Kein Platz für Antisemitismus auf der documenta?

Die Behauptung:

„Antisemitische Ressentiments und Antisemitismus dürfen auf der documenta nicht zum Ausdruck kommen. Das haben auch die documenta und das Kuratorenkollektiv ruangrupa selbst immer wieder betont.“ (Angela Dorn, Kunst- und Kulturministerin Hessen vor dem Hessischen Landtag)1

Die Realität:
A Letter Against Apartheid (2021)

In diesem Brief steht u.a. sinngemäß: Israel ist eine Kolonialmacht und ein Apartheidsystem. Wir fordern von den Regierungen, Sanktionen gegen Israel zu implementieren, Handelsbeziehungen und kulturelle Beziehungen zu Israel einzustellen.

Die Unterzeichner:
Ade Darmawan (ruangrupa), Farid Rakun (ruangrupa), Iswanto Hartono (ruangrupa), Reza Afisina (ruangrupa), Amar Kanwar (documenta-Beirat), Andrea Linnenkohl („General Coordinator der documenta 15“; Artistic Team), Ayşe Güleç (Artistic Team), Gertrud Flentge (Artistic Team), Lara Khaldi (Artistic Team), Lydia Antoniou (Kuratorische Assistenz), Noor Abed (Kuratorische Assistenz), Kasia Nancy Naser al Deen (Assistenz Koordination öffentliche Programme), Wlaszczyk (Koordination öffentliche Programme), Jumana Emil Abboud (Lumbung), Yazan Khalili (Lumbung), Fehras Publishing Practices: Kenan Darwich, Sami Rustom, Omar Nicolas (Lumbung), Kiri Dalena (Lumbung), Agus Nur Amal Pmtoh (Lumbung)

(Die ruangrupa besteht aus zehn, das Artistic Team aus fünf Personen)

Wir können nur Ändern was wir konfrontieren (2021)

In diesem Brief steht sinngemäß: Boykotte [gemeint ist der Boykott gegen Israel = „Kauft nicht beim Israeli“] gelten als legitime Ausübung der Meinungsfreiheit. Es gibt ein Recht darauf, gewaltfreien Druck auf Regierungen [gemeint ist nur Israel] auszuüben, die Menschenrechte verletzen [gemeint sind u.a. der Bau von Wohnungen für Juden auf der Westbank und die Ausübung des Selbstverteidigungsrecht Israels gegen terroristische Angriffe]. Die Vermengung von „Kritik an Israel mit antijüdischem Rassismus“ verhindere, dass Israel „zur Rechenschaft gezogen wird“. Das schadet dem Kampf gegen Antisemitismus. „Der Kampf gegen Antisemitismus kann nicht nach Belieben von parallelen Kämpfen gegen Islamophobie, Rassismus und Faschismus entkoppelt werden. Nachdrücklich lehnen wir die Monopolisierung von Unterdrückungserzählungen [d.i. Holocaust / Shoah] durch Staaten wie Deutschland ab …“

Die Unterzeichner

Charles Esche (Documentabeirat), Ayşe Güleç (Artistic Team), Andrea Linnenkohl (Artistic Team), Lara Khaldi (Artistic Team), Yazan Khalili (QoF / Lumbung), Marwa Arsanios (Lumbung), Jimmie Durham † (Lumbung)

Andere Antisemitische Pamphlete

Free Palestine / Strike MoMA: A Call to Action: Yazan Khalili (QoF / Lumbung), Lara Khaldi (Artistic Team)

Artists Against Apartheid – Sydney: Safdar Ahmed (Lumbung)

Campaign to boycott the oral History Conference at the Hebrew University of Jerusalem: Yasmine Eid-Sabbagh (Lumbung)

Open letter to the Fundacao Bienal Sao Paulo: Farid Rakun (ruangrupa), Charles Esche (Documentabeirat)

InCACBI Condemns the Growing Partnership between the State of Gujarat and the State of Israel: Amar Kanwar (documenta-Beirat)

Die Ansage:
„Wer aktuell der ganzen documenta ein Antisemitismus-Label anhängen möchte und Künstlerinnen und Künstler ausladen will, ohne dass es Belege gibt, dass sie sich in ihrer Kunst antisemitisch ausdrücken, der redet der Zensur das Wort.“ (Angela Dorn, Kunst- und Kulturministerin Hessen)

Ein Künstler

Yazan Khalili, Sprecher des Kollektivs The Question of Funding (Lumbung), Direktor des Khalil Sakakini Cultural Center bis 2019

Yazan Khalili: „[Israelis] are not Middle Easterners […] the white Christian Europeans [es war tatsächlich die von den Nazis geführte deutsche Volksgemeinschaft] annihilating the European Jews […] they work with the Zionists to export the survivors to the Middle East, so they become someone else’s problem […] the Arab Jews, who were disassociated from their Arab origins to become part of the European project of colonization, so they’re now despised by all other Arabs […] for a Palestinian all Israelis are white, regardless where they come from, simply because the Zionist project is a white colonial European project“.2

„The creation of the Israeli state didn’t only result in the Palestinian catastrophe:  it also allowed for the continuation of the Jewish catastrophe, by fixing „the Jew“ as a national identity. […]  after the creation of the Jewish state, the destruction of Jewish existence in Arab and North African communities. […] For the boycott movement to have a radical demand, a structural one, it must call for boycotting the Israeli state until it dismantles itself as a Jewish state, meaning that the Israeli is no longer „the Jew“.3

Khalil Sakakini Cultural Center

Mitunterzeichner von: Comprehensive Academic Boycott of Apartheid Israel / Calls for Boycott, Divestment and Sanctions against Israel By Palestinian Civil Society / BDS-Aufruf (2005); Aufruf des Palestinian Human Rights Organizations Council (PHROC) zum Boykott Israels 2020

Der Namensgeber:

Khalil al-Sakakini: „Hitler hat der Welt die Augen geöffnet. Bevor er an die Macht gekommen sei, hätten die Menschen die Juden und ihren grenzenlosen Einfluss gefürchtet. Die Deutschen haben als erste den Juden die Stirn geboten und keine Angst vor ihnen gehabt. Hitler hat die Juden in ihre Schranken gewiesen.“ (Tom Segev, Es war einmal ein Palästina, S. 450)

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1 Pressemitteilung, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, 02.06.2022: Antisemitismus darf und wird keinen Platz auf der documenta fifteen haben.

2 Does That Makes You Feel Bitter? Relieved? Blasé?, Interview with Yazan Khalili, Mai 2014, fkawdw.nl.

3 The Utopian conflict, Web-Site Yazan Khalili (2014). Im gleichnamigen Aufsatz in der Broschüre „Assuming Boycott: Resistance, Agency and Cultural Production“ aus dem Jahr 2017, wird diese Passage gleichlautend wiederholt.

Antisemitismus im Nah-Ost-Konflikt und in der Kunst der postbürgerlichen Gesellschaft

Eine Tagung am 16. Juli 2022 in Kassel. Beginn 14:00 Uhr
Phillip-Scheidemann-Haus, Holländische Str. 72

Mit der Einladung des Kollektivs „The Question of Funding“ aus Ramallah wurde eine antiisraelische Künstler- und Aktivistengruppe zur documenta 15 eingeladen. Unsere im Zusammenhang dieser Einladung getätigten Recherchen förderten zu Tage, dass zahlreiche Funktionäre und Macher der Kunstausstellung zur antiisraelischen und bisweilen auch antisemitischen „israelkritischen“ Szene der Kulturschaffenden gehören. Dieses Phänomen ist nicht ganz neu, das Gespräch mit Edward Said auf der documenta 10, die „antizionistische Giraffe“ des Künstlers Peter Friedl auf der documenta 12 und der Auftritt des Antisemiten Franco Berardi auf der documenta 14 verweisen darauf, dass wir es mit einem systematischen Zusammenhang zu tun haben.

„Aber BDS ist eine breite und vielschichtige Bewegung, in der leider Antisemitismus nicht ausgeschlossen ist, die aber auch weltweit von einer Vielzahl von Kulturschaffenden unterstützt wird – die dies als Zeichen friedlichen Protests in Ausübung von Kunst und Meinungsfreiheit verstehen.“ Dr. Sabine Schormann (Generaldirektorin documenta).

„Mit dem indonesischen Künstlerkollektiv ruangrupa kuratierten 2022 zum ersten Mal Vertreter aus Asien die documenta, die auch die Perspektive des globalen Südens berücksichtigen.“ Christian Geselle (Aufsichtsratsvorsitzender documenta GmbH und Oberbürgermeister der Stadt Kassel)

Stehen diese beiden Zitate für die Problematik die sich in der skandalösen Entwicklung der Debatte um die manifeste Israelfeindlichkeit, den Antizionismus und teilweise auch den Antisemitismus im Zusammenhang der aktuellen documenta 15 ausdrückt? Stehen sie für die Ignoranz oder die schlichte Unkenntnis darüber, mit wem wir es mit der antisemitischen Bewegung BDS zu tun haben? Was hat dies alles mit der politischen Ideologie der postmodernen Linken, insbesondere der des Postkolonialismus zu tun? Es scheint uns kein Zufall zu sein, dass das Konzept der documenta 15 sich wie eine Mischung aus dem „Tag der Erde“, einem Tag der Offenen Tür eines Eine-Welt-Ladens oder als ein Potpourri des Veranstaltungskalenders des Palästina-Fan-Clubs aus dem Café Buch-Oase liest. Gibt es also eine notwendig ideologische Nähe der documenta-Macher zu den Volkstumskämpfern im Nahen-Osten und worin liegt diese begründet? Was hat die stoische Abwehrhaltung und das fehlende Problembewusstsein der politisch Verantwortlichen in Stadt und Land angesichts der geladenen Gäste und der politischen Schlagseite der documenta-Macher zu bedeuten?

Diesen Fragen wollen wir auf zwei Podien nachgehen.

1. Podium: BDS und die Rolle des Antisemitismus im Nah-Ostkonflikt mit Alex Feuerherdt und Ralf Balke

Auf dem ersten Podium wird es darum gehen, die Entwicklung, den politischen Charakter und die gesellschaftliche Bedeutung der BDS-Bewegung herauszustellen, um dann auf die spezifische Rolle des Antisemitismus als ein zentrales Element in der Ideologie der palästinensischen Nationalbewegung einzugehen.

Alex Feuerherdt ist freier Autor. Er schreibt u.a. für Jungle World und Mena-Watch. Feuerherdt ist zusammen mit Florian Markl Autor des Buches: Die Israelboykottbewegung. Alter Hass im Neuem Gewand, (Hentrich & Hentrich, 2020).

Ralf Balke ist Historiker und Journalist und schreibt u.a. für die Jüdische Allgemeine und Jungle World. Balke hat über den Einfluss der NSDAP in Palästina mit der Arbeit „Die Landesgruppe der NSDAP in Palästina“ promoviert. Balke hat u.a. das Buch „Israel. Geschichte, Politik, Kultur“ (C.H. Beck, 2013) veröffentlicht.

2. Podium: Antisemitismus und das Kunstwerk in der postbürgerlichen Gesellschaft mit Justus Wertmüller und Jan Gerber

Das zweite Podium wird die Entwicklung der Szene der „Kulturschaffenden“ im Kulturbetrieb der Gesellschaft des „antirassistischen“ Deutschland aufzeigen, um dann einen genaueren Blick darauf zu werfen, wie sich im kulturpolitischen Ansatz der documenta die pseudokritische Weltsicht postkolonialer und postmoderner Ansätze als Verfall jeder Kritik darstellt, dessen notwendiges Produkt der Hass auf Israel und die Zivilisation ist.

Justus Wertmüller ist Autor und Redakteur der Zeitschrift Bahamas. 2015 hat er im Aufsatz „Der deutsche Anschlag auf die Souveränität“ über den Zusammenhang von Souveränitätsverzicht, Djihad und der Veralltäglichung des Ausnahmezustandes im postnationalen Deutschland geschrieben.

Jan Gerber ist Historiker und Politikwissenschaftler, Herausgeber und Autor mehrerer Bücher über die Geschichte und Gegenwart der Linken. Zuletzt hat er den ersten Band der „Hallischen Jahrbücher“ mit dem Schwerpunkt „Die Untiefen des Postkolonialismus“ (Edition Tiamat, 2021) und das Buch „Geschichtsoptimismus und Katastrophenbewusstsein, Europa nach dem Holocaust“ (Vandenhoeck & Ruprecht, 2022) herausgegeben.

Ein Einbruch und waghalsige Schlussfolgerungen

Am 30.05.2022 meldete die Polizei, dass „Unbekannte zwischen Freitagabend und Samstagvormittag in einem Gebäude in der Werner Hilpert Straße, dem „WH22“, in Kassel Wände von Ausstellungsräumen einer bevorstehenden Kunstausstellung“ beschmiert hatten. Es entstand Sachschaden in Höhe von mehreren Tausend Euro. Die Polizei ermittelt wegen „gemeinschädlicher Schachbeschädigung“, ein politisches Motiv könne nicht ausgeschlossen werden. Das Kollektiv „The Question of Funding“, Hanno Hauenstein und Candice Breitz wussten mehr. Hauenstein schreibt: „Die unsachliche Debatte um vermeintlichen Antisemitismus in den Reihen der Documenta ist eskaliert.“ Mit dieser Zeile bringt er die Kritik des BgA-Kassel mit den strafbewehrten Handlungen der Einbrecher in einen unmittelbaren Zusammenhang. Unsere Kritik habe zu einer feindseligen und potentiell gewalttätigen Atmosphäre beigetragen. Die enge Beweisführung führt Hauenstein wie folgt: „Bereits im April war die Fassade des sogenannten Ruruhaus […] mit rassistischen Aufklebern beklebt worden.“ Die Gruppe QoF verstieg sich sogar zur Behauptung, es habe eine Monate lange rassistische Kampagne in den Medien gegeben. Jetzt seien die Künstler Morddrohungen ausgesetzt. Diese Argumentation wurde nicht nur vom notorischen Hauenstein übernommen, sondern u.a. auch in der Süddeutschen Zeitung verbreitet, in der es am 01.06.2022 hieß: „die Zahl ‚187‘, die an die Wände gesprüht wurde, kann man, wenn man mit modernen Zahlencodes vertraut ist, durchaus als Morddrohung lesen.“1

Kritik am Antizionismus, an der Unterstützung von BDS, an antisemitischen Pamphleten, die von einer großen Anzahl von Künstlern wie auch der Führungsgarnitur der documenta unterzeichnet wurden, Aufkleber auf denen steht „Freiheit statt Islam“, „Solidarität mit Israel“ und „Free Gaza from Hamas“, das soll rassistisch sein, ein Ansporn zum Vandalismus oder gar zu Mordaufrufen?

Wer eskaliert hier? Die Zielrichtung ist klar. Angesichts unserer gut belegten Vorwürfe, dass die Führungsgarnitur der documenta 15 von Unterstützern des antisemitischen „A Letter Against Apartheid“ dominiert wird, dass dieselben auch den Bundestagsbeschluss zur antisemitischen BDS-Bewegung ablehnen, dass das Khalil Sakakini Cultural Center, dem das Kollektiv QoF entstammt, nach dem Hitlerfan Khalil al-Sakakini benannt ist2, dass einige Künstler, u.a. eben auch die bisher für das QoF in Erscheinung getretenen Yazan Khalili und Fayrouz Sharkawi, BDS direkt unterstützen, soll die Kritik am Antisemitismus und Antizionismus delegitimieren. Man streut das Gerücht, hier seien rassistische Kreise am Werk – der Korrespondent Ludger Fittkau meint uns sogar als „Reichsbürger von Links“ bezeichnen zu müssen3 – die vor Gewalttaten und Morddrohungen nicht zurückschrecken. Doch im Gegensatz zu unserer fundierten und unwiderlegten Kritik sind die gegen uns vorgebrachten Anwürfe schlicht gegenstandslos und unzutreffend.

Wir machen kein Geheimnis daraus, dass wir den Islam kritisch betrachten. Im Zusammenhang unserer Kritik an der documenta war und ist von Islam bisher jedoch nie die Rede gewesen. Außerdem sind Aufkleber gegen den Islam, gegen die Hamas und für Israel kein Aufruf, um in Gebäude einzubrechen, oder Künstlern persönlich zu bedrohen. Es sind Aufkleber, die dazu auffordern, sich mit Israel solidarisch zu zeigen, d.h. sich mit einem Land zu solidarisieren, das aktuell vor allem dem jihadistisch motivierten Terror der Hamas, des Islamic Jihad u.ä. Gruppen, aber auch solchen aus dem Umfeld der Fatah ausgesetzt ist und das von der gleichermaßen islamisch argumentierenden Vernichtungsdrohung durch Hisbollah und dem Iran bedroht ist.

Dem BgA-Kassel wird nachgesagt, wir wären eine Gruppe alter weißer Männer, die sich Herrenwitze erzählen. Ob das der Wahrheit entspricht tut hier nichts zur Sache. Wir sind jedoch keine alte Herren, die wie Michael Caine, Morgan Freeman und Alan Arkin auf eine Einbruchstour gehen, um Juwelen oder Geldbeträge zu requirieren um unsere Aktionen finanzieren können oder um unserer Kritik im Jargon der Jugend handgreiflich Nachdruck zu verleihen.

Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, dem dürfte auf den ersten Blick auffallen, dass der Stil der Graffitis vermutlich von denen stammt, die ihre Tags und Schriftzüge überall hinterlassen. Es handelt sich in der Regel um Jugendliche mit eher diffusen politischen Vorstellungen, denn mit Kenntnissen theoretischer Auseinandersetzungen zum Antisemitismus, zu Israel und zur Kritischen Theorie. Es ist geradezu absurd anzunehmen, dass irgendwelche dreizehnjährige Azzlacks mit Bezug auf unsere Kritik sich aufmachten, um ihre Tags 187 (steht für die Gruppe 187 Strassenbande) steht und PJ oder RJ Peralta (steht eher für den Rapper RJ Peralta als für die Nazidame gleichen Namens aus Spanien), an den Wänden zu hinterlassen.

Wie die HNA unter Bezugnahme auf „Experten“ aufdeckte, handelt es sich beim BgA-Kassel um eine Gruppe Antideutscher.4 Auch wenn es mit der Gruppe Scheiteljugend mittlerweile wieder eine kleine, aktive Nazigang in Kassel gibt: Warum sollten sich Nazis, die sich durch einen exzessiven Bezug auf Deutschland auszeichnen und in Fraktur schreiben, auf unsere Kritik beziehend gegen die Volkstumskämpfer aus „Palästina“ zu Felde ziehen, haben sie doch den gleichen Feind wie die Künstler im WH22, nämlich die Juden, die Zionisten und Israel. Ob den Aktivisten aus der rechtsextremen Szene die Bedeutung der Zahlenfolge 187 aus den USA geläufig ist, darüber lässt sich trefflich spekulieren. Wir bezweifeln das eher. Ob es sich also um rechtsextreme Täter handelt, die Tags im Sprayer-Stil innerhalb von Gebäuden hinterlassen, dürfte sehr unwahrscheinlich sein.

Im Übrigen hat das BgA keine Jugendabteilung, die mit dem Werkzeug der Spraydose vertraut ist und die unsere kritischen Interventionen als Ansporn sähe, um gegen palästinensische Volkstumskämpfer mit Tags in geschlossenen Räumen vorzugehen.

Unsere Aktionsform, „unsere Waffe“, ist die Intervention durch Kritik. Das tun wir mit Blogbeiträgen, Infoständen, Veranstaltungen, Flugschriften und kleinen Kundgebungen. Es ist die Staatsräson Israels allen vom Antisemitismus bedrohten und verfolgten Juden eine sichere Heimstatt zu bieten. Der Staat Israel steht für das „Nie wieder!“. Die Existenz des Staates Israel ist die Gewähr dafür, dass sich Auschwitz nie wieder wiederholt (Adorno). Nicht das BgA-Kassel sondern die israelische Armee und die israelischen Sicherheitskräfte treten den Angriffen der Antisemiten wehrhaft entgegen.

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1 „Bekennt Euch. Antisemitismus, BDS, Israelfeindlichkeit. Der Streit um die Documenta zeigt, wie zielführende Debatten in Kultur und Gesellschaft immer schwerer werden“, Süddeutsche Zeitung, 01.06.2022. Candice Breitz veröffentliche als erste auf ihrem Facebookaccount die anmaßende Pressemitteilung der Gruppe QoF. Dort wird ausgeführt, nach Monaten rassistischer Anstiftung in den Medien (sic!) sei der Ausstellungsraum mit Graffitischmierereien beschädigt worden u.a mit den Nummer 187, die für Mord stehen würde. Wörtlich heißt es dort „After months of racist incitement in the media, the exhibition space […] was vandalized with graffiti“. Der Deutschlandfunk und die Berliner Zeitung titelten kurzerhand „Mordrohungen“, andere Zeitungen sprachen von „politischen Drohungen“.

2 Hanno Loewy gehört zu denen, die meinen unsere Kritik sei widerlegt. Er schreibt in der Süddeutschen Zeitung: „Die ‚antideutschen‘ Agitatoren zückten aber auch das schärfste Instrument: Sakakini, so sei Wikipedia zu entnehmen, sei ein Anhänger des NS gewesen, habe die Politik Hitlers befürwortet und die Idee einer ‚jüdischen Weltverschwörung‘ übernommen. Sucht man auf Wikipedia nach einem Beleg für diese Behauptungen, dann sucht man vergebens.“ („Schaut genau hin. Jedes Jahr eine Antisemitismusdebatte. Und jedes Jahr steigt die Temperatur. Siehe die aktuelle Documenta“, in SZ, 01.06.2022) Hätte Loewy nicht nur den deutschen Eintrag in Wikipedia gelesen, sondern den englischen, dann hätte er reichlich Belege dafür gefunden. Die stammen von Tom Segev. Segev gilt als Vertreter des Postzionismus, steht also dem Zionismus eher skeptisch gegenüber und sein Buch „Es war einmal Palästina“ wurde einst von der Süddeutschen Zeitung als Standardwerk empfohlen. Segev zeichnet ein differenziertes Bild von Sakakini, eine Einschätzung, die wir gar nicht bestritten haben. Warum man jedoch Sakakinis „nazifreundliche Gefühle“ (Segev, S. 562) damit entschuldigen will, dass „er gegen die jüdische Einwanderung in Palästina [war], die er als das erkennt, was sie (neben einer Fluchtbewegung aus Europa) eben auch war: das Streben nach jüdischer Souveränität über ein Land, in dem damals noch eine überwiegend arabische Bevölkerung lebte […]“, bleibt das Geheimnis des Direktors des Jüdischen Museums Hohenems Loewy.

3 Ludker Fittkau im Deutschlandfunk, siehe Fußnote 1

4 Es sei an dieser Stelle verraten, dass sich tatsächlich einige unserer Mitstreiter der Tradition der Antideutschen verbunden fühlen, aber eben nicht alle. Was uns eint ist, sind nicht die Ausführungen Jochachim Bruhns, sondern unsere Haltung zu Israel. Aus diesem Grund führen wir auch bis heute den Begriff „Bündnis“ in unserem Namen.

A Letter Against Apartheid, der Hass auf Israel und die documenta fifteen

„Es sei kein israelischer Künstler eingeladen, [es] wäre es ein Leichtes, all die vielen Staaten aufzuzählen, die auch nicht in Kassel vertreten sind …“ (HNA, 28.05.2022)

Sabine Schormann sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung am 27.05.2022: „Die documenta wendet sich klar gegen Antisemitismus“. Die Generaldirektorin der documenta 15 führte dazu aus: „Alle Künstlerinnen und Künstler, die künstlerische Leitung Ruangrupa, die Träger und die Geschäftsführung distanzieren sich eindeutig vom Antisemitismus. Es ging auch nie darum, aus der documenta eine Veranstaltung im Sinn des israelkritischen Bündnisses BDS (Boycott, Divestment and Sanktions) zu machen.“1 Die Journalisten nahmen dies zur Kenntnis. Die Hessenschau z.B. reproduzierte diese Nebelkerze ohne die Aussage zu hinterfragen.2

BDS ist keine „israelkritische“3 sondern ein antisemitische Initiative, die maßgeblich von palästinensischen Terrorgruppen ins Leben gerufen wurde. Das Ziel von BDS ist die Abschaffung des Staates Israel. Erreicht werden soll dieses Ziel durch den umfassenden wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, politischen und eben auch den kulturellen Boykott. Der Zentralrat der Juden stellte fest, es sei schwierig, „an einen Zufall zu glauben, wenn kein einziger israelischer Künstler vertreten sein wird […] Bei den Gesamtumständen, die wir bei der documenta sehen, drängt sich der Eindruck geradezu auf, dass BDS mit seinem Aufruf zum Boykott israelischer Kunst und Kultur bereits wirkt.“4 Ein Gegenargument, das die Wahrnehmung des Zentralrates entkräften könnte, führte Schormann nicht an. Ihre Ausführung bleibt eine schlichte Behauptung, die sich einfach widerlegen lässt.

Die ruangrupa ist sozusagen das Herz der documenta 15. Diese Gruppe besteht aus zehn Künstlern. Von diesen zehn Künstlern haben der Direktor der ruangrupa, Ade Darmawan, und als weitere Mitglieder Farid Rakun, Iswanto Hartono und Reza Afisina den sogenannten A Letter Against Apartheid unterzeichnet bzw. unterstützen diesen Brief. Die künstlerische Leitung der documenta 15, das „Artistic Team“, besteht aus fünf Personen. Von diesen fünf haben Andrea Linnenkohl, Ayşe Güleç, Gertrud Flentge und Lara Khaldi diesen Brief unterzeichnet. Insgesamt haben aus den maßgeblichen Strukturen der documenta 15 16 Personen das antiisraelische Pamphlet A Letter Against Apartheid unterzeichnet.5

A Letter Against Apartheid – ein Dokument des Israelhasses

Diesen Brief sollte man sich näher ansehen. Er wurde im Zuge der Auseinandersetzungen im Jerusalemer Stadtviertel Sheikh Jarrah6 von zahlreichen palästinensischen Künstlern unterzeichnet, von denen einige auch in Israel leben. Sie werfen in dem Brief den israelischen Soldaten und Zivilisten vor, in den Straßen Jerusalems, Lyddas, Haifas und Jaffas wandelnde („roaming the streets“) Palästinenser straflos zu attackieren und zu töten. Ja, es habe sogar eine Anzahl von Lynchmorden („several lynchings“)7 an unbewaffneten und ungeschützten Palästinensern gegeben. Israel betreibe eine Politik der ethnischen Säuberung. Da die Hamas die Auseinandersetzungen in Jerusalem zum Anlass nahm, Israel mit einer bisher nicht gekannten Anzahl von Raketen wahllos zu beschießen und Brandballons über die Grenze zu schicken, bombardierte die israelische Luftwaffe Stützpunkte der Hamas, Fertigungsstätten von Raketen und Tunnel, die von den Terroristen unter die israelische Grenze getrieben wurden. Diese legitimen Maßnahmen der Selbstverteidigung bezeichnet der Brief als Massaker. Weiter heißt es, der Gaza sei kein separiertes Land, vielmehr wäre er gewaltsam durch die Architektur des israelischen Staates vom dem „einen Volk“ der Palästinenser („one people“) getrennt. Palästina sei ein kolonisiertes Land, Israel die Kolonialmacht und die Palästinenser würden gegen diese Kolonialmacht einen Befreiungskampf führen. Bei dem seit 1948 andauernden Krieg gegen Israel handele es sich nicht um einen (militärischen) Konflikt, sondern um Apartheid, denn der palästinensischen Gemeinschaft würde seit den Anfängen des „Siedler-Kolonialismus“ die Rückkehr in die Heimat („right of return“) systematisch verwehrt. Der Terminus „Siedler-Kolonialismus“ steht für eine Besiedlung in der Absicht, die Urbevölkerung auszurotten.8 Das ist eine geradezu wahnhafte Interpretation der Geschichte Israels und der arabischen Staaten: Arabische Israelis stellen rund 20 % der israelischen Bevölkerung, sie sind gleichberechtigte Bürger des Staates Israel. 1948 und in den folgenden Jahren wurden aus den arabischen Staaten über 700.000 Juden vertrieben. Manche arabische Staaten (Libyen, Syrien, Irak u.a.) sind wie die palästinensischen Autonomiegebiete heute „judenfrei“.

Die Unterzeichner fordern das Ende der militärischen Unterstützung Israels, vor allem die der USA. Sie fordern die Auflösung des Apartheid-Regimes. Weil Israel mit Apartheid gleichgesetzt wird, ist klar was mit dieser Forderung gemeint ist. Die Regierungen anderer Länder werden aufgefordert, die Verbrechen gegen die Menschheit („crime against humanity“), die Israel begehen würde, durch Sanktionen entgegenzutreten, den Handel mit Israel einzustellen und ökonomische und kulturelle Beziehungen zu Israel zu kappen. Die Unterzeichner fordern alle Aktivisten und Künstler auf, den palästinensischen Kampf gegen die Kolonialmacht Israel zu unterstützen.

„Rassismus, Antisemitismus und alle Formen des Hasses seien im palästinensischen Kampf nicht erwünscht.“ A Letter Against Apartheid.
Foto: Twitterbeitrag der IDF, 23.08.2019

Der Brief ist ein unbändiger Ausdruck des Hasses auf Israel. Kaum verklausuliert wird die Abschaffung Israels gefordert. Mit keinem Wort geht er auf den Terror palästinensischer Gruppierungen wie den der Fatah, der Hamas und des Islamic Jihad u.a. ein. Mit keinem Wort wird der andauernde massive und wahllose Beschuss Israels durch Raketen aus dem Gaza erwähnt. Man kann mit Fug und Recht behaupten: Wer sich mit einer solchen Erklärung einverstanden erklärt und sie unterstützt, der kann sich keinesfalls von Antisemitismus freisprechen.

Die Unterzeichner unterstützen mit ihrer Unterschrift wie die BDS-Bewegung explizit aber auch die kulturelle Isolation Israels. Eine Forderung, die im Zusammenhang der documenta von herausragender Bedeutung ist. Insofern ist die Aussage, es ginge nicht darum, aus der documenta eine Ausstellung im Sinne von BDS zu machen, unglaubhaft. Dem Zentralrat ist schlicht Recht zu geben: Es scheint kein Zufall zu sein, dass auf der documenta keine Künstler aus Israel präsentiert werden.

Die Verwurzelten und die Unerwünschten

Der Redaktion der HNA stand am gleichen Tag ein Teil der „künstlerischen Leitung“ der documenta „Rede und Antwort“.9 Daraus machte die nordhessische Lokalzeitung einen eine ganze Seite füllenden Artikel. Dieser wird auf der ersten Seite wie folgt angekündigt: Die ruangrupa sei in der Stadt verwurzelt. Ziel sei es: „Alle sollen sich wohlfühlen, Mitwirkende, Künstler und Besucher.“ Es wurden Ayşe Güleç („Artistic Team“), Farid Rakun und Reza Afisina („ruangrupa“) befragt. Alle drei haben den oben genannten „A Letter Against Apartheid“ unterzeichnet. Die HNA wusste dies entweder nicht oder sie interessierte sich dafür nicht.

Es gehört nicht viel dazu zu vermuten, wer sich aufgrund der Haltung maßgeblicher Macher der documenta und einiger auf der dort eingeladenen Künstler nicht wohl fühlen wird.

Die Gesprächspartner der HNA: Reza Afisina, Ayşe Güleç, Farid Rakun. Alle drei haben den „A Letter Against Apartheid“ unterzeichnet. Kritische Nachfragen der Redaktion? Keine.
(Screenshot; HNA)

Güleç stellt im Gespräch fest: „Die Unterstellung eines israelfeindlichen Antisemitismus werde von außen an die Ausstellung herangetragen.“ Dass wir als BgA-Kassel in der Stadtgesellschaft und -politik nicht wohl gelitten sind, ist bekannt. Wenn wir Kritik üben, tun wir das ohne Rücksicht auf Ansehen und Position der betroffenen Personen und Gruppen. Man schneidet uns dafür systematisch, namhafte Stadtpolitiker betiteln Einzelne von uns mit „der unmögliche …“, andere bezichtigen uns „auf Rassismus bezogener Antisemitismusvorwüfe“. So what. Wenn nun aber Güleç die Kritik als von außen herangetragen sieht und die HNA gleichzeitig vermeldet, die ruangrupa sei in der Stadt fest verwurzelt, dann wird in dieser Wortwahl klar, dass die jüdischen Organisationen: der Zentralrat der Juden in Deutschland, das AJC Berlin, die WerteInitiative und die Jüdische Studierendenunion Deutschland, die sich kürzlich in aller Deutlichkeit geäußert haben, genau nicht zu dieser Gemeinschaft der Verwurzelten gehören.10 Dass es Zeitungen gibt, die diese Kritik auch in die Öffentlichkeit bringen, macht sie laut HNA zum Sprachrohr des Zentralrats der Juden.11 Güleç aber ist nicht nur von jedem Verdacht erhaben, sondern gibt darüber hinaus noch die theoretisch versierte Fachfrau: „Antisemitismus und Rassismus hingen zusammen – nicht umsonst habe der Attentäter von Halle, als er sich keinen Zugang zur Synagoge verschaffen konnte, in einem Imbiss irgendwie ‚migrantisch‘ aussehende Opfer gesucht.“

Es ist in der Forschung unumstritten, dass Antisemiten auch Rassisten sein können. Rassismus ist im Wesentlichen eine auf Vorurteilen beruhende Ideologie, die tatsächlich oder vermeintlich anders Aussehende, in anderen Gesellschaften Sozialisierte und Angehörige anderer Nationen abwertet. Antisemitismus ist dagegen eine wahnhafte Weltanschauung, die den Juden als allmächtig halluziniert und in ihm ein Gegenvolk sieht, das es letztendlich zu vernichten gilt. Dass nicht nur Nazis sondern auch „antirassistische“ Kulturschaffende, „People of Colour“, linke Aktivisten, Kämpfer für Diversität und Nachhaltigkeit veritable Antisemiten sein können, darüber spricht weder die HNA noch irgendjemand in der Stadt Kassel, denn die ruangrupa ist „in der Stadt verwurzelt“ und alle wollen dazu gehören und sich wohl fühlen.

Aber auch für die HNA ist mit der Aussage der Güleç, „es gebe aber viele Künstler, die sich […] gegen Rassismus aussprächen“ alles erledigt. Und überhaupt, worüber regen die jüdischen Verbände sich auf: „Es sei kein israelischer Künstler eingeladen, [es] wäre es ein Leichtes, all die vielen Staaten aufzuzählen, die auch nicht in Kassel vertreten sind. Auf der Venedig-Biennale ist auch kein Künstler aus Israel dabei,“ meinte der Journalist Mark-Christian Busse am folgenden Tag in der HNA anmerken zu müssen.

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1 Neue Osnabrücker Zeitung, Generaldirektorin Sabine Schormann: „Documenta wendet sich klar gegen Antisemitismus“, Presseportal.de, 27.05.2022.

2 documenta-Chefin positioniert sich gegen Judenhass, Hessenschau, 27.05.2022; ähnlich auch „documenta-Generaldirektorin positioniert sich gegen Judenhass“, Deutschlandfunk Kultur, 27.05.2022.

3 „Israelkritik“ ist dem Grunde nach eine antisemitische Anwandlung. Denn weder gibt es Frankreichkritik, noch Islandkritik und auch wenn es angebracht wäre, keine China- oder Russlandkritik. Im Zusammenhang von Russland spricht man vom großrussischen Chauvinismus, vom russischen Angriffskrieg, Kriegsverbrechen usw. Angesichts der großen Zustimmung in Russland für den Krieg, ist die Rede von einer Verantwortung des russischen Volkes, von einer der Russen für diesen verbrecherischen Krieg. Angesichts dieser richtigen Schlußfolgerungen dürfen die zahlreichen Stimmen nicht fehlen, die mahnen, nicht alle Russen pauschal zu verurteilen.

4 Jüdische Kritik an der documenta. „Dahinter verbirgt sich ordinärer Antisemitismus“, Die Welt, 26.05.2022.

5 Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn je tiefer man bohrt, desto größer ist der Unrat, den man zutage fördert. Darüber hinaus gibt es andere Pamphlete des Israelhasses, deren Unterzeichner wir jetzt nicht alle überprüft haben. Die auf der documenta fifteen tätigen Unterzeichner werden in unserem Beitrag „Hätten sie lieber geschwiegen“ aufgezählt.

6 Zum Hintergrund der Auseinandersetzungen in Sheikh Jarrah, vgl.: Nadav Shragai, Sheikh Jarrah: Ein Immobilienstreit, der nicht nur um Immobilien geht, in: mena-watch, 12.09.2021.

7 Im Mai 2021 kam es zu gewalttätigen Übergriffen auf arabische Israelis, wie umgekehrt durch arabische Israelis auf Juden. Der israelische Ministerpräsident verurteilte diese Taten: „Was in den vergangenen Tagen in den Städten Israels geschehen ist, ist inakzeptabel“, erklärte er. „Nichts rechtfertigt den Lynchmord an Arabern durch Juden, und nichts rechtfertigt den Lynchmord an Juden durch Araber.“ Vgl.: Erneut Raketenalarm in Tel Aviv, Zeit.online, 13.05.2021.

8 Über die Bedeutung des Begriffs „Siedler-Kolonialismus“ in Bezug auf den Zionismus, vgl.: Zionism as settler colonialism, wikipedia.

9 Die Eisdielentipps gehören dazu. So funktioniert die ruangrupa: documenta fifteen zu Gast bei der HNA, HNA, 27.05.2022. Auf der Titelseite der Zeitung hieß es am gleichen Tag: „Im Redaktionsgespräch wurde deutlich, wie tief Ruangrupa in der Stadt verwurzelt ist, …“

10 Siehe Fußnote 4

11 In der HNA bezichtigte der Journalist Mark-Christian von Busse am 28.05.2022 „Die Welt“ „zuletzt als Sprachrohr des Zentralrats der Juden“ zu fungieren und munkelte über die Einflussnahme jüdischer Organisationen: Diese forderten, ein ‚Expertengremium‘ das über die Kunst in Kassel wachen solle. „Das wäre genau die Einflussnahme, vor der Hans Eichel gewarnt hat.“

Aufruf zur Kundgebung: 18. Juni 2022

Solidarität mit Israel – Dem Antisemitismus entgegentreten – Stoppt BDS

Dem Israelboykott keine Bühne auf der mit Steuergeldern finanzierten documenta 15!

18. Juni ab 14:00 Uhr, Friedrichsplatz, Kassel

Die documenta ist eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst, die weltweit Beachtung findet. Recherchen des Bündnisses gegen Antisemitismus Kassel förderten zu Tage, dass zahlreiche Anhänger der BDS-Bewegung und Kritiker des Bundestagsbeschlusses sowohl unter den berufenen Künstlern als auch in den Leitungsgremien der documenta 15 vertreten sind. Auch im Kuratorenteam „ruangrupa“ unterstützen die führenden Mitglieder Ade Darmawan und Farid Rakun Israelboykottbewegungen. Zahlreich sind insbesondere auch in den leitenden Gremien der documenta die Unterstützer des notorisch gegen Israel hetzenden „A Letter against Apartheid“.

Ohne dass es jemanden aufgefallen oder gar aufgestoßen wäre, wurde 2021 das palästinensische Kollektiv „The question of Funding“ in den „lumbung“ – das künstlerische Herz der documenta – berufen. Das Kollektiv steht in der Tradition des palästinensischen Nationalisten Khalil al Sakakini, der sich als Anhänger Hitlers bezeichnete. Akteure dieses Kollektivs, wie Yazan Khalili, sind Anhänger verschiedener Israelboykottinitiativen und treten für die Abschaffung Israels ein.

Nachdem die Recherchen des BgA-Kassel überregional in den Medien Beachtung fanden, taten die Stadt Kassel, die leitenden Kräfte der documenta und die politisch Verantwortlichen im Land Hessen zunächst alles dafür, dass unter den Augen der Weltöffentlichkeit und im Namen der Kunstfreiheit, Antizionismus als zu tolerierende Position einer multiperspektivischen Sicht auf die Welt als Kunst zu gelten habe. Unter dem Verweis auf die Freiheit der Kunst, wurde der Zusammenhang von Israelhass, Antizionismus und Antisemitismus schlicht ignoriert. Es reichte aus, dass die documenta 15 erklärte, Antisemitismus zu verurteilen. Der Kasseler Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende der documenta Christian Geselle dekretierte: Eine Überprüfung findet nicht statt!

Nach dem sich die gerade berufene Kulturstaatsministerin Claudia Roth – ebenfalls Kritikerin des BDS-Beschlusses – einschaltete, rangen sich die Verantwortlichen der documenta 15 dazu durch, eine Diskussionsrunde zu organisieren, um über Antisemitismus und Islamophobie (sic!) zu diskutieren. Im April wurde klar, dass die Hälfte der geladenen „Experten“ entweder Kritiker des BDS-Beschlusses oder Anhänger der BDS-Bewegung sind. Nachdem bekannt wurde, dass die documenta auch die Expertise des Zentralrats der Juden Deutschlands ausschlug, wurde die angekündigte Diskussion wieder abgesagt. Im Nachgang verkündete die Kulturstaatsministerin, Boykotten gegen israelische Künstlerinnen und Künstler im Kulturbetrieb sei gemeinsam entgegenzutreten.

Wie das bei einer Kunstschau funktionieren soll, in der leitende Personen (Kuratoren, Künstlerische Leitung und Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit) Israel als Apartheidssystem verunglimpfen, die den Beschluss des Bundestages zur antisemitischen BDS-Bewegung ablehnen und die Künstler aus Palästina eingeladen haben, die offen die BDS-Bewegung unterstützen und Israel abschaffen wollen und deren Generaldirektorin Sabine Schormann keinerlei Problembewusstsein über den Zusammenhang von Israelhass, Antizionismus und Antisemitismus zeigt, bleibt das Geheimnis derer, die sich mit den Erklärungen und Absichtserklärungen der Kulturstaatsministerin zufrieden geben.

Wir geben uns nicht damit zufrieden, einfach abzuwarten, ob die künstlerischen Aktionen der Antizionisten und Israelhasser sich vielleicht gerade im Bereich des zu Duldenden bewegen.

Wir verurteilen, dass mit viel öffentlichen Geldern Antisemiten, Israelhassern und Antizionisten eine Bühne geboten wird, die weltweit Beachtung findet.

Auch auf der documenta muss gelten: Keine Toleranz dem Antizionismus – Gegen Antisemitismus heißt: Stoppt BDS!

Bündnis gegen Antisemitismus Kassel

TIP – Thunder in Paradise

AG Antifa (Uni Halle)

Junges Forum DIG Kassel

Bündnis gegen Antisemitismus Kiel

und Einzelpersonen

Karl Pfeifer, Simon Wiesenthalpreisträger (Wien)

Malca Goldstein-Wolf (Köln)

Jonas Dörge (Kassel)

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Kein Platz für Antisemitismus auf der documenta?

Hätten sie lieber geschwiegen! Wie die documenta auszog um einen Brief zu schreiben – oder Künstler bleibt bei deinem Pinsel

Don‘t talk about BDS. Über die postmodernen Taschenspielertricks in den „Blank Spots“

Documenta fifteen: Antizionismus und Antisemitismus im lumbung

Hätten sie lieber geschwiegen!

Wie die documenta auszog um einen Brief zu schreiben – oder Künstler bleibt bei deinem Pinsel

Ob ein Offener Brief1 eine adäquate Aktion ist, um auf gesellschaftliche Probleme zu reagieren, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. In der Regel bespiegeln sich damit die Verfasser, die sich in einem Gestus der Empörung bzw. einer moralischen Erhabenheit gefallen und sie vergewissern sich mit solchen Veröffentlichungen der eigenen Gefolgschaft. Da es in dem aktuellen Brief der documenta 15 keine erkennbaren Personen als Verfasser gibt, bleibt das übrig, was Offene Briefe ebenfalls intendieren, eine gesellschaftlich relevante Debatten auszulösen. Das ist gründlich schief gegangen. Mehr als einen wiederholten Versuch, die antisemitische BDS-Bewegung2 reinzuwaschen haben die Verfasser nicht zustande gebracht. Entsprechend verheerend ist, bis auf wenige Ausnahmen, das Echo in den Medien.

Nachdem wir im Januar d.J. aufgedeckten, dass mehrere Akteure der documenta 15 und der eingeladenen Künstler aus dem Umfeld der antisemitischen BDS-Bewegung kommen oder diese direkt unterstützen, wurde unsere Kritik daran, Antizionismus und Antisemitismus auf einer mit öffentlichen Geldern finanzierten Kunstausstellung eine Bühne zu geben, mit großer Empörung zurückgewiesen. Antisemitismus habe keinen Platz auf der documenta 15 und Antisemitismus würde wie Rassismus, politische Gewalt und „Islamophobie“ verurteilt. Um das zu unterstreichen, wollte man sich diesen Themen widmen und kündigte eine Veranstaltungsreihe an. Für die politisch Verantwortlichen war mit diesem Statement ‚der Drops gelutscht‘. Mehr als dieses Bekenntnis und die Ankündigung zu einer Diskussion sollte es nicht geben.

Nachdem die documenta 15 die Veranstaltungsreihe präsentierte, stellte sich heraus, dass etwa die Hälfte der geladenen Gäste dem BDS-Umfeld oder denen zuzurechnen sind, die den Bundestagsbeschluss zur antisemitischen BDS-Bewegung kritisieren. Außerdem sollte sich eins der drei Podien mit „anti-palästinensischem Rassismus“3 beschäftigen. Beabsichtigt war, die Veranstaltungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit im You-Tube-Format abzuhalten. Diese Konzeption wurde in der Presse vielfach kritisiert. Nachdem dann auch noch öffentlich bekannt wurde, dass die Expertise des Zentralrats der Juden in Deutschland ausgeschlagen wurde, sagte die documenta die Veranstaltung ab.

Auf den Offenen Brief umfänglich einzugehen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Drei Anmerkungen erlauben wir uns aber hier.

Der Rassismus-Reflex

Von Beginn an, versuchte man uns des Rassismus zu überführen. In dem Offenen Brief versuchen die Autoren dies erneut. Als Beweis des gegen uns erhobenen Vorwurfes des Rassismus diente dieses Mal unsere Sottise über den Lumbung. Wir hatten angesichts des penetranten Exotismus, der im Begriffsgeklapper der documenta4 deutlich wird – und der gemäß ihres Säulenheiligen, Edward Said, bei jedem Europäer als Ausweis seines schändlichen Orientalismus taugen dürfte – es uns ironisch zu bemerken erlaubt, Lumbung sei kein alkoholisches Mixgetränk. Von „Lumumba“ war bei uns keine Rede, diese Assoziation tätigten die Verfasser des Briefes selbst. Dieser Name sei eine „rassistische Scherzbezeichnung“ eines Mischgetränkes. Naja, das kann man so sehen, aber auch die andere Variante ist wird kolportiert, dass in den späten Sechzigern Studenten dieses Getränk auch in solidarischer Absicht, den afrikanischen Revolutionär zu ehren, tranken. Ist das Glas Vodka Jelzin ein Statement gegen den russischen Chauvinismus oder macht man sich mit Putin gemein, trinkt der Hipster ein Glas Afri-Cola in rassistischer Absicht, oder um Trump eins auszuwischen? Was ist eigentlich mit „Sex on The Beach“? Die Antworten darauf, mein Freund, die wissen nur die Sprachmagier und Getränkespezialisten der postmodern und identitär gewendeten Linken.

Dagegen spielt die zweite Zeile der Überschrift des Briefes „Wie ein Gerücht zum Skandal wurde“ offensichtlich auf eine Formulierung Theodor W. Adornos an, der in der Minima Moralia formulierte: „Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“ Die Tatsache, dass der Künstler Yazan Khalili antisemitische Topoi nutzt(e), dass der Namensgeber des Centers, dessen Präsident er war, sich tatsächlich positiv auf Hitler bezog, wird in eine wahnhafte Behauptung umgedeutet, die der der Antisemiten ähnlich ist. Rassismus und Antisemitismus alles eine Soße und der Kritiker des Antisemitismus ist der eigentliche Antisemit.5

Israel, der Völkerrechtsverbrecher

Dann folgte eine Bemerkung, die zeigt, woher der Wind weht. „Die realen Probleme der völkerrechtswidrigen israelischen Besatzung“ ließen sich genauso wenig wie die Widersprüche des Widerstandes gegen sie in Gesprächsrunden auflösen.

Israel ist so klein wie Hessen. Die Israel umgebenden arabischen Staaten reichen vom Atlantik bis hin zum Irak. Einen Staat Palästina hat es nie gegeben. Die Gründung eines arabischen Staates, zu dem auch Gebiete der Westbank gehören hätten sollen, verhinderten die arabischen Angriffskrieger im Jahre 1948. Jordanien besetzte in diesem Krieg dieses Gebiet einschließlich der Altstadt Jerusalems. Die in diesem Gebiet und in Jerusalem seit Jahrhunderten lebenden Juden wurden vertrieben. Im Krieg von 1967 wurden die jordanischen Truppen von der Westbank geschlagen und zogen ab. Jerusalem konnte befreit werden. Eine Aufteilung der Westbank zwischen den dort lebenden arabischen Bewohnern und den z.T. zurückgekehrten jüdischen und neu hinzugezogenen jüdischen Bewohnern im Rahmen eines Friedensvertrages wurde durch den seit 1967 permanent geführten Terrorkrieg palästinensischer Gruppierungen gegen Israel hintertrieben. Die israelischen Truppen in der Westbank dienen dem Schutz der dort lebenden Juden.

Wenn die documenta nun meint, anstatt sich der zeitgenössischen Kunst zu widmen, bedauern zu müssen, eine „völkerrechtswidrige israelische Besatzung“ mit den Mitteln des Diskurses nicht lösen zu können und darüber hinaus „Widersprüche des Widerstandes“ gegen das offensichtlich als Völkerrechtsverbrecher identifizierte Israel lamentierend beklagt, zeigt das, dass unser Befund und unsere Kritik mit der israelfeindlichen Schlagseite der documenta 15 schlicht richtig ist.

Die documenta 15: Ein Nest der Antizionisten

Der Offene Brief wurde in der einschlägigen Berliner Zeitung und auf der Internetplattform e-Flux veröffentlicht. e-Flux? Da war doch was! Am 26. Mai 2021 veröffentlichte e-Flux den „A Letter Against Apartheid“.6 In diesem Brief heißt es u.a.:

„Israel is the colonizing power. Palestine is colonized. This is not a conflict: this is apartheid […] „ethnic cleansing“ […] „Israeli settler colonial rule in 1948“ […] „We ask governments that are enabling this crime against humanity to apply sanctions, to mobilize levers of international accountability, and to cut trade, economic and cultural relations.“ 

Dieses hetzerische Schriftstück übertrifft die antiisraelische Agitation der Stellungnahme Initiative „GG 5.3 Weltoffenheit“ und des Briefes „Wir können nur ändern, was wir konfrontieren“ bei weitem. Unterzeichnet oder unterstützt wurde dieser Brief von vier der fünf Personen, die im „Artistic Team“ tätig sind, und von weiteren Personen, die im Zusamenhang der documenta zu erwähnen sind:

Adam Szymczyk (Leiter der documenta 14)

Ade Darmawan (ruangrupa; documenta 15)

Amar Kanwar (documenta-Beirat; documenta 15)

Andrea Linnenkohl („General Coordinator der documenta 15“; Artistic Team; documenta 15)

Ayşe Güleç (Artistic Team; documenta 15)

Farid Rakun (ruangrupa)

Gertrud Flentge (Artistic Team; documenta 15)

Iswanto Hartono (ruangrupa)

Kasia Wlaszczyk (Koordination öffentliche Programme; documenta 15)

Jumana Emil Abboud (Lumbung; documenta15)

Lara Khaldi (Artistic Team; documenta 15)

Lydia Antoniou (Kuratorische Assistenz; documenta 15)

Nancy Naser al Deen (Assistenz Koordiantion öffentliche Programme; documenta 15)

Noor Abed (Kuratorische Assistenz; documenta 15)

Reza Afisina (ruangrupa)

Yazan Khalili (Lumbung; documenta 15)

Keine weiteren Fragen!

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1 Offener Brief: Antisemitismus-Vorwurf gegen Documenta: Wie ein Gerücht zum Skandal wurde. Jüngst wurden Antisemitismus-Vorwürfe an die Documenta laut. Eine Gesprächsreihe wurde abgesagt. Hier äußern sich jetzt erstmals die Macherinnen, in: Berliner Zeitung, 09.05.2022; Antisemitism Accusations against documenta: A Scandal about a Rumor. ruangrupa. This is a letter from ruangrupa, the artistic team of documenta fifteen, and some curators of the recently canceled forum. We need to Talk! Art — Freedom — Solidarity reflecting an ongoing debate in Germany around the upcoming edition of documenta, in: e-Flux.com, 07.05.2022

2 Auf den antisemitischen Charakter der BDS-Bewegung gehen ausführlich Alex Feuerherdt und Florian Markl ein. Dies.: Die Israel-Boykottbewegung. Alter Hass in Neuem Gewand, Leipzig 2021.

3 Es existieren in Israel wie in allen modernen Gesellschaften rassistische Vorurteile. Diese werden gegenüber Arabern, Beduinen aber auch gegen Juden afrikanischer und arabischer Herkunft gehegt. Im Gegensatz zu allen Nachbarnationen gibt es dagegen in der israelischen Gesellschaft und Politik ein Problembewusstsein. Dass es ein weit verbreitetes Misstrauen in der israelischen Bevölkerung gegenüber arabischen Israelis und Palästinensern gibt, hat seine Ursache in der fortdauernden terroristischen Kampagne verschiedener palästinensischer und islamistischer Gruppierungen. Dieses ist Ansatzpunkt zahlreicher gesellschaftlicher Initiativen, die um das gegenseitige Verständnis und die Aussöhnung bemüht sind. Neben dem ausgeprägten Judenhass in den arabischen Staaten und auch unter der Bevölkerung der palästinensischen Autonomiegebiete, existiert gegenüber den Nachkommen der 1948 aus dem Mandatsgebiet Palästina geflohenen, vertriebenen und ausgewanderten arabischen Bevölkerung, den Palästinensern, allerdings eine Politik der Unterdrückung und Diskriminierung, insbesondere in Syrien, im Libanon und in Jordanien. In Israel haben die israelischen Araber die vollen Bürgerrechte.

3 Ekosistem, Majelis, Meydan, Sobat etc., sollen die Weltoffenheit und Multiperspektivität verdeutlichen. Damit der interessierte Besucher der Kunstausstellung bei diesem Kauderwelsch mitreden und „neue Perspektiven und Ideen“ begreifen kann, dazu braucht es extra einen Glossar.

4 Auch wenn immer wieder behauptet wird Elke Buhr und Joseph Croitoru hätten irgendwelche unserer Feststellungen widerlegt, entspricht dies nicht den Tatsachen. Der Versuch des Historikers Jens Hansens Khalil al Sakakini reinzuwaschen ist bezeichnend. Sakakini habe auf die Befreiung durch die deutschen Truppen Rommels gehofft. Vgl.: ders., Wer war Khalil Al Sakakini? Eine Tagebuchreise nach Palästina, 20.04.2022. Rommels Naziwehrmacht folgten die SS-Verbände Walter Rauffs auf dem Fuße um das „Problem“ (Yazan Khalili) mit den Juden auch im Nahen Osten endzulösen.

5 Über den penetranten Versuch, aus unterschiedlichen Beweggründen das Thema Rassismus ins Spiel zu bringen, wenn es um Antisemitismus geht, sei hier auf Stephan Grigat verwiesen. Ders.: Antisemitismus bei documenta15. Rassismus und „Islamophobie“, TAZ, o.D.

6 A letter against apartheid, in: e-Flux.com, 26.04.2021.

Don‘t talk about BDS

Über die postmodernen Taschenspielertricks in den „Blank Spots“

Nachdem wir in unserem Beitrag „Documenta fifteen: Antizionismus und Antisemitismus im lumbung“ aufdeckten, dass in den Gremien der documenta 15 zahlreiche Kritiker des Bundestagsbeschlusses zu Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) und aktive Befürworter dieser und ähnlicher Boykottbewegungen gegen Israel sitzen, dass mit Ade Darmawan und Farid Rakun zwei Sprecher der ruangrupa Boykottinitiativen gegen Israel unterstützten und dass u.a. mit der Gruppe „The Question of Funding“ (QoF) antisemitische Aktivisten auf der documenta 15 präsentiert werden sollen, erklärte die documenta 15 am 12.01.2022 zunächst, sie unterstütze Antisemitismus in keiner Weise. Wie das mit unserem unwiderlegten Befund zusammen passt, darüber verlor die documenta kein Wort.

Zur Erinnerung. An zentraler Stelle des Beschlusses des Bundestages vom 19.04.2019 zu BDS heißt es:

Seit Jahren ruft die „Boycott, Divestment and Sanctions“-Bewegung (abgekürzt BDS) auch in Deutschland zum Boykott gegen Israel, gegen israelische Waren und Dienstleistungen, israelische Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Sportlerinnen und Sportler auf. Der allumfassende Boykottaufruf führt in seiner Radikalität zur Brandmarkung israelischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger jüdischen Glaubens als Ganzes. Dies ist inakzeptabel und scharf zu verurteilen. Die Argumentationsmuster und Methoden der BDS-Bewegung sind antisemitisch. Die Aufrufe der Kampagne zum Boykott israelischer Künstlerinnen und Künstler sowie Aufkleber auf israelischen Handelsgütern, die vom Kauf abhalten sollen, erinnern zudem an die schrecklichste Phase der deutschen Geschichte. „Don’t Buy“-Aufkleber der BDS-Bewegung auf israelischen Produkten wecken unweigerlich Assoziationen zu der NS-Parole „Kauft nicht bei Juden!“ und entsprechenden Schmierereien an Fassaden und Schaufenstern.

Auf die zentrale These, „die Argumentationsmuster und Methoden der BDS-Bewegung sind antisemitisch“ und die politische Bedeutung des Bundestagsbeschlusses wurde bis heute von keinem der Sprecher der documenta 15 eingegangen. Auch der offensichtliche Widerspruch in der folgenden Mediendebatte von der oft bemühten Freiheit der Kunst einerseits und vom Boykott gegen Israel andererseits wurde nicht ansatzweise thematisiert.

Eine Woche nach der ersten Reaktion kündigte die documenta 15 an, sie wolle „im Sinne einer offenen und vielstimmigen Debatte […], zeitnah zu einem internationalen Expert*innenforum We need to talk! Art – Freedom – Limits (Arbeitstitel)“ einladen. Auch jetzt wurde nicht auf die Tatsache reagiert, dass sich Israelgegner auf der documenta wie Fische im Wasser bewegen können, vielmehr wurden nur die Kritiker an den Pranger gestellt. So hieß es am 19.01.2022 z.B: „Verfälschende Berichte oder rassistische Diffamierungen, wie sie aktuell gegen Beteiligte der documenta fifteen vorgebracht werden, verhindern einen kritischen Dialog und eine produktive Debatte.“ Worin diese Verfälschungen oder rassistischen Diffamierungen bestünden, wurde nicht erläutert. Wie auch. Weder hatten wir verfälscht, noch rassistische Stereotype bemüht.1 In der Erklärung hieß es, offensichtlich in Bezug auf das palästinensische Kollektiv QoF, man habe „Positionen eingeladen, die sich […] für ihre jeweiligen lokalen Kontexte engagieren.“ Wie das Engagement im lokalen Kontext aussieht, beschrieben Sprecher der Gruppe QoF selbst so: Es gehe darum, Tanz und Musik als Medium des Widerstandes insbesondere auf das Jahr 1948, die „Nakba“, Flucht und Vertreibung, zu beziehen. Der Tanz bewerkstellige, dass man mit „Freude, Stolz und Vertrauen“ gemeinsam agieren könne, um das 1948 vernichtete „soziale und kulturelle Gewebe“ zu kitten.

1948 brachen die arabischen Staaten im Bunde mit palästinensischen Nationalisten einen Krieg vom Zaun, um den gerade gegründeten Staat Israel zu vernichten und die Juden ins Meer zu treiben. Im Zuge der Kampfhandlungen im britischen Mandatsgebiet Palästina kam es zu Flucht und Vertreibung eines beträchtlichen Teils der arabischen Bevölkerung. Zum gleichen Zeitpunkt setzte die Vertreibung der alteingesessenen jüdischen Bevölkerung auch aus den arabischen Staaten ein, die von den Kampfhandlungen im ehemaligen britischen Mandatsgebiet überhaupt nicht berührt waren.

Darüber hinaus gehe es um „soziale, wirtschaftliche Umwälzungen und um Autonomie als Voraussetzung der Befreiung“. Diese habe in der Landwirtschaft zu beginnen, um nicht mehr Obst und Gemüse aus Israel kaufen zu müssen.2 Unverblümt ist von Autarkie zum Zwecke des Boykotts israelischer Waren die Rede. Dass die Protagonisten der QoF nicht nur mühsam kaschierte völkischen Ideologie vertreten, sondern einen antisemitischen Antizionismus, verdeutlichen einige Kunstwerke Khalilis, seine antisemitischen Gewaltfantasien und die von ihm verkündete Absicht, dass es ihm darum gehe, die Juden vom Zionismus zu emanzipieren.3

Die HNA illustriert den Bericht über die Gesprächsreihe mit schlafwandlerischer Sicherheit im Duktus der Macher der documenta. Die antisemitischen Terrorangriffe der Hamas sind hier eine „Facette eines tiefgreifenden Konflikts“

In der Lesart der documenta 15 ist dieser offensichtliche Zusammenhang jedoch nur Ausdruck von „Dekontextualisierungen oder Verkürzungen“ und von „Verengen von Diskursräumen“ seitens der Kritik. In Umkehrung bedeutet das: Es geht den Verantwortlichen der documenta darum, das spezifisch ideologische Wesen des Antisemitismus als wahnhafte Weltanschauung zu verwischen, um in erweiterten „Diskursräumen“ den Rassismus um den Antisemitismus zu verlängern, Antizionismus und Antisemitismus zu dekontextualisieren, indem man Antizionismus und Israelhass als Form der Abwehr von Kolonialismus kontextualisiert. Eine leicht zu durchschauende Farce vormoderner Rabulistik!

Knapp drei Monate benötigten die Macher der documenta, um herauszufinden, wie man eine Erweiterung von Diskursräumen bewerkstelligt, um schwierige Antworten auf die „herausfordernden Fragen der Gegenwart“ zu finden. Es ginge darum, so in einer weiteren Erklärung vom 11.04.2022, „diesem komplexen Thema in Kunst und Kultur aus nationaler und internationaler Perspektive Raum zu geben.“ Immer dann, wenn man erklären möchte, dass die Abschaffung Israels keineswegs antisemitisch, vielmehr nur eine „lokale Perspektive“ sei, müssen das Zauberwort „komplex“ und eine flugs halluzinierte „zunehmende Islamophobie“ her, um nicht über Israelhass und Antisemitismus sprechen zu müssen.

Es ist von „Ausblendungen“ im Zusammenhang einer „historischen Verantwortung Deutschlands“ die Rede. Darauf stellt der bemüht wirkende Begriff „Blank Spots“ ab, mit dem man die Podien benennt, zu denen gut zwei Dutzend Gäste eingeladen wurden. Vor dem Hintergrund dieser historischen Verantwortung sei in Deutschland eine „besonders sensibilisierte diskursive Kultur entwickelt worden.“ Um die tatsächlich jedoch nur vermeintlich verantwortungsvolle diskursive Kultur in Deutschland zu desensibilisieren, präsentiert man zur Einführung der ganzen Veranstaltung den Godfather des Postkolonialismus und Antizionisten Edward Said.4 Im Prinzip ist damit die Stoßrichtung klar. Entsprechend des annocierten multiperspektivischen5 Ansatzes erfolgte die Zusammensetzung der Podien. Dort präsentiert man einerseits honorige Wissenschaftler wie Marina Chernivsky, Raphael Gross und Natan Sznaider, die in Sachen Antisemitismus sehr wohl etwas zu sagen haben und die auch wissen dürften, mit wem man es in Sachen BDS zu tun hat. Diesen setzt man als „Sprecher“ eines „Blank Spots“ den in Sachen des relativistischen Meinungspluralismus erfahrenen Lavierer vom Dienst, Diedrich Diederichsen6 und den Diskursgauner Meron Mendel7 vor die Nase und präsentiert – sozusagen als Kronzeugen der Anklage gegen Israel – Omri Boehm8 und Eyal Weizman9. Für Boehm und Weizman ist Israel ein Apartheidsystem und eine illegitime Besatzungsmacht, das brutalen Siedlerkolonialismus betreibt. Gleichzeitig sind sie wie Mendel Fürsprecher eines „legitimen palästinensischen Widerstandes“ und verbreiten Lügengeschichten über Israel. Und weil man eben über Antisemitismus nicht reden will ohne beim „antimuslimischen Rassismus“ oder gar bei einem „anti-palästinensischen Rassismus“ zu landen, bringt man es fertig, ein Podium mit der palästinensischen Aktivistin und erklärten Feindin Israels Mezna Qato10 und der Aufklärungsgegnerin Sultan Doughan11 zu besetzen. Dazu wird mit Sarah El Bulbeisi eine Forscherin präsentiert, deren Anliegen es ist, den palästinensischen Opfer- und Vertriebenenkult und deren zentrale Buzzwords von „Apartheid“ und „Siedler-Kolonialismus“ als Standards in der deutschen Wissenschaft zu etablieren.12 Das alle drei im Zusammenhang mit Israel von “kolonialer Auslöschung“, „Apartheid“, von “Siedler-Kolonialismus”, „ethnischer Säuberung“ und von “racial supremacy of Jewish-Zionist nationals” sprechen versteht sich von selbst.13

So kann und wird es nicht darum gehen zu klären, was Antisemitismus ist, wie und warum er sich nach Auschwitz auch und insbesondere als Hass auf Israel oder in der sogenannten Israelkritik ausdrückt und warum nicht nur der Globale Süden ein Problem mit einem Land hat, das so groß, besser so klein wie Hessen ist. Statt sich dem Kern, der Bedeutung und den Erscheinungsformen einer wahnhaften Weltanschauung unter unterschiedlichen gesellschaftlichen Bedingungen anzunähern, geht es den documenta – Macherinnen offensichtlich darum, den, dem verantwortungsvollen Deutschland zugeordneten Begriff vom Antisemitismus, in der annoncierten Absicht einem multiperspektivischen Ansatz zu verfolgen, durch eine Sichtweise des Südens zu ersetzen oder zumindest als gleichwertig gegenüber zu stellen. Dazu muss man der Auffassung sein, dass das deutsche bzw. europäische und das internationale Verständnis und die wissenschaftliche Herleitung von Antisemitismus und Rassismus angeblich divergieren. Von daher würde die Kritik am Handeln des israelischen Staates in Deutschland (und Europa) „in historischer Verantwortung“ eben anders wahrgenommen als aus der Perspektive des „Globalen Südens“. Unschwer ist daran zu erkennen, dass wir es hier mit einer Sichtweise zu tun haben, in der die Wahrheit relativ ist und zu einer Sache der Perspektive wird. Ganz offensichtlich soll damit der unauflösliche Zusammenhang von Antisemitismus, Antizionismus, Israelhass und die „Kritik an Israel“ aufgelöst werden. Und weil dieser Zusammenhang nicht nur bei Linken und Linksradikalen in Europa ein wesentliches Moment der politischen Ideologie ist, sondern auch bei palästinensischen Nationalisten und Islamisten, schiebt man, sozusagen als doppelten Boden, die Mär vom „antimuslimischen Rassismus“ nach, die dann noch von einem „antipalästinensischen Rassismus“ getoppt wird.

Es wird deutlich: Die Veranstaltungsreihe dient nicht zur Auseinandersetzung darüber, dass es nach Auschwitz nicht nur in Deutschland schlicht nicht zur Debatte zu stehen hat, ob und wie sich die jüdische Nation dagegen wappnet, dass sich das, wofür die deutsche Nation 1933 – 1945 angetreten ist, nicht wiederholt. In einer Welt voller Antisemiten und umgeben von Staaten, deren oberste Zielsetzung die Vernichtung Israels ist (in welcher Spielart auch immer), muss sich Israel so einrichten, dass es sicher überleben kann. Auch wenn das Ziel von der Abschaffung des jüdischen Staates als „Kunstwerk“ mit Perspektive des globalen Südens gedeutet und präsentiert wird: So etwas ist und bleibt antisemitisch und ist nicht akzeptabel. Auch nicht im Namen der Freiheit der Kunst auf einer documenta in Kassel!

Das zur Ankündigung der Veranstaltungsreihe von der HNA kongenial illustrierte14 Statement der Generaldirektorin der documenta, Sabine Schormann, ließ an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig: „BDS sei eine breite und vielschichtige Bewegung, in der leider Antisemitismus nicht ausgeschlossen sei“ diktierte sie der Presse in den Notizblock. Eine Bewegung, die von palästinensischen Terrorgruppen im Rahmen antijüdischer Riots (der sogenannten Intifada) initiiert wurde, mag vielfältig sein, sie hat ein einigendes Band, den Antisemitismus. Schormann führt weiter aus, als sei das ein Argument gegen die politische Einordnung der Bewegung, dass diese Bewegung von einer Vielzahl von Kulturschaffenden unterstützt werde, die die Unterstützung dieser Bewegung „als Zeichen friedlichen Protestes in Ausübung in Kunst- und Meinungsfreiheit verstehen.“ Eben! Genau das und die in dieser Aussage zum Ausdruck gebrachte bestechende Unlogik sind das Problem, was sich nicht erst seit und auf dieser documenta manifestiert. Vielmehr führt genau diese Haltung dazu, dass nicht nur die Generaldirektorin einer Kunstausstellung Antisemitismus tatsächlich als legitimen friedlichen Protest in Ausübung von Kunst und Meinungsfreiheit ansieht, sondern hunderte, oft staatlich bestallte Kulturschaffende, die sich zum Stelldichein auf diversen Unterschriftenkartells zusammenfinden um ihren Unmut über den Kampf gegen Antisemitismus kund zu tun. Damit diese Sichtweise nicht mit der zur „Stadträson“15 erklärten Staatsräson Deutschlands kollidiert, dienen offensichtlich die Blank Spots dem Zweck, Antisemitismus nicht als Antisemitismus erscheinen zu lassen. Kassel: Jeder blamiert sich so gut er kann.

Die Erkenntnis, dass Antisemitismus auch eine tatsächlich verbreitete „Sichtweise des Südens“, insbesondere aber unter den Palästinensern ist, wird zum ideologischen Konstrukt des weißen Mannes aus dem Westen erklärt, damit dieser nicht über Kolonialismus und Rassismus reden muss. Der Kreis schließt sich indem der ebenfalls auf einem der Podien vertretene Berliner Kurator Anselm Franke darüber munkelt, rechtsextreme Plattformen im Netz, die sich als Verteidiger Israels gerierten, argumentierten auf eine ähnliche Weise, wie Marine Le Pen oder die AfD. Sie verbreiteten rassistische Stereotypen über Muslimen.16 Die Macher der documenta versuchen offensichtlich mit ihrer Reihe „We need to talk“, den politischen Skandal dadurch zu vertuschen, in dem man eine Debatte über Antisemitismus simuliert und mit dem Finger auf die zeigt, die das Ganze als Täuschungsmanöver oder als Volte postmoderner Ideologie durchschauen. So werden Personen mit unterschiedlichen Positionen zur Ruhigstellung der aufgeschreckten Öffentlichkeit auf den Podien präsentiert, aber der Gegenstand des politischen Skandals, nämlich BDS-Unterstützern und -aktivisten eine Bühne zu bieten, wird per Taschenspielertrick zum Verschwinden gebracht. Notfalls wird ein Frageverbot verhängt. Und wenn in der jüngsten Stellungnahme der documenta vom 14.04.2022 behauptet wird, „soweit BDS-Anhänger*innen antisemitische Positionen vertreten, wird dies von der documenta nicht geschützt,“ erweist sich dies als billiger Trick, weil man zuvor schlicht den Antisemitismus der palästinensischen Aktivisten als unzulässige Erkenntnis oder wie der Christian Geselle, Oberbürgermeister Kassel, zur landwirtschaftlichen Frage erklärt hat.17

„Kindermörder – Israel“, „From the river to the sea – Palästina must be free“ usw. wird sicher nicht als Kunstwerk präsentiert. Aber Yazan Khalili, Emil Abboud, die unbekannten Subjekte der Kollektive QoF und Eltiqa u.a. wissen genau, wie sie ihr Kunsthandwerk zu präsentieren haben, damit es als Illustration einer zerstörerischen Fremdherrschaft eines konstruierten Staates über eine organische Einheit von einer Gemeinschaft und ihrer Landschaft zur Kenntnis genommen und auf einer Weltausstellung als Kunst akzeptiert wird.

Die hier zitierten Pressemeldungen der documenta 15 sind auf der homepage unter der Rubrik Presse zu finden.

1 Sowohl die als Kunstexpertin präsentierte Elke Buhr als auch Joseph Croitoru, der versuchte, Khalilis Agit-Prop gegen Israel zu relativieren, konnten die von uns dargelegten Vorwürfe nicht entkräften.

2 Mit Tanzen in den Widerstand. HNA, 08.12.2021.

3 Yazan Khalili, The Utopian Conflict, 2014 (*The Utopian Conflict : yazan khalili).

4 Die zentrale Rolle des Postkolonialismus auf Edward Said ist gerade hinsichtlich des Themas, Antisemitismus, Shoah, Nationalsozialismus, Deutschland, Israel und politischer Islam bezeichnend. Said blendet sowohl den deutschen Einfluss im Nahen Osten, die deutsche Orientalistik, als auch die, für die jüngere Geschichte des Nahen Ostens entscheidende Rolle des Holocaust aus. Die systematische Ausblendung der Rolle Deutschlands durch Said prägt daher den bis heute dominanten Blick des Postkolonialismus auf den Nahen Osten, in dem Israel unter Ausblendung des Antisemitismus sowohl in Europa als auch im Nahen Osten als Produkt des Kolonialismus gesehen wird. Said steht daher nicht nur für die unschwer zu erkennende antizionistische Propaganda sondern für die unzertrennliche Einheit von Postkolonialismus und Antizionismus. Dazu: Andreas Harstel, Das Gründungsdokument des Postkolonialismus. Edward Saids Orientalism und Israel, in: Hallische Jahrbücher #1. Schwerpunkt: Die Untiefen des Postkolonialismus, Jan Gerber (Hg.), Berlin 2021.

5 „Gebe es keinen differenzierten, multiperspektivischen Austausch, ‚laufen wir Gefahr, dass die Kunstfreiheit unterminiert wird‘“, so die dem künstlerischen Leitungsteam der documenta zugehörende Ayşe Güleç. Dieser multiperspektivische Ansatz setzt auf den von der multidirektionalen Erinnerung auf, der eine scheinbar progressive „Verflechtung von Antisemitismus- und Rassismuserfahrung bemüht, die dazu führt, ein volkspädagogisch getrübtes Bild der Realität zu produzieren und letztlich die Gefahr, die für Juden von Akteuren jenseits des gemeinsamen Gegners ‚deutsche Dominanzkultur‘ oder ‚US-White Suremcy‘ ausgeht, herunterzuspielen.“ Ingo Elbe, S. 234.

6 Diedrich Diederichsen gehört zu den fünf Verfassern eines Postscriptums zu einem Text der Redaktion Zeitschrift Texte zur Kunst, in dem diese reklamierte, die Notwendigkeit einer Kritik des Antisemitismus gegen einen relativistischen Meinungspluralismus zu verteidigen. In dem Postskriptum heißt es: „Wir halten die damit nahegelegte Identifikation der von durchaus heterogenen Kräften getragenen Organisation des BDS mit Antisemitismus für politisch fatal, und zwar unabhängig davon, wie man selbst zum BDS stehen mag. […] im Heft als Ganzem [sind] arabische und palästinensische Stimmen ebenso wenig vertreten wie Gegenpositionen zur Einschätzung der Organisation des BDS durch Jüd*innen und Israelis.“ (Zur Debatte um „TEXTE ZUR KUNST“, HEFT 119 Stellungnahme von Susanne Leeb, Jenny Nachtigall, Juliane Rebentisch, Kerstin Stakemeier und Diedrich Diederichsen).

7 Meron Mendel ist „Sprecher“ des Blank Spots 2. Mendel steht für den Versuch, den Postkolonialismus vor sich selbst zu retten. So erkennt er zusammen mit Saba-Nur Cheema zum Beispiel in dem Artikel „Postkoloniale Theoretiker: Leerstelle Antisemitismus in der taz vom 25./26.04.2020 durchaus richtig im Intersektionalitätskonzept der Postcolonial Studies einen untauglichen Ansatz, dem Antisemitismus gerecht zu werden und fordert von diesem Forschungsansatz ein, einen Begriff von Antisemitismus zu bilden. Gleichzeitig versucht er aber den Begriff Antisemitismus aus den Konflikten im Nahen Osten krampfhaft herauszuhalten, wenn er zum Beispiel formuliert, dass es eine legitim Empörung über aktuelles israelisches Regierungshandeln gibt und man sich von einer binären Aufteilung der Welt in Gut und Böse fernzuhalten habe. Angesichts der Debatte um die documenta 15 äußerte er sich noch deutlicher: „Palästinenser hätten sehr wohl das Recht, die Forderung zu stellen, dass Israel boykottiert werde, unterstreicht der Bildungsstättendirektor. ‚Diese Forderung würde ich nicht per se als antisemitisch sehen.‘“ (Vorwürfe gegen Kassler Kunstschau – Hat die Documenta ein Antisemitismusproblem? | deutschlandfunkkultur.de ).

8 Omri Boehm hat sich einen Namen damit gemacht hat, dass er die Apartheidlüge gegen Israel verbreitet und in seinem Buch „Israel – eine Utopiedie erwiesenermaßen falsche Behauptung aufstellt, Theodor Herzl habe Palästinenser vertreiben wollen. Er tat sich als Kämpfer gegen die Anti-BDS-Resolution des Deutschen Bundestages hervor, wobei er wiederum durch die Verbreitung von Unwahrheiten aufgefallen ist: Der Deutsche Bundestag habe „behauptet“, dass es „antisemitisch“ sei, „auf der schieren Gleichheit von Juden und Palästinensern zu bestehen“. In Wahrheit steht in der Resolution nichts, was auch nur in die Richtung einer solchen Aussage ginge. Siehe: Stefan Frank, Die Methode Omri Boehm (Teil 1): Juden als Täter, in: mena-watch, 21.07.2021.

9 Eyal Weizman spricht für sich selbst: „I support the BDS movement. It is a form of civil action directed at Israeli colonial practices …“(Extending Co-Resistance: An Interview with Eyal Weizman — Kareem Estefan ).

10 Mezna Qato ist eine Vertreterin des Konzepts des „Settler Colonialism“. (Wikipedia) Dieser Ansatz geht im Gegensatz zum klassischen Verständnis vom Kolonialismus davon aus, dass es im „settler colonialism“ darum geht, die alteingesessene Bevölkerung auszurotten statt sie wie im klassischen Kolonialismus auszubeuten. Zusammen mit anderen plädiert sie in dem Aufsatz „Past is Present: Settler Colonialism in Palestine“ für einen BDS überschreitender Ansatz um den Zionismus und Siedler-Kolonialimsus zu bekämpfen. Es heißt dort: „At its core, this internationalist approach asserts that the Palestinian struggle against Zionist settler colonialism can only be won when it is embedded within, and empowered by, broader struggles – all anti-imperial, all anti-racist, and all struggling to make another world possible.“

11 Soultan Doughan plädiert zusammen mit der ebenfalls auf einem Podium präsentierten Hannah Tzuberi im Aufsatz „Säkularismus als Praxis und Herrschaft: Zur Kategorisierung von Juden und Muslimen im Kontext säkularer Wissensproduktion“ für die Überwindung eines „entkörperten Blickes von Nirgendwo, der religiöse Gefühle, Praktiken und Überzeugungen durch Begriffe wie Freiheit, und Gleichheit trenne um sie gegen das was als Religion indentifiziert wird zu mobilisieren. In dem Aufsatz geht es um sogenannte „muslimische und jüdische Körperpraktiken“, die in einem säkularen Staat problematisiert und reproduziert würden.

12 Joseph Ben Prestel: Rezension zu: El Bulbeisi, Sarah: Tabu, Trauma und Identität. Subjektkonstruktionen von PalästinenserInnen in Deutschland und der Schweiz, 1960–2015. Bielefeld 2020, in: H-Soz-Kult, 01.03.2021, (<www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-50839>). Sarah El Bulbeisi Referenzen sind u.a. Auftritte im einschlägigen Café Palestine, im Weltnetz.tv und für die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft.

13 Thomas Wessel „Schade um die Documenta“. Die postkoloniale Drehtür (III), Ruhrbarone, 19.04.2022.

14 „Pauschlierungen sind falsch“ documenta nennt Details der Gesprächsreihe zu Antisemitismus und Rassismus, HNA, 12.04.2022, Siehe Abbildung.

15 „Deutschland habe aus seiner Vergangenheit heraus eine herausragende Verantwortung für Menschen jüdischen Glaubens und den Staat Israel. Das sei Staatsräson für die Bundesrepublik Deutschland und ebenso ‚Stadträson‘ für die Stadt Kassel.“ (Pressemitteilung Stadt Kassel 16.01.2022) Nur gut dass es Israel gibt, das die Verantwortung für Juden (und nicht nur Menschen jüdischen Glaubens) selbst wahrnimmt und nicht auf Deutschland und schon gar nicht auf Kassel angewiesen ist.

16 Zum Frageverbot und über Frankes Mutmaßungen über „rechtsextreme Plattformen im Netz“, vgl.: Ärger um die Documenta. Darüber reden wir nicht, FAZ, 14.04.2021.

17 Hessenschau, Antisemitismusvorwürfe gegen documenta-Teilnehmer. Ist das alles von der Kunstfreiheit gedeckt? 19.01.2022.

Keine Toleranz dem Hass auf Israel

Laura Yitzchak, 43

Moshe Kravitzky, 50

Doris Yahbas, 49

Menachem Menuchin Yechezkel, 67

Yazan Falah, 19, Border Police Officer

Shirel Abukarat, 19, Border Police Officer

Amir Khoury, 32, Police Officer

Ya’akov Shalom, 36

Rabbi Avishai Yehezkel, 29

Victor Sorokopot, 38

Dimitri Mitrik, 23

Das sind die elf Menschen die in den letzten Tagen in Israel von arabischen Terroristen ermordet wurden.

May their memories be a blessing. Baruch Dayan HaEmet. Möge ihr Andenken ein Segen sein.

Dem jüngsten  antisemitischen Mordanschlag fielen in der Stadt Bnei Brak neben zwei Ukrainern, ein Rabbiner, einem weiteren Bürger der Stadt auch der junge Polizist Amir Khouri zum Opfer. Amir Khouri war arabischer Israeli. Das Attentat fand an der Stadtgrenze zu Ramat Gan statt, der Partnerstadt von Kassel. Dem terroristischen Mordanschlag in der nordisraelischen Stadt Hadera fielen zwei junge Grenzpolizisten zum Opfer. Eines der beiden Opfer war der israelische Druse Yazan Falah. Ein weiterer antisemitischer Mordanschlag wurde in Beerscheba verübt, dort wurden vier Menschen ermordet. Die Attentate in Beerscheba und Hadera wurden von Terroristen verübt, die sich dem IS verbunden fühlten. Das Attentat in Bnei Brak wurde von einem Terroristen verübt, der Verbindungen zur Hamas und zum palästinensischen Islamischen Jihad hatte.

In Gaza, im Libanon und in Orten auf der Westbank wurden die Terroranschläge von der Hamas und Mitgliedern der Al-Aksa-Brigaden ausdrücklich begrüßt. Die Al-Aksa-Brigaden gehören der Fatah an, dementsprechend windelweich fiel die Erklärung des „Palästinenserpräsidenten“ Mahmud Abbas aus. Voll Freude ob der „gelungenen“ Terrorakte wurden Süßigkeiten an Passanten in verschiedenen palästinensischen Gemeinden verteilt. Bodenlos ist die Erklärung des Auswärtigen Amtes der deutschen Bundesregierung, in der vor einer Eskalation und einer Gewaltspirale gewarnt wurde.

Dass ein arabischer Israeli und ein israelischer Druse im Dienst für ihr Land, für Israel, ihr Leben ließen, verdeutlicht die Bösartigkeit der Auffassung, in Israel sei ein Apartheid-Regime an der Macht. Diese Israel diffamierende Agitation wird vom ruangrupa Sprecher Ada Darmawan, von der auf der documenta 15 ausstellenden Künstlerin Emil Abboud und von Gertrude Flentge (Künstlerisches Team) unterstützt. Alle drei genannten Personen haben den „A letter against Apartheid“ unterzeichnet. Der Künstler Yazan Khalili (The Question of Funding) nutzt den Vorwurf der Apartheid zur Gestaltung seines Kunstwerks „Apartheid Monochromes (2017)“. Ferner hat Khalili angekündigt, die Künstlergruppe Eltiqa aus Gaza auf der documenta 15 präsentieren zu wollen (HNA, 10.02.2022). Es liegt nahe, dass diese Gruppe in der totalitären Gesellschaft des Gaza nur mit Duldung oder Zustimmung der Hamas agieren kann.

Die Attentäter sehen sich nicht nur als Akteure der „palästinensischen Sache“ sondern auch des politischen Islam. Es ist kein Zufall, dass die Attentate in einem zeitlichen Bezug zum Ramadan verübt wurden. Das war schon öfter so. Vor diesem Hintergrund halten wir es für inakzeptabel, wenn die documenta 15 das Thema Antisemitismus ausgerechnet im Zusammenhang einer „zunehmenden Islamophobie“ diskutieren will. Der Begriff Islamophobie ist vor allem ein ideologisch besetzter Begriff des legalistischen Islamismus. Wer sich ernsthaft gegen Antisemitismus positionieren will, muss sich sowohl mit Israelfeindlichkeit, Antizionismus als auch mit dem politischen Islam auseinandersetzen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen antisemitischen Terrorwelle in Israel erwarten wir von der Stadt Kassel, dass sie nicht länger die israelfeindlichen Sichtweisen von Akteuren der documenta 15 als vermeintliche „Perspektive des globalen Südens“ (OB Geselle) verharmlost und einer kritischen Auseinandersetzung mit der Israelfeindlichkeit von „Kulturschaffenden“ aus dem Wege geht. Wir erwarten von den politisch Verantwortlichen der Stadt Kassel außerdem, dass sie klar und deutlich zum Ausdruck bringen, dass eine Gleichsetzung von Israel mit dem Apartheid-Regime in Südafrika nicht akzeptiert und deutlich zurückgewiesen wird. Derartige Auffassungen haben auf einer „Weltkunstausstellung“ nichts zu suchen.

Wider dem Antisemitismus – Wider dem Islamismus!

Gegen Antisemitismus bedeutet Solidarität mit dem jüdischen Staat!

Solidarität mit Israel heißt dem Antisemitismus entgegentreten!

Solidarität mit Israel heißt der antiisraelischen Agitation entgegentreten!

Kommt zur Kundgebung in der Treppenstraße am Obelisken: Samstag, d. 2. April 2022, 14:00 Uhr

Kassel, 31.03.2022

Ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützt haben – Wir bleiben dran!

Wir und die Ruhrbarone möchten uns an dieser Stelle bei allen bedanken, die uns großzügig dabei unterstützt haben, eine saftige Abmahngebühr einer von der „documenta und Museum Friedericianum – gGmbH“ beauftragten Anwaltskanzlei zu bezahlen. Ihr habt alle damit einen Beitrag geleistet, dass wir nicht den Mut verlieren, Antisemitismus und Israelkritik auch dann entgegen zu treten, wenn dieser von honorigen Vertretern der Stadtgesellschaft und Kulturschaffenden befördert wird. Die Liste der Spendeneingänge kann hier (Spenderliste) nachvollzogen werden.

Wie versprochen können wir der zionistischen Organisation Jüdischer Nationalfonds e.V. Keren Kayemeth LeIsrael 615,66 € spenden.

Was war passiert?

Wir hatten am 7. Januar unsere Recherchearbeit „Documenta fifteen – Antisemitismus im Lumbung“ veröffentlicht. Gleichzeitig erschien unser Bericht auf dem Blog Ruhrbarone. Wir stellten heraus, dass in den wichtigsten Gremien der documenta 15 Kritiker des Bundestagsbeschlusses zur antisemitischen BDS-Bewegung und Unterstützer verschiedener Boykottbewegungen gegen Israel vertreten sind. Außerdem sind mit der Einladung von „The Question of Funding“ (QoF) Personen aus dem Umfeld oder direkt aus dem „Khalil Sakakini Culture Centrum“ (KSCC) als „Kulturschaffende“ zur Teilnahme an der documenta 15 aufgefordert worden. Das KSCC benennt sich nach einem palästinensischen Nationalisten, der sich als Hitleranhänger bezeichnete und für den Terror den Geist der Nation ausdrückte. Beide bisher namentlich bekannte Vertreter, Yazan Khalili und Fayrouz Sharkawi aus der Gruppe QoF, unterstützen Boykott-Initiativen gegen Israel.

Es gab weder ein Gesprächsangebot noch eine Nachfrage seitens der Verantwortlichen der documenta oder aus der Kasseler Politik an das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel. Vielmehr beauftragte die documenta gmbH eine der führenden Rechtsanwaltskanzleien Deutschlands, den Blog Ruhrbarone und uns der „unzutreffenden Meinungsäußerung“ zu überführen, weil wir – so die Kanzlei – behauptet hatten, „dass die documenta von antisemitischen oder antizionistischen Geisteshaltungen geprägt sei“. Das gelang nicht, denn alles, was wir recherchiert und dargestellt hatten, ließ und lässt sich belegen. Ganz zum Trotz der vielen wütenden Kommentare und haltlosen Reinwaschungsversuche in der überregionalen Presse. (Vgl., dazu: Alex Feuerherdt „Documenta: Antisemitismus in der Reisscheune“) Was blieb übrig: Da wir eine urheberrechtlich geschützte Graphik zur Illustration unseres Beitrages verwendeten, gelang es der Kanzlei dann doch, uns eine teure Abmahnung aufzuerlegen.

Wie geht’s weiter?

Wir stellen uns auch weiter ohne wenn und aber vor Israel. Deshalb ist für uns Israel kein Thema für eine Debatte. Ein Thema ist und bleibt aber für uns „Israelkritik“, Antizionismus und Antisemitismus, auch und gerade weil diese Weltanschauung im Rahmen der Kunstfreiheit geäußert wird.

So werden wir eine Diskussionsreihe zu den Themen BDS, Kunst, Postkolonialismus, Postnationalismus, Postmoderne und Antisemitismus organisieren (Infos folgen). Geldeingänge, die nach dieser Veröffentlichung eingehen, werden wir für eine von uns geplante Veranstaltung nutzen und wir werden in der Öffentlichkeit weiter Flagge für Israel zeigen:

14. Mai 2022

Für den Zionismus! Für Israel!

18. Juni 2022 – Friedrichplatz Kassel

Kein Platz für Antisemitismus und Israelhass auf der documenta – Stoppt BDS!

In eigener Sache: Documenta mahnt Bündnis gegen Antisemitismus Kassel und Ruhrbarone ab

!Das Spendenziel wurde erreicht, wir bedanken uns für die überwältigende Solidarität!

Wir haben recherchiert, wer so alles aus dem BDS-Umfeld auf der kommenden documenta dabei ist. Der Text „Documenta fifteen: Antizionismus und Antisemitismus im lumbung“ erschien Anfang Januar auch bei den Ruhrbaronen. Er löste eine bundesweite Debatte über die documenta aus. Und hatte ein Nachspiel.

Die Documenta ist teuer. Wie teuer die, um im Jargon ihrer Macher zu bleiben, als bedeutende Kunstschau gelesene Veranstaltung ist, weiß niemand. Marcus Woeller versuchte es für die Welt zu recherchieren und stieß auf eine Mauer des Schweigens. Allerdings kann man den Eindruck gewinnen, das Geld kein Problem der hochsubventionierten Ausstellungsmacher ist. Um das Blog des Bündnisses gegen Antisemitismus Kassel und die Ruhrbarone abzumahnen, verpflichteten die documenta und Museum Fridericianum  gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH), und der Künstler Iswanto Hartono mit der Kanzlei Redeker/Sellner/Dahs, einen der großen Namen unter den Medienkanzleien des Landes. Keiner der in dem Text veröffentlichten Vorwürfe zu Antisemitismus und BDS wurde abgemahnt. Selbst die Kanzlei schien nicht vom Erfolg einer Abmahnung bei diesen Themen überzeugt gewesen zu sein. Reder/Sellner/Dahs schrieb uns, der Vorwurf, die Documenta 15 sei von einer antisemitischen oder antizionistischen Geisteshaltungen geprägt, sei eine „unzutreffende Meinungsäußerung“. Dieser Ansicht können natürlich sowohl die documenta und Museum Fridericianum gGmbH, der Künstler Iswanto Hartono als auch Redeker/Sellner/Dahs sein. Auffällig ist, dass nicht die  Recherche des Bündnis gegen Antisemitismus Kassel und einige polemischen Anmerkungen im Text, Gegenstand der Abmahnung sind,.

Denn einen Patzer entdeckte die Kanzlei doch: Wir veröffentlichten sowohl auf dem Blog des Bündnisses gegen Antisemitismus Kassel als auch auf den Ruhrbaronen eine Zeichnung, von der wir irrtümlich glaubten, es sei ein Pressebild oder ein Ankündigungsplakat und damit für uns problemlos nutzbar. Dem war nicht so. Nun müssen wir 2.147,83 Euro an Redeker/Sellner/Dahs zahlen. Ok, die Sache hätte die documenta und Museum Fridericianum  gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung auch mit einer Mail aus der Welt schaffen können, aber bei den vielen Steuermillionen schaltete man lieber eine Kanzlei ein und versucht, Kritiker unter wirtschaftlichen Druck zu setzen.

Wir werden das Geld natürlich bezahlen. Falls unsere Leser uns helfen möchten, freuen wir uns.

Kommt mehr Geld zusammen, als wir zum Begleichen der Kosten benötigen, spenden wir die Summe dem Jüdischen Nationalfonds.

Jonas Dörge (BgA Kassel) Stefan Laurin (Ruhrbarone)