Im Namen des Erhabenen: Die GEW und die Einigkeit in Sachen Israelhass, Islam-Apologie und Geldkritik

Warum der Lehrer Glanz kein Einzelfall ist

Die GEW ist erneut unter Verruf geraten, seit dem in Oldenburg ein ausgewiesener Israelfresser und Lehrer in einer lokalen Gewerkschaftszeitung zu Wort gekommen ist (Die GEW und das Grundrecht der Engagierten auf „Israelkritik“). Die Ausreden der Organisation und die Verteidigung des Hardcore-Antizionisten laufen auf dasselbe raus. In der GEW weiß man bestenfalls nicht wovon man spricht und man ist (ähnlich wie im Fall der Partei Die Linke) eher um den eigenen Ruf besorgt, als dass man eine Trennungslinie zieht und nicht nur davon redet, „keinerlei BDS oder antiisraelische Initiativen“ zu unterstützten. Es steht vielmehr zu vermuten, dass man letztendlich eine politische Agenda vertritt, zu der ein Glanz gehört, wie der graue Himmel zum November. Für Letzteres spricht, dass Antizionismus zum Bildungsprogramm dieser Gewerkschaft gehört.

Das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel hatte bereits 2015 darauf aufmerksam gemacht und direkt die GEW angesprochen, dass mit Fuad Hamdan ein notorischer Israelfeind und Hamas-Apologet in der GEW organisierte Lehrer und andere Beschäftigte des Bildungssektors in Sachen Naher-Osten fortbildet (Israelhass – ein Bildungsangebot der GEW Hessen). Eine Reaktion gab es von der GEW damals nicht. Im Gegenteil, 2016 ist dieses Angebot wieder im Programm. (fuad-hamdan/GEW/lea 2016)

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Die Illustration eines Bildungsprogramms einer Gewerkschaft mit dem Konterfei Fidel Castros

Schaut man flüchtig in das aktuelle Bildungsprogramm, so wird deutlich, dass sich dort widerspiegelt, was zum Allgemeingut der bis weit in das sozialdemokratische und linksliberale Spektrum reichenden Auffassungen gehört, die Barbarei und die sozialen Verwerfungen der Gegenwart, als Ausdruck der vom schnöden Mammon regierten und als kulturimperialistisch interpretierten Moderne (Globalisierung) zu interpretieren. Es werden dann, um gegen die, je nach dem, i.d.R. sehr selektiv wahrgenommenen Aufreger, Protest zu bekunden, temporäre oder auch längerfristige Bündnisse geschlossen. Das Spektrum reicht von den Antiglobals, der Chritical-Whiteness-Bewegung, der Black-Lives-Matters hin zu den Friedensbewegten, den Antiimperialisten, Antirassisten und Antifaschisten und schließt bei Gelegenheit ausdrücklich die Anhänger der islamischen Religion mit ein, denn alle sind gegen die „herrschenden Verhältnisse“, gegen das Finanzkapital, verstehen unter Religionsfreiheit den Schutz von Religionsgemeinschaften gegen Polemik und Kritik, sehen von Nazis und Wutbürgern den Ruf der Stadt und den Deutschlands gefährdet und sehen in den Geflüchteten pauschal eine Bereicherung für die Gesellschaft, sowie in Menschen mit anderer Hautfarbe per se nicht zu kritisierende.

Die Referenten

Lucas Zeise, mittlerweile Herausgeber für das DKP-Parteiblatt UZ, bietet das Seminar „Wie Geld entsteht – Kurzseminar über Banken und Kredit“ an. Schon der Titel lässt aufhorchen. In Zeiten der Null- oder sogar Negativzinsen kann man nicht mehr einfach so von einer „Zinsknechtschaft“ reden, da wird dann der Blick auf das Kreditwesen und die Spekulation im Finanzsektor gerichtet. Der Finanzsektor sauge Kapital aus anderen Branchen ab und sei für eine gigantische Umverteilung verantwortlich, so identifiziert Zeise gewisse Kreise als Übeltäter der aktuellen krisenhaften Entwicklung der Gesellschaft. Geschult wird also die oder der wissbegierige Lehrer/in oder die / der geneigte Bildungsarbeiter/in über „die Rolle der Banken, der Zentralbanken, der Schulden und Guthaben, des Bargeldes und des Buchgeldes. Die Möglichkeit von Geldreformen kann [zwar] dabei nur kurz gestreift werden“ unschwer ist jedoch zu erkennen, woher der Wind weht.

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Ein kostenfreies Seminar für Lehrkräfte der Sek. II. Für welche Zeitung Zeise als Publizist tätig ist, wird vornehm verschwiegen

Dann bietet Werner Ruf ein Seminar „Islam – Schrecken des Abendlandes“ an. Werner Ruf, […] (vgl., Islamische Bedrohung, S. 8). Verschiedene Bewegungen des Islam (namentlich die im Libanon, womit er also die Hisbollah meint) gelten ihm als fortschrittliche Vertreter sozialer Gerechtigkeit. Ruf bezweifelt, dass es gegen den Islam Menschenrechte zu verteidigen gelte, vielmehr umgekehrt sei der Islam gegen die Zumutungen des Kulturkampfes, der sich der Menschenrechte nur ideologisch bediene, um seine perfiden Interessen durchzusetzen, zu verteidigen. (Auf Werner Ruf muss an anderer Stelle umfassender eingegangen werden.)

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Man staunt dann nicht mehr, wenn man auch noch die Autorin Sabine Schiffer als Referentin im Programm mit dem Seminar „Antimuslimischer Rassismus – Warum braucht die Gesellschaft das Feindbild Islam“ findet. Es ist jene Schiffer, die wie es Jennifer Nathalie Pyka einmal trefflich formuliert hat, hauptberuflich über das „Bild des Islams in der Presse“ den Kopf zerbricht, als hätte das Bild, was sich dort gelegentlich in helleren Momenten abbildet, nichts mit einer Realität zu tun, und die während ihres wohl verdienten Feierabends dem iranischen Staatsrundfunk oder dem „Holocaustforscher“ Ken Jebsen Interviews gibt. (Dr. Sabine Schiffer Calling).

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Das Seminar der Schiffer kostet 20,00 €, für GEW-Mitglieder ist das Ganze günstiger zu haben.

Conclusio

Es muss nicht ausdrücklich betont werden, dass allesamt der Hass auf das Abstrakte eint, der sich in den unterschiedlichsten Formen des Antisemitismus ausdrückt, zu dem nicht zuletzt, sondern häufig zuvörderst der Hass auf Israel gehört. Da ist es kein Zufall, wenn sich eine Querfront nicht nur von Friedensbewegung und Wahnwichteln bildet, sondern eine von Gewerkschaftern und Islam. Zwei der Bildungsreferenten findet man als umgarnte Interviewpartner im Muslim-Markt. (Muslim-Markt interviewt Werner Ruf; Muslim-Markt interviewt Lucas Zeise) Die Schiffer selbst preist die Macher von Muslim-Markt als „reflektierte Weltverbesserer„. Und, der Schluss liegt nicht fern, alle drei sind in Kassel schon im Café Buch-Oase aufgetreten. Zeise am 16.04.2013, die Schiffer am 08.06.2011, naja und Ruf ist dort Dauergast.

Immer wieder bildet sich im konkreten Handgemenge die oben skizzierte Einheitsfront, die im Einzelfall dann bis in das vermeintlich antisemitismuskritische Spektrum reicht, wenn von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit die Rede ist, oder wie zuletzt in Kassel anlässlich eines Flugblatts der Kasseler Antifagruppe AK Raccoons, aus diesen Kreisen deklamiert wird, es würde dem Ehepaar Yoszgat das Recht abgesprochen, in einer Moschee trauern zu dürfen. Immer mittenmang dabei, die GEW.

Wenn im oben genannten Fall des Lehrers der Schule Flötenteich die GEW verlauten lässt, „dass unsere Gewerkschaft keinerlei BDS oder antiisraelische Initiativen unterstützt“ so entspricht das schlicht nicht der Wahrheit. Betrachtet man die schon etwas länger zurückliegende Geschichte um eine „arisierte“ Immobilie in Hamburg (Wem gehört Ro 19), kann man nur zu dem Schluss kommen, diese Organisation insgesamt ist ein Problem. (jd)

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Die GEW und das Grundrecht der Engagierten auf „Israelkritik“

Ein Beispiel aus Oldenburg

Ein Lehrer einer Schule in Oldenburg, die tatsächlich „Flötenteich“ heißt, übt sein Grundrecht an „Israelkritik“ aus. Er gehört der Israel-Boykottbewegung BDS an und hat u.a. einen Beitrag in einem lokalen GEW-Mitteilungsblättchen geschrieben, indem er u.a. die Aufhebung „jeglicher Besatzung“ und das Rückkehrrecht der Flüchtlinge forderte, d.i. die verklausulierte Forderung nach der Liquidierung des Staates Israel.

Die GEW verteidigt Glanz als „engagierten Pädagogen“ und „sachkundigen Kollegen“. Sachkundig ist die GEW offensichtlich nicht, „Die GEW könne die Arbeit der israel-kritischen Kampagne nicht bewerten. Eine Beurteilung der BDS-Bewegung en détail wäre eine Überforderung des kleinen Personenkreises, …“ heißt es. (jd)

Oster(n-a)m-Arsch 2016 in Kassel – Alter Wein in alten Schläuchen

Gedenken – Gedenken – Gedenken

Bemerkenswert am Ostermarsch 2016 in Kassel war, dass zum einen im Aufruf das Wort Israel nicht vorkam, in den Reden dann auch nur einmal fiel und zum anderen, dass das Gedenken gleich dreimal Programm des Marsches war, sowie mit Dietfrid Krause-Vilmar der Doyen des Kasseler Erinnerungsbetriebes engagiert werden konnte. Krause-Vilmar ist Mitherausgeber der lokalen und bis heute beachtenswerten Studie „Volksgemeinschaft und Volksfeinde“(1) sowie Autor diverser Publikationen zum Thema nationalsozialistische Vergangenheit in Kassel und Nordhessen und von Aufsätzen u.a. über Juden in Kassel. (2) Er gehörte mit zu denen, die 1984 die Forschungsgruppe „IAG Nationalsozialismus in Nordhessen“ an der Uni Kassel einrichteten. Die Arbeit dieser Forschungsgruppe trug maßgeblich dazu bei, dass – so Krause-Vilmar in einem Aufsatz selbst – in Kassel mit „zahlreichen Gedenkveranstaltungen, Einladungen an ehemalige jüdische Bürger und Bürgerinnen sowie an ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, in Gedenktafeln an Orten nationalsozialistischer Verbrechen und in Förderung von Intitiativen … die Erinnerung an die verfolgten und ermordeten Bürger und Bürgerinnen Kassels lebendig“ bewahrt wird. (3)

Das Schweigen über den zentralen Punkt

Wie jedes Jahr macht ein Teil der Ostermarschierer halt an einem Denkmal, dass Die Rampe genannt wird. Schon einmal führte das Denkmal  und der Anlass der dort gehaltenen Rede dazu, dass eine Rednerin die politisch gebotene Orientierung verlor, indem sie Auschwitz mit dem Krieg in Afghanistan auf eine Stufe stellte. Als diesjähriger Redner war o.g. Krause-Vilmar vorgesehen. Wer an einem Mahnmal, das „Die Rampe“ genannt wird und das sich auf den Nationalsozialismus bezieht, eine Rede hält, wird, auch wenn die Künstlerin etwas anderes intendiert hat, schwerlich ignorieren können, dass der Begriff „Rampe“ etwas mit Auschwitz zu tun hat. Auschwitz steht nicht für Rassismus, Ausgrenzung, Faschismus und Krieg, Auschwitz ist das Symbol für die Massenvernichtung der europäischen Juden. Die Massenvernichtung der Juden war das konsequente Projekt des Antisemitismus, war Ziel und Zweck des deutschen Nationalsozialismus. Man sollte also annehmen, dass ein Wissenschaftler, der sich mit der Geschichte des NS intensiv befasst hat, in seinem Beitrag etwas zum zentralen Inhalt der Naziideologie und –praxis beisteuert und vielleicht auch den Mut aufbringt, den Zuhörern aufzuerlegen, die Widersprüche in ihrer Ideologie und in ihren einfachen Parolen zu reflektieren, sowie ihre zentrale These „Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus“ in Frage zu stellen. Und wenn er sie aufgefordert hätte, angesichts ihrer Bündnispartner (4) und ihrem Friedensbrett vor dem Kopf einmal innezuhalten und einfach nach Hause zu gehen, dann wäre er der Schlußfolgerung, die aus der Befassung mit dem Nationalsozialismus zu ziehen wäre, gerecht geworden.

An einem Mahnmal, das sich „Die Rampe“ nennt, wäre es auch angebracht, sich auf Israel zu beziehen und den Zuhörern zu verdeutlichen, dass der Zionismus und Israel die Konsequenz aus 2000 Jahren Judenverfolgung sind. Dass durch Zionismus und Israel Juden das erste Mal seit der Zerstörung des jüdischen Tempels wieder Subjekt der Geschichte sind, dass mit Israel das erste Mal in der Geschichte ein Staat den Schutz vor antisemitischer Verfolgung zu seinem Zweck und Ziel erklärt hat. Dieses Mahnmal wäre also der Ort gewesen, den Zuhörern anheim zu geben, ihren Israelhass zu überwinden oder ihnen diesen um die Ohren zu hauen und sie – spätestens jetzt – nach Hause zu schicken.

Weit gefehlt. Krause-Vilmar stellte in seinem Beitrag einen Konnex zur Friedensbewegung von heute dadurch her, indem er behauptete, der Nationalsozialismus, dessen wichtigstes Ziel der Krieg gewesen sei, sei erst dadurch möglich geworden, dass schon in der Weimarer Republik gegen den Pazifismus agitiert wurde und der Nationalsozialismus auch dadurch über den Pazifismus siegen konnte. Im Zuge des Krieges sei es dann zum Holocaust und zur Verschleppung von zahllosen Zwangsarbeitern gekommen. Auf Kassel bezogen erinnerte er an das Schicksal des Friedenskämpfers Hein Herbers, der nach 1933 in die Niederlande emigrierte und nach 1945 bis zu seinem Tode 1968 in der Friedensbewegung aktiv war. (5) Im Bezug auf das Mahnmal insistierte Krause-Vilmar, dass das Engagement gegen Rechts und für den Frieden zusammengehöre und dazu beitragen würde, jenes zu verhindern, an das das Mahnmal erinnere.

Wenn traditionell Israel ein zentrales Thema des Ostermarsches in Kassel ist, zum Thema Israel schwieg der professionelle Erinnerungsarbeiter dieses mal jedoch beredt – in Umkehrung Claussens (6) kann man schlussfolgern, die Massenvernichtung der Juden war kein Thema des Gedenkens.

Juden raus aus Palästina - nach wie vor ein zentrales Anliegen der Kasseler Friedensfreunde

Juden raus aus Palästina – nach wie vor ein zentrales Anliegen der Kasseler Friedensfreunde

Verhandeln mit dem gewählten Präsidenten

Es soll hier nicht der Platz sein, ausführlich über den Unfug zu berichten, den die anderen Redner unter wehender Flagge Palästinas, unter dem Logo „Nie wieder Faschismus, Nie wieder Krieg“ usw. von sich gaben. Hier nur soviel: Wehmütig erinnerte sich der Hauptredner Dr. Johannes M. Becker an die Zeiten von Ruhe und Ordnung unter den Diktatoren S. Hussein, M. Gaddafi und H. & B. Assad. Zeiten, die durch die vom Westen initiierten Kriege vorbei seien, in denen es nur um Öl, strategischen Vorteil, Gas und Wasser gegangen sei (bzw. ginge). Der Krieg des Westens in Syrien sei ein Krieg gegen einen Quertreiber und gewählten Präsidenten, mit dem doch endlich verhandelt werden müsste.

Immerhin gewann Becker der aktuellen Situation noch etwas Gutes ab. Da Deutschland nicht der wichtigste Kriegsakteur sei, oder sich im Falle des Irak und Libyens gar geweigert habe, sich an den Einsätzen zu beteiligen, sei Deutschland, ganz im Gegensatz zu den Kriegstreibern USA und Frankreich als Handelspartner im Mittleren Osten sehr gefragt. Im übrigen sei Krieg noch nie eine Antwort gewesen, das sei auch die Lehre aus dem 2. Weltkrieg. So trügen die Westmächte ein gehöriges Maß an Mitschuld, dass der Nationalsozialismus den Krieg entfacht habe, weil die Westmächte ein Interesse daran gehabt hätten, das Deutschland Krieg gegen die Sowjetunion führte. (7) Womit der Kreis zum Lob des Pazifismus eines Krause-Vilmars geschlossen ist.

Ostermarsch 2016 in Kassel, alles wie gehabt: Auch ohne die übliche Hetze gegen Israel eine runde Sache der politischen Einfalt und Demagogie für einen deutschen Frieden. (jd)

Das Flugblatt zum Marsch: Wer von Israel spricht, …

(1) Jörg Kammler, Dietfrid Krause-Vilmar u.a. (Hg), Volksgemeinschaft und Volksfeinde. Kassel 1933 – 1945. Eine Dokumentation. 2 Bde, Fuldabrück 1984

(2) zuletzt: Dietfrid Krause-Vilmar, Juden in Kassel. Ein Blick in die Vergangenheit der älteren jüdischen Gemeinde, in: Kassel in der Moderne. Studien und Forschungen zur Stadtgeschichte, (Hg.) J. Flemming u. D. Krause-Vilmar, Marburg 2013, S. 161 – 181.

(3) Dietfrid Krause-Vilmar, Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus in Kassel. Forschungsbianz und Erinnerungsarbeit. Ein Essay, in: Kassel in der Moderne. ob. cit., S. 583 – 595.

(4) Zu den Unterzeichnern gehören u.a. das notorische Café Buchoase, die Deutsch-Palästinensische-Gesellschaft, MLPD, SAV, DKP usw.

(5) zu Hein Herbers und der erbärmlichen Rolle der Kasseler Presse und eines sozialdemokratischen Ministers, vgl.: Jörg Kammler, Dietfrid Krause-Vilmar u.a. (Hg), Volksgemeinschaft und Volksfeinde. ob. cit., S. S. 38 – 45.

(6) vgl. unser Flugblatt: Wer von Israel spricht, … (s.o.)

(7) An dieser These ist soviel dran, dass die Appeasementpolitik vor allem Englands tatsächlich auch durch die vage Hoffnung gespeist wurde, dass das Ziel deutscher Aggressionspolitik der Osten, sprich die Sowjetunion sei. Im Fordergrund stand jedoch die durch den 1. Weltkrieg bedingte Kriegsmüdigkeit der Bevölkerung in Frankreich und England und die falsche Annahme, dass Deutschland eine Politik auf der Grundlage rationaler Erwägungen verfolgte, die Verhandlungen und Kompromisse hätte ermöglichen können.

Israelhass – ein Bildungsangebot der GEW Hessen

Ein offener Brief des BgA-Kassel an die GEW Hessen*

Die „lea gemeinnützige bildungsgesellschaft mbH der GEW Hessen“ bietet folgende „Bildungsreise“ an: Studienreise nach Palästina / Israel unter Leitung von Fuad Hamdan. Das Seminar richtet sich an Lehrer/innen, Schulleitungsmitglieder, Erzieher/innen, Sozialpädagogen und für die im Weiterbildungsbereich pädagogisch tätigen Kollegen/innen, so das Anschreiben der Bildungsinstitution an die Gewerkschaftsmitglieder.

Wir haben einen offenen Brief an die GEW formuliert:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrem Fortbildungsprogramm für Lehrer/innen, Schulleitungsmitglieder, Erzieher/innen, Sozialpädagogen und für die im Weiterbildungsbereich pädagogisch Tätigen bieten Sie u. a. eine Studienreise nach Israel / Palästina an. Geleitet wird diese Reise von Fuad Hamdan.

Ein kurzer Blick in das Internet zeigt, wie sich der Leiter, der von Ihnen angebotenen Reise positioniert.

In einer Phoenix-Runde am 17. März 2009 anlässlich der militärischen Auseinandersetzungen mit der Hamas „verteidigt Fuad Hamdan, … die Attacken der Hamas gegen Israel. Er fordert Verständnis für den radikalen Flügel und kritisiert die Parteilichkeit der deutschen Regierung im Gaza-Konflikt.“

Die Hamas ist eine terroristische Organisation, die nicht nur die israelische Zivilbevölkerung mit Raketenbeschuss und anderen Maßnahmen gezielt terrorisiert, sondern die auch die eigene Bevölkerung im Gaza einem islamistischen Terrorregime unterzieht.

In einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 19.10.2011 spricht sich Fuad Hamdan für eine „Einstaatenlösung“ und für das „Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge in ihre Heimatorte“ aus.

Dieses Plädoyer ist eine verklausulierte Forderung nach der Liquidierung des jüdischen Staates. Das sogenannte Rückkehrrecht ist eine Forderung, die auf einen vererbbaren und politisch instrumentalisierten Flüchtlingsstatus beruht. Die Forderung beinhaltet, dass den 1948 aus Israel ausgewanderten, geflüchteten z.T. auch vertriebenen arabischen Einwohnern und ihren Nachkommen die Einwanderung nach Israel ermöglicht werden soll. Die Zahl dieser solchermaßen deklarierten Menschen beläuft sich auf 5 – 6 Millionen. Eine solche „Rückkehr“ würde das Ende des jüdischen Staates bedeuten. Diese Forderung der palästinensischen Seite ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass bisher sämtliche Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern scheiterten.

In einem weiteren Artikel zur Staatsgründung Israels in derselben Zeitung vom 17.05.2010 äußert Hamdan sich folgendermaßen: „Für Europa war das Problem durch die Gründung eines jüdischen Staates gelöst beziehungsweise ausgelagert. Aber damit begannen für andere, für die Palästinenser, die Probleme. Die jüdische Staatsgründung markiert den Beginn der Nakba, der palästinensischen Katastrophe.“

Unverholen wird die Anwesenheit von Juden als Problem dargestellt, das mit dem Antisemitismus korrespondiere. Es werden also Juden dafür verantwortlich gemacht, dass es Antisemitismus gibt und es wird von Hamdan suggeriert, es müsse eine Lösung des „jüdischen Problems“ angestrebt werden. Das „Problem“, das für die arabischen Palästinenser existiere, wird u.a. als „Judaisierung palästinensischen Bodens“ dargestellt.

Die Folge des von arabischer Seite gegen Israel vorgetragenen Angriffskrieges im Jahre 1948, die Flucht aber auch Vertreibung vieler arabischer Palästinenser in Folge militärischer Auseinandersetzungen, wird als „ethnische Säuberung“ bezeichnet. Die Vertreibung von Juden aus Nordafrika und anderen arabischen Staaten wird geflissentlich verschwiegen. Die 1948 einige Kilometer weiter gezogenen und geflohenen arabischen Bewohner leben seit über 60 Jahren in verschiedenen arabischen Ländern. Von einer Verantwortung dieser Länder für das Schicksal dieser Bewohner ist bei Hamdan nirgends die Rede.

Im gleichen Artikel behauptet Hamdan, Israel sei „mit Abstand die stärkste und zugleich aggressivste Militärmacht in der Region. Der kleine David hat sich längst zu einem atomaren Monster entwickelt“ und „die israelische Politik erinnere ihn an das Apartheidsystem in Südafrika.“

Die Tatsache, dass die auf einem UN-Beschluss beruhende Gründung des israelischen Staates mit einem militärischen Angriff sämtlicher arabischer Nachbarstaaten beantwortet wurde und dass sich seitdem Israel in einem permanenten Kriegszustand befindet, wird geflissentlich ausgespart. Es ist eine historische Tatsache, dass Israel wiederholt Friedensangebote an seine arabischen Nachbarn gerichtet hat, die immer wieder auf Ablehnung gestoßen sind. Lediglich mit Ägypten und mit Jordanien kam es zu Friedensverträgen, die aufgrund der labilen politischen Situation in beiden Ländern jedoch fragil sind. Israel hat bis heute keinem einzigen Staat mit der Vernichtung gedroht. Die Absicht, die Juden aus Israel zu vertreiben und den Staat Israel zu liquidieren war und ist hingegen Bestandteil vieler maßgeblicher palästinensischer Gruppierungen und arabischer Staaten im Nahen Osten, sowie des Iran, der bekanntermaßen nach einer Atombombe strebt.

Arabische Israelis sind Staatsbürger Israels, der einzigen Demokratie im Nahen Osten. Sie sind gleichberechtigte Staatsbürger und besitzen – trotz der Problematik gesellschaftlicher Diskriminierung – weit umfassendere Rechte in Israel, als die Bürger in den umliegenden arabischen Nationen, selbst als die Palästinenser in den Gebieten der palästinensischen Autonomiebehörde.

Auch das „Eine-Welt-Haus“, das aus dem „Dritte Welt Zentrum“ hervorging und das in der Anzeige Ihrer Bildungsreise als Referenz dient und für das Hamdan bis heute eine Art Spiritus Rector darstellt, zeichnet sich dadurch aus, dass es durchweg antizionistische und israelfeindliche Propaganda betreibt. In einem offenen Brief vom 30.06.2013 verschiedener Münchner Gruppen an das „Eine-Welt-Haus“ heißt es:

„Wiederholt wurde bei Veranstaltungen zum Boykott israelischer Produkte aufgerufen … offensichtlicher Zweck ist es .. , den jüdischen Staat zu delegitimieren. … häufig war auf Veranstaltungen die Behauptung zu hören, jüdische Israelis würden den Holocaust heute ausnutzen, um ungestraft Unrecht zu begehen. Oder in Israel etwa begangenes Unrecht ähnle zum Teil dem Holocaust selbst.“

Allesamt hier aufgeführten Beispiele sind Ausdruck einer in Deutschland weit verbreiteten Haltung, durch die Israel delegimiert und dämonisiert wird, sowie mit doppelten Standards bemessen wird. Diese Kriterien gelten als Tatbestände, die die sogenannte „Israelkritik“ als antisemitisch ausweisen. Positionen eines Hamdan sind Wasser auf die Mühlen einer Haltung in Deutschland, die, wie verschiedene Umfragen immer wieder belegen, dazu führen, dass die Deutschen eine schlechte bis sehr schlechte Meinung von Israel haben.

Mit einer differenzierten Sicht auf die Geschichte und den Konflikt im Nahen Osten, die doch Kriterium einer Bildungsreise sein sollte, kann eine Bildungsreise unter Leitung von Hamdan nichts zu tun haben. Hamdan erweist sich als eine Person, die fern jeglicher historischer Kenntnisse, Israel in verleumderischer Art und Weise delegitimiert und diffamiert, die Terrormaßnahmen palästinensischer Organisationen billigt und letztendlich sogar für die Abschaffung des jüdischen Staates plädiert. Er kann mit Fug und Recht als typischer Vertreter eines israelbezogenen Antisemitismus bezeichnet werden.

Das Fortbildungsprogramm richtet sich an Multiplikatoren, deren Auftrag es ist, junge Menschen zu unterrichten und zu erziehen. Dieser Umstand trägt dazu bei, dass die Sichtweise des Leiters der Bildungsveranstaltung Eingang in das Weltbild junger Menschen finden wird. Sie tragen als Bildungsträger mit der Finanzierung solcher Fortbildungsprogramme dazu bei, dass sich das negative Meinungsbild über Israel fortsetzt und stabilisiert, dass der israelbezogene Antisemitismus in Deutschland befördert wird. Im Sommer 2014 hat dieses in Deutschland (und anderen Ländern) vorherrschende Meinungsbild mit dazu geführt, dass offene antisemitische Agitation bei Massenaufmärschen auf deutschen Strassen möglich war und dass es erneut zu einem besorgniserregenden Anstieg antisemitischer Übergriffe gekommen ist und dass diese Ereignisse mit Gleichgültigkeit quittiert worden sind.

Wir fordern Sie daher auf, das Angebot aus dem Bildungsprogramm herauszunehmen und jede Zusammenarbeit mit Fuad Hamdan zu beenden.

Kassel, 18.05.2015 – Bündnis gegen Antisemitismus Kassel; Prozionistische Linke Frankfurt

Der Brief als download: Offener Brief an die GEW

*Das Bildungsangebot ist auch 2016 im Angebot der GEW-Tochter lea.