70 Jahre Israel

70 Jahre Israel bedeuten nicht nur 70 Jahre Existenz eines demokratischen Gemeinwesens und einer Gesellschaft, die heute für ca. 8 Millionen Menschen eine Heimat ist und die diesen 8 Millionen Menschen ein Recht auf Sicherheit und Frieden gewährt, sondern auch eine 70 Jahre währende Garantierklärung gegenüber allen, die vom Antisemitismus bedroht sind und einen sicheren Zufluchtsort brauchen.

Und allen Unkenrufen zum Trotz: 70 Jahre Israel und der Zionismus sind eine Erfolgsgeschichte! In einem Interview erklärt der israelische Historiker Tom Segev einem typischen Vertreter deutscher „Israelkritik“ folgendes: „Israel ist zunächst einmal eine der dramatischsten Erfolgstorys des 20. Jahrhunderts. Wenn Sie Statistiken der Vereinten Nationen zu Wohlstand und Lebensqualität heranziehen, dann liegt Israel immer unter den Top 15 von 175 Staaten. Ich sehe die großen Schwierigkeiten, die der Staatsgründer David Ben Gurion in Kauf genommen hat. […] Der Preis war sehr hoch, […] Aber die zionistische Ideologie und der zionistische Kampf, die Israel ermöglicht haben, ist keine hauptsächliche Geschichte von Fehlern. Es sei denn, man ist der Ansicht, dass der Zionismus an sich der Fehler ist.“ (HNA, 10. Mai 2018)

In der Unabhängigkeitserklärung Israels heißt es: „Die Katastrophe, die in unserer Zeit über das jüdische Volk hereinbrach und in Europa Millionen von Juden vernichtete, bewies unwiderleglich aufs Neue, dass das Problem der jüdischen Heimatlosigkeit durch die Wiederherstellung des jüdischen Staates im Lande Israel gelöst werden muss, in einem Staat, dessen Pforten jedem Juden offenstehen, und der dem jüdischen Volk den Rang einer gleichberechtigten Nation in der Völkerfamilie sichert.“ Vor dem Hintergrund, dass die Hoffnungen auf Gleichberechtigung und / oder der Assimilation der Juden in der bürgerlichen Gesellschaft nach der französischen Revolution oder im Realsozialismus nach der russischen Revolution schon lange vor der Formierung der deutschen Volksgemeinschaft durch den Nationalsozialismus enttäuscht wurde, ist die Staatsgründung Israels zum einen der erfolgreiche Versuch der Juden, die Werte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit als Grundlage einer bürgerlichen Gesellschaft und Nation für sich zu erobern und zum anderen diese „Heimstatt“ gegen die antisemitische Internationale zu verteidigen.

Der jüdische Staat und seine Garantierklärung haben auch heute eine unabweisbare Aktualität. Zu Tausenden wandern seit mehreren Jahren Juden aus Frankreich aus. Sie werden dort von islamistischen Terroristen und Gewalttätern ermordet und erfahren vornehmlich aus den Communities islamischer Immigranten eine alltägliche Bedrohung. In Deutschland (wie auch in Schweden, Großbritannien und anderswo) spielt sich Ähnliches ab: Islamistische Mordanschläge, Übergriffe gegen Juden auf der Straße und Mobbing jüdischer Kinder durch muslimische Schüler sind an der Tagesordnung. In Deutschland machen sich aber auch viele angesichts des Erstarkens rechtsextremer Parteien, in denen sich vor allem in der Anhängerschaft aber auch unter den Kadern immer wieder antisemitische Demagogen breit machen, berechtigt Sorgen. Begleitet wird dies durch eine beschwichtigende Haltung in Politik und Gesellschaft, die wenn überhaupt, den Antisemitismus vor allem bei den wieder stark gewordenen Rechtsextremen lokalisiert und den Antisemitismus im Islam weitgehend ignoriert.

Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt sind Merkmale, die viele mit dem Antisemitismus assoziieren und diesen als eine mehr oder weniger besondere Erscheinungsform einer Ideologie wie Rassismus oder Nationalismus ansehen. Sich als aufgeklärte Bürger gebend, sind sie der Meinung, diesen Ideologien durch Aufklärung und gesellschaftliches Engagement für Frieden, Gleichberechtigung und Toleranz und der Demonstration des guten Willens beizukommen und gleichzeitig damit den Antisemitismus zu überwinden. Antisemitismus ist jedoch etwas anderes. Der Antisemitismus ist als Weltanschauung ein notwendiger Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse, in denen das Gleichheitsversprechen der bürgerlichen Gesellschaft tagtäglich dementiert wird. Dieser paradox erscheinende Widerspruch vermittelt sich in den Verkehrsformen der warenproduzierenden kapitalistischen Gesellschaft, die aus sich heraus immer wieder Ungleichheiten in Form von Klassen und sozialen Verwerfungen notwendig produziert. Gesellschaftliche Unzufriedenheit angesichts der abstrakt und anonym in Erscheinung tretenden Wirkmächtigkeit des Kapitals richtet sich daher auf die Gestalt des Juden, „und zwar nicht etwa, weil die Juden bewusst mit der Wertdimension identifiziert worden waren, sondern vielmehr deshalb, weil durch den Gegensatz seiner konkreten und abstrakten Dimensionen der Kapitalismus selbst so erscheinen konnte. Deshalb geriet die ‘antikapitalistische’ Revolte zur Revolte gegen die Juden. Die Überwindung des Kapitalismus und seinen negativen Auswirkungen wurde mit der Überwindung der Juden gleichgesetzt.“ (Moishe Postone) Im deutschen Nationalsozialismus und Auschwitz fand dieser Wahn seinen Kulminationspunkt, bei Gruppen wie Attac, Greenpeace, bei linken Parteien und Gewerkschaften und vielen anderen Bewegungslinken setzt sich diese Denkform fort, wenn z.B. von einer übermächtigen und parasitären Finanzsphäre die Rede ist, die sich gegen eine gesunde Volksökonomie richte, wenn böse Vertreter kapitalistischer Konzerne als Verantwortliche für Unrecht und Elend, Bedrohung und Ausbeutung identifiziert werden.

Der klassische, vor allem religiös vermittelte Judenhass der alten europäischen Gesellschaften erfuhr so eine Überformung durch eine fetischistische, barbarische „Kritik“ der bürgerlichen Gesellschaft. Das setzt sich in unterschiedlichen Formen bis heute fort. Antisemitismus ist also weder eine Frage des Widerstreits von Religionen, noch eine Form einer Ideologie, die wie Rassismus etwa soziale Unterschiede und Segregation rechtfertigen soll, sondern er ist wahnhafte Projektion und Ausdruck der repressiv-egalitären Revolte gegen die bürgerliche Nation.

Seit der Gründung des Staates Israel stellt sich diese Weltanschauung auf verschiedenen Erscheinungsebenen dar. Zum einen ist der Antisemitismus treibender Faktor der Kriege gegen Israel und des islamistischen und nationalpalästinensischen Terrorismus gegen Juden, zum anderen findet der Antisemitismus in Form der „Israelkritik“ und des Antizionismus eine gesellschaftlich weitgehend akzeptierte Ausdrucksform. Feiert der klassische Antisemitismus vor allem in der arabischen Welt und in den islamischen Communities bis heute fröhliche Urständ, kommt er nach Auschwitz in der westlichen Hemisphäre vor allem in Form der „Israelkritik“, in vermittelter Form als Wut beim antibürgerlichen Protest der notorisch Empörten und bei „rechtsoffenen“ Kreisen als sekundärer Antisemitismus daher. Alle Formen beweisen immer wieder ihre Anschlussfähigkeit an den islamischen Antisemitismus.

Der Installierung staatlich und zivilgesellschaftlich bestallter Beauftragter für Antisemitismus, den allseits bekundeten Bekenntnissen zu einer „historischen Verantwortung“ und zum „Existenzrecht Israels“, den Kundgebungen für religiöse Toleranz und Zivilcourage steht eine Innenpolitik gegenüber, die sich angesichts der vor allem auch antisemitischen Stoßrichtung des politischen Islam durch eine beschwichtigende und abwiegelnde Haltung auszeichnet. Außenpolitisch prägt die Appeasementpolitik oder gar das direkte Paktieren vor allem deutscher Politiker mit einer Nation wie dem Iran das Bild. Massive finanzielle Unterstützung und diplomatische Aufwertung erfährt die palästinensische Nationalbewegung trotz ihrer teils ganz offen, teils verdeckten Unterstützung diverser Gruppen, die danach trachten, Israel zu vernichten.

Der 14. Mai, der Tag an dem 1948 der Staat Israel gegründet wurde, sollte daher ein Anlass sein, öffentlich und wahrnehmbar zu proklamieren:

  • Kampf gegen Antisemitismus bedeutet keine Kompromisse mit dem Mullah-Regime im Iran und das Ende des Dialogs mit dem politischen Islam!

  • Der Kampf gegen Antisemitismus bedeutet die schonungslose Kritik der zivilbürgerlichen Ideologie von Respekt und Toleranz!

  • Kampf gegen Antisemitismus bedeutet das unermüdliche Streiten gegen das als Menschenrecht deklarierte Recht auf „Israelkritik“!

  • Kampf gegen Antisemitismus bedeutet die Denunziation des Antizionismus als Ausdrucksform antisemitischer Weltanschauung!

  • Kampf gegen Antisemitismus bedeutet, sich bedingungslos hinter Israel zu stellen!

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Erneut eine Kundgebung in Kassel – Kompromisslos gegen Israel

(9. Dezember 2017)

Der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump hat die Tatsache offiziell anerkannt, dass Jerusalem die Hauptstadt Israels ist. Jerusalem ist seit 1950 die Hauptstadt Israels. Erst nach der Eroberung ganz Jerusalems im Sechstagekrieg 1967 konnten Juden wieder in das jüdische Altstadtviertel zurückkehren, aus dem sie 1948 vertrieben wurden. Unter israelischer Hoheit wurde und wird bis heute die islamische Selbstverwaltung des sogenannten Tempelbergs nicht in Frage gestellt und steht entgegen der vielfach suggerierten Behauptung auch nicht zur Disposition. In Israel hat es in der Vergangenheit immer mal wieder auch kompromissbereite Politiker gegeben, die bereit waren, Teile Jerusalems der palästinensischen Selbstverwaltung zu unterstellen. Die kompromisslose Haltung palästinensischer Politiker trug dazu bei, dass diese Variante seit Jahren keine realistische Option mehr ist.

Die irakische Flagge mit Allahu Akbar und die palästinensische auf der Rathaustreppe

Mit dem aktuellen setzt der amerikanischen Präsidenten den Beschlusses des Kongresses aus dem Jahr 1995 um, der damals mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde. Der Schritt des Präsidenten ist weltweit auf Unverständnis gestoßen und verweist damit auf die weltweit verbreitete ideologische Haltung, die sich darin festmacht, dass man Israel gegenüber doppelte Standards an den Tag legt oder versucht diesen Staat zu delegitimieren. Denn es ist völlig unklar, warum für Israel nicht das Recht gelten soll, selbst zu bestimmen, welche Stadt Hauptstadt ist.

Bei den politischen Gruppierungen Palästinas führte dieser Schritt zu eindeutigen Bekundungen des Antisemitismus, des Hasses und der Kompromisslosigkeit. Man wird das Gefühl nicht los, dass diese nur auf einen Anlass gewartet haben, die Wutmaschine anzuwerfen und die Leidenschaft zu entfachen. So wie gestern in Berlin (Welt / Demonstranten verbrennen israelische Fahnen) kam es heute in Kassel zu einer Kundgebung palästinensischer, offensichtlich der Fatah nahestehenden, Gruppierungen. Die Kundgebung wurde klandestin angekündigt. Nirgends war eine Ankündigung zu finden. Man scheut offensichtlich die Öffentlichkeit. Eine ähnliche Kundgebung gab es bereits in diesem Sommer (Khaibar – Khaibar – Allahu Akbar), von der ebenfalls unklar ist, welche politische Organisation dafür verantwortlich war.


Auf der Kundgebung in Kassel wurden dann auch vornehmlich arabische Parolen skandiert. Deutlich zu vernehmen waren trotzdem die Parolen, die sich gegen Israel, aber auch gegen die USA richteten. „Raus Raus Israel – Raus Raus Israel“, „Nieder mit Israel“, die islamische Kampfparole „Allahu Akbar“ wurde mehrfach skandiert, obwohl die Teilnehmer deutlich als säkular ausgerichtet zu erkennen waren und auch die irakische Flagge, die den Schriftzug „Allahu Akbar“ führt, wurde warum auch immer präsentiert. Immer wieder wurde auch die durch und durch von einer Blut-und-Boden-Ideologie geprägte palästinensische Hymne angestimmt (Wikipedia / Fida’i). Auf Plakaten der Protestierenden war zu lesen: „70 Jahre Besatzung“, eine kaum verklausulierte Stellungnahme, dass es ihnen um die Beseitigung Israel insgesamt und nicht nur um die der Enklaven jüdischer Bewohner und der israelischen Militärherrschaft in Teilen der Westbank geht. „Jerusalem (Al Quds) bleibt die Hauptstadt Palästinas“ ist ebenfalls die klare Bekundung eines politischen Ziels, das keinen Raum für Kompromisse lässt. Das zentrale Banner der Kundgebung präsentierte die Aussage: „Biblischer Zeit gab es Israel gar nicht.“ Ein klarer Ausdruck dafür, dem jüdischen Staat auch die historisch begründete Identität abzusprechen. Der mutmaßlich Verantwortliche der Kundgebung ließ sich mit einem Plakat ablichten „Jerusalem und Jaffa gehören uns“.

Und auch wenn die Verantwortlichen der Kundgebung dieses Mal das Anstimmen des antisemitischen Kampfsongs „Khaibar Khaibar“ unterbanden, war es deutlich, gegen wen sich die Kundgebung richtete und für was sie stand. Ein Beitrag eines Redners, der beteuerte, man habe nichts gegen Juden, thematisierte dann doch den Einfluss jüdischer Politiker und insbesondere die der Israels auf den, angeblich dem Ansinnen Palästinas gegenüber feindlichen gesinnten Rest der Welt. Er hat die politische Welt mit denen verwechselt, die in Kassel auch auf der Straße waren: Passanten auf Einkaufsbummel und Besucher des Weihnachtsmarktes. Erfreulich war, dass nicht wenige Passanten ihren Unmut äußerten.

(jd)

Staatsräson und erlaubte Geschäfte

„Trotz unterschiedlicher Bewertung des Nuklearabkommens mit dem Iran haben wir seitens der Bundesregierung sehr deutlich gemacht … , dass es normale, freundschaftliche Beziehungen zum Iran nicht geben kann, solange das Existenzrecht Israels vom Iran nicht anerkannt wird. “ (Angela Merkel, 16.02.2016) Solange es so ist, dass die Raketen des Irans nicht ‚gen Deutschland gerichtet sind, sind unterschiedliche Auffassungen zum Raketen- und Atomprogramm des Irans die Übersetzung für, tunica proprior pallio.

Raketen

Bei aktuellen Raketentests des Iran sind nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars zwei der Raketen mit der Aufschrift versehen worden: „Israel muss ausradiert werden“. Das ist keine leere Drohung. „Wir haben unsere Raketen mit einer Reichweite von 2000 Kilometern gebaut, um unseren Feind, das zionistische Regime, aus einer sicheren Entfernung treffen zu können“, zitierte die Agentur Isna Brigadegeneral Amir Ali Hadschisadeh. Die Atombewaffnung ist durch das „Iranabkommen“ nicht verhindert worden, sondern maximal verzögert worden. Die Mittel, das erklärte Ziel umsetzten zu können, wird der Iran bald haben.

Teheran wird wohl in absehbarer Zeit das Existenzrecht Israels nicht anerkennen. Die neuesten Raketentests sprechen da eine eindeutige Sprache. Ob der Iran darüber hinaus die Androhung, keine freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland haben zu dürfen, als gewichtige Drohung ansieht, ist keine spannende Frage.

Ob die offene Bekundung, Beziehungen zu Deutschland als freundschaftliche zu nennen, dem Iran so wichtig ist, dass auf das erklärte Ziel, Israel zu vernichten, verzichtet wird, ist leicht zu beantworten. Maßstab für den Iran dürften die nach dem sogenannten Atomabkommen intensivierten politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland sein und nicht die warmen Wort Merkels. Der Außenminister weiß Bescheid: „Ein historischer Erfolg der Diplomatie“, wird das Abkommen mit dem Iran tituliert. „In einer Region, die von Krisen und Konflikten wahrlich heimgesucht ist, können ganz viele heute ein wenig aufatmen.“ Insbesondere aufatmen können wohl die Geschäftspartner außerhalb der Region, denn „im Gegenzug würden die gegen das iranische Atomprogramm gerichteten Wirtschafts- und Finanzsanktionen aufgehoben. Geschäfte mit Iran würden damit wieder erlaubt sein“ so Steinmeier.

Ach demnächst ist ja wieder Ostermarsch. Die Ostermarschierer sind bekanntlich Gegner von Krieg und Atomwaffen – Protestieren sie dieses Mal gegen die iranischen Raketen und die erklärten Absichten? Aber das ist nur eine rhetorische Frage, eine Antwort darauf bedarf keiner großen Kunst der Prophezeiung. (jd)

Israel am Pranger – Die Überschrift macht es!

Die Überschrift ist ein wesentlicher und der zunächst wichtigste Teil einer Meldung in einer Zeitung. Der Leser nimmt diese als erste wahr und ordnet die Meldung entsprechend seines Weltbildes ein.

Der größere Teil der Bevölkerung teilt die Ansicht, das Israel eine Gefahr für den Weltfrieden darstellt und transportiert damit ein, in ein modernes Gewandt gewandeltes altes antisemitische Stereotyp, nämlich das vom Juden als den ewigen Unruhestifter und Weltverschwörer.

HNA 01.02.16

In der HNA von heute (01.02.2016) diese Meldung: „Palästinenser nach Angriff getötet“. In dieser Konstellation taucht sie nicht das erste Mal* auf. Ein Angriff, von wem und auf wen, keine Aussage, nur, dass ein Palästinenser getötet wurde. Ein Angriff mit tödlichen Ausgang also, da muß – dem Bild des überwiegenden Teils der Bevölkerung vom Israeli als Störenfried nach – Israel also dran Schuld sein, oder gar, wie die Überschrift suggeriert ein Israeli der Täter gewesen sein.

Erst im Kleingedruckten kann man lesen was passiert ist. Was die dürre Meldung nicht darlegt ist, dass es sich bei den Angriffen um eine seit Wochen anhaltende grasswurzelartig strukturierte aber breit beworbene Terroraktion palästinensischer Kreise gegen jüdische Israelis handelt.

  • Eine Zusammenstellung derartiger Meldung aus der hiesigen Lokalpresse, die von mehreren 100.000 Menschen wahrgenommen wird, wird in Kürze folgen.

Eine „Nah-Ost-Expertin“ beim Kasseler Tagessatz

Wie in vielen Großstädten, so gibt es auch in Kassel eine „Obdachlosenzeitung“. Hier nennt sie sich „Tagessatz, Selbsthilfe für Menschen in sozialer Not“. Ziel dieser Zeitung ist es „Mensch in besonderen Lebensverhältnissen mit sozialen Schwierigkeiten ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen und sie bei der Überwindung ihrer Schwierigkeiten zu unterstützen, soweit sie dazu nicht selbst in der Lage sind.“ Als Zeitung arbeitet dieses Projekt dafür, soziale Missstände aufzuzeigen und als Sprachrohr für alle sozial Benachteiligten bzw. Ausgegrenzten zu dienen.

TagessatzIn der jüngsten Ausgabe finden wir einen Bericht einer Christine Mussel. Die Überschrift klingt höchst investigativ: „Besuch in Ramallah und Hebron. Vor Ort in der Westbank.“ Ob es in Ramallah und Hebron soziale Missstände mit Relevanz für Kasseler Verhältnisse gibt? Nein Ramallah ist „voller Geschichten“ heißt es, dort isst die Autorin Falafel und es gibt die Geschichte eines Palästinensers, der einen Stammbaum aufweisen kann, den er „bis zu Sultan Saladin 800 Jahre zurückverfolgen“ kann. Wir haben es also mit einem verwurzelten Volk zu tun, das in der Westbank lebt. In Hebron schließlich wandelt die Autorin auf Straßen, die „mit ihren Märkten zwischen den Gebäuden noch immer lebendig“ wirken, und trifft auf Lebensmut und offene Neugier. Warum dann also ein Bericht in einer Kasseler Obdachlosenzeitung?

Auf der Fahrt nach Hebron dann die sozialen Missstände. „Blechhüttensiedlungen von Beduinen“, Checkpoints und Flüchtlingslager und der größte Missstand, jüdische Siedlungen. Schließlich Elektrozäune – ohne Warnschild. Nicht ganz ein sozialer Misstand, aber „was, wenn wir in einem Verkehrsunfall an den Zaun gedrückt würden? Was, wenn ein Kind beim Spielen den Zaun berührte?“ Den Juden ist alles zuzutrauen …

In Hebron die nächsten sozialen (?) Missstände. Ja, hier leben „einige Hundert jüdische Siedler. Grund: die Abraham-Moschee.“ Die Strassen sind mit Gitterdraht überspannt, um Waren und Passanten „vor abkippenden Müll radikaler Siedler zu schützen.“ Die Hauptstraße in Hebron ist völlig verwüstet, hier habe sich früher das Leben abgespielt, Geschäfte mussten schließen und Bewohner die Stadt verlassen.“ Warum? Achja, „zur Erinnerung: Israel hält die Westbank seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt. Die international als illegal verurteilte Siedlungspolitik in der Westbank ist eines der größten Hindernisse für einen Frieden im Nahostkonflikt“ und die Siedler kippen ihren Müll auf das seit Saladin hier verwurzelte Volk.

Dass Hebron bis 1929 ein Ort war, in dem Juden seit mehr als 800 Jahre wohnten und dann von marodierenden und mordenden Arabern vertrieben wurden, dass nicht die Abraham-Moschee der Grund für Juden ist, Hebron aufzusuchen, sondern dass der Ort Machpela heisst, der den Juden (aber auch Muslimen und Christen) heilig ist und den zu besuchen Juden (und Christen) von Muslimen Jahrhunderte lang verboten wurde, dass die Westbank bis 1967 von Jordanien besetzt war und unter dieser „judenrein“ war – was keinen je scherte -, dass die Absperrungen und Checkpoints, die die Besucherin auf ihrer Reise von Ramallah nach Hebron so mühsam umfahren muss, einen plausiblen Grund haben, aber das sind ja auch alles keine sozialen Missstände.

Der Tagessatz soll wohl nicht nur dabei helfen, den „VerkäuferInnen wieder eine Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft“ zu ermöglichen, sondern einer Frau Mussel dazu verhelfen, Nah-Ost-Expertin zu werden. (jd)

Netanyahus Sätze und die Volten deutscher Israelsolidarität

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ einst verlauten, die Sicherheit Israels gehöre zur Staatsräson Deutschlands. In Schönwetterzeiten kostet diese deklamierte Solidarität zum jüdischen Staat nicht viel, sondern bringt für die deutsche Industrie sogar etwas ein, wenn deutsche U-Boote auch nach Israel geliefert werden oder auch sonst gute Handelsbeziehungen zu Israel existieren. Die sogenannte Zivilgesellschaft begnügt sich damit, von Israel als einem prima Reiseland zu schwärmen, Schüleraustausche zu organisieren, auf Empfängen leckeren israelischer Wein zu goutieren, zerknirschte Miene beim Besuch von Yad Vashem zu machen und das Mantra aus der Geschichte gelernt und Verantwortung übernommen zu haben gerade gegenüber israelischen Gesandten und Gästen zu äußern, usw. Das alles pinselt den Bauch des deutschen Kollektivbedürfnisses endlich zu den Guten zu gehören – wenn dann noch Lob aus Israel kommt hervorragend!

Diese Wohlfühlverhältnis, das in erster Linie dem Gefühlshaushalt der vielen „Freunde Israels“ dient, bekommt immer dann Risse, wenn die israelischen Sicherheitskräfte gegen randalierende oder gar mordende Palästinenser vorgeht, wenn Wohnungen für Juden in den umstrittenen Gebieten jenseits der sogenannten grünen Linie gebaut werden, wenn sich Israelis angesichts des palästinensischen Straßenterrors bewaffnen, wenn angesichts Raketenangriffe der Hamas oder der Hisbollah Bomber oder Haubitzen der IDF ebendiese häufig inmitten von Wohngebieten befindlichen Raketenabschussbasen beschießen. Wenn dann noch Raketen nach Israel fliegen, Selbstmordattentäter und Messerstecher die Städte unsicher machen, Israels Politiker sich als renitent gegenüber dem ehrlichen Makler Deutschland und anderen Vermittlern im Nah-Ost-Konflikt erweisen und Juden sich selbst bewaffnen, dann dürfte auch die Bereitschaft Israel zu besuchen, das Verständnis über Israels Methoden, die Sicherheit seiner Bürger und des Landes zu verteidigen, israelische Produkte zu kaufen etc. zurückgehen, dann ist die Zeit der Kritiker unter Freunden angesagt.

der hässliche Jude

Wer will etwa mit dem hässlichen Juden befreundet sein? Die Illustration eines Artikels der HNA vom 18.10.15 über israelische Reaktionen angesichts des palästinensischen Terrors.

Noch kritischer wird es mit der viel beschworenen Freundschaft, wenn die israelische Regierung durchblicken lässt, dass angesichts des Unwillens (oder auch Unvermögens) der palästinensischen Autonomiebehörde, die Voraussetzung eines der vielen Friedenspläne umzusetzen, nämlich gegen Israel keine Gewalt mehr zu propagieren oder auszuüben, die Zweistaatenlösung keine realistische Perspektive mehr ist.

Nun hat der israelische Ministerpräsident Netanyahu in einer Rede verlauten lassen: He [el-Husseini, der Mufti von Jerusalem] flew to Berlin. Hitler didn’t want to exterminate the Jews at the time, he wanted to expel the Jews. And Haj Amin al-Husseini went to Hitler and said, “If you expel them, they’ll all come here.” “So what should I do with them?” he asked. He said, “Burn them.” An diesen Sätzen stimmt nichts. Der Mufti besuchte Berlin 1941, da war die Vernichtung der europäischen Juden nach allem was man weiß, bereits beschlossene Sache des deutschen Nazifaschismus. Die sehr wohl existierende und geäußerte Befürchtung des Muftis und seiner Satrapen, Juden könnten angesichts der deutschen Vernichtungswut nach Palästina fliehen, was dringlichst zu unterbinden sei, tat zur Umsetzung der deutschen Politik nichts zur Sache. Dass bereits Pläne der in die Richtung Palästina marschierenden Truppen unter Rommel und dem SS-Mann Rauff existierten, die Juden in Nordafrika und Palästina mit Hilfe der palästinensischen Araber umzubringen und dass der Mufti gegen existierende Überlegungen und Planungen in den Jahren 1942 und 1943 eine geringe Anzahl an Juden dem Holocaust entkommen zu lassen, intervenierte, dazu sagte Netanyahu nichts.

Das hätte von Netanyahu alles benannt werden können, wurde es aber nicht. Landauf, landab, bis in die sich mit Israel verbunden fühlenden Kreise, führten die Sätze Netanyahus zu einem Aufschrei und zur einhelligen Verurteilung. Netanyahu wälze die Verantwortung für den Holocaust auf die Palästinenser ab, hätte behauptet, der Mufti hätte Hitler zum Judenmord angestiftet, Netanyahu wurde die Instrumentalisierung, wenn nicht sogar die Relativierung des Holocaust vorgeworfen, die geäußerte Schlussfolgerung, er sei ein Holocaustleugner setzte dieser Argumentationslogik noch einen oben drauf. Wie immer, wenn es darum geht, Israel ans Bein zu pissen, konnten sich einige auf Gewährsmänner und -frauen in Israel stützen, diesmal sogar auf renommierte Historiker, wichtige Politiker, der Sprecherin von Yad Vashem u.a..

In dem Aufschrei gingen sowohl die spätere Richtigstellung Netanyahus als auch drei wesentliche Punkte seiner Rede unter, zum einen der Zusammenhang, indem diese Sätze geäußert wurden, nämlich, dass Netanyahu darauf hinwies, dass entgegen der palästinensischen Propaganda und der europäischen Wahrnehmung Israel keineswegs die Absicht habe, am Status des Tempelberges irgendetwas zu verändern, zum anderen die kaum zu bestreitenden Tatsache, dass die Juden in Israel aktuell einer mörderischen Kampagne ausgesetzt sind, die in einer langen Tradition des Judenhasses steht. Dass dieser Judenhass nicht zuletzt vom, vom antisemitischen Wahn verfolgten, nach wie vor in Palästina als Gewährsmann palästinensischer Unabhängigkeit angepriesenen, Mufti von Jerusalem formuliert und innerhalb der palästinensischen Community politisch durchgesetzt wurde.

Natürlich könnte man – wenn man außenpolitischer Berater Israels wäre, oder einer ist, der Bescheid weiß – diese Wahrnehmung auch Netanyahus fatalen Sätzen anlasten, der nun gerade kein Anfänger in der Politik ist und eigentlich um die Wirkung seiner Sätze Bescheid wissen müsste. Doch dies passiert in Israel, dem Land, das sich durch eine funktionierende Öffentlichkeit und Debatte auszeichnet. Trotzdem gerieren sich gerade auch mit Israel verbundene Gruppierungen, Kreise und Personen als wohlgesinnte Ratgeber israelischer Politik und „solidarische Kritiker“. Der hinlänglich bekannten Leier, man möge doch endlich den „Siedlungsbau“ einschränken, die Zweistaatenlösung umsetzten, den Rassismus im eigenen Land bekämpfen, auf Terror der Palästinenser rechtsstaatlich und „angemessen“ reagieren usw. usf., konnte nun der Tadel der auch in Geschichte und um die deutsche Verantwortung für den Holocaust Bescheidwissenden folgen.

Herr Natürlich

Nicht nur Herr Natürlich weiss Bescheid.

Merkwürdig, dass die Vielen nicht als offiziell bestallte Ratgeber der vielen Parteien in der Knesset oder gar als israelische Botschafter des guten Willens fungieren. Die Aufgabe einer Israelsolidarität ist es jedoch nicht, Israel im Guten beraten zu wollen, Häppchen auf Empfängen zu goutieren, Schüleraustausche zu organisieren, das Lied der Deutsch-Israelischen Freundschaft zu singen oder Deutschland angesichts der selbst bekundeten Verantwortung vor der Geschichte einen Orden für Versöhnung auszustellen und den eigenen Gefühlshaushalt in Ordnung zu bringen, nein die einzige Aufgabe ist es, den deutschen Diskurs über Israel rücksichtslos zu kritisieren, Israel gegen gut gemeinte Ratschläge, Kritik unter Freunden, Israelkritik und Antizionismus zu verteidigen, und das gerade auch dann, wenn der israelische Ministerpräsident von der deutschen Volksgemeinschaft mal wieder als frecher Jude erkannt wird. (jd)

Eine gute Auseinandersetzung findet sich auf Nichtidentisches: Hitler kennen, Netanyahu hassen – der reduzierte Antisemitismus.

Support Israel!

we stand with israel Es kostet nicht viel, sich in Deutschland für Israel zu positionieren. Trotzdem sind es nicht viele, die das tun, warum? Man „riskiert“ als Imperialist, Kriegshetzer, Antideutscher, Judenknecht oder als Spinner bezeichnet zu werden, wenn man nicht gleich verdächtigt wird, Jude zu sein. Man macht sich eben nicht viele Freunde – wenn schon! Wir stehen bedingungslos an der Seite Israels!

Die, die Ihren Kopf für das Land hinhalten das sind jedoch andere:

idf In der Berichterstattung der Medien kommt der Standpunkt der israelischen Regierung wenig, und häufig dann nur verzerrt, zur Geltung. Die Berichterstattung über Antisemitismus unter den Arabern resp. den Palästinensern und über den Terror gegen Israel spielt eine untergeordnete Rolle. Vermeintliche Ursachen, wie Siedlungsbau, Diskriminierung der Araber und Besatzungspolitik stehen wie immer im Focus der Kommentierung und Berichterstattung.

Eine der wenigen Ausnahmen ist die Zeitung „Die Welt“: Terrorwelle erreicht die Innenstadt Tel Avivs

Lassen wir die Vertreter des Landes zu Wort kommen, das mit dem Rücken zur Wand steht:

Israels Position zur aktuellen Situation