In eigener Sache:

Die Verfolgung der Juden und die Kritik des Bündnis gegen Antisemitismus Kassel

Dem Bündnis gegen Antisemitismus (BgA) Kassel wird aktuell in einem offenen Brief (1) vorgeworfen, den Stolpersteine in Kassel e.V. zu verfolgen, wie es die Antisemiten mit den Juden getan hätten. Gegen Anwürfe von Briefschreibern lohnt es sich in der Regel nicht zu reagieren. Doch dieser offene Brief wurde von jemand verfasst, der sowohl regionaler Repräsentant des Vereins „Gegen Vergessen und für Demokratie“, als auch der „Geschichtswerkstatt Rückblende“ ist. Beide Organisationen verstehen sich als seriös und staatsnah, beide sind aktiv in der Region. Aber der Reihe nach.

Das BgA

Ein Vertreter des BgA-Kassel bei der Jagd auf Mitglieder des Stolpersteine in Kassel e.V.

Das Vorspiel

Das BgA-Kassel hatte mehrmals den Stolpersteine in Kassel e.V. kritisiert. (2) Anlass war, dass ein Mitglied dieses Vereins im August 2014 eine antiisraelische Hassrede hielt, die man mit Fug und Recht als antisemitisch bezeichnen kann. (3) Bei dieser Rede war auch der Vorsitzende des Vereins, Jochen Boczkowski zugegen. Doch anstatt gegen den Antisemitismus nicht nur dieses Redners zu protestieren, hielt dieser ein Schild hoch, auf dem zu lesen war: „Endlose Kriege – Israel schafft sich ab“. Im Herbst 2015 fand dann eine Podiumsdiskussion im Sara-Nussbaum-Zentrum statt, auf der auch Jonas Dörge (BgA-Kassel) sprach. Jonas Dörge wiederholte den Vorwurf gegen den Verein, bettete diesen aber in eine grundsätzliche Kritik der Gedenkkultur in Deutschland ein und erinnerte darüber hinaus an die fragwürdige Ideologie, die der Hauptprotagonist der mittlerweile europaweit agierenden Stolpersteininitiative, Gunter Demnig, vertritt.

Mindestens ein Mitglied des Vereins, das zugleich die Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen (Schwalm-Eder-Kreis, Nordhessen) leitet und der örtliche Vertreter des Vereins „Gegen Vergessen …“ waren im Publikum zugegen und verwahrten sich gegen die am „Stolpersteine …e.V.“ gerichtete Kritik. Man könne nicht das Fehlverhalten eines Mitglieds auf den ganzen Verein übertragen. Warum der Verein, der für das Gedenken an tote Juden eintritt, nicht gegen die Diffamierung des jüdischen Staates – Israel – auftritt, diese nahe liegende Frage stellten die beiden sich nicht. Dass man einen Verein in die Pflicht nehmen kann, wenn dessen Vorsitzender sich zu auch für diesen Verein relevanten Themen äußert oder eben nicht äußert, dieses Argument überhörten beide.

Im Nachgang der Diskussion verfasste Jonas Dörge dann eine scharfe Polemik gegen den Gedenkbetrieb in Kassel (Kritik und Affirmation). Diese in Teilen harsche Kritik zum Anlass nehmend, wirft der Verfasser des offenen Briefs Jonas Dörge und dem BgA-Kassel nicht nur die polemischen Spitzen, sondern erneut vor, den Verein „Stolpersteine …“ für das Verhalten eines einzigen Mitglieds haftbar zu machen. Gegen einen Verein, der sich der Erinnerung an die umgebrachten Kasseler Juden verschreibt, zu den antisemitischen Aufmärschen und zur antisemitischen Rede eines Mitglieds (öffentlich) eisern schweigt, ist das einzige Mittel der Vernunft die Polemik. Auch die Kritik an der Gedenkkultur angesichts ihrer Selbstbezüglichkeit und des Hangs, die Shoah im Gedenken kommensurabel zu machen und sich ihrer zur Förderung des Ansehens der Stadt zu bedienen, ist berechtigt. Dies als „Dummheit, Niederträchtigkeit und menschenverachtende Gesinnung“ zu bezeichnen ist oberflächlich, selbstgerecht und unverfroren.

So weit so gut. Wir haben uns x-mal zum Thema Stolpersteine in Kassel geäußert, auch die Kritik an der deutschen Gedenkkultur ist immer wieder unser Thema, wir hätten uns also angesichts der Anwürfe des offenen Briefes auch in Schweigen hüllen können.

Die Parallele – und das Gerücht über die Juden

Was uns bewogen hat, auf den offenen Brief zu reagieren, ist die folgende Passage:

„Eine jahrhundertelang geübte Form von Antisemitismus ist auch das Anprangern des Fehlverhaltens eines Einzelnen zum Zwecke der Diffamierung und Ausgrenzung einer ganzen Gruppe. Ein Beispiel: … ein Einzelner aus dem Kreis der jüdischen Viehhändler hat seine Kunden in unanständiger Weise übervorteilt. Gewissenlose Agitatoren nahmen dies … zum Anlass, um alle Juden … an den Pranger zu stellen. … Wenn ein Mitglied des Kasseler Vereins „Stolpersteine“ völlig unakzeptable Aussagen macht, benutzen Sie [Herr Dörge / Das BgA-Kassel] diese unentschuldbare Entgleisung eines Einzelnen zur pauschalen Diffamierung des ganzen Vereins.“

Der Verfasser setzt hier also die Kritik des BgA-Kassel am „Stolpersteine …e.V.“ mit der Agitation von Antisemiten gleich, gleichzeitig verharmlost er die antisemitischen Reden als „unentschuldbare Entgleisungen“ und „unakzeptable Aussagen“. Doch es wird noch schlimmer. Der Verfasser vertritt die These, dass eine Ursache des Antisemitismus das Fehlverhalten von einzelnen Juden sei. Beim betrügerischen Viehhändler fallen dem Verfasser dann schlafwandlerisch jüdische Kreise ein. Hier spricht aus dem Verfasser auch noch das von Adorno als grundlegendes Diktum des Antisemitismus erkannte „Am Gerücht über die Juden muss doch etwas dran sein!“ Mit diesen Zeilen führt der Verfasser den antisemitischen Wahn auf einen rationalen Kern zurück, auf das Verhalten bestimmter Juden eben.

Der Brief wurde nicht nur an das BgA-Kassel gesandt, sondern an den Kreis der Kooperationspartner des Vereins „Gegen Vergessen …“, also an alles was im Kasseler Gedenkbetrieb Rang und Namen hat. Anstatt nun diese blamablen Aussagen des Verfassers aufzugreifen und entsprechend zu intervenieren, gab es nur eine dürre Reaktion der DIG Kassel. In einer Email der DIG an das BgA-Kassel hieß es: „Es entsteht der Eindruck, dass wir mit dem „BgA“ eine Zusammenarbeit pflegen. Das ist so aber nicht richtig und auch nicht von unserer Seite gewollt.“

(1) Der Brief kann bei uns angefordert werden.

(2) Die Beiträge sind unter den Tags „Stolpersteine“ des bga-kassel und „Stolpersteine“ auf Schwerer Sand zu finden.

(3) Die Reden des Ulrich Restat und Abraham Melzer wurden in „Tränen lügen nicht“ auf den antisemitischen Inhalt hin analysiert. Das Sara-Nussbaum-Zentrum hatte ein Gutachten der Amadeu-Antonio-Stiftung in Auftrag gegeben, das zu einem ähnlichen Ergebnis führte.

(bga-kassel)

Apologie des Terrors an einem Kasseler Gymnasium?

Das Friedrichsgymnasium in Kassel, das seinen Schülerinnen und Schülern „ein Lernen für die Gegenwart und die Zukunft“ ermöglichen will und sich dadurch hervortut, sich mit ihnen an dem in Kassel notorischen Stolpersteinprojekt zu beteiligen, lädt am 8. Dezember 2015 Prof. Dr. Werner Ruf zu einer Podiumsdiskussion mit Dr. Rabani Alekuzei ein. Thema sind die Terroranschläge in Paris.

Alekuzei ist SPD-Mitglied, Stadtverordneter in Kassel und regelmäßiger Unterzeichner des Ostermarsches. Werner Ruf war Professor für internationale Politik an der Uni Kassel, sieht sich selbst als Berater der Bundesregierung und gilt als Nah-Ost-Experte. Er dürfte neben dem mittlerweile verstorbenen Peter Strutynski einer der maßgeblichen Masterminds der Kasseler Friedensbewegung sein. Ist es bedenklich dass Anhänger der Friedensbewegung an einer Schule den Schülern Frage und Antwort stehen? Ein kurzer Blick auf das Verständnis des Professors aus Edermünde zum Islam dürfte klarstellen, mit wem wir es hier zu tun haben.

In einem Aufsatz zum „Der politische Islam – Eine Widerstandsbewegung“ stellt Ruf sein Verständnis vom Islamismus bzw. vom politischen Islam dar. Er stellt drei Punkte heraus. Der politische Islam sei weniger eine religiöse Bewegung denn eine politische, der Islamismus tue sich vor allem durch karitative Tätigkeit hervor und drittens sein Hauptargument, der Islamismus sei eine Antwort auf die vom Westen, bzw. vom Imperialismus zu verantwortenden Gewalt- und Ausbeutungsverhältnisse, Unterdrückung und Kriege. Nicht fehlen darf der Hinweis darauf, dass der Westen und Israel schließlich diese Bewegung initiiert hätten.

Islamisten sind eine Protestbewegung, …

Die semifaschistischen Muslimbrüder werden als „fortschrittlich“ eingestellte Vertreter eines modernen Nationalismus dargestellt, die blutrünstigen algerischen Islamisten als „Protestbewegung“. Den Terror der verschiedenen Ableger der Muslimbrüder setzt er in Anführungsstrichen um dann zu behaupten, offene Gewalt sei nicht das „primäre Charakteristikum“ des politischen Islam, im Gegenteil, die politische Gewalt ginge „mehrheitlich von Akteuren aus, die sich nicht auf den Islam bezogen.“ Die Al Qaida-Führer Bin Laden und az-Zawahiri werden schließlich als Gewährsmänner dafür herangezogen, zu beweisen, dass die Al Qaida nichts mit Religion zu tun habe. Die politische Agenda dieser Bewegung(en) sei ein politischer Diskurs, „der in kompromissloser Radikalität die alten Forderungen des – säkularen! – arabischen Nationalismus aufnimmt.“ Und der sei angesichts der Politik des Westens mehr als berechtigt.

Und dann folgt eine geradezu unglaubliche Rechtfertigung. Diese Bewegungen übten „Widerstand gegen den imperialistischen Westen“ aus und fänden darin die Unterstützung eines Großteils der Bevölkerung, da diese „ihr alltägliches soziales Elend in Systemen erleben, die gekennzeichnet sind durch Korruption und brutale Unterdrückung im Inneren und durch die fremde Gewalt in Palästina, Irak und Afghanistan.“ Deswegen, das sagt er zwar nicht aber suggeriert es oder meint es vielleicht sogar, haben die Pariser Bürger, die in Tel Aviv, Jerusalem, in Madrid, London und New York usw. zurecht mit ihrem Leben bezahlt, leben diese doch in den kapitalistischen Metropolen des Imperialismus und profitieren von den durch diesen durchgesetzten Verhältnissen. Und die zahllosen Opfer des Terrors im Irak, in Syrien, in Nigeria, im Tschad usw., die zählen offensichtlich sowieso nicht im Weltbild dieses Professors.

… nein, sie sind Friedenskämpfer und Sozialarbeiter

Dem Anschlag am 11. September in New York gewinnt Ruf sogar noch eine „antiimperialistische Symbolik“ ab, was dazu führe, dass „die wachsende Gewalttätigkeit des sich auf den Islam berufenden Widerstands .. in weiten Kreisen der arabisch islamischen Welt Stolz und Selbstbewusstsein“ fördere – und, dass darf natürlich nicht fehlen, „ganz so wie die Selbstmordanschläge von Palästinensern in Israel die Botschaft vermitteln: Der Feind ist übermächtig, aber wir können ihn treffen, verletzen, verwunden; wir können Rache üben! Die Hauptziele dieses Widerstands aber sind politische … nämlich auch Israel zu einem diesen Namen verdienenden Friedensschluss mit den Palästinensern zu zwingen …“

Wir haben es also nicht mit blutrünstigen Terroristen, mit würdigen Nachfolgern des nationalsozialistischen Terrors zu tun, sondern mit Friedenskämpfern und so der Subtext des Professors mit dem ewigen Störenfried, dem Juden.

Der Hinweis des Friedenkämpfer Ruf, dass diese Bewegung eben nicht nur eine Friedensbewegung, sondern auch eine karitative sei, darf schließlich nicht fehlen.

Ausführlich legt Ruf das karitative Moment des Islam dar, um dem Argument, diese Tätigkeit sei nur ein taktisches Moment, mit dem Hinweis dieses sei islamische Tradition und Teil der Religion zu entgegen. Dass Suppenküchen, Kleiderkammern und soziale Unterstützung konstitutives Element der meisten faschistischen Bewegungen ist, um die Volksgemeinschaft, resp. die Umma zu formieren, das wird natürlich unterschlagen. Die Terrortruppe Hisbollah wird von ihm dann sogar noch als die größte Hilfsorganisation im Libanon gelobt, die sich sogar den Alkoholikern widme, sofern die Alkohol trinkenden Barbesucher nicht vorher schon von den islamistischen Tugendwächtern liquidiert worden sind.

Nicht nur eine Meinungsäußerung

Vor knapp 40 Jahren musste der Wissenschaftler Peter Brückner dafür büssen, sich nicht von dem Mescalero-Aufruf distanziert zu haben, dem man nachsagte, den Terror der RAF und den Mordanschlag gegen Buback begrüßt zu haben, was er so nicht tat. Dass heute ein Professor Emeritus eine so deutliche Freisprechung und gar Rechtfertigung des islamistischen Terrors vornimmt, ohne dass auch nur irgendjemand daran Anstoß nimmt, ist sehr befremdlich.

Man könnte nun anführen, die Schülerinnen und Schüler des Friedrichsgymnasiums in Kassel hätten ja die Möglichkeit, den Verharmloser des Terrors auf den Zahn zu fühlen und seine Thesen mithilfe ihrer Lehrer kritisch zu hinterfragen und ihn dann mit Schimpf und Schande vom Podium zu jagen. Doch Werner Ruf ist Professor, der mit der Aura des Experten auftritt, mit Bescheidwissen und Fakten, Weglassungen und Verdrehungen die Rolle eines perfiden Demagogen einnimmt, dem die Schülerinnen und Schüler nicht gewachsen sein dürften, weil ihnen schlicht das Hintergrundwissen fehlen dürfte um dem Professor damit parieren zu können und, man muß es befürchten, von Lehrern unterrichtet werden, die Ruf klammheimlich oder offen Beifall zollen.

Es geht uns nicht darum, zu fordern, dem Professor aus Edermünde Meinungsäußerungen zu verbieten, sich als Nah-Ost-Experte oder Politikberater zu gerieren usw., dass kann er ungestört in diversen einschlägigen Zeitungen und Zeitschriften und im Café Jihad ja tun. Diese Zeitschriften werden von unbelehrbaren Zeitgenossen und Friedensfreunden gelesen und das Café von ebensolchen Frühstücksverleumdern besucht. Hier ist jede Hoffnung auf Aufklärung und Vernunft vergebens.

Dass Ruf als hoch dotierter Wissenschaftler einer Universität jahrelang hauptamtlicher Ideologe der Friedensbewegung sein konnte ist schlimm genug, dass er – nun zwar mutmaßlich ehrenamtlich – an einer Schule ein Podium für seine Ideologie geboten bekommt, eine Schule, die einen öffentlichen Bildungsauftrag hat, ist jedoch ein Skandal. (jd)

Offener Brief an das Friedrichsgymnasium

Vertriebene Überall – Im Nahen Osten wie in deutschen Landen

Deutsche Opferideologie und der Konformismus der Stolpersteinverleger

Die Stolpersteine verweisen, so die HNA auf ihrem Liveticker am 20.06.2015, beispielhaft auf das Schicksal von Flucht und Vertreibung in der Folge des zweiten Weltkriegs. Haben die Lokalreporter dieser Zeitung etwas nicht verstanden? Die Kompatibilität der Ideologie der Linksdeutschen mit der offiziösen deutschen Politik des Revisionismus erweist sich im politischen Werdegang des Stolpersteinmeisters Gunter Demnig und seiner regionalen Claqueure.

Gedenken am 20. Juni

Die Logik linksdeutscher Erinnerungskultur

Demnig, Sohn eines Nazioffiziers, ging den Weg der meisten Nachkommen deutscher Täter. Ausgehend von einer Haltung des Aufbegehrens in der Adoleszenz, die die Protagonisten der Kriegs- und Nachkriegsgeborenen zunächst anscheinend in Opposition zu ihren Eltern brachte, fand die Versöhnung mit der elterlichen Tätergeneration dadurch statt, dass im Krieg der USA gegen Vietnam das viel größere Verbrechen erkannt und der Ami als wiedergeborener Nazi zum Objekt einer in jugendlicher Ungestümtheit und moralischer Unbedingtheit vorgetragenen Anklage wurde. Demnigs erstes Kunstwerk war nicht etwa ein symbolischer Vatermord, also eine Aktion, die sich kritisch mit seinem Nazivater und den Angehörigen der deutschen Mördergeneration auseinandersetzte, sondern eine Anklage der USA.

Demnig ließ seinen ersten antiamerikanischen Gehversuchen künstlerischer Betätigung Huldigungen für das deutsche Opfer folgen. Das Klagelied für die, im britischen Bombenhagel zu Tode gekommenen, Kasseler Volksgenossen veredelte er ebenso zu einer sozialen Skulptur gegen Krieg und Gewalt und für die Unschuld des deutschen Volkes, wie den Opfertod des deutschen Volkskörpers im drohenden atomaren Höllenfeuer. Aktionen, die er bis heute für diskussionswürdig hält. Denn auch heute noch versuche der Ami dem Iran, die Demokratie mit Bomben nahe zu bringen, fabulierte er auf seinem Vortrag am 15. Juni 2015 in Kassel.

Nachdem nun also zunächst der verbrecherische Ami, der perfide Harris und die bösen Supermächte von ihm auf die Anklagebank gesetzt wurden, die Nazitäter zunehmend vergreist und verstorben waren und Weizsäcker die offizielle Wende deutscher Geschichtspolitik eingeläutet hatte, verlegte sich Demnig auf das künstlerische Geschäft mit der Erinnerung an die Opfer deutscher Mordpolitik. Doch, so durchsichtig die von Weizsäcker eingeleitete Wende in der Geschichtspolitik ist, so ist es deren Exekution durch Demnig und seiner lokalen Zuträger.

Zunächst tat er sich mit einer Aktion zur Deportation Kölner Sinti und Roma hervor, dann verlegte er sich in den Neunzigern auf das Stolpersteinlegen. Die Stolpersteine erinnern hauptsächlich, aber nicht nur, an vertriebene und ermordete Juden. Die Initiativen, die diese Aktion des Künstlers vor Ort unterstützen, setzten sich zu einem Teil aus den üblichen Verdächtigen zusammen, die, wenn sie nicht gerade an die toten Juden erinnern oder angesichts ein paar gesellschaftlich weitgehend isolierter Nazis, „Wehret den Anfängen!“ und „Nazis raus!“ skandieren, in Israel den Widergänger des Naziterrors und in den Palästinensern die Opfer der Nazis von heute, den Juden nämlich – oder im korrekten Sprachgebrauch den Zionisten – eben, erkennen. Seht her, wir bereuen ja, dass unsere Väter und Großväter die Juden umgebracht haben und legen dafür auch fleißig Steine um den beschädigten Ruf der Nation oder der jeweiligen Stadt aufzupolieren, aber um so mehr müssen wir es dem frechen Juden – ähm Zionisten – von heute zeigen: So aber nicht! Lernt gefälligst aus der Lektion, die unsere Väter und Großväter Euch erteilt haben!

Diese Melange aus linksdeutschem Revisionismus und als Antizionismus wiederkehrendem Antisemitismus führte dann in Kassel zur logischen Konsequenz, dem öffentlich vorgetragenen Wunsch nämlich, es mögen zukünftig auch Stolpersteine für die Judenmörder aus dem Gaza gelegt werden.

Durch nichts wird die Brücke zwischen der rechtsrevisionistischen Ideologie der Vertriebenenverbände und der linksdeutschen Exkulpation des deutschen Täterkollektivs deutlicher, als in der Liebe zu den Antisemiten, den zu ewigen Vertriebenen erklärten arabischen Bewohnern der Westbank und des Gazastreifens. So wie die Henleindeutschen und die anderen vertriebenen Volksgenossen sich als Opfer eines als ungerecht empfundenen Strafgerichts der Alliierten mit offizieller Unterstützung der Politik inszenieren, so präsentieren sich die Palästinenser mit internationaler Unterstützung als von den Juden verfolgte Unschuld aus dem heiligen Lande.

Die Henleindeutschen, die 1938 zum überwiegenden Teil maßgeblich dazu beitrugen, die letzte Demokratie östlich des Rheins zu zerstören und die dorthin geflüchteten Nazigegner und ebenso dorthin geflüchteten und seit Generationen dort lebenden Juden den Nazis und dem deutschen Volkszorn auszuliefern, sehen sich öffentlich bis heute als Opfer von Krieg und Gewalt und im stillen Kämmerlein als Opfer der Alliierten und den hinter diesen stehenden internationalen Judentum. Die Nachkommen derjenigen, die 1936 folgende-folgende vergeblich auf die Truppen des deutschen Führers warteten, um den seit Jahrtausenden in Palästina lebenden und dorthin zugewanderten Juden den Garaus zu machen, und dies mit vereinten Kräften, deutscher Militärberatung und britischem Kriegsgerät 1948 noch mal versuchen und scheiterten und dann angesichts der siegreichen Haganah ein paar Kilometer weiter flüchteten oder vertrieben wurden, sehen sich als Opfer jüdischer Rachsucht und Verschwörung und nicht als Täter, die die Juden ins Meer treiben wollten.

Die HNA hat die Nützlichkeit der Stolpersteinaktivisten erkannt. Von Anfang an sah sie großzügig darüber hinweg, dass die meisten der Initiatoren dieser Initiative dem sonst eher argwöhnisch betrachteten linken Spektrum der politischen Szenerie Kassels entstammen und registrierte, dass diese Initiative mehr für den Ruf dieser Stadt tat, als daran zu erinnern, dass in Kassel die Konstitution der Volksgemeinschaft so total war, dass Ideologen und Bürokraten der Nazis als „wahre Demokraten“ (Heinz Körner) zu den beliebtesten Nachkriegspolitikern in Kassel avancierten.

Und ewig wollen sie Steine legen

Über einen untauglichen Versuch, der Shoah zu gedenken

Ab in den Steinbruch! Steine klopfen! hieß es früher, wenn die Volksgenossen sich über einen Unangepassten echauffierten und wünschten ihm insgeheim das an den Hals, was den Häftlingen in Mauthausen widerfuhr. Heute hat man einen positiven Bezug zu Steinen, sie tragen dazu bei, den Ruf der Republik und den der Kommunen zu polieren, nach dem Motto: Seht her, wie fleißig wir gedenken!

Nächste Woche werden wieder Stolpersteine in Kassel verlegt. Seit 1992 verlegt der Künstler Gunter Demnig Stein für Stein für die Opfer des Nationalsozialismus. Man könnte der Meinung sein, prima, endlich gibt einer denen einen Namen, die die Opfer der deutschen Volksgemeinschaft waren. Demnig hat in gut 20 Jahren bisher 50.000 Stolpersteine verlegt, die meisten in Deutschland. 65 Steine wurden in Kassel verlegt, 25 weitere sollen in den nächsten Tagen dazu kommen. Von den ursprünglich 3.000 in Kassel beheimateten Juden, lebten 1941 in Kassel noch ca. 1.300 Juden. Sie konnten dem Terror der Deutschen nicht mehr entfliehen. Von ihnen überlebte kaum einer. Ob Demnig auch den restlichen 92 Prozent der ermordeten Kasseler Juden noch einen Stein widmen kann? Wohl eher nicht – es ist gar nicht seine Absicht.

Auf der Homepage des Vereins „Stolpersteine in Kassel“ wird Demnig zitiert: „Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Jeder Stein soll also an einen Ermordeten erinnern. Dieser Anspruch suggeriert, dass diese Form des Gedenkens einen individualisierenden Blick auf eines der unzähligen Opfer der Shoah ermöglicht, also müßte doch auch jedem Opfer ein Stein gewidmet sein. Der Künstler entgegnet auf den nahe liegenden Einwand, dass gar nicht für jeden Einzelnen der Gesamtheit der Opfer ein Stein gelegt werden kann, dass jeder Stein die Gesamtheit der Opfer symbolisieren würde.

Der Betrachter wird, sofern er den Stein überhaupt bemerkt und nicht auf ihn tritt, sein Auto darauf parkt, irgendwelche Gegenstände drauf abstellt usw. auf das Schicksal eines Einzelnen aufmerksam gemacht. Aber der Blick auf das Ganze, den Nationalsozialismus, den Antisemitismus und die Shoah muss dem Betrachter verborgen bleiben. Dieses Ganze erschließt sich dem Betrachter evtl. nur dann, wenn er den Ort des Todes bemerken sollte, der auf den Steinen vermerkt ist. Hierzu wäre aber das Wissen darüber erforderlich, wofür Auschwitz, Sobibor, Riga usw. oder gar Emigrationsorte in den USA stehen. Dieses Wissen kann aber nicht bei jedem vorausgesetzt werden, nicht einmal für die Aktivisten der lokalen Stolpersteininitiativen, insbesondere der in Kassel.

Selbst wenn Demnig es schaffen würde in einer Kommune wie Kassel nahezu allen Opfern einen Stein zu legen, die Steine würden (in Kassel), hier und dort im Boden eingelassen im Gegensatz zu dem zentral angelegten Gräberfelder derer, die bei einer antifaschistischen Aktion der RAF* zu Tode kamen, über das ganze Stadtgebiet verstreut zu finden sein. Den Stolperstein dann zufällig entdeckt, mag ein Passant denken, ja schlimm war’s, hier haben einmal ein paar Juden gelebt und die sind umgebracht worden. In Kassels Innenstadt wurden aber über 10.000 Kasseler vom „Luftgangster Harris umgebracht“, kaum zu übersehen, wenn man über den Friedhof in Kassel läuft.

Demnig mit seinem ersten Kunstwerk

Womit Demnig mal anfing – führt heute zum Bündnis mit Antisemiten

Der Stein steht, wie Grabsteine oder Namenszüge auf Gedenktafeln, für das Andenken an jeweils eine Person. Auf Gedenktafeln wird in summarischer Art und Weise einem massenhaften Sterben gedacht. Allen einzeln, das erreicht eine Gedenktafel dadurch, dass sowohl die Gesamtheit der jeweiligen Toten und der Einzelne durch seinen Namen sichtbar gemacht werden. Das wird klar, wenn man die vielen in den meisten Gemeinden aufgestellten Gedenktafeln für die gefallenen Soldaten sieht. Doch ein jeder, der die Namen auf diesen Tafeln liest, weiß, auch wenn er sonst nichts weiß, es waren viele aber eben nicht alle Deutschen, die für das Vaterland und den Führer ins Gras beißen mussten, denn der Krieg wurde seitens der Alliierten nicht dazu geführt, die Deutschen auszulöschen, sondern um sie zu besiegen. Meist entdeckt der Betrachter solcher Tafeln dann den einen oder anderen Namen von Familien, die nach wie vor am Ort leben. Dass es dagegen das Ziel der Deutschen war, alle Juden umzubringen und dies auch annähernd von ihnen umgesetzt wurde, das werden die Stolpersteine nie vermitteln können, da sie dem Betrachter nicht den Blick auf das Ganze eröffnen, eben nicht verdeutlichen, dass in der Regel keiner und keine derjenigen, deren Namen auf dem jeweiligen Stein zu lesen ist, übrig geblieben ist, bzw. übrig bleiben sollte.

Dem antisemitischen Terror und Vernichtungswahn der Deutschen bahnte die deutsche Wehrmacht ab 1938 den Weg. So blieb der deutsche Antisemitismus nicht auf Deutschland beschränkt, sondern wurde fast in ganz Europa umgesetzt. 6 Millionen Menschen aus ganz Europa wurden von den Deutschen nur deswegen umgebracht, weil sie Juden waren. Angesichts der Tatsache also, dass ca. 97 % der ermordeten Juden vor allem in Polen, in der Sowjetunion (heute: Weißrussland, der Ukraine, Russland, den baltischen Staaten) in Ungarn, Rumänien etc. lebten, wird schnell deutlich, dass die Form des Gedenkens, in Deutschland Steine für die von dort Deportierten und Umgebrachten zu verlegen, nie und nimmer, auch nur annähernd den Opfern des nationalsozialistischen Vernichtungswahns „gerecht“ werden oder einen Begriff der Shoah vermitteln kann.

Allein für die an zwei Tagen im September 1941 bei Babyn Jar von deutschen Einsatzkräften ermordeten Juden Kiews, müsste der Pflastersteinverleger weitere 20 Jahre lang Stolpersteine verlegen. Es ist unwahrscheinlich, dass er dies tun wird und kann. Die Form mit Stolpersteinen den Opfern der Shoah zu gedenken muss immer selektiv bleiben, sie kann aber auch nicht exemplarisch sein, also dass ein Stein oder eine Gruppe von Steinen stellvertretend für die Opfer der Shoah steht und den Betrachter dazu bringt, sich Gedanken über das deutsche Menschheitsverbrechen zu machen.

Es wird immer die Frage bleiben, warum den Opfern gedacht werden soll, für die ein Stein gelegt wird, und für die überwiegende Anzahl derer, für die kein Stein verlegt wird, aber offensichtlich nicht. Nach der Logik des Demnig und seinen Anhängern wird diese Aktion immer bedeuten, die überwiegende Anzahl der Ermordeten bleibt vergessen. Die Ansicht, ein Stein stehe stellvertretend für das Schicksal aller, löst diesen Widerspruch nicht auf, denn dann würde es reichen in jedem Ort einen Stein zu verlegen. Sobald mehrere verlegt werden taucht unvermeidbar die o.g. Frage auf.

Warum diese beflissene Art des Gedenkens? So sorgsam und penibel die Deutschen die Juden erfassten, zusammen trieben und ermordeten, so macht sich jetzt ein deutscher Künstler, sich selbst dabei in Szene setzend, daran, eine dieser Tat gegenüber untauglich bleibend müssende Gedenkform zu installieren. Der monströsen und nichts sagenden zentralen Gedenkstätte in Berlin, setzt er eine dezentrale aber vom Anspruch her nicht minder monströse Form des Gedenkens entgegen. So wie Deutschland sich brüsten kann, seht her, wir haben nicht nur das größte Menschheitsverbrechen begangen, sondern auch die größte Gedenkform geschaffen, so können sich ein Vertreter der Volksgemeinschaft und seine ihn unterstützenden Vereine damit brüsten, die eifrigste Form des Gedenkens schaffen zu wollen. Ohne Fleiß kein Preis.

Jochen Boczkowski, der Vorsitzende der lokalen Initiative in Kassel ist der Auffassung, dass die Steine „ein großes, dezentrales Denkmal gegen Intoleranz und Rassenhass“ darstellen würden. Den Nationalsozialismus als System der Intoleranz und des Rassenhasses zu interpretieren, heißt ihn nicht zu begreifen. Die NS-Ideologie stützte sich zwar auch auf den Rassenhass und Nazis waren gewiss intolerant gegenüber den politisch anders Denkenden, aber das zentrale Moment der nationalsozialistischen Ideologie sind Führerideologie, Volksgemeinschaft und untrennbar damit verknüpft der Antisemitismus und dessen konsequente Umsetzung, eben die systematische Ermordung der Juden. Doch davon wollen die Kasseler nichts wissen.

Der Staat Israel und die Überlebenden sind tagtägliches Zeugnis dafür, dass sämtliche hehren Ansprüche der Aufklärung, die der bürgerlichen und proletarischen Revolution, die Deklamierung der Emanzipation, der Gleichheit und des Rechts, der von Würde und Gerechtigkeit sich dann als leeres Gerede entpuppten, als der antisemitische Furor in der deutschen Tat zu sich selbst fand und Millionen völlig Unschuldiger in Rauch aufgingen und als Individuen ausgelöscht wurden. Die heute lebenden Nachkommen der Opfer beanspruchen, nicht verachtenswertes oder geliebtes, beschütztes oder dem Hass ausgeliefertes Objekt nationaler Kollektive zu sein, sondern als Subjekte in die Geschichte zu treten. Dies tun die heute lebenden Juden nicht als Mitbürger sondern als Bürger der demokratischen Nationen und als Menschen, die den Staat Israel gegründet haben und den sie bis heute gegen jede Anfechtungen der antisemitischen Internationale verteidigen.

Die Kasseler Protagonisten der Stolpersteininitiative tun sich nicht nur dadurch hervor, beflissentlich einen Stein neben den anderen zu setzten, sondern auch dadurch, dass sie ein Problem mit eben diesen lebenden Juden haben. Hierzu haben wir verschiedene Beiträge verfasst, auf die wir hier nur verweisen:

* Demnig gehört zur Generation der 68er. Mit seiner Familie, auch wegen des Nazivaters, aus der DDR nach Westberlin gezogen, fing er dort an zu studieren. In Berlin machte er auf sich aufmerksam, indem er eine US-Fahne mit Totenköpfen drapierte, was ihm ein Ermittlungsverfahren einhandelte. Rechtlich beraten wurde er damals von O. Schily. Zur RAF hat dann seine Wut auf die USA aber doch nicht gereicht. Als Konzeptkünstler widmete er in den Achtzigern dem 40sten Jahrestag der Bombardierung der Kasseler Volksgenossen durch eine ganz andere RAF eines seiner Projekte. Für diese RAF hatte er kein Verständnis, richtete sich ihr Bombardement doch nicht nur gegen die Rüstungsindustrie, sondern auch gegen jene, die dort arbeiteten und gegen jene, die sich als formierte Volksgemeinschaft als die Herren Europas wähnten.

(jd)

Antisemiten und Stolpersteine

Leserbriefe verdienen eigentlich keine Beachtung. Nun hat sich aber der Stolpersteinaktivist Ulrich Restat per Leserbrief in der HNA zu Wort gemeldet und beklagt sich darüber, als Antisemit beschimpft worden zu sein. Er liefert – nach seiner Rede am 15.08.2014 in Kassel – erneut einen Beweis, dass der Vorwurf zu Recht erbracht wird.

Seine Forderung: Stolpersteine auch für die Opfer im Gaza-Krieg. Abgesehen davon, dass viele der Toten im Gaza schlicht und einfach Hamas-Kämpfer sind, also Mitglieder einer islamistischen Terrororganisation, sind andere, auch unbeteiligte Zivilisten, Opfer einer kriegerischen Auseinandersetzung. Es stellt sich also die Frage, ob Restat die ermordeten Juden auch als Opfer eines von den Nazis annoncierten, Deutschland aufgezwungenen, Krieges gegen das Weltjudentum ansieht und einen anderen Teil der ermordeten Juden als Angehörige einer Terrororganisation? Oder ob er die Hamas-Kämpfer als Mitglieder einer antifaschistischen Widerstandsbewegung und die ums Leben gekommenen, z.T. unschuldigen, Zivilisten als Opfer einer geplanten Ausrottungspolitik, sprich ob er Israel als eine Reinkarnation des Nationalsozialismus sieht?

Wie auch die Antwort ausfallen möge, Restat ist, wie andere Aktivisten des Vereins Stolpersteine in Kassel auch, ein Paradebeispiel der Kongruenz vom Antizionismus mit dem Antisemitismus.

Am 4. September findet die nächste Stolpersteinaktion statt. Wann der Verein in den Gaza reist, um dort die nächsten Stolpersteine zu legen, ist noch nicht bekannt. Aber vielleicht beginnt er ja erst mal mit der Stolpersteinverlegung für die „Opfer“ des Krieges des „Weltjudentums gegen Deutschland“ in Kassel, da könnten in Kassel weitere mehrere Tausend Steine verlegt werden und Gunter Demig noch einen guten Schnitt machen. (jd)

Nochmals der Verweis auf unseren grundlegenderen Text: Spur der Steine

Restat im Original

restat

Mitglieder des Kasseler Vereins Stolpersteine in Kassel tummeln sich in vorderster Front bei antisemitischer Kundgebung.

In Kassel gibt es den Verein Stolpersteine in Kassel. Bei der letzten Kundgebung gegen Israel in Kassel, am 15.08.2014, sprach unter anderem ein Mitinitiator dieser Initiative und Mitglied der Partei „Die Linke“, Ulrich Restat. Dieser verwendete das Diktum Paul Celans „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ gegen Israel indem er sagte: „Der Tod ist heute ein Meister aus Israel.“ Diese Art der Gleichsetzung Israels mit dem NS-Regime, sowie den Terror und Hass der Palästinenser rechtfertigte er ausdrücklich. Die HNA berichtete diesesmal deutlich und ohne Relativierungsversuche.

Auch auf der Demo zugegen war Jochen Boczkowski, der führend im Verein Stolpersteine in Kassel tätig ist. Man sieht ihn auf der Fotostrecke der HNA auf dem Bild Nr. 3. Die Stadt Kassel unterstützt diesen Verein ausdrücklich, wie auf dem Portal der Stadt zu lesen ist.

Auch mit dabei war bei der Kundgebung die Kasseler Gang SA-Voran, wie auf den Bildern Nr. 10 und Nr. 11 der Fotostrecke zu sehen ist. Diese Gang wird nicht von der Stadt unterstützt, ist aber Teil des lokalpolitischen Bündnisses „Kasseler Linke“, die in der Stadtverordnetenversammlung vertreten ist. Der Stadtverordnete dieser Fraktion, Simon Aulepp, gehört der SA-Voran an.

Der Verein Stolpersteine in Kassel will am 4. September den nächsten Stolperstein verlegen.

Schon etwas älter, aber durchaus aktuell ist daher die ausführliche Auseinandersetzung mit dieser Truppe: Die Spur der Steine. (jd)

Gefährlich wie offener Hass – zur dritten Kundgebung gegen Israel

Am heutigen Freitag findet in Kassel nun schon die dritte antiisraelische Demonstration in diesem Sommer statt. Konnte man den Organisatoren der beiden ersten Demos mit viel gutem Willen noch zu Gute halten, dass sie wirklich aus ihrer Sicht nur die Interessen der Palästinenser vertreten wollten* und auf der Straße dann von den Antisemiten und gewaltbereiten Antizionisten überstimmt wurden, so ist die Bewegung nun endgültig auf den Hund des linken Antisemitismus gekommen.

Dieser Antisemitismus ist ein sekundärer. Er äußert sich nicht mehr durch Rufe wie „Jude, Jude feiges Schwein“. Die Protagonisten sagen eher, dass „die Palästinenser mit ihrem Terrorismus gegen die Israelis ein moralisches Recht ausgeübt haben“. Oder „No Jew or Jewess can be rationally concerned about anti-semitism and not howl against the vileness of neo-Zionism in Gaza“. Die Zitate stammen von Ted Honderich, dessen Verleger Abraham Melzer auf der heutigen Kundgebung sprechen wird.

Verkauft wird der Öffentlichkeit dies heute als Kundgebung „Gegen Zionismus und Antisemitismus“ und das bringt die Ideologie dieses ganzen Milieus auf den Punkt. Härteste Ressentiments gegen Israel werden da noch mit größtem moralischen Pathos als ausgewogene Position angepriesen, wie es Kai Boeddinghaus laufend auf der Facebookseite des BgA macht. Man erzählt sich – wie jüngst Brigitte Domes von der Deutsch-Palästinensischen-Gesellschaft bei Radio HNA – mit bebender Stimme von den „wilden“, „testosterongeschwängerten“ Männern auf der Gaza-Demo und lässt andere die antisemitische Drecksarbeit machen.

Hinter der vermeintlich moderateren Stoßrichtung der Demonstration heute steckt vor allem diese eine Botschaft: Von Antisemitismus distanzieren wir uns nur, wenn gleichzeitig Israel verurteilt wird. (tk)

 

* Gegen diese Lesart spricht freilich, dass – wie dokumentiert – auf Facebook bereits vor der Demo Nazivergleiche von den Veranstaltern nicht gelöscht wurden.

Redebeitrag: Ulrich Restat

Redebeitrag: Abraham Melzer