„Jud-Süß“ eine Variation aus Kassel

Im einst sehr populären Nazifilm „Jud Süß“ geht es um die Geschichte eines als gierig, geil und intrigant dargestellten Juden Joseph Süßkind Oppenheimer, genannt „Jud Süß“, der den Herzog zu einer Finanzpolitik überredet, unter der das Volk leidet. Der Fürst finanziert sich einen auf Pump gebauten luxuriösen Hofstaat, Süß lebt vortrefflich von den Zinsen. Nachdem er eine arische Frau vergewaltigt hat, entfacht der Volkszorn. Das wütende Volk setzt einen Prozess gegen Süß durch. Wegen Wucher, Erpressung, Hochverrat und Unzucht wird Süß angeklagt und zum Tode verurteilt.

Nicht so populär wie das Machwerk des Veit Harlan im deutschen Volke ist die Rathausfraktion die „Kasseler Linke“ in Kassel. Hierbei handelt es sich um eine Fraktion aus Mitgliedern der Partei „Die Linke“, der SAV, unabhängiger Vertreter sowie einiger Parteigänger linksradikaler Kleinstparteien. Ihr aller Hauptanliegen ist die soziale Gerechtigkeit und Arbeit und bei einigen der Aufstand. Über diese Fraktion berichtet regelmäßig das fraktionseigene Mitteilungsblatt „linKSzeitung“.

Das Fest des Volkes

Ein Fest des Volkes

Einer der kommunalpolitischen Dauerbrenner in Kassel ist ein altes Fabrikgebäude, die Salzmann-Fabrik, das sich einst ein Investor mit der Absicht gekauft hatte, es mit hohem Gewinn wieder zu veräußern. Aus den unterschiedlichsten Gründen ist daraus bis heute nichts geworden. Das Mitteilungsblatt der Fraktion hat immer wieder ausführlich darüber berichtet.

Und weil wir in der Stadt wohnen, die auch gerne eine Brüder-Grimm-Stadt wäre, wird nun ein Märchen „Vom kleinen König“ (linKSzeitung, Ausgabe 22, S. 2) zum Besten gegeben, das versucht, die ganze Geschichte um die Salzmannfabrik fürs einfache Volk zu verpacken. Es geht um einen gierigen Spekulanten und einen einfältigen aber selbstverliebten König. Der Spekulant, der hier der Müller genannt wird, versuchte mit verschiedenen Plänen, die der König für ihn umsetzen soll aber nicht versteht, seine Investition in die o.g. Immobilie zu Lasten des einfachen Volkes zu versilbern. Derweil wird das arme Künstlervolk aus dem Gebäude vertrieben um die Geschäftsmöglichkeiten zu optimieren. Die Lösung des Märchens, ein großes Fest mit dem König und die Vertreibung des gierigen Spekulanten.

Der Autor, Stadtverordneter der o.g. Fraktion in Kassel, dichtet dem Müller keine krumme Nase an und fordert nicht das Pogrom. Er wird den Vorwurf, antisemitische Propaganda zu betreiben, weit von sich weisen. An einer Stelle rutscht ihm dann doch die „falsche Metapher“ (Volkov) raus: „Der Müller aber, wenn er nicht gestorben ist, spekuliert immer noch auf den Reibach.“ Wenn das, von den Linken umworbene Volk auch sonst nichts weiß, so weiß es doch, dass es der Jude ist, der den Reibach macht. Und daher mündet der sich bildende Volkszorn folgerichtig in ein Fest und eine Vertreibung.

Aus dieser Glosse spricht es, wie es in der „Kasseler Linke“ denkt. Der Hass auf das Abstrakte kapitalistischer Produktionsverhältnisse (die Investition um des Gewinns wegen, das Kapital heckende Kapital), die Personifizierung des Abstrakten im gierigen Müller, die Liebe zum Konkreten (das alte Fabrikgebäude, das Künstlervolk, der König – na ja, der wird nicht so richtig geliebt), sowie die konformistische Rebellion (hier das Fest und die Vertreibung), die Volksgemeinschaft ist formiert. Fertig sind die deutsche Ideologie, die das ideologische Hintergrundrauschen des Antisemitismus ist und das Bild von der deutschen Revolution, die Vernichtung des Abstrakten in personam, es ist die Vollendung des Antisemitismus.

Nachbemerkungen

Der oder die, der/die jetzt auf die Idee kommt, hier würde die These vertreten, die Kasseler Linke hefte dem tatsächlich existierenden Immobilienhändler einen Judenstern an, der Immobilienhändler sei also der Jude von heute, bleibt dem hier kritisierten Weltbild verhaftet. Diese Interpretation nämlich wäre die konkretistische Verballhornung des Vorwurfs an die Linke, sie personifiziere und hypostasiere die der kapitalistischen Gesellschaft immanente Abstraktion der Entäußerung im Verwertungsprozess des Kapitals.

Wird hier eine Gleichsetzung von Linken mit Rechtsextremisten betrieben? Nein! Die Linken reklamieren für sich die Kritik an der Spekulation, egal ob der Spekulant Jude ist oder nicht, vom Volk wird Spekulation im Zweifel aber als das Jüdische assoziiert. Die Rechtsextremen hingegen meinen den Juden, wenn sie gegen den Spekulanten wettern, den Arier lässt man walten. Die Linken geben der deutschen Ideologie einen honorigen Touch indem sie von sozialer Gerechtigkeit und Arbeit schwafeln, die Rechtsextremisten schmieden das Bündnis von Blut und Kapital und werden die Ernte einfahren.

Für die Einfältigeren: Man tausche in dem Text einfach den Namen Müller mit „Jud Süß“ aus. Es gehört nur dieser kleine Schritt dazu, das Märchen auch für eine Zeitung der NPD kompatibel zu machen. (jd)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s