Völkerrechts. Die gibt es in Israel auch und die Antizionisten sind froh, dass es sie gibt und dass sie Juden sind, die so etwas von sich geben, weil wenn man so einen Juden oder eine Jüdin als Gewährsmann für seine israelfeindlichen Thesen findet, dann kann man auch kein Antisemit sein und die Beschimpfungen der Demonstranten sind ergo nicht antisemitisch.

Ruf findet auch andere Gewährsmänner. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte nämlich, sie spreche von Verletzungen des Kriegsvölkerrechts. Und dann fällt der Satz, „auf beiden Seiten eskaliert Nationalismus.“ Diese Sprachregelung fasst die Sichtweise der HNA-Reporter und der Lokalprominenz incl. OB Hilgen zusammen. „Statt sich anzubrüllen, sollte man miteinander reden.“ Wir sind doch alles nette Menschen, sind wir nicht alle ein bisschen Gauck, von der adeligen Chanteuse für die Völkerfreundschaft Donata Freifrau Schenk zu Schweinsberg über einen nationalbesoffenen Dirk Schaller bis hin zur Predigerin des seichten Blödsinns Rebecca Siemoneit-Barum oder wie sie noch alle heißen mögen, die doch alle dafür eintreten, „ein Zeichen für den Frieden zu setzten“ und das als Appell gegen Antisemitismus verkaufen. (Mehr hier: Das Valium für die empörten Bürger) Wie und vor allem warum man mit denen reden soll, die einen als Kindermörder, als Hunde Israels, als Judenschweine usw. bezeichnen, das bleibt ihr Geheimnis und das des „Konfliktforschers“ aus Edermünde.

Was lernt man daraus? „Ich kotze gleich, … So schnell kannst du gar nicht gucken, wie du da lächelnd verarscht wirst,“ meinte einer unserer Mitstreiter zum Versuch, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären, was da am 15.07. und am 18.07.2014 in Kassel passiert ist. Es ist ziemlich müßig zu versuchen, einem Pressorgan und einem Journalisten, die bar jeden Begriffs von Antisemitismus sind, zu verklickern, was auf den Straßen Kassels (und anderswo) passiert ist. In der Presserunde am Freitag postulierte einer der anwesenden Journalisten, die Jüdische Gemeinde könne doch die israelische Antwort auf die Raketenangriffe als unverhältnismäßig verurteilen und damit etwas zur Deeskalation beitragen. Diese Frage wirft ein bezeichnendes Licht auf die, die z. Zt. damit hausieren gehen, großflächige Bekenntnisse gegen Antisemitismus zu verbreiten. Für sie ist die Jüdische Gemeinde irgendwie ein Konsulat Israels, es muss also etwas dran sein, wenn Demonstranten Juden dafür verantwortlich machen was im Nahen-Osten passiert und sie als Adressaten ihres Hasses auf Israel auserwählen, bzw. ihrer Wut, wenn sie die Politik der Israelis verdammen wollen.

Man könnte den alten Slogan ausgraben und das Lied über die Lügenpresse anstimmen. Die HNA lügt jedoch nicht, sie schnappt Informationsschnipsel auf, verdreht sie, ist nicht in der Lage Ursache und Wirkung auseinander zu halten, verkauft Kolportagen die wesentliches auslassen als sich seriös gebende Serien über Geschichte, interviewt „Nah-Ost-“ und „Antisemitismus-Experten“ und umgibt sich gleichzeitig mit dem Glorienschein, gegen Hass, Gewalt und das Böse in der Welt schlechthin und für das Gemeinsame in der Stadt aufzutreten und reproduziert dadurch nichts anderes als Nebel, der den Judenhass, der sich auf den Straßen artikuliert und in den Köpfen der Mehrheit des überwiegenden Teils der Bevölkerung spukt, unkenntlich macht.

Das Interview mit dem Professor ist hier dokumentiert: Ein runder Tisch