Wahnsinn und Gesellschaft

Am vergangenen Wochenende war in den USA, aber auch europaweit und hier in Kassel1, ein Phänomen zu beobachten, das sich beim besten Willen nur als höchst irrational, ja wahnhaft bezeichnen lässt. Vorgeblicher Anlass war die Tötung des Afro-Amerikaners George Floyd durch einen hellhäutigen Polizisten (Anmerkung zur Sprache: es wird hier die Rede von „Schwarz“ und „Weiß“ sein, beides ungenau, aber historisch eingeführt, POC findet als ideologiegetränkter Kampfbegriff keine Verwendung).

Obwohl die an der Ermordung Floyds beteiligten Polizisten sofort vom Dienst entbunden, der Haupttäter unter Anklage gestellt wurde, breitete sich eine Wut – und Empörungswelle aus, die schnell durch Plünderungen, Zerstörungen, antisemitische Ausschreitungen2 und dergleichen mehr ins Kriminelle hinüber schwappte. In den USA kam die Nationalgarde zum Einsatz, die für solche Fälle vorgesehen ist, auch der Einsatz der Armee wurde erwogen.

Die Polizei der Stadt, in der sich die Gewalttat ereignet hatte, Minneapolis, soll nun zur Gänze „ausgetauscht“ werden, reformierbar sei sie nicht, so Verlautbarungen aus dem Rathaus. Ein bemerkenswerter Vorgang, wie er so in der BRD selbstredend noch nie stattgefunden hat.

Der Ermordete ist auf dem Weg sich zu einer internationalen Ikone a la Che Guevara oder Bob Marley zu entwickeln. Dabei handelt es sich jedoch um eine durchaus zweifelhafte Person. Floyd hatte ein langes Strafregister, saß fünfmal im Gefängnis, u. a. wegen Kokainbesitz und Einbruch. Die längste Haftstrafe verbüßte er wegen des bewaffneten Überfalls auf eine schwangere Frau in deren Heim. Auch bei seiner Festnahme wegen Scheckbetrug hatte er Drogen dabei. Der Mann, der ihn tötete, war zusammen mit Floyd Rausschmeißer in einem Nachtclub, bevor er in den Polizeidienst eintrat.3 Merkwürdig…

Nichts davon rechtfertigt das grausame Schicksal, das Floyd widerfuhr. Aber George Floyd mit Engelsflügeln als Wandgemälde oder auf T – Shirts ist nicht nachvollziehbar.

Soweit die unerfreuliche Nachrichtenlage. Dennoch waren hier in Deutschland die Meinungs – und Kommentarspalten voll mit Texten, die die USA auf den Weg in die Diktatur wähnten4, den ungeliebten Präsidenten für alles verantwortlich machten und den USA empfahlen, in Sachen Vergangenheitsbewältigung (i.e. Sklaverei) sich ein Beispiel an Deutschlands Umgang mit seiner Vergangenheit zu nehmen.

Dies war nicht anders zu erwarten. Moralisch ist Deutschland Weltmeister. Auch die Israelis haben es von unserem Außenminister diese Woche wieder erfahren.

Aber es ging weiter. Montags war die Beerdigung Floyds im goldenen Sarg, eine medial geradezu gigantomanische Inszenierung, auf vielen Fernsehkanälen in epischer Breite live übertragen, wie einst die Totenfeier für die bedauernswerte Diana.

Immer häufiger sah man Bilder von knienden Menschen. Kniende Polizisten, kniende Kongressabgeordnete, kniende Kasseler Jugendliche, ganz in Schwarz.

Dann kamen die Bilder von Menschen in So sorry – T-Shirts. Weiße Menschen, die schwarzen Menschen die Füße wuschen, eine Geste der Demut, der katholischen Kirche abgeschaut.

Dann kamen die Halsbänder. Hundehalsbänder, an denen sich weiße Menschen von Schwarzen herumführen ließen oder sich gegenseitig herumführten, wohl in der Absicht, in einer Anwandlung von Masochismus und Bestrafungswunsch, die Sklaverei als Psychodrama darzustellen.

Man kennt das Motiv aus Pier Paolo Pasolinis „Die 120 Tage von Sodom„. Pasolini reflektiert darin die menschlichen Abgründe am Beispiel der faschistischen Republik Salo.

Und es ging immer weiter.

Mittwoch erreichte uns die Nachricht, dass der Filmklassiker „Vom Winde verweht“ bei US-amerikanischen Streamingdiensten (und in Russland) nicht mehr gestreamt werden kann.5

Wir dürfen also eine Art Talibanisierung des Umgangs mit Kulturgütern verzeichnen, die wegen des sog. N – Wortes schon vor Jahren auf Astrid Lindgrens Bücher zielte und sich aktuell in der Zerstörung oder im Beschmieren von Denkmälern und Statuen von Winston Churchill bis Christoph Columbus ausdrückt.

Dies ist der Stand am heutigen Donnerstag und man fragt sich: Was um Gottes Willen ist da los?

Es geht also, vordergründig, um Sklaverei und Rassismus in den USA und anderswo.

Ein kurzer Blick in den Wikipedia – Artikel „Sklaverei im Sub-Sahara Afrika“ teilt uns mit, dass Sklaverei in Afrika ein gängiges Phänomen war.6 Afrikanische Völker fingen MitgliederInnen anderer afrikanischer Völker, nutzten sie selbst als Sklaven oder verkauften sie an arabische Sklavenhändler, welche sie an weiße Sklavenhändler weiter verkauften, die sie dann in die Amerikas verbrachten.

Soweit die unschöne, meist verschwiegene, wenn nicht tabuisierte Faktenlage.

In den USA wird der Protest gegen Polizeigewalt von der Organisation Black Lives Matter (BLM) getragen. BLM beklagt, wie viele v.a. junge Afro-Amerikaner Gewalttaten zum Opfer fallen.

Nun finden aber, auch hier genügt ein schlichter Blick in einschlägige Statistiken, die meisten Schwarzen den Tod nicht durch weiße Polizisten, sondern durch schwarze Mitglieder diverser Gangs. Outfit, Lebensstil, Ästhetik dieser Gangs sind als sogenannte Hiphop – Kultur jedem Jugendlichen der westlichen Hemisphäre wohl vertraut.7

Aus all dem folgt: Wer in den USA die entsetzliche Todesrate junger schwarzer (vorwiegend) Männer verringern möchte, hätte sich zuvörderst gegen die Gangs zu wenden. Das ist aber nicht der Fall. Scheinbar werden nur die von der Polizei erschossenen Toten wahrgenommen.

Apropos Polizei: schlechte Ausstattung, ungenügende Ausbildung und überall Mittelkürzungen führen in zunehmendem Maße dazu, dass ganze Stadtviertel den Gangs mehr oder weniger überlassen werden. Ein Teufelskreis, der zu mehr und mehr Toten führt.

Und was die Sklaverei anlangt, von wem könnte man da Genugtuung, Versöhnung, gar Entschädigung erwarten? Von wem es fordern? Afrika besteht mittlerweile aus Nationalstaaten. Wie wird je ermittelbar sein, welche Bevölkerungsgruppe in einem Territorium welche versklavt und an Araber verkauft hat, die dann weiter verkauften?

Stattdessen wendet man sich an das letzte Glied der Kette, die Weißen. Und die knien jetzt nieder, zeigen Reue und führen Psychodramen vor. Wenn das kein wahnhafter Zusammenhang ist, was ist es dann?

Man steht ratlos davor und kommt mit Argumenten nicht weiter. Etabliert, mit vielen Planstellen versehen, sind Postcolonial Studies, Critical Whiteness und Antirassismus.8 Und alle machen mit.

Die Tragödie der amerikanischen Schwarzen, die von den Nachbarn versklavt, von Arabern, Holländern, Engländern in Schiffe gestopft und in Amerika auf Märkten verkauft wurden, wird sich so nicht lindern oder gar auflösen lassen. All das entsetzliche Leid, die Geschichtslosigkeit, die Suche nach Identität, wird nicht aufhören, weil weiße Mittelklassemenschen in all ihrer Privilegiertheit sich dazu herablassen, dieses Spiel aufzuführen, das seit Floyds Tod gegeben wird.

Eine ernsthafte, nicht neurotische Beschäftigung mit den massiven Problemen der schwarzen Bevölkerung der USA führt zu Fragen und Problemstellungen, die in den USA mindestens seit den 60er Jahren engagiert und mit Leidenschaft, gründlich und bewundernswert offen diskutiert werden.

Innerhalb der Schwarzen zeichnen sich grob zwei große Lager ab: das eine gibt die Schuld an der Malaise der eigenen Leute den Weißen, dem Rassismus, der alles durchdringe. Dabei kommt es auch zu abstrusen Verschwörungstheorien, wie etwa der von „the plan“ – einem Plan der Weißen, die Schwarzen durch Drogen und Kriminalität auszurotten.9

Dieses Lager kann jedoch einige Zusammenhänge nicht erklären, die äußerst unschön sind. Wie kommt es z.B., dass die Hälfte aller schwarzen Jugendlichen die Schule ohne Abschluss verlässt und kriminelle Karrieren ins Auge fasst? Warum werden Gewaltverbrechen im Vergleich zum Bevölkerungsanteil von drei Mal mehr Schwarzen verübt? Warum sind die Supermärkte in schwarzen Stadtteilen fest in koreanischer Hand? Wieso brach „die schwarze Familie“, ein wichtiger stabilisierender Faktor, ab den späten 50ern immer mehr auseinander, sodass heute die überwiegende Mehrheit schwarzer Kinder nur von einer Mutter erzogen wird, die teilweise Übermenschliches leisten muss? Usw.

All diese Fragen bilden alltägliche, seit langen Jahren existierende Probleme der amerikanischen Gesellschaft ab.

Das zweite Lager unter den Schwarzen sagt schlicht, die Schwarzen müssten endlich mehr Eigenverantwortung zeigen.10

Wie dem auch sei, die hysterische Wutwelle, die jetzt durch die Straßen marschiert, wird nichts an all diesen schweren Problemen ändern. Etwas Wohlfühlen für die Weißen, einmal mehr antiamerikanische Ressentiments bedient – that’s all.

In den 60er Jahren sang James Brown und Millionen Schwarze riefen mit ihm: Hey say it loud, I’m black and I’m proud.

Wer hat ihnen nur den Schneid abgekauft?

1 Über die Kundgebung in Kassel berichtete die HNA: Kassel: „Anti-Rassismus-Demo – Tod von George Floyd mobilisiert die Massen.“ Am Rande der Kundgebung, die am 6. Juni stattfand, unternahm ein Mitstreiter des Bündnis gegen Antisemitismus Kassel einen Feldversuch. Er hielt, weithin sichtbar, die Fahne der USA hoch. Dies führte zu zahlreichen Verwünschungen. Die Kundgebungsleiterin ließ dann durchsagen, das Zeigen von Nationalfahnen sei unerwünscht, auch die Fahne der USA. Folgender Dialog sei hier noch angeführt:

Demonstrant I: Was machst’n da mit der Fahne?
Besucher mit Fahne: Weißt Du was heute für ein Datum ist?
D. I: Ja, 6. Juni, und?
Besucher: Ja genau, 6. Juni. Weißt Du was da los war?
D. I.: Nein, Du sagst es mir bestimmt.
Besucher: Am 6. Juni 1944 landeten die Alliierten an der Normandie um Europa vom Nationalsozialismus zu befreien.
D. I: Ach so. Ja aber heute will Trump den Antifaschismus verbieten.
Besucher: Den Antifaschismus? Wo kämpfen denn Antifaschisten gerade?
D. I: Na gegen den Faschismus von Trump und gegen den Faschismus in der Polizei?
Besucher: Die Alliierten kämpften gegen die Wehrmacht und SS. Die könnte man, auch wenn es ungenau ist, als Faschisten bezeichnen. Trump geht nicht gegen Antifaschisten vor, sondern gegen die, die ihre Stadtviertel in Schutt und Asche legen.

Demonstrant II: Wir kämpfen gegen Rassismus. Was machst Du mit der Fahne hier?
Besucher: Auch ich bin gegen Rassismus und Polizeigewalt. Die meisten Bürgerbewegungen in den USA, auch Martin Luther King, demonstrierten unter dieser Fahne. Das ist die Fahne der Freiheit.
D.II: Das waren andere Zeiten.
Besucher: Da hast Du Recht.

2 Zu den antisemitischen Ausschreitungen im Zusammenhang der BLM-Proteste: „Jewish business owners describe vandalism, looting of businesses in LA“, in: Jerusalem Post, June 3, 2020. Über die Bedeutung antisemitischer und antizionistischer Gruppen in der BLM-Bewegung: „Has Black Lives Matter alienated pro-Israel voices?“ Jerusalem Post, June, 7, 2020. Die Vorfälle in Los Angeles waren kein Einzelfall. In Kassel präsentierten, wie in anderen Städten auch, Teilnehmer der Kundgebung die Palästina-Fahne. Dass diese Aktion nicht zur Intervention der Veranstaltern führte, begründet Stefan Frank wie folgt: „BLM-Mitgründerin Patrisse Cullors ist auch Mitunterzeichnerin einer Erklärung mit dem Titel „Black for Palestine“. Darin werden „Solidarität mit dem palästinensischen Kampf um Befreiung“ und ein Ende von Israels „Besatzung Palästinas“ gefordert, dazu wird um Unterstützung für die Boykottbewegung BDS geworben. „Wir zielen darauf, die Praktiken des gemeinsamen Kampfes gegen Kapitalismus, Kolonialismus, Imperialismus und die verschiedenen Rassismen zu schärfen, die in unsere Gesellschaft und um sie herum eingewoben sind“, heisst es in der Erklärung weiter. Im selben Geist sagt Jeremiah Wright (der ehemalige Pastor von US-Präsident Obama, der Israel als „Apartheidsstaat“ bezeichnet): „Die Jugend in Ferguson und die Jugend in Palästina haben sich vereint, um uns daran zu erinnern, dass Punkte miteinander verbunden werden müssen.“
Es gibt viele solcher Äusserungen aus den Reihen der BLM-Unterstützer.“ In: „BlackLivesMatter“ und das neue Gerücht über die Weltverschwörung der Juden, audiatur-online.ch, 21. Juli 2016.

3 Über die Person Georg Floyd z.B.: The Washington Times, Valerie Richardson‚ Bigger than life‘: George Floyd known for big heart, good works, struggles with drugs, crime, The Washington Times, June 7, 2020.

4 So wurde in den Medien fast unisono der von Donald Trump erwogene Einsatz des Militärs, um außer Kontrolle geratene Unruhen zu unterdrücken, als Absicht dargestellt, das Militär gegen Protestkundgebungen einzusetzen. Wer lesen kann, weiß, dass davon nicht die Rede sein kann. Aus diesem Grund sei hier auf die Rede Trumps verweisen: Donald Trump: „Gerechtigkeit nicht Chaos“ – Ausgangssperre, Nationalgarde und Militär – deutsche Übersetzung, in: tagesereignis.de, 2. Juni 2020. Über den Charakter der Unruhen und den Riots im Zusammenhang der Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus, gibt der Blogbeitrag „An Orgy of Hate“ einen Eindruck.

5 Rassistische Darstellungen. HBO nimmt ‚Vom Winde verweht‘ aus dem Angebot, bazonline.ch, 10.06.2020.

6 Sklaverei innerhalb von Subsahra-Afrika, Wikipedia, vgl. auch: Ulrich Baron, Als muslimische Sklavenjäger Afrika entvölkerten, in: welt.de, 30.03.2010.

7 Hierzu ausführlich: Paulette Genseler, Whose Black Lives Matter?, in: Telepolis, 23. Juli 2016.

8 Auf die Problematik und die zunehmende Dominanz postmoderner Ideologien an den Universitäten und in den sozialen Bewegungen geht z.B. Ingo Elbe ein: “… it’s not systemic”. Antisemitismus im akademischen Antirassismus. In: T. Amelung (Hg.): Irrwege. Analysen aktueller queerer Politik. Querverlag, Berlin 2020. Als Vortrag auf Rote Ruhr Uni 2020 anzuhören. Der Vortrag wurde auch in Kassel gehalten.

9 Dazu: Ulrike Heider, Schwarzer Zorn und weisse Angst – Reisen durch Afro-Amerika, Frankfurt 1996. Ein Beispiel, in der ein vermeintlicher Zusammenhang von der Drogenpolitik und der Kritik an der US-amerikanischen Außenpolitik hergestellt wird findet man hier: „Criminalizing possession of drugs like heroin and marijuana was intended to „disrupt“ two of the biggest anti-establishment forces that opposed Nixon, one of his top advisors later admitted.“ (Top Nixon adviser reveals the racist reason he started the ‚war on drugs‘ decades ago, businessinsider.com, Jul 31, 2019).

10 „Rassismus existiert, aber er erklärt nicht, was hier passiert,“ Interview mit Glenn Loury, NZZ, 06.06.2020; Daniel Greenfield, Law-and-Order African Americans stand with Trump, FrontpageMag, June 9, 2020.

Das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel lädt ein:

Nicht bloß ist die Annahme, vorweg sei das Normale wahr und das Abweichende falsch, überaus dubios, selber die Glorifizierung bloßer Meinung, nämlich der herrschenden, die das Wahre nicht anders zu denken vermag denn als das, was alle denken. (T.W. Adorno, 1960)

Rassismus, Natur- und Klimaschutz – und dies fällt dem Anschein nach aus dem Rahmen – auch Flucht und Vertreibung in Folge der israelischen Staatsgründung sind Themen, bei denen die sich öffentlich artikulierende Meinung oft als die herrschende darstellt. Auf den ersten Blick erscheint es plausibel, wenn vor dem Hintergrund immer noch existierender rassistischer Ressentiments Erfahrungen, Identitäten und Erzählungen der vom Rassismus anscheinend und tatsächlich Betroffenen als unhinterfragbar gelten. Es erscheint als vernünftig, wenn angesichts der Erkenntnis, dass CO-2 ein den Treibhauseffekt auslösendes Gas ist, die Forderung nach einem Ausstieg der auf Verbrennung von Kohlenstoff basierende herrschende Produktionsweise als Ultima Ratio gilt, der alles andere unterzuordnen ist. Und wenn von der Gründung des israelischen Staates die Rede ist, darf der Hinweis auf die im Zuge der militärischen Auseinandersetzungen geflohenen und vertriebenen arabischen Bevölkerung des vormaligen Mandatsgebiet Palästinas nicht fehlen.

Doch ist immer dann Skepsis angesagt, wenn in der öffentliche bekundeten Meinung Einigkeit herrscht und das allgemeine Mitmachen eingefordert wird, wenn Kritik der gesellschaftlichen Mobilmachung, das Hinterfragen von Gewissheiten mit den Verdikten Rassismus und „Klimawandelleugnung“ belegt werden und wenn im Zusammenhang mit der Historie und Gegenwart des Nah-Ost-Konflikts vom Antisemitismus keine Rede ist.

Das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel lädt daher in diesem Herbst zu folgenden Veranstaltungen ein.

14.10.2019, 19.00 Uhr: Antirassismus als Weltanschauung – eine Kritik. Vortrag und Diskussion mit Dr. Ingo Elbe

Antirassistische Theoriebildung sollte den Anspruch haben, ein ebenso verbreitetes wie vielgestaltiges Herrschaftsphänomen zu analysieren und Möglichkeiten seiner Abschaffung aufzuzeigen. Es stellt sich allerdings heraus, dass Antirassismus zur Weltanschauung mutiert ist und über weite Strecken von volkspädagogischen Absichten und politischen Ressentiments geleitet wird. So gehören vor allem die Dethematisierung des politischen Islams und die antizionistische Agitation gegen Israel inzwischen zum guten Ton vieler antirassistischer Theoretikerinnen und Theoretiker sowie Aktivistinnen und Aktivisten.

(Veranstaltungshinweis auf Facebook)

21.10.2019, 19.00 Uhr: Zur Kritik der politischen Ökologie. Vortrag und Diskussion mit Jörg Huber

Eine von den Vereinten Nationen institutionalisierte Kooperation zwischen Wissenschaft und Propaganda hält das Thema Klimawandel routiniert in einer medialen Endlosschleife. Der resultierende Öko-Aktionismus fällt immer häufiger mit kopflosen Ge- und Verbotsforderungen auf, die sich sogar selbst widersprechen. Doch nicht einmal die chaotische Politik, die auf ökologisch-moralische Debatten folgt, schadet deren Image nachhaltig. Ihr Aufstieg zum politischen Leitbild wirkt wie unaufhaltsam und die drängende Frage, wie ihr vernünftig begegnet werden kann, bringt selbst viele ihrer Gegner um den Verstand.

(Veranstaltungshinweis auf Facebook)

22.11.2019, 17.30 Uhr: Der Exodus der Juden aus der arabischen Welt & dem Iran Diskriminierung, Flucht & Vertreibung – Vortrag von Stephan Grigat

Würde es mit rechten Dingen zugehen, wäre bei jeder Diskussion über den Konflikt Israels mit seinen arabischen Nachbarn stets auch von der Flucht und Vertreibung nahezu aller Juden aus der arabischen Welt und aus dem Iran die Rede, die außerhalb Israels kaum im Bewusstsein sind. Die gerade auf Deutsch erschienene Studie des französischen Historikers Georges Bensoussan über „Die Juden der arabischen Welt“ ruft die Flucht von etwa 900.000 Juden aus den arabischen Ländern in Erinnerung und zeigt, dass die Radikalisierung der arabisch-islamischen Judenfeindschaft vor der israelischen Staatsgründung einsetzte und in vielen Aspekten eine Reaktion auf die partielle Autoemanzipation der Juden in den arabischen Gesellschaften war.

(Veranstaltungshinweis auf Facebook)

Alle Veranstaltungen finden im Philipp-Scheidemann-Haus in Kassel statt.