Wernicke oder die Connection eines Bildungsreferenten

Die GEW und die Abgründe ihrer Bildungsarbeit

„Das ist die Gleichschaltung der Medien, vollzogen ganz ohne Goebbels. Jetzt geht es dem Internet an den Kragen, wo sich bisher noch Kritik rühren durfte. Was Zuckerberg bei Facebook nie schaffte, nimmt jetzt die IM-Truppe von Kahane in Angriff!! Was jetzt „Anonymous“ passiert ist, kann morgen COMPACT, schallundrauch, jungefreiheit, ja selbst die Nachdenkseiten und Telepolis treffen. Leute, merkt Ihr, was passiert? Es geht nicht um „anonymous“, es geht um die letzten Reste unserer Freiheit!“ So dröhnte uns Else am 6. Februar 2016 auf seinem Blog – andere Berufene stimmen mittlerweile in diesen Chor ein und verlieren dabei jeden Anstand und Distinktionsvermögen. (Doch nun zu etwas ganz anderem!)

Um die „Nachdenkseiten“ machte sie sich also Sorgen, die Else. Allerdings wohl etwas verfrüht, denn statt des Verbotes erwartet die „Nachdenkseiten“ die endgültige Integration in den linksdeutschen, sich progressiv wähnenden Mainstream engagierten Meinens. Verlinkt werden sie jetzt nicht etwa nur vom Twilight-Sparkle Fanclub des örtlichen Männerrechtsvereins, sondern von einer Institution, die lange Jahre zu Kassel gehörte wie das Weckewerk auf dem heimatlichen Teller und weswegen die örtlichen Honoratioren bis hin zum Oberbürgermeister in beiden Fällen über die fragwürdige Konsistenz und gelegentlich bräunliche Färbung dieser beiden nordhessischen Spezialitäten gerne hinweg sahen.

Weckewerk

Nicht nur der Friedensratschlag ist eine Spezialität aus Nordhessen

Die Rede ist natürlich vom Friedensratschlag. Der ist zwar seit dem Tode des großen Vorsitzenden Peter Strutynski ein wenig in Vergessenheit geraten, aber wie schon H.P. Lovecraft wusste: Nicht alles was vergessen ist, ist deswegen auch schon tot. Ja es gibt ihn noch den Friedensratschlag, auch im Internet oder wie die Volksgenossen bei „Anonymous“ wohl sagen würden, er ist im Weltnetz präsent und verlinkt dort unter der Rubrik „Medienkritik“ „Telepolis“ und die „Nachdenkseiten“. Man fühlt sich diesen Truppen offensichtlich verbunden.

An und für sich wäre der Inhalt der dort zu lesenden Elaborate kaum der Rede wert: Dort beschwert sich z.B. ein Uli Gellermann, bekannt von RT Deutsch, über „Frankreichs Terror gegen Syrien“ – was bilden sich diese Froschfresser denn auch ein, ab und zu eine Bombe auf den IS zu werfen, anstelle einfach das ganze Land per Flächenbombardement in Schutt und Asche zu legen, wie es die Friedensfreunde Putin und Assad tun – und ein gewisser Jens Wernicke darf sein, bereits bei Ken FM veröffentlichtes Interview mit einem Professor Rainer Mausfeld noch einmal zum Besten geben. Dort erklärt der Gelehrte, dass Rechts und Links seit der französischen Revolution quasi naturgegebene, manichäische Gegensätze sind und es deshalb keine Querfront geben kann, wer das Gegenteil behauptet, ist somit also Teil einer Verschwörung, welche kritische Stimmen unterdrücken will.

Wernicke_Wikimannia

Bei Wikimannia ein Begriff: Bildungsreferent der GEW und Fachmann für Denkanstöße (Screenshot, August 2016)

Jens wer? Während Ken FM, Uli Gellermann und unsere Else normalerweise in einer Hochglanzpostille der rechtspopulistischen Schmuddelecke, auf unzähligen Internetseiten, -foren und in den diversen Gruppen und Grüppchen auf Facebook pöbeln, den ewigen Weltfrieden erwarten und den ewigen Juden verwünschen, die geneigten Volksgenossen vor allerlei obscuren Gefahren warnen und vor sich hin schmollen, ist eben dieser Jens Wernicke kein AfD-Hinterbänkler, Reichsbürger, Echsenmenschenbuster oder Tattoostudiobesitzer aus Rheuma an der Saale, sondern seines Zeichens bildungspolitischer Referent der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW). Möglicherweise ist er vor kurzem dort gefeuert worden, was die Sache auch nicht besser macht.

Bildungspolitik der GEW, da war doch mal was. Na klar – Mit zum Bildungsprogramm der künftigen und im Dienste stehenden Bildungsarbeiter und -arbeiterinnen gehört seit Jahr und Tag eine „Studienreise“ nach Israel/Palästina, geführt vom Israelfresser Fuad Hamdan. Der Apfel fällt also nicht weit vom Stamm.

bildungsreise

Darf auch 2016 nicht fehlen. Seminarangebot der GEW Nr. W1018: Die Studienreise nach Palästina.

Wernicke also schwafelt nicht nur bei so Wahnwichteln wie Ken FM über Sachen, die es nicht geben darf, sondern gibt Interviews für eben diese Gewerkschaft und ist Mitherausgeber von Werken des Bundes Demokratischer Wissenschaftler. Mit anderen Worten, Wernicke ist Mitarbeiter von Institutionen, die sich offiziell seit Jahrzehnten einem „Antifaschismus“ und dem „kritischen Blick“ auf Israel verschrieben haben. Bei Sabine „Kinnlade“ Schiffers Institut für Medienverantwortung, in dem Wernicke auch Mitglied ist, weiß der halbwegs aufgeklärte Konsument immerhin, was ihn erwartet – bei der GEW und dem Bund Demokratischer Wissenschaftler hingegen rechnet man gewiss mit Altherren-Antiimperialismus, Antiamerikanismus und Antizionismus, aber doch nicht mit Sympathien für Dugins Fieberfantasien über ein wieder zu errichtendes byzantinisches Reich, oder gar für Wikimannia, die laut Eigenbeschreibung „Wissens-Datenbank über Benachteiligungen von Jungen und Männern, sowie Bevorzugungen von Maiden und Frauen.“

Einem Wahn gibst du statt // das Leben ohne Einsicht, das sie beschmutzte // verdunkelt sie jetzt für jede Sicht.

(jh / jd)

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Antisemitismus, die unerwünschte Meinung der Schmuddelpolitiker

Offener Judenhass, unverklausulierte Projektionen auf den Zentralrat der Juden als das, das deutsche Volk eigentlich beherrschende Organ, die Leugnung oder Verharmlosung des Holocaust, skurrile Verschwörungstheorien, der offen terroristische Jihad, all das sind Formen des Antisemitismus, die in Deutschland gesellschaftlich nicht erwünscht sind, ggf. sanktioniert werden oder auf einhellige Ablehnung stoßen. Das ist gut so, das ist eine zu begrüßende Konsequenz aus einem Gott sei dank verlorenen Krieg. Einem Krieg in dem sich die deutsche Volksgemeinschaft anschickte, die Welt in den Abgrund zu stürzen und die Juden in Europa auszurotten. Der teuer erkaufte Sieg der Alliierten sorgt bis heute für eine gewisse zivilisatorisch wirkende Disziplinierung der postnazistischen Gesellschaft. Diese hält den Deckel über einen braunen Urgrund, in dem das Unterbewusstsein der deutschen Volksseele fortwest und gelegentlich in Rülpsern alternder Dichter, unterbelichteter Provinzpolitiker, ehemaliger Maoisten und anderer unbotmäßiger Zeitgenossen zum Ausdruck kommt.

AfD beschädigt

Die Sorgen der HNA am 27.07.16: Eine beschädigte Partei

Zuletzt der bramarbasierende AfD-Politiker Gottfried Klasen aus dem Kasseler Landkreis. Dieser offenbar an geminderter Intelligenz leidende Lokalpolitiker posaunte offen seine antijüdischen Ressentiments und Meinungen in das soziale Netzwerk hinaus. Nordhessische Journalisten griffen dies auf und brachten diese Bemerkungen an die breite Öffentlichkeit. (FR, 22.07.2016: Hessischer AfD-Politiker hetzt gegen Juden) Von FDP, CDU, SPD über die Grünen bis hin zu den Linken (ausgerechnet diese!), alle distanzierten sich von dieser, wie es die HNA so vortrefflich formuliert, „Judenhetze“.

Ähnlich erging es dem Admin der DITIB in Melsungen. Als seine Lehren aus dem Koran ins Deutsche übersetzt wurden und nicht nur die Gemeinde türkischer Muslime verstand, was da zu lesen war, war er nur noch ein Einzeltäter, der Thesen über die Juden ins Netz stellte, von dem sich dann fleißig distanziert wurde.

Antisemitismus unerwünscht! Prima! Roland Freisler und der zwei Tage früher begangene Judenpogrom stehen offensichtlich nicht mehr für das Kassel von heute. Ist nun alles gut?

Nicht immer steht die Einheitsfront der Empörten, deren Empörung mehr über diese selbst aussagt als über die Bedeutung dessen, worüber sie sich empören. Zumindest die HNA und die CDU empörten sich noch über die wiederholten Umtriebe der ebenfalls von keinem gemochten Salafisten in Kassel. Aber hier stießen sie schon auf das Mauern derjenigen, die im Islam lieber einen Partner des Dialoges, als eine zu bekämpfende Ideologie sehen. (Salafisten – Eine Anfrage – Keine Antworten)

Was ist aber mit den Freunden des Irans in der Kasseler Industrie- und Handwerkskammer? Freunde guter Wirtschaftsbeziehungen zu einem Land, dass Israel mit der Vernichtung droht und natürlich auch mit dem aus dem Handel erwirtschafteten Gewinn, nahezu ungehindert von der deutschen Politik, sein dafür notwendiges Atomprogramm fortsetzt.

Was ist mit den Freunden des interreligiösen Dialogs in Kassel? Unter der Schirmherrschaft des Kasseler Oberbürgermeisters trifft sich der Rat der Religionen, mit am Tisch sitzen die DITIB (die Claquere der antisemitischen und islamistischen AKP) und die Milli Görüs (IGMG). Die Milli Görüs, die 2009 eine antiisraelische Hassdemo tatkräftig unterstützte, bei der es zu antisemitischen Ausschreitungen kam.

rat der religionen

Im Rat der Religionen gibt es u.a. sunnitische Gemeinden und Verbände aus Kassel als Mitglieder. Schaut man näher hin, so finden sich dort nicht nur die DITIB gleich in dreifacher Ausfertigung, sondern auch die schamvoll abgekürzte IGMG.

Was ist mit der GEW, einer Einzelgewerkschaft des DGB, eine Interessenvertretungsorganisation von Lehrern (!), die jedes Jahr eine von einem Israelhasser geführte „Bildungsreise“ für Lehrer durchführt? (Israelhass – Ein Bildungsangebot der GEW)

Was ist mit dem DGB, der es nicht fertig bringt, klar und deutlich Stellung gegen Aufrufe zu beziehen, die zum 1. Mai zur Vernichtung Israels aufrufen und sich nicht dazu durchringt, diese Figuren von seinen Demonstrationen und Festen zu verbannen? (Der DGB ist übrigens einer der Unterstützer der Informationsstelle Antisemitismus in Kassel, die fleißig Hakenkreuze in Kassel aufspürt.)

Was ist mit dem auf dem Portal der Stadt Kassel gepriesenen Stolperstein in Kassel e.V., der zwar alles für den Ruf der Stadt tut, indem er der toten Juden gedenkt, dessen Vorsitzender aber gegen Israel demonstriert hat und der bis heute keine Stellung zur antisemitischen Rede eines seiner Mitglieder genommen hat? (Verschiedene Beiträge zu diesem Thema finden sich hier: Stolpersteine)

Was ist von einer Universität zu halten, die zwar eine Franz-Rosenweig-Professur unterhält, die „zur Vergegenwärtigung der durch den Nationalsozialismus zerstörten Kultur des europäischen Judentums und der Auseinandersetzung mit der jüdischen Gegenwart“ dienen soll, aber einen standhaften Antizionisten als Gastprofessor einlädt?

Was ist mit dem Bündnis gegen Rechts, dass bei jedem popeligen Naziaufmarsch versucht, die Stadt dazu zu mobilisieren, Gesicht zu zeigen, wachsam und bunt zu sein, das jedoch Hardcore-Antizionisten und Stalinisten in den eigenen Reihen duldet, beim Aufmarsch der Antisemiten im Jahre 2014 nicht gesehen ward und zum Salafismus eisern schweigt?

Was ist mit einer Partei wie die SPD, die z.B. mit Dr. Rabani Alekuzei immer noch Leute als Vertreter der Partei in die Parlamente entsendet, die zum jährlichen Ostermarsch aufrufen, dort gelegentlich auch reden, um Israel als den Gefährder des Weltfriedens anzuprangern und den Jihad als eine Widerstandsform unterdrückter Völker zu erklären?

Was ist von einer CDU zu halten, die aus Gründen der Opportunität einen Ortsvorsteher wählt, der einer ultrastalinistischen Partei angehört, die auch ganz offen gegen Israel agitiert?

Was ist – trotz einiger hinsichtlich Israelberichterstattung erfreulicher Lichtblicke – von einer Lokalzeitung zu halten, die Meldungen über terroristische Attentate in Israel in der Regel mit „Palästinenser getötet“ überschreibt?

Was ist von einer Stadt zu halten die auf ihrem Portal über das sogenannte Ehrenmal für die Opfer des Faschismus verkündet, dass auch Soldaten und Bombenopfer Opfer des Faschismus seien, „Vernichtete“ sind? Wo behauptet wird, dass denen zu vergeben sei, „die sich von dem ‚Glanz‘ der Nationalsozialisten haben leiten lassen“ und wo mit der faustdicken Lüge aufgewartet wird, viele hätten „erst ‚Erkenntnis‘ erlangt, nachdem der Zweite Weltkrieg beendet war und ihnen die Wahrheit deutlich vor Augen geführt wurde.“

Was ist von einer alternativen Szene zu halten, die jedes Jahr einen Blut-und-Boden-Tag in der Stadt veranstaltet, an dem von Initiativen gegen Handystrahlung bis hin zur Verkäufer*in von Selbstgestricktem alles vertreten ist, was den Verstand an der Biegung des Fulda begraben hat. An der Fulda, an der mit dem Segen der Stadt jeden Sommer der Atombombentag gefeiert wird, um an die Schrecknisse des 2. Weltkrieges zu erinnern – die vom bösen Ami begangen wurden?

Ja all das, Kumpanei mit den schlimmsten Antisemiten, sogenannte Israelkritik, Geschichtsrevisionismus usw. (die schon viel zu lang geratene Reihe ließe sich noch weiter fortsetzten) wird von der sogenannten Meinungsfreiheit gedeckt, das scheint auch so gut zu sein! Genauso gut wie der Umstand es zu sein scheint, dass dem offen antisemitischen Wahn im Sinne des Streites der Meinungen entgegengetreten wird, warum eigentlich? Um – wie es die DIG-Kassel sagt, sich darum zu sorgen, dass der Ruf des Parlaments nicht beschädigt wird, oder sich dem aussichtslosen Unterfangen zu widmen, den Antisemiten davon zu überzeugen, dass er eine unvollständige Meinung hat oder eine falsche Meinung vertritt?

Oder nicht vielleicht doch deswegen, um sich der richtigen Gesinnung zu vergewissern, weil man eine böse Ahnung davon hat, dass es nicht so weit her ist, mit der eigenen guten Gesinnung oder mit einer klaren Haltung der sog. Zivilgesellschaft in Sachen Antisemitismus? Man wird den Eindruck nicht los, dass desto lauter die aufrechten Mahner und Erinnerer, die Freunde des Dialoges und der Versöhnung, die Friedensfreunde und „Freunde“ Israels, die Engagierten und Vertreter der richtigen Gesinnung, die Streiter für den guten Ruf der Stadt über die schmuddeligen Volksgenossen sich erregen, je tiefer sie in den Abgrund ihres eigenen Meinens blicken oder in den, der sich angesichts der Zivilgesellschaft so auftut, wenn sie mal wieder sich gewahr wird, dass es ein Volk ist und nicht das Individuum und die Grundlagen der Zivilisation, die es zu verteidigen gilt.

Die AfD ist keine harmlose Partei, sie zieht Quartalsirre an wie das Licht die Motten. In Polen und in Ungarn bekommt man einen Anschauungsunterricht, was es heißt, wenn solche Kräfte an der Macht beteiligt werden. Die viel gelobte Zivilgesellschaft ist jedoch keine Gewähr dafür, dass wir vor solchen Prozessen verschont bleiben – die Zivilgesellschaft bildet nur das Hintergrundrauschen, solcher Rülpser, die jetzt zu vernehmen waren. (jd)