14. Mai 1948 – 14. Mai 2017

120 Jahre Zionismus    69 Jahre Israel    50 Jahre Befreiung Jerusalems

Am 13. Mai 2017 ab 14.00 Uhr in der Oberen Königstraße Ecke Wilhelmstraße

Advertisements

Staatsräson und erlaubte Geschäfte

„Trotz unterschiedlicher Bewertung des Nuklearabkommens mit dem Iran haben wir seitens der Bundesregierung sehr deutlich gemacht … , dass es normale, freundschaftliche Beziehungen zum Iran nicht geben kann, solange das Existenzrecht Israels vom Iran nicht anerkannt wird. “ (Angela Merkel, 16.02.2016) Solange es so ist, dass die Raketen des Irans nicht ‚gen Deutschland gerichtet sind, sind unterschiedliche Auffassungen zum Raketen- und Atomprogramm des Irans die Übersetzung für, tunica proprior pallio.

Raketen

Bei aktuellen Raketentests des Iran sind nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars zwei der Raketen mit der Aufschrift versehen worden: „Israel muss ausradiert werden“. Das ist keine leere Drohung. „Wir haben unsere Raketen mit einer Reichweite von 2000 Kilometern gebaut, um unseren Feind, das zionistische Regime, aus einer sicheren Entfernung treffen zu können“, zitierte die Agentur Isna Brigadegeneral Amir Ali Hadschisadeh. Die Atombewaffnung ist durch das „Iranabkommen“ nicht verhindert worden, sondern maximal verzögert worden. Die Mittel, das erklärte Ziel umsetzten zu können, wird der Iran bald haben.

Teheran wird wohl in absehbarer Zeit das Existenzrecht Israels nicht anerkennen. Die neuesten Raketentests sprechen da eine eindeutige Sprache. Ob der Iran darüber hinaus die Androhung, keine freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland haben zu dürfen, als gewichtige Drohung ansieht, ist keine spannende Frage.

Ob die offene Bekundung, Beziehungen zu Deutschland als freundschaftliche zu nennen, dem Iran so wichtig ist, dass auf das erklärte Ziel, Israel zu vernichten, verzichtet wird, ist leicht zu beantworten. Maßstab für den Iran dürften die nach dem sogenannten Atomabkommen intensivierten politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland sein und nicht die warmen Wort Merkels. Der Außenminister weiß Bescheid: „Ein historischer Erfolg der Diplomatie“, wird das Abkommen mit dem Iran tituliert. „In einer Region, die von Krisen und Konflikten wahrlich heimgesucht ist, können ganz viele heute ein wenig aufatmen.“ Insbesondere aufatmen können wohl die Geschäftspartner außerhalb der Region, denn „im Gegenzug würden die gegen das iranische Atomprogramm gerichteten Wirtschafts- und Finanzsanktionen aufgehoben. Geschäfte mit Iran würden damit wieder erlaubt sein“ so Steinmeier.

Ach demnächst ist ja wieder Ostermarsch. Die Ostermarschierer sind bekanntlich Gegner von Krieg und Atomwaffen – Protestieren sie dieses Mal gegen die iranischen Raketen und die erklärten Absichten? Aber das ist nur eine rhetorische Frage, eine Antwort darauf bedarf keiner großen Kunst der Prophezeiung. (jd)

Israel am Pranger – Die Überschrift macht es!

Die Überschrift ist ein wesentlicher und der zunächst wichtigste Teil einer Meldung in einer Zeitung. Der Leser nimmt diese als erste wahr und ordnet die Meldung entsprechend seines Weltbildes ein.

Der größere Teil der Bevölkerung teilt die Ansicht, das Israel eine Gefahr für den Weltfrieden darstellt und transportiert damit ein, in ein modernes Gewandt gewandeltes altes antisemitische Stereotyp, nämlich das vom Juden als den ewigen Unruhestifter und Weltverschwörer.

HNA 01.02.16

In der HNA von heute (01.02.2016) diese Meldung: „Palästinenser nach Angriff getötet“. In dieser Konstellation taucht sie nicht das erste Mal* auf. Ein Angriff, von wem und auf wen, keine Aussage, nur, dass ein Palästinenser getötet wurde. Ein Angriff mit tödlichen Ausgang also, da muß – dem Bild des überwiegenden Teils der Bevölkerung vom Israeli als Störenfried nach – Israel also dran Schuld sein, oder gar, wie die Überschrift suggeriert ein Israeli der Täter gewesen sein.

Erst im Kleingedruckten kann man lesen was passiert ist. Was die dürre Meldung nicht darlegt ist, dass es sich bei den Angriffen um eine seit Wochen anhaltende grasswurzelartig strukturierte aber breit beworbene Terroraktion palästinensischer Kreise gegen jüdische Israelis handelt.

  • Eine Zusammenstellung derartiger Meldung aus der hiesigen Lokalpresse, die von mehreren 100.000 Menschen wahrgenommen wird, wird in Kürze folgen.

Eine „Nah-Ost-Expertin“ beim Kasseler Tagessatz

Wie in vielen Großstädten, so gibt es auch in Kassel eine „Obdachlosenzeitung“. Hier nennt sie sich „Tagessatz, Selbsthilfe für Menschen in sozialer Not“. Ziel dieser Zeitung ist es „Mensch in besonderen Lebensverhältnissen mit sozialen Schwierigkeiten ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen und sie bei der Überwindung ihrer Schwierigkeiten zu unterstützen, soweit sie dazu nicht selbst in der Lage sind.“ Als Zeitung arbeitet dieses Projekt dafür, soziale Missstände aufzuzeigen und als Sprachrohr für alle sozial Benachteiligten bzw. Ausgegrenzten zu dienen.

TagessatzIn der jüngsten Ausgabe finden wir einen Bericht einer Christine Mussel. Die Überschrift klingt höchst investigativ: „Besuch in Ramallah und Hebron. Vor Ort in der Westbank.“ Ob es in Ramallah und Hebron soziale Missstände mit Relevanz für Kasseler Verhältnisse gibt? Nein Ramallah ist „voller Geschichten“ heißt es, dort isst die Autorin Falafel und es gibt die Geschichte eines Palästinensers, der einen Stammbaum aufweisen kann, den er „bis zu Sultan Saladin 800 Jahre zurückverfolgen“ kann. Wir haben es also mit einem verwurzelten Volk zu tun, das in der Westbank lebt. In Hebron schließlich wandelt die Autorin auf Straßen, die „mit ihren Märkten zwischen den Gebäuden noch immer lebendig“ wirken, und trifft auf Lebensmut und offene Neugier. Warum dann also ein Bericht in einer Kasseler Obdachlosenzeitung?

Auf der Fahrt nach Hebron dann die sozialen Missstände. „Blechhüttensiedlungen von Beduinen“, Checkpoints und Flüchtlingslager und der größte Missstand, jüdische Siedlungen. Schließlich Elektrozäune – ohne Warnschild. Nicht ganz ein sozialer Misstand, aber „was, wenn wir in einem Verkehrsunfall an den Zaun gedrückt würden? Was, wenn ein Kind beim Spielen den Zaun berührte?“ Den Juden ist alles zuzutrauen …

In Hebron die nächsten sozialen (?) Missstände. Ja, hier leben „einige Hundert jüdische Siedler. Grund: die Abraham-Moschee.“ Die Strassen sind mit Gitterdraht überspannt, um Waren und Passanten „vor abkippenden Müll radikaler Siedler zu schützen.“ Die Hauptstraße in Hebron ist völlig verwüstet, hier habe sich früher das Leben abgespielt, Geschäfte mussten schließen und Bewohner die Stadt verlassen.“ Warum? Achja, „zur Erinnerung: Israel hält die Westbank seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt. Die international als illegal verurteilte Siedlungspolitik in der Westbank ist eines der größten Hindernisse für einen Frieden im Nahostkonflikt“ und die Siedler kippen ihren Müll auf das seit Saladin hier verwurzelte Volk.

Dass Hebron bis 1929 ein Ort war, in dem Juden seit mehr als 800 Jahre wohnten und dann von marodierenden und mordenden Arabern vertrieben wurden, dass nicht die Abraham-Moschee der Grund für Juden ist, Hebron aufzusuchen, sondern dass der Ort Machpela heisst, der den Juden (aber auch Muslimen und Christen) heilig ist und den zu besuchen Juden (und Christen) von Muslimen Jahrhunderte lang verboten wurde, dass die Westbank bis 1967 von Jordanien besetzt war und unter dieser „judenrein“ war – was keinen je scherte -, dass die Absperrungen und Checkpoints, die die Besucherin auf ihrer Reise von Ramallah nach Hebron so mühsam umfahren muss, einen plausiblen Grund haben, aber das sind ja auch alles keine sozialen Missstände.

Der Tagessatz soll wohl nicht nur dabei helfen, den „VerkäuferInnen wieder eine Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft“ zu ermöglichen, sondern einer Frau Mussel dazu verhelfen, Nah-Ost-Expertin zu werden. (jd)

Netanyahus Sätze und die Volten deutscher Israelsolidarität

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ einst verlauten, die Sicherheit Israels gehöre zur Staatsräson Deutschlands. In Schönwetterzeiten kostet diese deklamierte Solidarität zum jüdischen Staat nicht viel, sondern bringt für die deutsche Industrie sogar etwas ein, wenn deutsche U-Boote auch nach Israel geliefert werden oder auch sonst gute Handelsbeziehungen zu Israel existieren. Die sogenannte Zivilgesellschaft begnügt sich damit, von Israel als einem prima Reiseland zu schwärmen, Schüleraustausche zu organisieren, auf Empfängen leckeren israelischer Wein zu goutieren, zerknirschte Miene beim Besuch von Yad Vashem zu machen und das Mantra aus der Geschichte gelernt und Verantwortung übernommen zu haben gerade gegenüber israelischen Gesandten und Gästen zu äußern, usw. Das alles pinselt den Bauch des deutschen Kollektivbedürfnisses endlich zu den Guten zu gehören – wenn dann noch Lob aus Israel kommt hervorragend!

Diese Wohlfühlverhältnis, das in erster Linie dem Gefühlshaushalt der vielen „Freunde Israels“ dient, bekommt immer dann Risse, wenn die israelischen Sicherheitskräfte gegen randalierende oder gar mordende Palästinenser vorgeht, wenn Wohnungen für Juden in den umstrittenen Gebieten jenseits der sogenannten grünen Linie gebaut werden, wenn sich Israelis angesichts des palästinensischen Straßenterrors bewaffnen, wenn angesichts Raketenangriffe der Hamas oder der Hisbollah Bomber oder Haubitzen der IDF ebendiese häufig inmitten von Wohngebieten befindlichen Raketenabschussbasen beschießen. Wenn dann noch Raketen nach Israel fliegen, Selbstmordattentäter und Messerstecher die Städte unsicher machen, Israels Politiker sich als renitent gegenüber dem ehrlichen Makler Deutschland und anderen Vermittlern im Nah-Ost-Konflikt erweisen und Juden sich selbst bewaffnen, dann dürfte auch die Bereitschaft Israel zu besuchen, das Verständnis über Israels Methoden, die Sicherheit seiner Bürger und des Landes zu verteidigen, israelische Produkte zu kaufen etc. zurückgehen, dann ist die Zeit der Kritiker unter Freunden angesagt.

der hässliche Jude

Wer will etwa mit dem hässlichen Juden befreundet sein? Die Illustration eines Artikels der HNA vom 18.10.15 über israelische Reaktionen angesichts des palästinensischen Terrors.

Noch kritischer wird es mit der viel beschworenen Freundschaft, wenn die israelische Regierung durchblicken lässt, dass angesichts des Unwillens (oder auch Unvermögens) der palästinensischen Autonomiebehörde, die Voraussetzung eines der vielen Friedenspläne umzusetzen, nämlich gegen Israel keine Gewalt mehr zu propagieren oder auszuüben, die Zweistaatenlösung keine realistische Perspektive mehr ist.

Nun hat der israelische Ministerpräsident Netanyahu in einer Rede verlauten lassen: He [el-Husseini, der Mufti von Jerusalem] flew to Berlin. Hitler didn’t want to exterminate the Jews at the time, he wanted to expel the Jews. And Haj Amin al-Husseini went to Hitler and said, “If you expel them, they’ll all come here.” “So what should I do with them?” he asked. He said, “Burn them.” An diesen Sätzen stimmt nichts. Der Mufti besuchte Berlin 1941, da war die Vernichtung der europäischen Juden nach allem was man weiß, bereits beschlossene Sache des deutschen Nazifaschismus. Die sehr wohl existierende und geäußerte Befürchtung des Muftis und seiner Satrapen, Juden könnten angesichts der deutschen Vernichtungswut nach Palästina fliehen, was dringlichst zu unterbinden sei, tat zur Umsetzung der deutschen Politik nichts zur Sache. Dass bereits Pläne der in die Richtung Palästina marschierenden Truppen unter Rommel und dem SS-Mann Rauff existierten, die Juden in Nordafrika und Palästina mit Hilfe der palästinensischen Araber umzubringen und dass der Mufti gegen existierende Überlegungen und Planungen in den Jahren 1942 und 1943 eine geringe Anzahl an Juden dem Holocaust entkommen zu lassen, intervenierte, dazu sagte Netanyahu nichts.

Das hätte von Netanyahu alles benannt werden können, wurde es aber nicht. Landauf, landab, bis in die sich mit Israel verbunden fühlenden Kreise, führten die Sätze Netanyahus zu einem Aufschrei und zur einhelligen Verurteilung. Netanyahu wälze die Verantwortung für den Holocaust auf die Palästinenser ab, hätte behauptet, der Mufti hätte Hitler zum Judenmord angestiftet, Netanyahu wurde die Instrumentalisierung, wenn nicht sogar die Relativierung des Holocaust vorgeworfen, die geäußerte Schlussfolgerung, er sei ein Holocaustleugner setzte dieser Argumentationslogik noch einen oben drauf. Wie immer, wenn es darum geht, Israel ans Bein zu pissen, konnten sich einige auf Gewährsmänner und -frauen in Israel stützen, diesmal sogar auf renommierte Historiker, wichtige Politiker, der Sprecherin von Yad Vashem u.a..

In dem Aufschrei gingen sowohl die spätere Richtigstellung Netanyahus als auch drei wesentliche Punkte seiner Rede unter, zum einen der Zusammenhang, indem diese Sätze geäußert wurden, nämlich, dass Netanyahu darauf hinwies, dass entgegen der palästinensischen Propaganda und der europäischen Wahrnehmung Israel keineswegs die Absicht habe, am Status des Tempelberges irgendetwas zu verändern, zum anderen die kaum zu bestreitenden Tatsache, dass die Juden in Israel aktuell einer mörderischen Kampagne ausgesetzt sind, die in einer langen Tradition des Judenhasses steht. Dass dieser Judenhass nicht zuletzt vom, vom antisemitischen Wahn verfolgten, nach wie vor in Palästina als Gewährsmann palästinensischer Unabhängigkeit angepriesenen, Mufti von Jerusalem formuliert und innerhalb der palästinensischen Community politisch durchgesetzt wurde.

Natürlich könnte man – wenn man außenpolitischer Berater Israels wäre, oder einer ist, der Bescheid weiß – diese Wahrnehmung auch Netanyahus fatalen Sätzen anlasten, der nun gerade kein Anfänger in der Politik ist und eigentlich um die Wirkung seiner Sätze Bescheid wissen müsste. Doch dies passiert in Israel, dem Land, das sich durch eine funktionierende Öffentlichkeit und Debatte auszeichnet. Trotzdem gerieren sich gerade auch mit Israel verbundene Gruppierungen, Kreise und Personen als wohlgesinnte Ratgeber israelischer Politik und „solidarische Kritiker“. Der hinlänglich bekannten Leier, man möge doch endlich den „Siedlungsbau“ einschränken, die Zweistaatenlösung umsetzten, den Rassismus im eigenen Land bekämpfen, auf Terror der Palästinenser rechtsstaatlich und „angemessen“ reagieren usw. usf., konnte nun der Tadel der auch in Geschichte und um die deutsche Verantwortung für den Holocaust Bescheidwissenden folgen.

Herr Natürlich

Nicht nur Herr Natürlich weiss Bescheid.

Merkwürdig, dass die Vielen nicht als offiziell bestallte Ratgeber der vielen Parteien in der Knesset oder gar als israelische Botschafter des guten Willens fungieren. Die Aufgabe einer Israelsolidarität ist es jedoch nicht, Israel im Guten beraten zu wollen, Häppchen auf Empfängen zu goutieren, Schüleraustausche zu organisieren, das Lied der Deutsch-Israelischen Freundschaft zu singen oder Deutschland angesichts der selbst bekundeten Verantwortung vor der Geschichte einen Orden für Versöhnung auszustellen und den eigenen Gefühlshaushalt in Ordnung zu bringen, nein die einzige Aufgabe ist es, den deutschen Diskurs über Israel rücksichtslos zu kritisieren, Israel gegen gut gemeinte Ratschläge, Kritik unter Freunden, Israelkritik und Antizionismus zu verteidigen, und das gerade auch dann, wenn der israelische Ministerpräsident von der deutschen Volksgemeinschaft mal wieder als frecher Jude erkannt wird. (jd)

Eine gute Auseinandersetzung findet sich auf Nichtidentisches: Hitler kennen, Netanyahu hassen – der reduzierte Antisemitismus.

Support Israel!

we stand with israel Es kostet nicht viel, sich in Deutschland für Israel zu positionieren. Trotzdem sind es nicht viele, die das tun, warum? Man „riskiert“ als Imperialist, Kriegshetzer, Antideutscher, Judenknecht oder als Spinner bezeichnet zu werden, wenn man nicht gleich verdächtigt wird, Jude zu sein. Man macht sich eben nicht viele Freunde – wenn schon! Wir stehen bedingungslos an der Seite Israels!

Die, die Ihren Kopf für das Land hinhalten das sind jedoch andere:

idf In der Berichterstattung der Medien kommt der Standpunkt der israelischen Regierung wenig, und häufig dann nur verzerrt, zur Geltung. Die Berichterstattung über Antisemitismus unter den Arabern resp. den Palästinensern und über den Terror gegen Israel spielt eine untergeordnete Rolle. Vermeintliche Ursachen, wie Siedlungsbau, Diskriminierung der Araber und Besatzungspolitik stehen wie immer im Focus der Kommentierung und Berichterstattung.

Eine der wenigen Ausnahmen ist die Zeitung „Die Welt“: Terrorwelle erreicht die Innenstadt Tel Avivs

Lassen wir die Vertreter des Landes zu Wort kommen, das mit dem Rücken zur Wand steht:

Israels Position zur aktuellen Situation

Vergleiche hinken …

Analogie

… der eine hat nicht nur einen  Kinnbart, den der andere nicht hatte, auch hegt der mit Kinnbart nicht die Illusion, einen Friedensvertrag unterzeichnet zu haben. Im Gegensatz zu dem Regime des Oberlippenbärtchenträgers, der hier nicht abgebildet ist, verfügt die von dem mit dem Kinnbart vertretene Regierung Dank des „Abkommens“ bald über eine Waffe, die die des Herrn mit dem Oberlippenbärtchen nicht hatte. Aber die Regierung mit der jetzt das Abkommen geschlossen wurde, wird ja bekanntlich von einer „moderaten“ Regierung geführt. Ahmadinedschad drohte, Israel von der Landkarte zu streichen, Rohani, dagegen: „Die islamische Welt muss gegenüber dem zionistischen Regime Einheit zeigen, da dieses Regime eine alte Wunde ist, die seit Jahren in ihrem Körper steckt und beseitigt werden muss.“ Der der noch keine Atombombe hatte, drohte die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa an. Ein Abkommen im Jahre 1938 bahnte ihm und seinem Volk den Weg.

Warum also das aktuelle Abkommen eine Katastrophe ist, erläutert David Horovitz: Iran’s President Hassan Rouhani on Tuesday unsurprisingly hailed the nuclear agreement struck with US-led world powers, and derided the “failed” efforts of the “warmongering Zionists.” His delight, Iran’s delight, is readily understandable. The agreement legitimizes Iran’s nuclear program, allows it to retain core nuclear facilities, permits it to continue research in areas that will dramatically speed its breakout to the bomb should it choose to flout the deal, but also enables it to wait out those restrictions and proceed to become a nuclear threshold state with full international legitimacy. Here’s how.

16 Gründe werden von Horovitz im Folgenden angeführt: 16 reasons nuke deal is an Iranian victory and a western katastrophe.

(jd)

Hate-Parade in Kassel und die Fahnen der Vernunft

Die Kundgebung „Frieden in Palästina“ traf auf öffentlichen Widerspruch. 100 Menschen boten unter dem Motto „Gegen Antisemitismus und Israelhass auf Kassels Straßen“ den Israelfeinden die Stirn und setzten sich eine gute halbe Stunde Drohungen, Beschimpfungen und einem infernalischem Gebrüll und hysterischem Gegeifer aus. Zur Vorgeschichte: Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassels rief uns am Freitag an und teilte uns mit, aus Angst vor Übergriffen habe man den Religionsunterricht in der Synagoge abgesagt. Bis zu diesem Zeitpunkt war noch unklar, ob man den bundesweit gemeinsam anvisierten Termin am Donnerstag nehmen soll, um kund zu tun, dass es in Deutschland auch Menschen gibt, die Israel auch dann zur Seite stehen, wenn in den Medien die Berichte über den schrecklichen Alltag des Krieges dominieren. Zeit blieb uns nicht viel, aber der unglaubliche Zustand, dass Juden in Deutschland wieder Angst haben müssen, spornte uns an.

Nach einigem Hin und Her gelang es, einen von den Gruppen a:ka Göttingen, BgA-Kassel, CjZ-Kassel, DIG-Kassel, Fachschaftsrat Sowi Göttingen, Jüdische Gemeinde Kassel und der Jüdische Liberale Gemeinde Nordhessen gemeinsam getragenen Aufruf zur Kundgebung zu veröffentlichen. Sehr unterschiedliche Gruppen, die eines eint, Antisemitismus und Israelhass nicht zu dulden und dies der Öffentlichkeit auch dann mitzuteilen, wenn dies unangenehm und gefährlich ist und man sehr offensichtlich die Einsamkeit spürt. Mit diesem Engagement liefert man den Medien keine wahlkampfaffinen Bilder. In solche Situationen bekommt man auch keine Schnittchen und feine Stöffchen zum Trinken und freundliche Fragen der Presseverterter serviert, sondern weil man allen Grund dafür hat, Sonnenbrillen und tiefe Mützen auf zu haben, das Umfeld genau im Blick zu haben, ob sich nicht doch ein Schläger der Hamasfreude und der mit ihnen verbündeten Nazis in die eigenen Reihen einschleicht, bleibt wenig Muße um die Pressefritzen zu beachten um ihnen Fragen zu beantworten, die nachher doch nicht den Weg in die Öffentlichkeit finden.

Dank vieler weiterer Freunde und Freundinnen aus Marburg und der Antifa aus Kassel (ak: Raccoons), waren wir dann doch mehr als gedacht. Fast hundert Menschen unterschiedlichen Alters mit sehr unterschiedlichen politischen Auffassungen und aus unterschiedlichen Gruppen und Vereinigungen standen am Fuße der Treppenstraße um dem antisemitischen Mob symbolisch die Stirn zu bieten.

Die Fahnen von freundlichen und völlig harmlosen Bürgern gehalten lösen einen unbeschreiblichen Hass aus

Die Fahnen von freundlichen und völlig harmlosen Bürgern gehalten, lösen einen unbeschreiblichen Hass aus. Hier herrschte noch eitel Sonnenschein.

Um 15.30 Uhr begann unsere Kundgebung. Den Anfang macht die Vorsitzende der Jüdisch Liberalen Gemeinde Nordhessens. Sie betonte, dass ihre Sorge allen Menschen sowohl in Israel als auch denen im Gaza gelte, die unter den kriegerischen Auseinandersetzungen zu leiden haben. Menschen die dem Handeln ihrer Regierungen ausgeliefert sind ob sie mit ihnen einverstanden sind oder nicht und von denen die meisten sich doch ein Leben in Frieden wünschten. Sie beendete ihren Beitrag mit einem eindrücklichen jüdischen Gebetsgesang.

Einen weiteren Redebeitrag steuerte ein Freund von der Fachschaft Sozialwissenschaften aus Göttingen bei, der den Zusammenhang von Antisemitismus und der Notwendigkeit eines jüdischen Staates – nämlich Israel – herleitete, der nur durch eine effektive Armee gegen die tödliche Bedrohung des Antisemitismus verteidigt werden kann.

Die Herren in Blau mussten schrecklich schwitzen und haben ihr Feierabendbier diesesmal mehr als verdient - Dank ihnen kamen wir alle heil nach Hause.

Die Herren in Blau trugen dazu bei, dass wir heil nach Hause kamen.

Jonas Dörge vom BgA-Kassel ging auf den politischen Skandal ein, dass antisemitische Zusammenrottungen auch in Deutschland möglich sind und sich Politik und Medien in Schweigen hüllen, gerade auch von denen, die zu gedenkfeierlichen Anlässen sich gerne als geläuterte Deutsche ausgeben und betonen, Deutschland habe aus der Geschichte gelernt. Dörge verwies, Jean Paul Sartre zitierend, auf den Charakter des Antisemiten. Antisemitismus ist keine Meinung sondern eine Leidenschaft und der Hang des Antisemitismus zum Sadismus zeichne sich dadurch aus, dem Juden die finstersten Verbrechen anzuhängen und sich leidenschaftlich in der Schilderung der selben zu suhlen.

Wie zum Beweis trafen einige Minuten später die Freunde der Hamas ein. Gertrennt von zwei Reihen Polizisten in schwerer Montur brach ein unglaublicher Hass aus der Masse aus, als sie sich vergegenwärtigen mussten, dass eine Gruppe von friedlichen Demonstranten Israelfahnen schwenkten. Die Gruppe entpuppte sich als wahrer Mob und sie schrieen die bekannten gewaltgeschwängerten und hasserfüllten Parolen und führten wahre Veitztänze vor der wackeren Reihe der Polizei auf.

Der Antisemit käut wie besessen obszöne und kriminelle Taten wieder, die ihn erregen und seine perversen Neigungen bef

Der Antisemit käut wie besessen obszöne und kriminelle Taten wieder, die ihn erregen und seine perversen Neigungen befriedigen. (Sartre)

Wir riefen ihnen unter anderem entgegen „Lang lebe Israel“, Shalom, Shalom“, „Alerta Antifaschista“. Wäre die Polizei nicht gewesen, wir wären dem rasenden Mob hilflos ausgeliefert gewesen – daher an dieser Stelle, ein großes Danke Schön an die Polizei, die diesesmal wusste was zu tun war.

Von den Kasseler Stadtoberen, von den Vertretern der Politik – keine Spur. Der Oberbürgermeister Betram Hilgen sei nicht in der Stadt. Der Grundsatzreferent des Oberbürgermeisters Reinhold Weist lief auf der anderen Seite der Polizeikette, bei den Freunden der Hamas, er zeigte nicht, dass er mit dem rasenden Mob nicht einverstanden war.

Die Raccoons und T.A.S.K. beschäftigen sich mit dem wichtigen Aspekt der Querfront, die sich immer dann eröffnet, wenn es um Israel geht oder um die Gefährdung des deutschen Volkes durch finstere Mächte, seien es die FED, das internationale Finanzkapital, die NSA, der Kulturimperialismus usw… Über das aktuelle Bündnis, das sich am Dienstag zusammenfand hier mehr: „Kasseler Zustände, Besonders erwähnenswert ist die Unterstützung der israelfeindlichen Demonstration durch Personen aus dem Organisationskreis der in Kassel wöchentlich stattfindenden Montagsmahnwache, sowie aus Teilen des antiimperialistischen Spektrums um die Organisationen Revolution, Arbeitermacht, SDAJ und MLPD. Nicht nur die Aluhut-Fraktion mobilisierte bereits im Vorfeld, gemeinsam mit den antiimperialistischen Kleinstgruppen stellten sie einen Teil der Ordner*innen Struktur der Demonstration. Dabei gaben gerade diese Gruppen um Revolution und Co. noch zu Beginn der Montagsmahnwachen an, sich gegen Faschismus, Antisemitismus und Verschwörungstheorien auszusprechen – offenkundig ein reines Lippenbekenntnis.

Eine bezeichnende Fotostrecke der Lokalpresse: I‘ am a Muslim, don’t panic

Redebeiträge

Deborah Tal-Rüttger

Beitrag H.B. FB Sowi/Göttingen

Der Beitrag von Jonas Dörge (BgA-KAssel)