Übergriffe von Antisemiten auf offener Straße in Kassel

Am Dienstag, den 13.10.2015 gegen 20 Uhr wurde ein junger Mann massiv von drei alkoholisierten Menschen (zwei Männer, eine Frau) angegangen und antisemitisch beleidigt. Ein Bericht einer Bekannten* des Opfers über den Vorfall.

Mein Bekannter befand sich abends auf dem Weg zur Haltestelle am Auestadion. Er trug einen Rucksack, auf dem ein Button befestigt war, der einen Davidstern mit Regenbogenfahne zeigt. Auf dem Weg zur Haltestelle kamen ihm drei alkoholisierte Personen entgegen. Mein Bekannter versuchte daher möglichst schnell, die Gruppe zu passieren und zur Haltestelle zu gelangen. Die Personengruppe blieb stehen und riefen dem jungen Mann Beleidigungen wie „Spasti“ und ähnliches zu, machten kehrt und folgten ihm zur Haltestelle Auestadion.

Dort angekommen bauten sie sich vor meinen Bekannten auf und beschimpfen ihn. Einer der drei, von der anwesenden Frau „Toni“ genannt, ging ihn dann direkt an, beleidigte ihn mit „elender Jude“ und bespuckte ihn anschließend. Dann wurde mein Bekannter körperlich bedrängt und an die Glaswand der Haltestellen gedrückt. Es gelang ihm den Angreifer von sich wegzuschubsen. Nun war der Angreifer noch wütender und tobte regelrecht. Eine Passantin rief von der anderen Straßenseite, dass sie die Polizei alarmiert habe und diese auf dem Weg sei. Daraufhin entfernten sich die Drei lautstark pöbelnd von der Haltestelle und ließen von dem jungen Mann ab.

Die drei Angreifer, zwei Männer mittleren Alters, vermutlich deutscher Herkunft, waren kräftig und groß. Einer von ihnen trug eine Brille. An die Frau kann sich der Angegriffene nicht mehr genau erinnern. Ob die Polizei tatsächlich gerufen wurde ist nicht bekannt, da sich der Betroffene nach dem Vorfall auf den Heimweg machte.

Mein Bekannter hat jüdische Wurzeln und ist schockiert über den Hass, der ihm an diesem Abend entgegengebracht wurde. Er selbst hat den Angriff glücklicherweise psychisch und physisch weitestgehend unbeschadet überstanden, wenn er auch nach wie vor fassungslos über das Erlebte ist.

Es ist mir und ihm ein großes Anliegen, Öffentlichkeit zu schaffen und andere Menschen auf die alltägliche antisemitische Gewalt in Deutschland aufmerksam zu machen. Der Vorfall fand in der Nähe des Sara-Nußbaum-Zentrums statt und zeigt einmal mehr auf, dass Juden bzw. Menschen jüdischen Glaubens oder als solche, von Antisemiten definierte, nicht nur mit antisemitischen Beleidigungen, sondern auch mit körperlichen Angriffen zu rechnen haben.

An diesem Beispiel wird leider wieder deutlich, dass Menschen jüdischen Glaubens noch immer auf einen besonderen Schutz angewiesen sind, da es ihnen offensichtlich bis heute nicht vergönnt ist, ohne Angst in Deutschland leben zu können.

*Die Person ist uns bekannt.

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Babas in Kassel

Ein Augenzeugenbericht. Vor einem Konzert in Kassel

Die Band und ich saßen in der Küche und aßen, einer war noch im Barraum andere probten noch weiter hinten in den Räumlichkeiten. Zwei Männer, Mitte 20 kamen ins Haus und gingen in den Proberaum. Auf ihrem Weg zurück kamen sie in der Küche vorbei. Einer von beiden fragte nach Feuer und nachdem ihm niemand welches geben konnte, fing er an auf polnisch zu pöbeln. Sein Kumpel erklärte, dass er es „nicht richtig“ finde, wenn zwei Frauen mit drei Männern zusammen säßen. Er informierte ebenfalls darüber, dass er anlässlich des Bayramfests den ganzen Tag Schafe „aufgeschlitzt“ habe.

Er führte aus, dass ausschließlich Araber echte Muslime seien und dass er selbst Palästinenser sei. Sein Monolog endete mit sich wiederholenden Rufen “ Allahu akbar! Tod den Juden! Arbeit macht frei.“ Danach gingen beide in den Vorraum. Ich war ebenso perplex wie die australische Band und verfolgte die beiden Männer in den Vorraum. Dort forderte ich sie zum Gehen auf und erklärte ihnen, dass Antisemitismus nicht geduldet wird.

Daraufhin explodierte der Palästinenser und wurde vor mir zu einem schreienden, spukenden, schwitzigen und wild gestikulierenden Bündel. Er warf mir „Beleidigung des palästinensischen Volkes“ vor und drohte, dass mein einziges Glück sei, dass er keine Frauen schlage.

Die Bandmitglieder kamen aus dem Proberaum hinzu und versuchten ebenfalls, die beiden zum Gehen zu bewegen. Wir haben sie aus dem Haus gedrängt, was etwa 10 Min dauerte. Sie wiederholten in der Zeit Beschimpfungen und Bedrohungen, so etwa die Ankündigung eines Mobs „aller Babas in Kassel“ zum abendlichen Konzert. Da wir diese Drohung nicht einschätzen konnten wurde das Konzert verlegt.

(Die Zeugin ist uns bekannt)