Antisemiten und Stolpersteine

Leserbriefe verdienen eigentlich keine Beachtung. Nun hat sich aber der Stolpersteinaktivist Ulrich Restat per Leserbrief in der HNA zu Wort gemeldet und beklagt sich darüber, als Antisemit beschimpft worden zu sein. Er liefert – nach seiner Rede am 15.08.2014 in Kassel – erneut einen Beweis, dass der Vorwurf zu Recht erbracht wird.

Seine Forderung: Stolpersteine auch für die Opfer im Gaza-Krieg. Abgesehen davon, dass viele der Toten im Gaza schlicht und einfach Hamas-Kämpfer sind, also Mitglieder einer islamistischen Terrororganisation, sind andere, auch unbeteiligte Zivilisten, Opfer einer kriegerischen Auseinandersetzung. Es stellt sich also die Frage, ob Restat die ermordeten Juden auch als Opfer eines von den Nazis annoncierten, Deutschland aufgezwungenen, Krieges gegen das Weltjudentum ansieht und einen anderen Teil der ermordeten Juden als Angehörige einer Terrororganisation? Oder ob er die Hamas-Kämpfer als Mitglieder einer antifaschistischen Widerstandsbewegung und die ums Leben gekommenen, z.T. unschuldigen, Zivilisten als Opfer einer geplanten Ausrottungspolitik, sprich ob er Israel als eine Reinkarnation des Nationalsozialismus sieht?

Wie auch die Antwort ausfallen möge, Restat ist, wie andere Aktivisten des Vereins Stolpersteine in Kassel auch, ein Paradebeispiel der Kongruenz vom Antizionismus mit dem Antisemitismus.

Am 4. September findet die nächste Stolpersteinaktion statt. Wann der Verein in den Gaza reist, um dort die nächsten Stolpersteine zu legen, ist noch nicht bekannt. Aber vielleicht beginnt er ja erst mal mit der Stolpersteinverlegung für die „Opfer“ des Krieges des „Weltjudentums gegen Deutschland“ in Kassel, da könnten in Kassel weitere mehrere Tausend Steine verlegt werden und Gunter Demig noch einen guten Schnitt machen. (jd)

Nochmals der Verweis auf unseren grundlegenderen Text: Spur der Steine

Restat im Original

restat

Gefährlich wie offener Hass – zur dritten Kundgebung gegen Israel

Am heutigen Freitag findet in Kassel nun schon die dritte antiisraelische Demonstration in diesem Sommer statt. Konnte man den Organisatoren der beiden ersten Demos mit viel gutem Willen noch zu Gute halten, dass sie wirklich aus ihrer Sicht nur die Interessen der Palästinenser vertreten wollten* und auf der Straße dann von den Antisemiten und gewaltbereiten Antizionisten überstimmt wurden, so ist die Bewegung nun endgültig auf den Hund des linken Antisemitismus gekommen.

Dieser Antisemitismus ist ein sekundärer. Er äußert sich nicht mehr durch Rufe wie „Jude, Jude feiges Schwein“. Die Protagonisten sagen eher, dass „die Palästinenser mit ihrem Terrorismus gegen die Israelis ein moralisches Recht ausgeübt haben“. Oder „No Jew or Jewess can be rationally concerned about anti-semitism and not howl against the vileness of neo-Zionism in Gaza“. Die Zitate stammen von Ted Honderich, dessen Verleger Abraham Melzer auf der heutigen Kundgebung sprechen wird.

Verkauft wird der Öffentlichkeit dies heute als Kundgebung „Gegen Zionismus und Antisemitismus“ und das bringt die Ideologie dieses ganzen Milieus auf den Punkt. Härteste Ressentiments gegen Israel werden da noch mit größtem moralischen Pathos als ausgewogene Position angepriesen, wie es Kai Boeddinghaus laufend auf der Facebookseite des BgA macht. Man erzählt sich – wie jüngst Brigitte Domes von der Deutsch-Palästinensischen-Gesellschaft bei Radio HNA – mit bebender Stimme von den „wilden“, „testosterongeschwängerten“ Männern auf der Gaza-Demo und lässt andere die antisemitische Drecksarbeit machen.

Hinter der vermeintlich moderateren Stoßrichtung der Demonstration heute steckt vor allem diese eine Botschaft: Von Antisemitismus distanzieren wir uns nur, wenn gleichzeitig Israel verurteilt wird. (tk)

 

* Gegen diese Lesart spricht freilich, dass – wie dokumentiert – auf Facebook bereits vor der Demo Nazivergleiche von den Veranstaltern nicht gelöscht wurden.

Redebeitrag: Ulrich Restat

Redebeitrag: Abraham Melzer